Das finnische Bildungswesen

Woher kommt die Stärke Finnlands?


Hausarbeit, 2000

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung – Finnland im PISA Spiegel

2. Finnland – Einige Hintergrundinformationen
2.1 Finnland – Land und Leute
2.2 Finnland ein mehrsprachiges Land

3. Institutionelle Zuständigkeiten im Bildungswesen
3.1 Ministerium für Bildung bzw. „Unterrichtsministerium“
3.2 „Utbildningsstyrelsen“ – Zentralamt für Unterrichtswesen als Expertenbehörde
3.3 Regionalverwaltung

4. Das Bildungswesen Finnlands
4.1 Grundstruktur des Bildungswesens
4.2 Vorschulunterricht
4.3 Primarstufe und Sekundarstufe I
4.4 Sekundarstufe II Gymnasium und Berufsausbildung
4.5 Universität und Fachhochschule
4.6 Erwachsenen bzw. Weiterbildung

5. Ein Versuch, die Stärken des finnischen Bildungswesens im Vergleich zu Deutschland herauszustellen
5.1 „Pioniergeist“ im Land
5.2. Flexibilität innerhalb des Bildungssystems – Autonomie der Bildungseinrichtungen
5.3 Höhere Investitionen im Schulwesen als der OECDDurchschnitt und fast zweimal so hoch wie in Deutschland
5.4 Intensive Bemühungen, nicht nur im Bildungswesen, eine Informationsgesellschaft aufzubauen
5.5 Die Finnen setzen auf Internationalisierung
5.6 Kontinuierliche SelbstAuswertung und Qualitätskontrollen landesweit
5.7 Klare Zielsetzungen – Klare Sprache
5.8 Leistung ist erstrebenswert und nicht anrüchig
5.9 Motivierte Lehrerschaft – hoher Status in der Gesellschaft

6. Schlusswort

7. Bearbeitete und zitierte Literatur

Anmerkung: Die statistischen Angaben in dieser Arbeit spiegeln, wenn nicht anders ausgewiesen, den Stand 2001, direkt nach der Publikation der

PISA Ergebnisse.

1. Einleitung – Finnland im PISA Spiegel

Im Jahr 2001 publizierte das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin die zentralen Befunde der PISA 2000-Studie. PISA steht für „Programme for International Student Assessment“ - ein Programm zur zyklischen Erfassung grundlegender Kompetenzen der nachwachsenden Generationen. PISA wird von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) durchgeführt. PISA Studien beziehen sich auf die Bereiche Lesekompetenz, mathematische Grundbildung, naturwissenschaftliche Grundbildung und fächerübergreifende Kompetenzen. Der Schwerpunkt der 2000-Studie lag im Bereich Reading Literacy, also Lesekompetenz. Zielpopulation der PISA sind 15-jährige Schülerinnen und Schüler, also eine Altersgruppe, die in fast allen OECD-Mitgliedsstaaten noch der Vollzeitschulpflicht unterliegt.

Die Ergebnisse der Studie erschütterten das bildungspolitische Deutschland und richteten viele Augen auf ein kleines skandinavisches Land (5 Millionen Einwohner) im Norden Eu-ropas. Während Deutschland mit 484 Punkten unter dem OECD-Durchschnitt (Mittelwert 500 Punkte) landete, befand sich Finnland an der Spitze mit 546 Punkten (OECD, 2001). Noch verblüffender war die geringe Streuung zwischen den besten und schlechtesten Leistungen in Finnland, besonders im Vergleich zu Deutschland. Während Finnland mit dem Mittelwert 89 Punkte die geringste Streuung unter dem OECD Ländern aufwies, hatte Deutschland mit 111 Punkten die größte Streuung überhaupt. Offensichtlich gelingt es Finnland, die Chancengleichheit besser zu verwirklichen.

Es stellt sich natürlich die Frage: Sind die finnischen Schulen besser als deutsche und wenn, dann warum? Was steht hinter dem exzellentem Abschneiden Finnlands? Wo liegen die Stärken des Bildungswesens dieses Landes? Kann das bildungspolitische Deutschland von Finnland lernen? Gibt es etwas in dem Bildungssystem Finnlands, was auf deutsche Verhältnisse übertragbar wäre ? Dass diese Frage viele deutsche Bildungspolitiker und Pädagogen beschäftigt, zeigen die Fernseh- und Pressemeldungen über die zahlreichen Studien-Besuche in Finnland, die nach der Veröffentlichung von PISA von Deutschland aus unternommen wurden. Die Bundesbildungsministerin Gabriele Behler hat im Mai 2001 mit einer Delegation von sechs Kultusministern eine Woche lang Finnland und auch Schweden bereist, und wie in den Nachrichten gemeldet wurde, war sie von dem finnischen Schulsystem begeistert. Auch NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement hat Finnland mit gleichem Ziel einen Besuch abgestattet.

Die oben gestellten Fragen, denke ich, sind für alle Pädagogen und Bildungspolitiker auf allen Ebenen interessant, weil ein solches „Versagen“ Deutschlands, eines des modernsten Länder der Welt, nicht einfach hingenommen werden kann. Im Rahmen einer Hau H Hausarbeit kann man eine so umfangreiche Thematik nur kurz anreißen, dies möchte ich jedoch aus einem gewissen Grund versuchen. Ich habe in Skandinavien gelebt und gearbeitet und beherrsche Schwedisch (die zweite Sprache in Finnland), wodurch ich mit originalen Dokumenten aus Finnland arbeiten kann, um die für die Thematik wesentlichen Antworten zu finden, zumindest aber ein paar Aspekte etwas näher zu beleuchten. Dazu möchte ich zuerst einmal einige Hintergrundinformationen über das Land und seine Einwohner liefern, um auf die spezifischen Bedingungen Finnlands aufmerksam zu machen.

2. Finnland – Einige Hintergrundinformationen

2.1 Finnland - Land und Leute

Die Republik Finnland, das Land der Tausend Seen (genau genommen 55 000), Sümpfe und Wälder ist ein relativ großes, dünn besiedeltes Land. Mit ihrer Fläche von 338 145 km2 ist es nur wenig kleiner als Bundesrepublik Deutschland (357 022 km2) hat aber nur 5,2 Millionen Einwohner. Das ergibt eine Bevölkerungsdichte von 15 Einwohner/ km2 (Deutschland:

230/ km2 ). Während in Deutschland 88% der Bevölkerung in den Städten lebt, ist die Rate in Finnland 65%; und ein Viertel der Bevölkerung lebt im Großraum Helsinki. Dies stellt natür-lich Finnland und das finnische Bildungswesen vor andere Probleme, wenn es um die Ent-wicklung und Unterhaltung des Bildungssystemnetzes geht wie auch um das Problem des regionalen Ausgleichs geht, um allen Bürgern den gleichwertigen Zugang zur Bildung zu garantieren.

Finnland liegt in Skandinavien, aber Sprache und Kultur der Finnen unterscheiden sich deutlich von den skandinavischen Nachbarn wie auch von den sie von der anderen Seite umringenden slawischen Sprachen. Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Isländisch haben viele sprachlich/grammatikalische Gemeinsamkeiten und zweifellos einen gemeinsamen Ursprung. Finnisch ist eine grammatisch und phonetisch völlig andere Sprache. Die meisten Sprach-wissenschaftler gehen heute davon aus, dass es eine gemeinsame finnisch-ugrische Grund-sprache gegeben hat. Als dem Finnischen verwandt, gilt das Estnische und im weiterem Sinne ebenso das Ungarische. Auch die Sprache der im Norden Skandinavien lebenden Lappen gehören zur dieser Sprachfamilie.

Die Geschichte Finnlands wurde jahrhundertelang von den beiden Großmächten-Nachbarn Schweden und Russland bestimmt. Im 11. Jahrhundert wurde Finnland in das schwedische Herrschaftsgebiet eingegliedert. Bildung befand sich in der Hand der Kirche und fand in Latein statt. Erst im Zuge der lutherischen Reformation entstand der Gedanke des Unterrichts in eigener Sprache. Im 15. Jahrhundert kam das erste ABC-Buch auf Finnisch, und im Jahre 1640 wurde die erste finnische Universität in Åbo gegründet.

Ab 1809 gehörte Finnland Russland als eigenständiges Großfürstentum an. Das Bildungssystem musste sich nicht nach den russischen Bildungsgesetzen richten. Im Jahre 1869 wurde ein nationales Amt für Schulwesen gegründet, und damit wurde die Bildung aus der Verwaltung der Kirche genommen.

Im Jahr 1917 ist Finnland ein selbständiges Staat geworden und im Jahre 1919 führte man die Schulpflicht ein, verbunden mit der Garantie auf gebührenfreie Grundbildung. Bis in die 70-er Jahre umfasste die Schulpflicht die 6-jährige Volksschule. Erst Ende der 70-er Jahre wurde die heutige 9-jährige Einheitsschule, die Pflicht ist, eingeführt. In den relativ wenigen Jahren der Selbständigkeit hat sich Finnland von einem bitterarmen Land zur einer modernen Industrie/Dienstleistungs-Nation entwickelt und ist seit 1995 Mitglied der Europäischen Union.

2.2 Finnland - ein mehrsprachiges Land

In der Bevölkerung Finnlands (Ausländer ausgenommen) werden drei Sprachen gesprochen: Finnisch, Schwedisch und Sämisch (die Sprache der Lappen im Norden Finnlands). Die Hunderte von Jahren dauernde schwedische Herrschaft hat verschiedene Spuren hinterlassen, darunter auch hunderttausende von Schweden, die sich da niederließen. In Skandinavien werden sie „Finnschweden“ genannt. Viele von diesen Finnschweden wanderten in den 50-er, 60-er, 70-er und auch noch 80-er Jahren in das reichere Schweden aus. Die verbliebenen machen heutzutage einen Anteil von ca. 7% aus. Die „reinen“ Lappen (Samen) schätzt man auf 5000, was ca. 1% ausmacht. Insgesamt gibt es 30.000 -70.000 Lappen, die in dem nordischen Skandinavien über die Grenzen von Finnland, Schweden und Norwegen wandern, da sie teilweise immer noch als Nomaden oder Halb-Nomaden leben.(Statistics and Indicators, Nr.7 im Verzeichnis.)

Die Richtlinien der Bildungspolitik stellen fest, dass die Gesellschaft dazu verpflichtet ist, der finnischsprachigen wie der schwedischsprachigen Bevölkerung gleiche Rechte und Möglichkeiten zu Bildung und Pflege der eigenen Kultur zu geben. So wird beiden Bevölkerungsgruppen gleiches Recht auf Unterricht in der Muttersprache zugestanden und realisiert. Dies wird in Praxis und nach Bedarf so umgesetzt, dass es schwedischsprachige und finnischsprachige Schulen gibt, wie auch Schulen, in denen in beiden Sprachen unterrichtet wird. So sind von Finnlands 20 Universitäten 2 schwedischsprachige, und in 6 benutzt man beide Sprachen als Unterrichts- und Prüfungssprachen.Die Schweden lernen schwedisch als Muttersprache, und Finnisch als Zweitsprache und umgekehrt.

Nach dem 1922 erlassenen Sprachgesetz, das die Benutzung der beiden Sprachen bei Be-hörden, Ämtern und im Bildungswesen regelt, werden alle Gemeinden grundsätzlich nach folgendem Muster eingeteilt:

1. Einsprachige finnische Gemeinden
2. Einsprachige schwedische Gemeinden
3. Zweisprachige Gemeinden mit finnischsprachiger Majorität
4. Zweisprachige Gemeinden mit schwedischsprachiger Majorität

Nach dieser Einteilung richtet sich die Pflicht der Gemeinden bzgl. Organisation und Um-setzung des Unterrichts in den beiden Hauptsprachen des Landes. Die schwedische Bevöl-kerung konzentriert sich grundsätzlich auf die Åland Inseln, auf Finnlands Ostseeküste sowie auch auf den Großraum Helsinki. In den zweisprachigen Gemeinden wird von den im Bil-dungswesen Tätigen (wie auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens) verlangt, dass sie beide Sprachen beherrschen. So muss z.B. ein Schulrektor in einer zweisprachigen Ge-meinde mit finnischsprachiger Majorität auch wenigstens Grundkenntnisse in Wort und Schrift in Schwedisch besitzen. Alle Gesetze, Vorschriften etc. in Bereich des Bildungswesen, wie auch Richtlinien der Bildungspolitik oder Lehrpläne, im Prinzip alles was schriftlich fest gehalten wird, wird in Schriftform wie auch im Internet immer in beiden Sprachen publiziert. Das Bildungswesen ist darauf ausgerichtet, bei möglichst vielen Schülern die schwedisch-finnische Zweisprachigkeit zu entwickeln und zu fördern. Schon in der Grundausbildung, das heißt in der ersten 6 Jahren der 9-jährigen Einheitsschule, stehen folgende Fächer zuoberst auf dem Lehrplan: 1. Die Muttersprache mit Literatur, 2. Die andere einheimische Sprache 3. Eine Fremdsprache. Die dritte Sprache kann gewählt werden. Hier entscheiden sich die meisten Schüler für Englisch, dann Deutsch und an dritter Stelle platziert sich Französisch (Utbildningsstyrelsen, 2002).

Auch die dritte einheimische Sprache (sämisch) wird als Unterrichts- und Prüfungssprache anerkannt. Sämisch kann als Unterrichtssprache wie auch als erste Fremdsprache gewählt werden. Hier können die Eltern die Entscheidung selber treffen. Allerdings wird in der Praxis der Unterricht in der sämischen Sprache nur in der Grundschule (1-9 Klasse), auf den Berufsschulen wie auch in Gymnasien garantiert, nicht jedoch im Hochschulwesen.

Für Ausländer mit Migrantenhintergrund wird auf Wunsch entsprechender muttersprachlicher Unterricht (Heimsprachen-Unterricht) organisiert, nach Möglichkeit durch besonders ausgebildete zweisprachige finnisch- „anderssprachige“ Lehrer.

3. Institutionelle Zuständigkeiten im Bildungswesen

In dem kleinen (was die Bevölkerung angeht) Land Finnland ist das System der Zuständig-keiten klar und relativ einfach strukturiert. Die Schulen verfügen über deutlich mehr Auto-nomie, als dies in Deutschland der Fall ist. Die Bildungspolitik ist darauf ausgerichtet, die Bildungspolitik zentral zu koordinieren, aber möglichst viele Kompetenzen den Schulen und den lokalen Bildungsträger (mit wenigen Ausnahmen handelt es sich hier um Gemeinden und Gemeindeverbände) zu übertragen.

Das Finnische Parlament verabschiedet die Gesetze für das Bildungswesen sowie formuliert die allgemeinen Prinzipien der Bildungspolitik. Der Ministerpräsident gibt jedes vierte Jahr einen Entwicklungsplan für Bildung und Forschung heraus, in dem die Ziele und Schwerpunkte für die Entwicklung dieser Bereiche für die nächsten 4-5 Jahre skizziert werden. Auch damit verbunden finanzielle Fragen werden hier erörtert. In dem letzten Entwicklungsplan vom 29.12.1999 sind unter anderen folgende Schwerpunkte zu finden:

1.Entwicklung Finnlands zu einer Wissensgesellschaft, in der Wissen und Bildung der wichtigste Produktionsfaktor ist; Wissen und Kompetenz als der entscheidende Faktor für Konkurrenzkraft und damit wohlstandssichernd 2. Durch präventive Maßnahmen soziale Ausgrenzung von Individuen zu vermeiden; 3. Handlungsfähige und tolerante Bürger zu erziehen und auszubilden, als eine der wichtigsten Aufgaben der Pädagogik; 4. Informationstechnologie – Finnland soll in diesem Bereich zur Weltspitze gehören; 5. Internationalisierung der Bildung - Fremdsprachen noch stärker zu fördern, Schüleraustausch und Auslandsaufenthalte verschiedener Art auszubauen; 6. Lebenslanges Lernen – Schule soll die Fähigkeit zu lernen schulen und fördern und entsprechendes Lernverhalten bei den Schülern entwickeln. Neue Unterrichtsmethoden sollen entwickelt und praktiziert werden; 7. Fachhochschulen bemühen sich um praxisnahe Ausbildung – dazu sollen vor allem Kontakte mit der Wirtschaft intensiviert werden; 8. Anpassen der Bildungsangebote an regionale und wirtschaftliche Bedürfnisse; 9. Zusammenarbeit innerhalb der EU weiterhin intensiv zu betreiben; 10. Lehrerausbildung wird in den Fokus gesetzt, da dies einer der Schlüsselfaktoren für die Qualität der Bildung ist. Alle Lehrer sollen weitere Fortbildung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik erhalten. Schwerpunkt: Neue Unterrichtsmethoden mit Einbeziehung des Internets und anderer Netze; 11. Kontinuierliche Qualitätskontrollen im Bildungswesen nach landesweiten im Internet zugänglichen Frage- und Bewertungsbögen; auch in der Bildungsverwaltung (Statsrådet, 1999).

3.1 Ministerium für Bildung bzw. „Unterrichtsministerium“

Die oberste Schulbehörde in Finnland ist das „Undervisningsministerium“ - Ministerium für Bildung (wörtlich übersetzt Unterrichtsministerium). Eine zentrale Fach- bzw. Experten-behörde, die dem Ministerium untersteht, ist das „Utbildningsstyrelsen“ – Zentralamt für Unterrichtswesen. Spezielle Aufsichtsbehörden für Bildungseinrichtungen gibt es in Finnland nicht.

Das finnische Ministerium für Bildung hat zwei Minister. Dem Unterrichtsminister ist das „Undervisningsministerium“, also im Prinzip die Verwaltung unterstellt. Außerdem ist er für die bildungspolitischen Fragen auf allen Bildungsebenen, inkl. Forschung zuständig. Der andere Minister ist der Kultusminister, der für die Bereiche Kultur, Sport, Jugendarbeit und kirchliche Angelegenheiten zuständig ist. Als Verbindungsglied zwischen den beiden Ministern und den beiden Administrationen fungiert der Kanzlei-Leiter, der die Verwaltungseinheiten leitet, die entweder der Koordinierung oder der administrativen Dienstleistung für die beiden Teil-Ministerien dienen.(Undervisningsministeriet, Nr. 25 im Verzeichnis).

3.2 „Utbildningsstyrelsen“ – Zentralamt für Unterrichtswesen als Expertenbehörde

Das „Utbildningsstyrelsen“ nahm 1991 seine Arbeit auf und besteht heute neben den administrativen Mitarbeitern aus 300 Experten in Bildungsfragen. Die wichtigsten Aufgaben der Zentralbehörde für Unterrichtswesen sind:

1. Weiterentwicklung des Unterrichts, 2. Auswertung des Unterrichts, 3. Dienstleistung in Bildungsfragen an alle, die mit bildungspolitischen oder pädagogischen Fragen arbeiten, d.h. von politischen Entscheidungsträgern bis zu einzelnen Schulen. Die Zentralbehörde sieht sich als das nationale Zentrum, das sich für das lebenslange Lernen einsetzt und dazu Ideen, Methoden und Werkzeuge (die durch das Internet verbreitet werden, natürlich nicht nur) entwickelt wie auch die Überzeugungsarbeit leistet. Weiterhin sieht sie sich als Zentrum für Bildungsqualitäts- und Lernerfolgsauswertung, Fragen wie Schaffen der Bedingungen für effektives, selbständiges Lernverhalten. Hier werden Methoden, Umfragen, Messmethoden entwickelt, die via Internet den Lernanstalten zur Verfügung gestellt werden zwecks Selbstauswertung. Je nachdem, welchen Aspekt die respektive Anstalt in den Vordergrund stellen will, gibt es eine Fülle von entsprechenden Hilfen (die meisten direkt im Internet) zur Auswahl. Letztendlich ist das Zentralamt ein Informations- und Dienstleistungs- Zentrum in Bildungsfragen mit der Aufgabe fortwährender Entwicklung. (OPO, Nr. 16 im Verzeichnis).

3.3 Regionalverwaltung

Die regionale Verwaltung erfolgt durch die Verwaltung der Regierungsbezirke (6), die jeweils ein Dezernat für Bildungsfragen einzurichten haben. Weiterhin gibt es 20 regionale Räte, die jeweils für verschiedene Landschaften zuständig sind. Ihre Aufgabe ist die Administration und die Koordinierung der Planungs- und Entwicklungsaufgaben. Die Räte, die für eine entsprechende Landschaft (Region) zuständig sind, bekommen ihre Vollmachten von den Gemeinden und nicht vom Staat.

Die lokale Verwaltung erfolgt auf Ebene der Gemeinden. Es gibt 452 Gemeinden in Finnland. Die Wahl der Gemeinderäte wie auch ihre Selbstverwaltung entspricht im Prinzip dem in Deutschland. Die Gemeinden haben die Pflicht, für alle im Gemeindegebiet wohnhaften, schulpflichtigen Kinder die Möglichkeit des Schulbesuchs in der 9-jährigen Gesamtschule zu sichern. Die Schulbehörden können überdies alle andere Bildungseinrichtungen, außer den Universitäten, unterhalten.

Auch private Körperschaften sowie Gemeindeverbände können nach Genehmigung Schulen unterhalten. Von den 4000 Gesamtschulen Finnlands befinden sich 58 in privater, 30

in staatlicher und der Rest in der Trägerschaft von Gemeinden und Gemeindeverbänden. Von den Gymnasien sind 91% kommunal und 7% privat. Von den beruflichen Schulen werden 22% von Gemeinden, 53% von Gemeindeverbänden und 22% privat getragen. Der Staat unterhält 5 berufliche Sondereinrichtungen. (Statistics and Indicators, Nr. 7 im Verzeichnis).

4. Das Bildungswesen Finnlands

4.1 Grundstruktur des Bildungswesens

4.2 Vorschulunterricht

Das Ministerium für Bildung gab am 16.6.2000 einen Erlass zur Regelung des Vorschulunterrichts heraus. Laut Informationen aus den Verwaltungen der entsprechenden Regierungsbezirke führten die Gemeinden schon zu diesem Zeitpunkt (Stand 01.08.2000) Vorschulunterricht für 91% der Vorschulkinder durch, obwohl es noch für die Gemeinden bis zum diesem Erlass frei gestellt war. Am 17.9.2001 wurde eine Anordnung für den Vorschulunterricht erlassen, die die Gemeinden dazu verpflichtet, den Vorschulunterricht für die Vorschulkinder im letzten Jahr vor der Einschulung entweder in den Kindergärten oder Schulen sicherzustellen.

Der Vorschulunterricht soll die Kinder in spielerischer Weise auf die Schule vorbereiten, wobei die Schwerpunkte auf Förderung der Individualität des Kindes, Entwicklung eines positives Lernverhaltens und „Teamfähigkeit“ - gutes Funktionieren in einer Gruppe- gelegt werden. Die Grundsätze für den Vorschulunterricht wurden schon 1996 ausgearbeitet. Es werden keine Fächer oder Lektionen definiert, aber es werden pädagogische und soziale Ziele und die zu bearbeitenden Bereiche angegeben: Sprache, Kommunikation, mathematische Begriffe, Natur, Religion, Lebensanschauung, Gymnastik, Gesundheit und Kunst.

Der Vorschulunterricht ist freiwillig und gebührenfrei (siehe oben).

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Das finnische Bildungswesen
Untertitel
Woher kommt die Stärke Finnlands?
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
28
Katalognummer
V187487
ISBN (eBook)
9783656107774
ISBN (Buch)
9783656108313
Dateigröße
865 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildungswesen, woher, stärke, finnlands
Arbeit zitieren
Magister der Philologie (PL) Kristina Bornemann (Autor), 2000, Das finnische Bildungswesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187487

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