Seit unserer Geburt nehmen wir permanent neue Dinge und Sachverhalte in unser Gedächt-nis auf, speichern sie, erinnern uns an sie und vergessen sie langsam aber stetig mit dem Lauf der Zeit. Mit unserer Entwicklung steigt selbstredend unser Erfahrungshorizont und damit auch die Menge der Erinnerungen. Je nach biographischem Hintergrund können uns Erinnerungen quälen, oder aber Freude bereiten. An den peinlichen Vorfall in der Schul-Kantine, bei dem man dem Spott aller Mitschüler ausgesetzt war, denkt man nicht gern zu-rück, währenddessen das Gefühl nach dem ersten Kuss dauerhaft präsent sein könnte. Egal welcher Art diese Rückblenden wohl sein mögen, sie haben alle einen Teil gemeinsam: sie entstanden mit einem sozialen, kulturellen Hintergrund. Der Vorfall in der Kantine wäre nicht annähernd so unangenehm gewesen, wenn die anderen Schüler nicht anwesend gewesen wären und der erste Kuss wäre ohne einen Partner nie entstanden.
Jan (*1938) und Aleida (*1947) Assmann beleuchten in ihrem Werk „Das Gestern im Heute. Medien und soziales Gedächtnis“ (1994) den Aspekt der Kultur als soziales Gedächtnis und beziehen sich unter anderem auf Art und Funktion des kommunikativen und des kulturellen Gedächtnisses.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Begrifflichkeiten von Kultur und Gedächtnis
1.1 Das kommunikative Gedächtnis
1.2 Das kulturelle Gedächtnis
2. Soziale Identität und Erinnerungspolitik
2.1 Machtinstrumente der Geschichtsschreibung
2.2 Fallbeispiel: Der Arbeiteraufstand von 1953
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die theoretischen Konzepte des sozialen Gedächtnisses nach Jan und Aleida Assmann, um aufzuzeigen, wie Kulturen Wissen speichern, Identität stiften und Geschichte für politische Zwecke instrumentalisieren.
- Unterscheidung zwischen kommunikativem und kulturellem Gedächtnis
- Die Rolle von Medien als externe Speichermedien für soziale Kontinuität
- Wechselwirkung zwischen individueller Biographie und kollektiver Erinnerung
- Erinnerungspolitik als Machtinstrument staatlicher Akteure
- Historische Fallbetrachtung der DDR-Geschichtspolitik
Auszug aus dem Buch
Das Soziale Gedächtnis - Jan und Aleida Assman (1994)
Seit unserer Geburt nehmen wir permanent neue Dinge und Sachverhalte in unser Gedächtnis auf, speichern sie, erinnern uns an sie und vergessen sie langsam aber stetig mit dem Lauf der Zeit. Mit unserer Entwicklung steigt selbstredend unser Erfahrungshorizont und damit auch die Menge der Erinnerungen. Je nach biographischem Hintergrund können uns Erinnerungen quälen, oder aber Freude bereiten. An den peinlichen Vorfall in der Schul-Kantine, bei dem man dem Spott aller Mitschüler ausgesetzt war, denkt man nicht gern zurück, währenddessen das Gefühl nach dem ersten Kuss dauerhaft präsent sein könnte. Egal welcher Art diese Rückblenden wohl sein mögen, sie haben alle einen Teil gemeinsam: sie entstanden mit einem sozialen, kulturellen Hintergrund. Der Vorfall in der Kantine wäre nicht annähernd so unangenehm gewesen, wenn die anderen Schüler nicht anwesend gewesen wären und der erste Kuss wäre ohne einen Partner nie entstanden.
Jan (*1938) und Aleida (*1947) Assmann beleuchten in ihrem Werk „Das Gestern im Heute. Medien und soziales Gedächtnis“ (1994) den Aspekt der Kultur als soziales Gedächtnis und beziehen sich unter anderem auf Art und Funktion des kommunikativen und des kulturellen Gedächtnisses.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Begrifflichkeiten von Kultur und Gedächtnis: Dieses Kapitel definiert Kultur als einen dynamischen Zusammenhang von Kommunikation und Medien, der die Speicherung von Wissen ermöglicht.
1.1 Das kommunikative Gedächtnis: Es beschreibt das auf Zeitzeugen basierende, kurzfristige Gedächtnis, das innerhalb individueller Lebensspannen über etwa 3-4 Generationen existiert.
1.2 Das kulturelle Gedächtnis: Dieses Kapitel erläutert die externe Speicherung von Erfahrungen mittels Medien und Riten, um soziale Identität langfristig zu sichern.
2. Soziale Identität und Erinnerungspolitik: Der Text analysiert, wie Nationen versuchen, eine offizielle Version der Vergangenheit zu etablieren, um gesellschaftliche Identität zu steuern.
2.1 Machtinstrumente der Geschichtsschreibung: Hier wird diskutiert, wie Staaten historische Narrative durch Denkmäler, Münzen oder offizielle Dokumente kontrollieren, um ihre Macht zu legitimieren.
2.2 Fallbeispiel: Der Arbeiteraufstand von 1953: Anhand der DDR-Geschichte wird aufgezeigt, wie manipulative Erinnerungspolitik und staatliche Geschichtsumschreibung eingesetzt wurden.
3. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das soziale Gedächtnis eine notwendige Grundlage für die Weiterentwicklung und Traditionsbildung jeder Gesellschaft darstellt.
Schlüsselwörter
Soziales Gedächtnis, Jan Assmann, Aleida Assmann, Kultur, Kommunikation, Medien, kulturelles Gedächtnis, kommunikatives Gedächtnis, Erinnerungspolitik, soziale Identität, Geschichtsmanipulation, Zeitzeugen, DDR, 17. Juni 1953, kollektive Erinnerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in diesem Werk?
Die Arbeit setzt sich mit dem Konzept des sozialen Gedächtnisses nach Jan und Aleida Assmann auseinander und untersucht, wie Gesellschaften Erinnerungen konstruieren und bewahren.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themen sind die Abgrenzung von kommunikativem und kulturellem Gedächtnis, die Bedeutung von Medien für die Geschichtsschreibung und die politische Instrumentalisierung von Erinnerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Funktionsweise des sozialen Gedächtnisses aufzuzeigen und zu verstehen, wie Identität durch die Pflege oder Manipulation von Geschichte geformt wird.
Welcher methodische Ansatz wird verfolgt?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Fachliteratur von Jan und Aleida Assmann, ergänzt durch eine Fallstudie zum Arbeiteraufstand 1953 in der DDR.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Definitionen von Gedächtnisformen, die Analyse der externen Speicherung durch Medien und die Untersuchung staatlicher Erinnerungspolitik.
Was sind die wichtigsten Schlagworte der Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen soziales Gedächtnis, kulturelle Identität, Erinnerungspolitik, Medien, Tradition und kollektive Erfahrung.
Wie unterscheidet sich das kommunikative vom kulturellen Gedächtnis?
Das kommunikative Gedächtnis ist an Zeitzeugen gebunden und somit flüchtig, während das kulturelle Gedächtnis durch mediale Träger eine Langzeitstabilität erreicht.
Warum wird der Arbeiteraufstand von 1953 als Beispiel angeführt?
Er dient als extremes Beispiel dafür, wie ein totalitäres Regime versucht, durch gezielte Manipulation in Schulbüchern eine unerwünschte historische Wahrheit aus dem sozialen Gedächtnis zu löschen.
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- Nicole Friedrich (Autor), 2009, Das Soziale Gedächtnis - Jan und Aleida Assman (1994), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187421