Aggression und Gewalt - Ein Überblick


Seminararbeit, 2009
11 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Definitionen
1.1. Aggression
1.2. Gewalt
1.2.1. Tätermerkmale bei gewalttätigem antisozialem Verhalten nach Olweus:
1.2.2. Opfermerkmale nach Olweus u.a

2. Formen der Aggression
2.1. Offen gezeigte vs. verdeckt hinterhältige Aggression
2.2. körperliche vs. verbale Aggression
2.3. direkte vs. indirekte Aggression
2.4. nach außen gewandte vs. nach innen gewandte Aggression

3. Formen der Gewalt
3.1. nach May
3.2. nach Bründel und Hurrelmann
3.3. strukturelle Gewalt
3.4. institutionelle Gewalt

4. Ursachen
4.1. Umwelt
4.2. Gene

5. Aggressionstheorien
5.1. Trieb-Instinkt-Theorie
5.2. Frustrations-Aggressions-Hypothese
5.3. Stresstheorie
5.4. soziale Lerntheorie und Aggressionslernen bei Kindern

6. Determinanden der Aggression nach Green

7. Prävention von Aggression und Gewalt in der Schule

8. Literaturverzeichnis

1. Definitionen

Bevor näher auf das Thema Aggression und Gewalt eingegangen wird, sollen die beiden Begriffe definiert und voneinander abgegrenzt werden.

1.1. Aggression

Laut Battegay muss man zwischen Agression, was soviel wie Angriffsverhalten und Angriffshandlung bedeutet und der Aggressivität, worunter man die Angriffsbereitschaft oder das Angriffsbedürfnis versteht, unterscheiden. Bei vielen anderen Autoren werden diese beiden Begriffe als Synonym verwendet.

Beide leiten sich aus dem lateinischen aggredior ab, was angreifen, heranschreiten, etwas angehen, etwas anpacken und ähnliches bedeutet.[1]

Es gibt verschiedene Theorien über Aggression, diese lassen sich in zwei Hauptzweige einteilen, nämlich jene, die die Aggression als Verhalten und jene, die sie als Bedürfnis ansehen.

[…] es ist damit jenes Verhalten gemeint, das im Wesentlichen das Gegenteil von Passivität und Zurückhaltung darstellt. Die Definition von Preuschhoff besagt weiters, dass Aggression Verhaltensweisen wie den direkten und persönlichen Ausdruck von Ärger und Ablehnung, Wutausbrüche, Willensäußerungen, offene Konfrontationen, aktive Annäherung an Situationen und Menschen anstelle von passivem Abwarten, Konflikte aussprechen und ausforschen, offene Machtkämpfe und die Fähigkeit „Nein“ zu sagen. Weiters gehören körperliche Äußerungen wie Schreien, Kreischen und Schlagen dazu. Man kommt also zu dem Schluss, dass jeder Mensch Aggressionen in sich hat. Oft werden diese aber unterdrückt.[2]

Dollard bezeichnet Aggression als eine Verhaltenssequenz, deren Zielreaktion die Verletzung einer Person ist, gegen die sie gerichtet ist. Webik und Munzert fügen hier noch die Absicht hinzu, da viele Autoren nur von Aggression sprechen, wenn die handelnde Person die aggressive Handlung mit Absicht ausführt.[3]

Aggression wird weiters als häufigste Form der Spannungsentladung angesehen, welche für die Erzieher zwar am unangenehmsten ist, laut Kinderpsychologen aber die natürlichste und gesündeste Form.[4]

1.2. Gewalt

Wenn Menschen zielgerichtet physisch oder psychisch geschädigt werden, handelt es sich um Gewalt, welche ein Produkt der Aggression darstellt und immer an Macht geknüpft ist, denn diese ermöglicht dauerhafte zielgerichtete Aggressionen wie Schlägereien mit Körperverletzung, Kindesmisshandlung, Raub, Sachbeschädigung, sexuelle Belästigung, Entführung, Tötung, Totschlag und Mord.

Gewalt tritt normalerweise erst nach dem Grundschulalter und zwar nicht nur in der Schule, sondern auch in der Familie, auf der Straße und öffentlichen Plätzen gehäuft auf. Bevor Kinder selbst gewalttätig werden, sind sie meist einmal selbst Opfer von Gewalt geworden.[5]

1.2.1. Tätermerkmale bei gewalttätigem antisozialem Verhalten nach Olweus:

- sie sind durchschnittlich intelligent,
- sie haben insgesamt kaum schlechtere Schulergebnisse als der Durchschnitt,
- sie sind nicht isoliert, sondern haben zwei bis drei Freunde,
- sie verfügen über ein langfristiges Training aggressiver Selbstbehauptung bedingt durch ihre familiale Sozialisation,
- ein hoher Anteil der Jungen erfuhr Ablehnung durch die Mutter, sie sind kräftiger als der Durchschnitt,
- sie sind ihren Opfern körperlich überlegen,
- ihre Tat ist nicht stressmotiviert,
- sie selbst haben keine Erfahrung als Mobbingopfer gemacht,
- ihrer Tat geht keine unmittelbare Frustration voran,
- viele haben Freude daran, ihre Opfer zu quälen

1.2.2. Opfermerkmale nach Olweus u.a.

- sie sind körperlich schwächer als die Altersgenossen
- sie verfügen über schlechte Körperbeherrschung
- sie sind vorsichtig, empfindsam, still, passiv, brechen leicht in Tränen aus
- sie haben ein negatives Selbstwertgefühl
- sie haben Mühe, sich in einer Gruppe von Gleichaltrigen durchzusetzen
- sie sind oft alleine und von der Gruppe ausgeschlossen
- sie haben ein gerindes Zugehörigkeitsgefühl zur Schule
- sie suchen weniger persönlichen Kontakt zum Lehrer, halten sich aber in Pausen in der Nähe von Lehrern und Erwachsenen auf[6]

Schüler, die nur wenige dieser Merkmale aufweisen, fallen meist weder als Täter noch als Opfer auf.

2. Formen der Aggression

nach Petermann und Petermann

2.1. Offen gezeigte vs. verdeckt hinterhältige Aggression

Die offen gezeigte Aggression ist für jedermann erkennbar während die verdeckt hinterhältige Aggression nicht erkannt wird und den Gegner in einer ungünstigen Situation treffen, wie z.B. der Angriff aus dem Hinterhalt

2.2. körperliche vs. verbale Aggression

Unter dem Attackieren von Objekten oder Personen versteht man die körperliche Aggression. Die verbale besteht aus einem symbolischen Angriff wie schimpfen oder ärgern.

2.3. direkte vs. indirekte Aggression

Die direkte Aggression wendet sich unmittelbar mittels Boxen, Schimpfen usw. gegen eine Person. Die indirekte Aggression hingegen schädigt die Person, indem man sein Eigentum beschädigt, stiehlt,…

2.4. nach außen gewandte vs. nach innen gewandte Aggression

Nach außen gewandte Aggressionen wenden sich gegen Personen oder Dinge, während die nach innen gewandte oder auch die Autoaggression sich gegen die eigene Person richtet, hierzu zählen Nägelbeißen oder selbst an den Haaren ziehen.

3. Formen der Gewalt

Um zu veranschaulichen, welche unterschiedlichen Zugänge es zum Thema und den Formen der Gewalt gibt, sind hier zwei verschiedene angeführt.

3.1. nach May

May versteht unter einfache Gewalt den freien Gebrauch von Muskeln und Energieentladung. Die Berechnende Gewalt ist nach May die bewusste Ausführung von Gewalthandlungen. Als dritte Form führt er die Geschürte Gewalt an, welche die von der Masse empfundene Machtlosigkeit und Frustration für die Zwecke des Aufwieglers stimuliert. Weiters nennt er die Mitwirkende Gewalt, womit er alle Menschen meint, die in einer Gewalt ausübunden Gesellschaft leben, dabei ist es gleich, ob jenen dies bewusst ist oder nicht. Beispielsweise finanzieren Steuerzahler Kriege, können aber nichts dagegen tun. Als nächsten Punkt führt May die Gewalt von oben an, womit er das Zuschlagen der sich an der Macht befindlichen Gruppe gegen andere Gruppen von denen sie sich bedroht fühlt.

3.2. nach Bründel und Hurrelmann

Bründel und Hurrelmann teilen die Gewalt in Physische, Psychische, Verbale, Sexuelle, Frauenfeindliche sowie Fremdenfeindliche und Rassistische Gewalt.

3.3. strukturelle Gewalt

Neben der Gewalt, die von Personen ausgeübt wird, gibt es weiters die sogenannte strukturelle Gewalt. Dieser Begriff wurde von dem Norweger Johan Galtung, der damit gesellschaftlich grundlegende Ordnungssysteme und ökonomische Prinzipien meint, die materielle, soziale und ideelle menschliche Entwicklungen und Lebenszukunft verhindern. Strukturelle Gewalt wird durch Maßnahmen und Gesetze legal ausgeführt. Hierzu können beispielsweise zu hohe Leistungsanforderungen, Sparmaßnahmen (z.B. Stundenkürzungen) und Anhebungen der Schülerzahlen, usw. gehören. Paradoxerweise wird während viele aggressionshemmende Einrichtungen durch Sparmaßnahmen bedroht werden, über ansteigende Gewalt geklagt.[7]

3.4. institutionelle Gewalt

Auch die Erziehung in der gesellschaftlichen Institution Schule impliziert ein gewisses Gewaltverhältnis von Menschen über Menschen, denn die Schule kann ihre Hauptaufgabe der sozialen Erziehung und der Wissensvermittlung nur über Disziplinierungsmaßnahmen wahrnehmen. Die strukturelle Gewalt, wie die Kürzung finanzieller Mittel, wirkt sich direkt auf die Schule bzw. die institutionelle Gewalt aus und belastet dort durch überforderte Lehrer die am kürzeren Ast sitzenden Schüler.[8]

4. Ursachen

Lange Zeit stellte man sich die Frage, ob Aggressionen erworben oder ererbt werden. Man kam zu der Erkenntnis, dass beides zutreffe. Die Ausführung einer aggressiven Handlung ist neben der angeborenen Aggressionsbereitschaft von der aktuellen Umwelt bzw. Situation und dem Sozialisationsprozess in Kindheit und Jugend abhängig.[9]

4.1. Umwelt

Aggression wird durch Frustration, also die Einschränkung von Bedürfnissen und Zielen, gefördert. Dabei werden die Aggressionen sehr oft nicht an demjenigen, der die Bedürfnisse einschränkt, abreagiert, sondern auf andere Objekte übertragen. Beispielsweise wenn ein Kind seine Mutter schlägt, weil das Eisgeschäft geschlossen hat.

[...]


[1] vgl. Battegay, Raymond: Aggression, ein Mittel der Kommunikation? Bern: Huber. 1979. S. 9

[2] vgl. Preuschoff, Gisela und Axel: Gewalt an Schulen. Und was dagegen zu tun ist. Köln: PapyRossa. 1992. S. 23

[3] vgl. Bierhoff, Hans Werner: Aggression und Gewalt. Phänomene, Ursachen und Interventionen. Ulrich Wagner. (Hrsg.). Stuttgart: Kohlhammer. 1998. S. 5

[4] vgl. Schenk-Danzinger, Lotte: Entwicklung Sozialisation Erziehung. Schul – und Jugendalter. Wien: Klett-Cotta. 1990. S. 401

[5] vgl. Preuschoff, Gisela und Axel: Gewalt an Schulen. Und was dagegen zu tun ist. Köln: PapyRossa. 1992. S. 28 f

[6] vgl. http://www.learn-line.nrw.de/angebote/schulberatung/main/medio/banlass/av/av_gew_personal.html

[7] vgl. Preuschoff, Gisela und Axel: Gewalt an Schulen. Und was dagegen zu tun ist. Köln: PapyRossa. 1992. S. 29 f

[8] ebd. S. 30 f

[9] vgl. Battegay, Raymond: Aggression, ein Mittel der Kommunikation? Bern: Huber. 1979. S. 9

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Aggression und Gewalt - Ein Überblick
Hochschule
Universität Wien  (Lehrerinnenbildung)
Veranstaltung
Erziehen und Beraten
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V187386
ISBN (eBook)
9783656108917
ISBN (Buch)
9783656109259
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frustrations-Aggressions-Hypothese, Stresstheorie, soziale Lerntheorie, Aggressionslernen bei Kindern, strukturelle Gewalt, Formen Gewalt, Formen Aggression
Arbeit zitieren
Antje Schrammel (Autor), 2009, Aggression und Gewalt - Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187386

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