Dankelshausen - Wellersen zwischen Göttingen und Hann. Münden

Ein dorf- und familiengeschichtlicher Streifzug


Fachbuch, 2012

231 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Vorbemerkungen

Über Wellersen nach Dankelshausen

Die Bramburger werden Grundherren von Dankelshausen
Anfängliche Siedlungsstruktur
„Das ist des Herzogs Wort“

Die Dankelshäuser Kirche – eine Stiftung derer von Stockhausen?
Die Dankelshäuser Mutterkirche
Die Mitgliedsgemeinden der Dankelshäuser Parochie proben den Aufstand
Umstrittenes Kirchenpatronat

Die Dankelshäuser Gerichtsherren und das Amt Münden: Wer war zuständig?
Das ungeschlossene Untergericht Dankelshausen und Wellersen
Auflösung der Dankelshäuser Gerichtsbarkeit
Mitglied des Nebenanlage-Verbandes des Amtes Münden

Dankelshausens dominante Grundherrschaft
Merkmale der Grundherrschaft
Kauf des Ritterguts Wellersen
Die Bramwald-Dörfer im Vergleich
Grundherrliche Einflussnahme auf die bäuerliche Betriebsstruktur
Sonderrechte des grundherrlichen Adels
Ablösung der grundherrlichen Rechte
Das Hannoversche Höferecht

Kriege, Not und Strukturwandel im 17. Und 18. Jahrhundert
Plünderungen und Sittenverfall
Nachhaltiger Strukturwandel seit dem Ende des 17. Jahrhunderts
Gewerbliche Nebenerwerbsquellen
Französische Besatzung
Belastungen in der Nachkriegszeit

„Also lautet der Beschluß, daß der Mensch was lernen muß“
Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre
Seit wann gibt es in Dankelshausen eine Schule?
Der Streit um das Küsteramt

Die Synagogengemeinde Dankelshausen, Oberscheden, Mielenhausen
Die ersten Juden in Dankelshausen Anfang des 18. Jahrhunderts
Die jüdischen Mitbürger in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Zäher Wandel der jüdischen Mobilitätsfreiheit
Isaac Moses Esbergs Verdienste um die jüdische Schule
Der jüdische Friedhof

Einschneidende Gemeindereformen
Die Domizilordnung vom Jahre
Ablösung der Bramwaldnutzungen
Gemeinheitsteilung und Verkoppelung
Widerstand gegen das Landgemeindegesetz vom Jahre
Die letzten Tage des Königreichs Hannover im Jahre
Vereinigung des Gutsbezirks Wellersen mit der Gemeinde Dankelshausen

Unter der Fahne der Nationalsozialisten
Hoher Wahlerfolg der NSDAP in den Bramwald-Dörfern
Die Amerikaner sind da

Vom Bauern- zum Wohndorf
Die Gemeinde gibt sich eine neue Verfassung
Willi Pauche - ein Bürgermeister der Familienzusammenführung und Mangelbewirtschaftung
Eingliederung der Flüchtlinge in die Dankelshäuser Dorfgemeinde
Auspendler und „Feierabendlandwirte“ bestimmen das Dorfbild

Dankelshausen verliert seine kommunale Eigenständigkeit
Einheitsgemeinde Scheden
Samtgemeinde Dransfeld
Vor der Herausforderung einer neuen kommunalen Identität

Anmerkungen

Stammtafel der Familie von Stockhausen (stark gekürzt)

Übersichten

Quellennachweis

Vorbemerkungen

Das Dorf Dankelshausen und das Gut Wellersen sind mit meiner Familie als deren ehemalige Grundherren über viele Jahrhunderte hinweg eng verbunden, Dankelshausen seit der zweiten Hälfte des 13. und Wellersen seit dem Ende des 16. Jahrhunderts. Aus diesem Verbund schied im Jahre 1949 das Gut Dankelshausen durch Verkauf aus. Die von meinem Vater im Jahre 1946 begonnene Selbstbewirtschaftung des Gutes Wellersen – es war seit dem Jahre 1736 verpachtet gewesen - gab mein Bruder Hans Anfang der 1970er Jahre auf. Diese Aufgabe bedeutete eine weitere Lockerung der Bindung meiner Familie an Dankelshausen und Wellersen. Das bis heute verbliebene Bindeglied zwischen meiner Familie und Dankelshausen beschränkt sich auf das Kirchenpatronat meines Neffen Ludolf.

Seit den ersten Siedlungsansätzen im 8./9. Jahrhundert bildeten die Nutzungsrechte am Bramwald für die Bewohner der sieben Bramwald-Dörfer Dankelshausen, Scheden (ehemals Ober- und Niederscheden) Bühren, Varlosen, Ellershausen und Mielenhausen die sie verbindende und zugleich prägende Lebensgrundlage. Verantwortlich für die etwas gesonderte Entwicklung von Dankelshausen waren seine adligen Grundherren als gleichzeitige Gerichtsherren und Kirchenpatrone. Ihr Wirken hatte u. a. zur Folge, dass Dankelshausen als kleinste Gemeinde nicht nur das Parochiezentrum für Ober- und Niederscheden sowie Mielenhausen, sondern auch während des 18. und 19. Jahrhunderts das Zentrum der Synagogengemeinde Dankelshausen, Oberscheden, Mielenhausen bildete.

Einen einschneidenden Wandel erfuhren Dankelshausens Entwicklung und seine Beziehung zu meiner Familie im 19. Jahrhundert. Auslöser waren die Anerkennung von Dankelshausen als politische Gemeinde, die Auf- und Ablösung der grundherrschaftlichen Gerichtsbarkeit sowie der grundherrlichen Abgaben und Dienste, die Ablösung der Nutzungsrechte am Bramwald sowie die Gemeinheitsteilung und Verkoppelung.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 hatte für die Dankelshäuser nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs äußerst schwierig zu bewältigende Belastungen zur Folge - die Bewältigung des allseitigen Mangels sowie die Unterbringung der zahlreichen Flüchtlinge und ihre Eingliederung in die Dorfgemeinde.

Im Rahmen der Bemühungen der niedersächsischen Landesregierung, die Effizienz der kommunalen Verwaltungen zu erhöhen, verlor am 1. Januar 1973 die damalige 300-Seelen-Gemeinde Dankelshausen durch ihre Eingliederung in die Einheitsgemeinde Scheden und über sie in die Samtgemeinde Dransfeld ihre vor zweihundert Jahren erworbene kommunale Selbständigkeit.

Mit den vorliegenden Aufzeichnungen wird die vielfältige und wechselreiche Entwicklungsgeschichte von Dankelshausen mit der der übrigen Bramwald-Dörfer verknüpft und partiell verglichen. Sie bieten eine Fülle von bislang nicht veröffentlichtem dorfspezifischen Daten und Informationen sowie zahlreiche allgemeine historische Hinweise über den dörflichen Entwicklungsprozeß im südlichen Niedersachsen. Sie sind nicht zuletzt das Ergebnis der Auswertung einer großen Anzahl von Archivalien aus den verschiedensten Archiven. Einige hat Heinz Rüngeling zusammengestellt, eine Vielzahl hat er in eine für mich lesbare Form übersetzt. Für diese seine so wichtige Unterstützung möchte ich ihm ganz besonders danken.

Dank schulde ich meinem Bruder für seine finanzielle Unterstützung, die er mir über den Heimatverein Dankelshausen hat zukommen lassen.

Mein besonderer Dank aber gilt meiner lieben Blanka, die mir mit ihrer umfassenden Hilfe und unermüdlichen Ermunterung über viele Jahre hinweg zur Seite gestanden hat.

Über Wellersen nach Dankelshausen

Das Gut Wellersen und das Dorf Dankelshausen liegen im Landkreis Göttingen, in dem südwestlichen Gebiet des ehemaligen Landkreises Münden[i]. Auf der Bundesstraße 3 von Göttingen kommend, passiert der Reisende wenige Kilometer hinter Dransfeld linksseitig eine kleine Ansammlung von Häusern, einige etwas größer als die anderen. Kein Hinweisschild informiert ihn über deren Namen. Ortskundige könnten ihm sagen, dass es sich um das Gut Wellersen handelt. Noch vor sechzig Jahren üblicherweise als Rittergut[ii] bezeichnet, herrschte hier zu jener Zeit das rege Leben eines vitalen Gutsbetriebes. Pferde, Kühe, Schweine, Gänse und Hühner bestimmten nicht nur das Bild des Hofes und der Ställe, sie bestimmten auch den Arbeitsrhythmus der Frauen und Männer, die sie versorgten und die umliegenden Äcker bewirtschafteten. Inzwischen ist es hier still geworden. Die Flächen sind verpachtet. Pferde verschiedener Jahrgänge auf den Weiden rings um den Gutshof zeugen von der Passion seines Eigentümers, meines Neffen Ludolf[iii].

Den Gutshof in einer Linkskurve umfahrend, erblickt der Reisende zur Rechten das „Hainholz“. Ursprünglich wohl ein Teil der Gemarkung von Dankelshausen war es nachweislich in den Jahren 1591 und 1783 ein Teil des Gutes Wellersen. Im Jahre 1860 wieder zu Dankelshausen gehörig,[iv] gehörte es fünfundzwanzig Jahre später erneut den Eigentümern des Gutes Wellersen[v], meinem Ururgroßvater Carl Wilhelm und seinem Bruder Carl August, auch wenn es ein Teil der Gemarkung Dankelshausen blieb. Die Gemarkungsgrenze zwischen dem Dorf Dankelshausen und dem Gut Wellersen bildet der Schedebach. Mit seiner Quelle südwestlich von Bühren fließt er durch die Dörfer Scheden und Volkmarshausen, um südlich des Eichhofs in die Weser zu münden.

In den „Schedener Kurven“ ist es die eingeforderte Aufmerksamkeit auf die kurvenreiche Straßenführung, die früher leicht die Zubringerstraße nach Dankelshausen übersehen ließ. Noch bis Ende des Jahres 2010 zweigte sie ganz plötzlich in der vorletzten Kurve in einem rechten Spitzwinkel ab. Heute bildet sie die erste Ausfahrt aus einem jüngst gebauten Kreisel.

Nach wenigen hundert Metern, teilweise verdeckt von prächtigen Bäumen, steht rechter Hand ein großes gepflegtes Gebäude, die ehemalige Dankelshäuser Mühle. Ende der 1950er Jahre hatte ihr Betrieb der Wettbewerbsüberlegenheit der Großmühlen weichen müssen. Hinter der Schede-Brücke steigt die Straße nach einer Rechtskurve relativ stark an. Nach etwa zweihundert Metern hinter der Kuppe des Straßenanstiegs steht rechter Hand das imposante Wohnhaus des Dankelshäuser Gutshofs, ein zweigeschossiger, allseits vorkragender Fachwerkbau aus den 1780er Jahren[vi]. Und wenige Meter weiter dorfeinwärts zur Linken die Dorfkirche. Beide bilden die Wahrzeichen einer über viele Jahrhunderte hinweg die Dankelshäuser Gemeinde prägenden grundherrschaftlichen Machtfülle.

Weniger „herrschaftlich“ präsentierte sich noch vor sechzig Jahren - im Gegensatz zu heute - der Dorfkern. Die Fachwerkhäuser – zumeist aus der Zeit des späten 18. bis mittleren 19. Jahrhunderts - entlang der „Großen Straße“, der Durchgangsstraße nach Bühren, und der vor der Kirche von ihr links abzweigenden „Kleinen Straße“ - strahlten kaum die Pracht vormals reicher Bauern aus. Unregelmäßig, mal etwas näher, mal etwas entfernter zur Straße gebaut, vermittelten sie eher den Eindruck von fleißigen und bescheidenen Menschen, die zeit ihres Lebens hart um ihren Lebensunterhalt hatten kämpfen müssen.

Im Jahre 1858 wird das Dorf als eine kleine Gemeinde mit 42 Häusern beschrieben[vii]. Es sei arm und besitze nur einen kleinen Anger, dessen Ertrag auf sieben bis acht Reichstaler jährlich veranschlagt werden könne. Der größte Teil der Gemeindemitglieder bestehe aus armen Tagelöhnern, die nur ein höchst dürftiges Auskommen hätten. Es gebe nur neun Ackerleute. Bis auf zwei oder drei seien alle mehr oder weniger verschuldet. Auch befänden sich unter den Hausbesitzern zwei Juden. Zwölf Jahre später, im Jahre 1870, heißt es, der Ort sei klein, der mit jedem Jahr mehr verarme. Er bestehe aus 43 Häusern, darunter 10 Anbauerhäuser[viii]. Seine Bewohner seien zum größten Teil Handarbeiter.

Im Verlaufe der folgenden hundert Jahre scheint sich an der wirtschaftlichen Lage der Dankelshäuser nur wenig geändert zu haben. Mit ihren 300 Bewohnern betrug im Jahre 1970 die jährliche Steuerkraft der rein bäuerlichen Gemeinde 35 DM je Einwohner. Die entsprechenden Durchschnittswerte des Kreises Münden und des Regierungsbezirks Hildesheim lagen bei 91 bzw. 102 DM[ix].

Am 3. April 1970 beschloß der Dankelshäuser Gemeinderat, ein Gemeindewappen anfertigen zu lassen[x]. Nach der Wappenbegründung symbolisiert der grüne Hügel die Lage des Dorfes an den Hängen des Bramwaldes. Über viele Jahrhunderte hinweg gehörte Dankelshausen zusammen mit Bühren, Ellershausen, Varlosen und Mielenhausen[xi] zu den so genannten fünf Kerngemeinden des östlichen Bramwaldgebietes[xii], also zu jenen Gemeinden, die zu sämtlichen Bramwaldnutzungen berechtigt waren: dem Eintrieb von Schweinen, Rindern, Schafen und Gänsen, dem Einschlag von Bau- und Brennholz, dem Sammeln von Fall- und Leseholz, von Einstreumaterial, Eicheln, Bucheckern und Steinen sowie dem Graben von Lehm. Für alle diese Dörfer, einschließlich der beiden mit geringeren Rechten ausgestatteten Randgemeinden Ober- und Niederscheden, bildeten die Nutzungsrechte bis zu ihrer Ablösung im 19. Jahrhundert eine wichtige, für einige möglicherweise sogar ihre Lebensgrundlage schlechthin.

Mit 259 Bewohnern im Jahre 1885 (vgl. Übersicht 1) war Dankelshausen das kleinste Bramwald-Dorf. Seine Gemarkungsfläche war mit 224 ha (Hektar) nach der von Ellershausen mit 217 ha die zweitkleinste. Bei der Bewohnerdichte, ausgedrückt durch die Gemarkungsfläche je Dorfbewohner, rangierte Dankelshausen mit 0,86 ha an dritter Stelle hinter Ellershausen mit 0,73 ha und Mielenhausen mit 0,82 ha. Doch bei dieser Gruppierung ist einige Vorsicht geboten, erscheint eine nähere Differenzierung angebracht zu sein.

In der Wähler-Liste für die Reichstagswahl im Jahre 1874[xiii] gaben vierzehn oder neunundzwanzig Prozent der achtundvierzig in Dankelshausen wahlberechtigten Männer Arbeiter auf dem Gutshof als ihren Beruf an. Vor diesem Hintergrund ist zu fragen, ob es einen Unterschied macht, ob jemand als freier Bauer allein auf seiner eigenen Scholle seinen Lebensunterhalt verdient oder sich zusätzlich als Tagelöhner auf dem Gutshof verdingen muß. Sehen wir da einen Unterschied, so erscheint es angebracht, die Fläche des Gutsbetriebes (83 ha) aus der des Dorfes herauszurechnen. Die Folge ist, dass zu einer Zeit, als die dörfliche Berufsstruktur noch nahezu vollständig durch die Landwirtschaft geprägt wurde, die Gemarkungsfläche nur 0,54 ha je Dorfbewohner betrug, eine Fläche, die weit unter der aller anderen Bramwald-Dörfer lag.

Die silberne Quelle, so heißt es in der Wappenbegründung, weist auf die unter großen Geldopfern der Einwohner von 1966 bis 1967 geschaffene moderne Wasserversorgung mittels Tiefenbohrung hin. Die Trinkwasserversorgung war ein Problem, das den Gemeinderat schon seit jeher immer wieder stark beschäftigt hatte[xiv]. Im Jahre 1966 wurde etwa 500 Meter nordwestlich des Dorfes in einer Senke unterhalb des Bramwaldes eine Aufschlussbohrung von rd. 110 Metern Tiefe durchgeführt. Bereits wenige Monate vor der Entscheidung des Gemeinderats, das „Jahrhundertwerk“ symbolisch in das Gemeindewappen aufzunehmen, zeigte es erhebliche Mängel. Die Sanierung der wichtigsten Verteilungsleitungen im Ort, so heißt es im Januar 1970 in einem Bericht des Landkreises Münden, ist … dringend notwendig und vom Gemeinderat beschlossen worden[xv]. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass einige Gemeinderäte bei der Entscheidung über den Entwurf des Gemeindewappens so ihre Zweifel hatten, ob die Wasserversorgung symbolisch in das Wappen aufgenommen werden sollte.

Das schwarze durchgehende Kreuz hält die kirchliche Bedeutung des Ortes als Parochiezentrum fest, und die Kleestengel versinnbildlichen die zur Parochie (Kirchengemeinde) gehörenden Nachbargemeinden Mielenhausen, Ober- und Niederscheden – die beiden letztgenannten Dörfer haben sich im Jahre 1964 zu der Gemeinde Scheden zusammengeschlossen.

Die Wurzeln von Dankelshausens Stellung als Parochiezentrum, als Zentrum der Kirchengemeinde, reichen weit in die Vergangenheit zurück. Sie sind auf das engste mit dem letzten Schildbild verwoben, mit dem Wappen der Familie von Stockhausen, das an die enge geschichtliche Beziehung zwischen Gutshof und Dorfbevölkerung erinnern soll. Ihren beherrschenden Einfluss auf das Gemeindegeschehen deutet der Umfang ihres Grund und Bodens an. Die Fläche ihres Gutes in Dankelshausen betrug 37 Prozent und die ihres im Jahre 1591 gekauften und im Jahre 1932 mit der Gemeinde Dankelshausen vereinigten Gutes Wellersen das 1,7fache der Dankelshäuser Gemarkungsfläche.

Am 19. Mai 1971 wurde den Dankelshäusern ihr Gemeindewappen offiziell übergeben. Zwei Tage später war in der Tageszeitung Mündener Allgemeine zu lesen: Kurz vor „Toresschluß“, d. h. vor Aufgabe ihrer dörflichen Selbständigkeit, erlebte die kleine Gemeinde Dankelshausen am Fuße des Bramwaldes noch einmal einen Höhepunkt ihrer Geschichte, dessen Bedeutung durch die nahezu geschlossene Teilnahme aller Einwohner dokumentiert wurde. Im Rahmen eines festlichen Heimatabends wurde ihr durch Kreisoberrat Walter Hoffmann das Gemeindewappen verliehen. Die Gemeindeverwaltung hat damit das Recht, auch das Gemeindesiegel und die grün-weiße Flagge zu führen. Das Wappen … vereint in sich alle Symbole, die von der Lage des Dorfes her über seine geschichtliche Entwicklung bis zur Dorfgemeinschaft unserer Tage reicht.

Die angesprochene Aufgabe der dörflichen Selbständigkeit nahm Bezug auf die Verwaltungs- und Gebietsreform der Niedersächsischen Landesregierung vom 9. Februar 1971. Auf ihrer Grundlage wurde mit dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Göttingen die Gemeinde Dankelshausen am 1. Januar 1973 mit den Gemeinden Scheden und Meensen zu der Einheitsgemeinde Scheden zusammengeschlossen. Dankelshausen hörte auf, eine eigenständige Gemeinde zu sein, deren Einwohner zur Erledigung aller örtlichen Gemeinschaftsaufgaben in eigener Verantwortung zu einem rechtsfähigen Verband (Gebietskörperschaft) zusammengeschlossen sind[xvi].

Die Aufgabe der politischen Selbständigkeit am 1. Januar 1973 durch die Einbindung in die Einheitsgemeinde Scheden stellte die schärfste politische Zäsur dar, die das Dorf Dankelshausen jemals erlebt hat. Kritiker der Gemeindereform sprechen von einer politischen Entmündigung der Dorfbewohner und von einem sozio-kulturellen Enteignungsprozess. In vielen Dörfern würden außer Wohnen und ein wenig Landwirtschaft keine Funktionen mehr angeboten, die erst in ihrer Fülle das Leben lebenswert machen[xvii]. Von einer solchen Entwicklung ist auch Dankelshausen nicht völlig verschont geblieben.

Die Bramburger werden Grundherren von Dankelshausen

Anfängliche Siedlungsstruktur

Meinen Einstieg in die Dankelshäuser Geschichte beginne ich mit der Völkerwanderung, als ab etwa 300 bis 400 n. Chr. die Sachsen ihre nordelbischen Siedlungsgebiete verließen und im Süden eine neue Heimat suchten. Zu dieser Zeit war das Oberwesergebiet noch dünn besiedelt[xviii]. Hohe, den Wald begünstigende Niederschläge sowie der für den Ackerbau wenig günstige mittlere Buntsandstein berechtigen zu der Annahme, dass im 5. Jahrhundert der Bramwald mit seinen östlichen Ausläufern ein noch zusammenhängendes Waldgebiet war[xix].

Im Gegensatz zur Ost- dürfte seine Westseite von Münden über Gimte bis Hemeln bereits im 5. Jahrhundert waldfrei gewesen sein[xx]. Gleiches gilt für die östlich gelegene Dransfelder Muschelkalkhochfläche. Die ersten Siedlungen nordwestlich von Dransfeld, wie Varlosen, Imbsen und Güntersen, sind als Hinweise dafür zu deuten, dass man bereits zu jener Zeit begann, von der Dransfelder Hochfläche aus zu dem noch vom Bramwald bedeckten unfruchtbareren Boden vorzudringen[xxi].

Der Verlauf des Schede-Bachs markiert die Grenze zwischen dem mittleren Buntsandstein des Bramwaldes und dem oberen Buntsandstein des „Hainholzes“. Und die östlich des Gutes Wellersen gelegenen Wälder von der „Wellerschen Hecke“ über den „Lohberg“ bis hin zur „Breckellieht“ bilden die Trennlinie zwischen dem oberen Buntsandstein und dem Muschelkalk, die Grenze zwischen dem späteren und frühen Siedlungsgebiet.

Die Endung „hausen“ der drei Bramwald-Kerngemeinden Dankelshausen, Mielenhausen und Ellershausen deutet auf eine Siedlungszeit um das Jahr 800 hin[xxii]. Der ehemalige Eichen- und Hainbuchenbestand des „Hainholzes“ - in vorchristlicher Zeit wurden Hainholze als heilig angesehen, in ihrer Nähe befanden sich nicht selten Volksgerichtsstätten[xxiii] - lässt darauf schließen, dass die ersten Siedlungsansätze von Dankelshausen ganz in seiner Nähe erfolgt sind. Es war insbesondere das Schwein - ernährungsphysiologisch der wichtigste Energielieferant -, dem der Eichenbestand günstige Bedingungen für seine Aufzucht und Mast bot[xxiv]. Das Großvieh fand im Sommer sein Futter auf den Bauernwiesen und in den Laubhainen. Sein Winterfutter bestand aus Laub und geschnittenem Gras[xxv].

Bei dem Versuch, die Struktur des Siedlungsprozesses von Dankelshausen nachzuzeichnen, stütze ich mich auf André Gides Traktat Corydon: Ich meine, der Wert eines neuen Systems, einer neuen Erklärung bestimmter Erscheinungen bemißt sich nicht einzig und allein nach ihrer Genauigkeit, sondern auch oder vielmehr vor allem danach, ob sie dem Geist Auftrieb zu neuen Entdeckungen, zu neuen Feststellungen gibt (sollten diese dann auch besagte Theorie entkräften).

Den ersten Siedlungsansatz sollten wir uns als einen kleinen Weiler mit einigen wenigen Gehöften vorstellen. Anfänglich mag eine jede Sippe einen selbständigen Siedlungsverband gebildet haben. Später dürfte es das nachbarliche Zusammengehörigkeitsgefühl gewesen sein, das mit abnehmenden verwandtschaftlichen Banden zum eigentlichen Bindemittel der Dorfgemeinschaft wurde. Im Hinblick auf die Außenbeziehungen war es auf die Notwendigkeit ausgerichtet, gemeinsam gegen äußere Feinde vorzugehen, im Innenverhältnis wurde es durch den gemeinsamen religiösen Kult geprägt[xxvi]. In vielen Dörfern, so G. C. von Unruh (1956, S. 17), war der Kreis der Nachbarschaft mindestens auf sechs Höfe beschränkt, da sechs Menschen zum Tragen eines Sarges erforderlich sind. Der Tod eines Nachbarn war kein privates Ereignis, er betraf die gesamte Nachbarschaft und Gemeinde, die geschlossen an seinem Begräbnis teilnehmen mußten.

Zu vermuten ist, dass die ursprüngliche Siedlungszeile nahe der Schede angelegt war[xxvii]. Weitere Gehöfte befanden sich westlich der Kirche, linksseitig der „Kleinen Straße“. Durch die Überschwemmungsgefahr in der Schedeniederung wurde als zweite Platzwahl eine Stelle weiter von der Schede entfernt gewählt. Schließlich siedelten sich dann auch zwischen diesen beiden Plätzen Bewohner an. Zwischen diesen beiden Zeilen der letzten Platzwahlen blieb eine angerartige Fläche zurück. Der obere Teil des angerartigen Platzes ist unbesiedelt, weil durch die Entfernung zum Schedebach kein hofnahes Grünland zur Verfügung stand. Die „angerartige“ Aussparung der Fläche zwischen der heutigen „Großen“ und der „Kleinen Straße“ dürfte eine Folge der dort anzutreffenden Fließerden sein. Fließerden, dessen Feinmaterial aus Schluffen und Sanden besteht, werden schon bei geringer Durchfeuchtung mobil und sind sehr rutschgefährdet[xxviii]. Die dauerhafte Wasserzufuhr aus dem Bramwald dürfte die angerartige Fläche, die vergleichsweise tief gelegene Dorfmitte, schon seit Siedlungsbeginn für den Bau von Gehöftanlagen wenig geeignet gemacht haben.

Die Inkulturnahme der Gemarkungsfläche haben wir uns als einen Prozess vorzustellen, der von Osten nach Westen erfolgte. Er war darauf ausgerichtet, dem Bramwald mit seinen lockeren Eichen- und Buchenbeständen, durchsetzt mit Fruchtbäumen artenreicher Fülle [xxix], durch Rodungen immer weitere Flächen abzuringen. Für diese Einschätzung spricht der Befund, dass für die anfänglich genutzten, östlich gelegenen Flächen zunächst den Erzbischöfen von Mainz, später den Dankelshäuser Grundherren, meinen Vorfahren, der Zehnte[xxx] und für die später genutzten Flächen den letzteren ein Erbzins zu bezahlen war.

Den westlich des Dorfkerns gelegenen Flächen dürfte der Charakter einer Allmende zuzusprechen sein. Sie war der Markgemeinde, der Gesamtheit der Eigentümer der mit Grund und Boden ausgestatteten und in der „Mark“ gelegenen Hofstätten, zur gemeinsamen Nutzung vorbehalten. Ihre Nutzungsberechtigung war ein untrennbarer, „grundgebundener“ Bestandteil des Eigentums der Mitglieder der Markgenossenschaft. Die Mitglieder waren verpflichtet, sich anteilig an den Lasten und Pflichten der Markgenossenschaft zu beteiligen, und zwar in der von ihr beschlossenen Reihenfolge. Es ist diese Bestimmung, die den nutzungsberechtigten Markgenossen den Namen „Reiheberechtigte“ gegeben hat. Über drei Triftwege diente sie dem Vieheintrieb in den „Gemeinen Bramwald“, einem Eigentum zur gesamten Hand. Diesen Begriff, so schreibt H. Freist (2001, S. 179), muß man wörtlich verstehen. Die gemeinsamen Beschlüsse der zu seiner nachhaltigen Nutzung berechtigten Mitglieder wurden dadurch bekräftigt, dass man sich im Kreise die Hände reichte.

An dem „Gemeinen Bramwald“ nutzungsberechtigt waren ursprünglich sechzehn Dörfer: Hemeln, Ober- und Niederscheden, Dankelshausen, Bühren, Mielenhausen, Varlosen, Ellershausen, Volkmarshausen sowie die Leinetaldörfer Mengershausen, Lemshausen, Obernjesa, Sieboldshausen, Olenhusen, Settmarshausen und Volkerode sowie die Stadt Dransfeld[xxxi]. In der Zeit nach den Sachsenkriegen, zu Beginn des 9. Jahrhunderts, erklärten die fränkischen Könige den bis dahin herrenlosen Bramwald zu einem forestierten Bezirk[xxxii]. Mit dieser Erklärung wurde der Bramwald einschließlich des nichtbewaldeten Geländes zu einem gesonderten Rechtsbezirk. In ihm wurden die gesamten dort möglichen Nutzungen wie Holzschlag, Eichelmast, Jagd, Fischfang, Rodung, Besiedlung sowie alle sonstigen Weidelanderträgnisse einschließlich der Bodenschätze der königlichen Verfügungsgewalt unterworfen.

Mit dem Ersatz der altgermanischen Gauverfassung durch eine Verwaltung nach fränkischem Vorbild wurden an die Stelle der ehemaligen Gauführer frankenfreundliche Sachsen als Grafen eingesetzt und mit der Verwaltung des Landes beauftragt. Als Gegenleistung wurden sie mit Reichsgut belehnt, mit Lehen ausgestattet, die später erblich wurden. Die solchermaßen „vergüteten“ Grafen werden im allgemeinen an der Ansetzung von Siedlern interessiert gewesen sein, zunächst schon aus wirtschaftlichen Gründen wegen der zu erwartenden Einnahmen aus den neuen Höfen. Aber man muss wohl auch machtpolitische Interessen annehmen, denn mit den neuen, mehr oder weniger geschlossenen Rodungsgebieten ließen sich Lücken im Streubesitz schließen und kleine, aber doch einigermaßen abgerundete Einflussgebiete schaffen [xxxiii].

Für eine solchermaßen geplante oder zumindest gelenkte Ansetzung von Siedlern im östlichen Bramwaldgebiet zeugen die Ortsnamen. Der Verbund mit Personennamen weist nicht selten auf Adelsfamilien als Grundherren und Siedlungsgründer hin[xxxiv]. Nach R. Wenskus (1972, S. 383 ff) legt der Vorname Thanculf als erster Namensteil von Dankelshausen (Dancolueshusen) eine Verwandtschaft mit dem Liudolfinger Geschlecht nahe.

„Das ist des Herzogs Wort“

Im Jahre 1070 hatte Dietrich an der Seite von Graf Otto von Northeim (+1083) an dessen Kampf gegen den Salier-König Heinrich IV. teilgenommen. In einem der Folgejahre hat ihn Graf Otto zu seinem Statthalter an der oberen Weser auf die Bramburg bei Hemeln bestellt. Seit dem Jahre 1129 ist sie in ununterbrochener Folge Pfandlehen der Herren von Stockhausen gewesen[xxxv]. Als Afterlehen [xxxvi] der Bramburg besaßen sie die Güter Imbsen, Dankelshausen und Löwenhagen.

Wenn davon gesprochen wird[xxxvii], dass man nicht wisse, von welchem Herzog zu Braunschweig und Lüneburg sie die Lehen empfangen haben, so wird damit zugleich ein generelles Datierungsproblem berührt. Vom Herrscher erhaltene Schenkungen, Verlust und Zugewinn durch Heiratsgut machen es nahezu unmöglich, den Besitz einer einzelnen Adelsfamilie zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erfassen [xxxviii]. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Eigentümer halte ich es für wahrscheinlich, dass Thietmar Dankelshausen von dem Welfenherzog Albrecht I. (+1279) verlehnt bekommen hat[xxxix].

Diese Vermutung gründe ich auf seinen Beitrag, den er – wenn auch wohl nicht aus eigenem Antrieb - der Sage nach[xl] dem Welfenhaus geleistet hat, um dessen Ehre gegenüber den Staufern wieder in ein rechtes Licht zu rücken. Eine Sage mag zwar als ein nur schwaches wissenschaftliches Fundament erscheinen. Wenn ich sie aber dennoch verwende, dann stütze ich mich auf das, was Volkskundler über ihr Wesen mitteilen. Sagen seien eine Art von Chronikerzählungen, die merk-würdige Geschehnisse von realen Personen der Mit- und Nachwelt überliefern[xli].

Meinen Vorfahren als Burgmänner der Bramburg wird ein wildes Raubritterdasein nachgesagt. Um die auf der Weser vorbeifahrenden Schiffe leichter anhalten und ausplündern zu können, hätten sie unterhalb der Wasseroberfläche eine Kette gezogen. Die an ihr befestigte Glocke habe dazu gedient, ihnen alle passierenden Schiffe anzuzeigen. Zu ihren „Opfern“ habe auch eine Prinzessin von der herzoglichen Burg in Münden auf ihrer Wallfahrt nach dem Kloster Corvey gehört.

Mit dieser Schandtat hatten sie das bisher übliche Maß an Räubereien überschritten. Es war vermutlich Herzog Albrecht I., der daraufhin seine Truppen sammelte und die Burg belagerte. Doch er stieß auf Thietmars erbitterten Widerstand. Über den Verlust vieler seiner Mitstreiter höchst erbittert, schwor er, kein männliches Wesen aus der Burg entkommen zu lassen. Als sich schließlich die Besatzung ergeben mußte, bat die Burgfrau den Herzog um die Gnade, mit dem frei abziehen zu dürfen, was sie in ihrer Schürze fortzutragen vermöge. Und der Herzog gewährte ihr die Bitte. Als sie die Burg verließ und an ihm vorbeikam, konnte er seine Neugierde nicht zügeln und bat sie, ihm zu zeigen, was sie in ihrer Schürze forttrug. Der Anblick ihres kleinen Söhnleins rührte ihn so sehr, dass er seinen Schwur vergaß. Dicke Tränen rollten ihm über die Wangen. Zutiefst bewegt, schenkte er Thietmar das Leben, nahm ihn aber auf der Mündener Burg in Haft.

Das Besondere und Staunenswerte an der Sage ist, dass sich ein Herzog durch die Burgfrau solchermaßen „austricksen“ ließ. Ist ein solcher Vorgang glaubwürdig? Oder war es gar kein Sich-Austricksen-Lassen? Im Jahre 1140 hatte der Stauferkönig Konrad III. den Onkel von Herzog Heinrich dem Löwen, Welf VI., auf der Burg Weinsberg bei Heilbronn belagert. Es war damals der Hunger gewesen, der die welfische Besatzung immer stärker bedrängt und sie, wie Albert von Chamisso in seiner Volkssage Die Weiber von Winsperg die damalige Situation beschreibt, schließlich zur Aufgabe gezwungen hatte:

…..

„Die Weiber mögen abziehn, und jede habe frei,

Was sie vermag zu tragen und ihr das Liebste sei.

Laßt ziehn mit ihrer Bürde sie ungehindert fort“,

Das ist des Königs Meinung, das ist des Königs Wort.

...

Es öffnet leise, leise sich das bedrängte Thor,

Es schwankt ein Zug von Weibern mit schwerem Schritt hervor.

Tief beugt die Last sie nieder, die auf dem Nacken ruht,

Sie tragen ihre Ehherrn, das ist ihr liebstes Gut.

Eine solche Niederlage gepaart mit der königlichen Großherzigkeit hatte sicherlich den Stolz des Welfenhauses zutiefst verletzt, hatte eine tiefe, nur schwer zu heilende Wunde hinterlassen. Es war wohl diese nach wie vor schwelende Wunde, die auch den Welfenherzog Albrecht I. nicht zur Ruhe kommen ließ. Dem staufischen Großmut galt es, einen welfischen entgegenzusetzen: Laßt ziehn mit ihrer Bürde sie ungehindert fort, /Das ist des Herzogs Meinung, das ist des Herzogs Wort.

Der Zeitrahmen des Bramburger Geschehens wird durch zwei Jahresdaten markiert. Da ist einmal das Jahr 1247. In diesem Jahr gewährte Herzog Otto das Kind (+1252), der Vater von Herzog Albrecht I., der Stadt Münden das Privileg der Verkehrsfreiheit auf der Weser. In den folgenden Jahren ließ er die Mündener Burg zu einer fürstlichen Residenz ausbauen, in der sich nicht nur er, sondern auch sein Sohn Albrecht I. des Öfteren aufgehalten hat.

Und da ist das Jahr 1256, in dem das Schloss und das Amt Bramburg aus der Erbmasse des im Jahre 1247 verstorbenen Landgrafen Heinrich Raspe von Thüringen an Herzog Albrecht I. gelangten[xlii]. Dieser Wechsel ist insofern bedeutsam, als sich in den Jahren zuvor meine Vorfahren als nicht-welfische Lehnsleute mit ihren Räubereien nicht der Lehnsuntreue gegenüber den Welfenherzögen schuldig gemacht hatten. Mit einem solchen Vorwurf wären sie von den Welfen wohl kaum mit den besagten Afterlehen bedacht worden.

Mit sehr gemischten Gefühlen dürften die Mündener Stadtherren die nachsichtige Behandlung der stockhausenschen Räubereien durch die Welfenherzöge betrachtet haben. Denn zu den Privilegien, die Herzog Otto das Kind den Mündenern im Jahre 1247 gewährt hatte, gehörte auch der zollfreie Handel im welfischen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg[xliii]. Mit diesem Privileg hatte der Überlandhandel für sie eine völlig neue Bedeutung gewonnen.

Die wichtigste Überlandverbindung von Münden in das welfische Herzogtum war zur damaligen Zeit die Heerstraße von Gimte durch den Bramwald über Bühren, Varlosen, Imbsen und weiter über Harste und Nörten-Hardenberg nach Northeim[xliv]. Wenn Münden noch im gleichen Jahr mit der Stadt Northeim ein Bündnis abgeschlossen hatte, so deshalb, um sich gemeinsam gegen den straßenräuberischen Adel zu schützen[xlv], so wohl auch gegen die Mannen auf der nahe gelegenen Bramburg. Zeugnis davon, wie es zu jener Zeit um die Sicherheit auf der Straße bestellt war, legen die zehn, in der südlichen Feldmark von Bühren aufgefundenen Kreuzsteine ab. Als Sühnesteine bezeugen sie die Untaten, die an oder auf der vorüberführenden Heerstraße verübt wurden [xlvi]. Auch wenn es keinerlei Hinweise dafür gibt, dass die Bramburger an den Untaten beteiligt gewesen waren, so sind sie doch als Mittäter nicht völlig auszuschließen.

Mit sehr gemischten Gefühlen dürften sich damals auch viele Dankelshäuser die bange Frage gestellt haben, was sie von ihren neuen Grundherren zu erwarten haben würden. Dabei dürften sie kaum befürchtet haben, dass auch sie deren Wegelagereien zum Opfer fallen würden. Vor einer solchen Gefahr waren sie als deren „Eigentum“ geschützt. Dagegen zu befürchten hatten sie, dass ihre Grundherren nicht stark genug sein könnten, sie vor möglichen Verwüstungen anderer Potentaten zu schützen. Und richtig. Im Jahre 1335 sollten sie es nicht sein, als der Erzbischof von Mainz bei seinem Durchzug gegen die Burg Everstein und die Stadt Einbeck dem Dorf Dancolveshausen schweren Schaden zufügte[xlvii]. Waren ihre neuen Grundherren auch zu schwach gewesen, ihr Dorf zu schützen, so heißt dies allerdings nicht, dass sie das Geschehene schicksalhaft hinnahmen: Die von Stockhausen zu der Bramburg, herzogliche Mannen und Burgmannen, so klagte sie Erzbischof Gerland von Mainz noch gut dreißig Jahre später, im Jahre 1367, an, hätten ihm seinen Zehnten in dem Dorfe Dankelshausen seit Jahren mit Gewalt vorenthalten[xlviii].

Eine andere, nicht minder schwerwiegende Frage der Dankelshäuser dürfte gewesen sein, wie sie von ihren neuen Grundherren behandelt werden, welchen Dienst- und Abgabeverpflichtungen sie ausgesetzt sein würden. Hatten die Bauern während der karolingischen Zeit ihr ehemals freies Land zugunsten ihres Schutzes durch die mächtigen geistlichen und weltlichen Herren eingetauscht, so gab es seit dem 12. Jahrhundert für die Grundherren vielfältige Gründe, die alte Grundherrschaft aufzulösen und das Land den Bauern wieder zur selbständigen, jedoch abgaben- und dienstpflichtigen Bewirtschaftung zu überlassen[xlix]. Im Falle von Geismar, heute ein Stadtteil von Göttingen, heißt es[l], dass von einer Auflösung der älteren Grundherrschaft im Sinne eines formellen Auflösungsaktes nicht gesprochen werden könne. Sie habe sich zu einem bloßen Recht der Abgabennutzung verflüchtigt. Als Reallast sei der niedrige Hörigenzins in Form eines Erbzinses zum Teil bis in das 19. Jahrhundert hinein erhalten geblieben. In dieser Form ist die Veränderung auch in Dankelshausen erfolgt.

Von dem Wandel unberührt blieb die herrschaftliche Macht der Grundherren. Es war insbesondere das häufige Verbleiben der Gerichtsfunktion in ihren Händen, das der bäuerlichen Freiheit bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts enge Grenzen zog. Indem die Grundherren den Bauern die Verwaltung und die Gerechtsame über die dörfliche Allmende abnahmen, weiteten sie ihre Herrschaft zu einer patrimonialen, staatsähnlichen Gewalt aus[li]. Die von ihnen beanspruchten Hoheitsrechte machten sich gegenüber den Bauern als materielle Belastung, sei es in Form von naturalen oder später monetären Abgaben oder zu leistenden Diensten und in der Beschränkung sowohl der persönlichen Freiheit als auch der Verfügungsgewalt über ihren Besitz, geltend und führten zu der reichen Differenzierung der Größen und Formen der bäuerlichen Betriebsführung, der wir - auch in den Bramwald-Dörfern – … nach Abschluß des Mittelalters begegnen [lii].

Die Dankelshäuser Kirche – eine Stiftung derer von Stockhausen?

Die Dankelshäuser Mutterkirche

Die Anfänge der Dankelshäuser Pfarrkirche liegen im Dunkel der Vergangenheit. Wenn davon gesprochen wird, der Turm der Dankelshäuser Kirche sei um das Jahr 1240 erbaut worden[liii], so deutet dieses Datum, wenn es denn stimmt, lediglich darauf hin, dass es um diese Zeit wahrscheinlich eine Kirche gegeben hat. Offen muss bleiben, ob es eine solche nicht bereits schon früher gegeben hat. In dem Protokoll der General-Kirchenvisitation vom Jahre 1588 wird die Kirche in Dankelshausen als „mater“ und die in Oberscheden als „filia“ bezeichnet[liv]. Mit dem Begriff Mutterkirche (mater) wird das generationsmäßige Verhältnis jeder älteren zu einer aus ihr herausgelösten Tochtergründung (filia) bezeichnet[lv]. Bei einer Mutter-Tochter-Kirchen-Beziehung[lvi] ist als Mutterkirche diejenige anzusehen, an deren Ort der Pfarrer wohnt, in der der allsonntägige Gottesdienst stattfindet - in der Tochterkirche wird ein Gottesdienst nur an gewissen Sonntagen abgehalten - und schließlich in der die Einführung eines neuen Pfarrers erfolgt.

Für die urkundlich zum ersten Male im Jahre 1366 erwähnte Pfarre in Volpriehausen im Solling werden als Voraussetzung für ihre Einrichtung die Verfügbarkeit von ca. fünfzehn Hektar zehntfreies Land und die entsprechenden Erträge aus der Landwirtschaft als Existenzgrundlage für den Pfarrer genannt. Hinzu kamen noch die Naturalabgaben der Gemeindemitglieder und die Einkünfte für kirchliche Amtshandlungen[lvii]. Um zu jener Zeit eine bäuerliche Familie mit Nahrungsgütern, vor allem mit Getreide, dauerhaft - bei schlechteren Ernten unter Ausnutzung eventueller Überschüsse aus den vorangegangenen Jahren - ernähren zu können, wird eine Fläche von sieben bis acht Hektar als erforderlich veranschlagt[lviii]. Das ist die Hälfte derjenigen Fläche, die in Volpriehausen für einen Pfarrer als angemessen erachtet wurde.

Wenn wir die Entwicklung eines Dorfes als einen Prozess der allmählichen Zunahme der Zahl der Hofstellen begreifen[lix] und wenn es nachweislich in Dankelshausen im Jahre 1585 nur dreizehn Kleinbauernfamilien (Köter) und einen Halbspänner-Hof gegeben hat (vgl. Übersicht 2), so dürfte die Dankelshäuser Gemeinde 350 Jahre zuvor, zur Zeit des erwähnten Kirchturms, oder noch früher ganz offensichtlich zu klein und zu arm gewesen sein, um sich allein einen Pfarrer leisten zu können.

In einer vergleichbaren Situation mögen sich die Dörfer Mielenhausen und - mit Einschränkungen - auch Niederscheden befunden haben. Im Falle von Oberscheden mit seinen 60 Bauernfamilien im Jahre 1585 dürften für eine solche Einschätzung allerdings einige Zweifel angebracht sein. Doch wie dem auch gewesen sein mag, bei dem Bemühen um eine gemeinsame Pfarre dürfte auch das vermutlich inständige Bestreben meiner Vorfahren eine gewichtige Rolle gespielt haben, die gemeinsame Kirche in ihrem Dorf zu haben[lx]. Es dürfte dazu geführt haben, dass das kleinste Dorf zum Parochiezentrum des vierdörfigen Kirchspiels Dankelshausen, Oberscheden, Niederscheden und Mielenhausen wurde. Grundlage dieser Vermutung ist, dass das Mittelalter eine Kirchengemeinde im modernen Sinne nicht kannte - ihre Konstituierung geht erst auf das Gesetz über Kirchen- und Schulvorstände vom 14. Oktober 1848 zurück -, dass zur fraglichen Zeit die kirchliche und bäuerliche Gemeinde noch als eine Einheit empfunden wurde[lxi], das Bewusstsein der örtlichen Zusammengehörigkeit noch nicht in ein „kirchengemeindliches“ und ein „bürgergemeindliches“ gespalten war [lxii].

Mitglieder der Kirchengemeinde waren die parochiani, häufig einfach als plebs bezeichnet. Der für die plebs tätige Priester war der plebanus[lxiii]. Der erste uns bekannte Pfarrer in Dankelshausen war dominus Engelfridus[lxiv]. Mit ihm verbindet sich ein zwar dorfgeschichtlich bedeutungsloser, in Dorf- und Stadtchroniken allgemein jedoch umso stärker hervorgehobener Tatbestand: die erste urkundlich belegbare Erwähnung des in Rede stehenden Ortes[lxv]. Im Falle von Dankelshausen ist es das Jahr 1309. In diesem Jahr wird dominus Engelfridus plebanus in Dancolueshusen als einer der Zeugen des Edelherrn Heinrich von Ziegenberg genannt, als er am 26. Juli dessen Schenkung von zweieinhalb Hufen in Groß Lengden an das Stift Hilwartshausen beurkundete[lxvi].

Die für Dankelshausen vermutete Eigenkirche meiner Vorfahren steht im Einklang mit dem allgemeinen Befund, dass die Eigenkirche eine ständige Begleiterin der Grundherrschaft war [lxvii]. Die Patronatsrechte befanden sich gehäuft dort in den Händen eines Adligen, wo dieser auch über die grundherrlichen Rechte allein oder mehrheitlich verfügte[lxviii]. Begründet H. Wiswe (1934, S. 81) diese Parallität mit dem Interesse der Grundherren an den kirchenbaulichen Anlagen, so spricht J. K. F. Schlegel (1804, S. 296 ff) von einer Art von Verpflichtung, die die Kirche den Grundherren zum Schutz der kirchlichen Güter aufgegeben habe[lxix]. Als die Kirche zu größerem Reichtum gelangt sei, habe sie zur Verteidigung und zum Schutz ihrer Güter eigene Defensoren oder Vogte bestellt. Als solche habe man in kriegerischen Zeiten gern angesehene Gutsbesitzer und Dynasten gewählt. Wer keine Waffe trug oder tragen durfte, allen voran die geistlichen Personen, der war auf den Schutz eines Grundherrn angewiesen. In diesem Sinne könnte das Patronatsrecht der Grundherren gleichsam als eine kirchliche Gegenleistung für den ihnen aufgebürdeten Schutz der kirchlichen Güter verstanden werden.

Die Dankelshäuser Kirche steht auf einer kleinen Anhöhe. Die mehrfachen Hinweise aus den Jahren 1701 bis 1708, dass die Erdfälle in der Kirche als eine Folge vorhandener Gräber[lxx] hätten ausgefüllt werden müssen, lassen nur sehr bedingt auf eine künstliche Aufschüttung schließen. Fragen wir dennoch, warum die Dankelshäuser und deren Grundherren sich möglicherweise die Mühe einer künstlichen Erhöhung des Standorts ihrer Kirche gemacht oder anders herum, warum sie die natürliche Erhöhung für den Platz ihrer Kirche gewählt haben, so nähern wir uns erneut der wichtigen Nebenaufgabe einer Dorfkirche, ihrer Benutzung zur Sicherung der Gemeinde.

Herausragender Bestandteil der dörflichen Sicherungsanlagen war der Kirchturm. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Wahl des Kirchplatzes mit der des Burgplatzes vergleichbar. Die vom Siedlungskern etwas abseitige Lage der Dankelshäuser Kirche mag nicht zuletzt eine Folge des sehr feuchten, wenig festen, fließerdigen Untergrunds zwischen den beiden Dorfstraßen, der „Großen“ und der „Kleinen Straße“ sein.

Das praktische Vorbild des Kirchturms war der Bergfried, der Hauptturm einer Burg[lxxi]. In seine beiden Wortbestandteile zerlegt, oblagen ihm die Aufgaben des Bergens und Einfriedens, des Beschützens der sich ihm anvertrauenden Menschen und deren wichtigsten Habe. Die architektonischen Merkmale des Dankelshäuser Kirchturms - die Dicke der Mauern, der fehlende Zugang zum Erdgeschoß, die Schießscharten - machen deutlich oder lassen zumindest darauf schließen, dass seine vorrangige Funktion nicht die eines im Dienste der Kirche stehenden Glocken-, sondern die eines im Dienste von irdischen Angelegenheiten der Dankelshäuser stehenden Wehrturms war. Für die in „grauer“ Vorzeit noch recht kleinen Glocken wäre ein derartig wuchtiger Turm viel zu aufwendig gewesen.

Unter Androhung von schweren Strafen warnte im Juni 1730 die Königlich und Churfürstliche Regierung zu Hannover, von der ursprünglichen und über lange Zeit beibehaltenen Funktion der Kirchenglocken, Gemeindeversammlungen einzuberufen[lxxii], missbräuchlichen Gebrauch zu machen. Zwei Monate später wies das Amt Münden die Pastoren an, das Dekret in vollem Wortlaut in allen Dörfern und Kirchspielen der versammelten Gemeinde vorzulesen[lxxiii]:

Es sei vorgekommen, dass Untertanen die Glocken allein zu dem Zwecke angeschlagen hätten, um sich zu Privatgeschäften zu versammeln. Auf diese Weise seien die Leute ohne Not von ihrer Arbeit abgehalten worden. Wenn dann aber in wirklichen Notfällen geläutet worden sei, sei die Hilfe nicht so schnell zur Stelle gewesen, wie es die Gefahr erforderte. Die Einwohner seien das häufige Glockenläuten gewohnt gewesen. Von besonderer Bedeutung sei aber, dass sie mit dem Glockenläuten zum Opponieren gegen obrigkeitliche Verordnungen zusammengerufen worden seien. Solches habe zu höchststrafbaren Aufwiegelungen und vielen anderen Inkonvenienzen (Unannehmlichkeiten) Anlaß gegeben. Diese in einigen Orten der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen eingerissene Unordnung solle abgeschafft und ernstlich verboten werden. Das Verbot solle in den Kirchspielen und Dorfschaften, wo dergleichen unordentliches Anschlagen der Glocken gebräuchlich ist, den Eingesessenen und Untertanen, insbesondere den Küstern deutlich gemacht werden: hinführo sollen die Glocken zu nichts anders, als zu dem ordentlichen Gottes-Dienst, auch zur Beleutung der Todten und wan etwa eine Feuers-Brunst entstehet oder sonst ein ausserordentlicher Casus und sonderbare Noth sich begiebet, gebrauchet, geläutet und angeschlagen werden.

Mit Bezug auf das Dorf Fürstenhagen im Bramwald wird davon gesprochen[lxxiv], dass die dortige Kirche ursprünglich eine Doppelfunktion gehabt haben müsse: Sakralraum sowie Speicher und Fluchtraum. Diese Einschätzung dürfte auch auf die Kirche in Dankelshausen zu übertragen sein. Im Jahre 1670 spricht der Dankelshäuser Pastor Johann Friedrich Schenk davon, dass über dem Erbbegräbnis meiner Vorfahren in dem Glockenturm Frucht und Korn gewesen sein mögen[lxxv].

Mit ihrer Funktion, das Hab und Gut der Dorfbevölkerung zu schützen, ist die Oberschedener Kirche durch die Sage von der Hensemannsche in die Geschichte eingegangen[lxxvi]. Sie geht auf den im Jahr 1481 ausgebrochenen Streit zwischen dem Hildesheimer Bischof Barthold und der Stadt Hildesheim über die bischöfliche Aufforderung zurück, ihm durch eine Biersteuer zu helfen, die bischöfliche Kasse zu füllen. Der Streit weitete sich zu einem regionalen Konflikt aus, als der Bischof Herzog Wilhelm d.J. (+1503) und die Stadt Hildesheim den sächsischen Städtebund und mit ihm als sein Mitglied die Stadt Göttingen als ihre jeweiligen Bündnispartner gewannen.

Die Sage beginnt mit dem Verrat, dass die herzoglichen Oberschedener all ihr Hab und Gut in ihrer Kirche versteckt hätten. Im Oktober 1486 bedrängten die Göttinger sie, ihre dort zusammengetragenen Güter herauszugeben. Als die Göttinger Übermacht zu obsiegen drohte, habe sich die Oberschedener Bauersfrau, die Hensemannsche, mit etlichen anderen Frauen hilfesuchend nach dem herzoglichen Münden auf den Weg gemacht. Auch wenn sie von dem Stadtrat wenig freundlich empfangen worden sei, so habe sie sich nicht entmutigen lassen. Wenn schon der Stadtrat ihren bedrängten Freunden und Verwandten nicht zur Hilfe eilen wollte, so werde gewisslich Gott sich ihrer erbarmen. Und richtig, hinter der Werrabrücke am Blümer Berg stieß sie auf einen Landsknecht, eine Frau und einen Trompeter und überredete sie, mit ihr zu kommen. Kurz vor Oberscheden forderte sie den Trompeter auf, das herzogliche Marschlied zu blasen:

Das Marschlied laß erschallen,

Wie’s bei dem Herzog Brauch,

Wir werden dazu singen,

Sind heute Knechte auch.

Georg Schwiening, Die wahre Hensemannsche von Oberscheden

Ihre List machte ihren Freunden und Verwandten neuen Mut. Und die Göttinger, die es mit der Angst zu tun bekamen, zogen sich zurück. Als Herzog Wilhelm dann am Abend herbeieilte, wollte er das Geschehene kaum fassen : „Dank dir, Hensemannsche!“/ Drückt ihr die schwiel’ge Hand.

Als kirchliche Befestigungsanlage ist nicht nur der Kirchturm mit der zu ihm gehörigen Kirche anzusprechen. In die Anlage vielfach einbezogen war auch, wie nachweislich in Oberscheden[lxxvii], der Friedhof. Er war nicht nur ein Ort des Begräbnisses, er war zugleich im Verbund mit der Kirche ein durch das kirchliche Asylrecht geschützter Zufluchtsort[lxxviii]. Im Jahre 1339 wurden mehrere Göttinger in den Bann getan, weil sie zwei Totschläger, die nach Geismar, der eine in den Kirchturm, der andere in das Pfarrhaus, geflüchtet waren, unter Verletzung des kirchlichen Asylrechts ergriffen hatten[lxxix].

Vor dem Hintergrund der These von H. Tütken (1964, S. 318), dass dort, wo Patronat und Grundherrschaft in einer Hand waren, es kaum Auseinandersetzungen um die Bebauung und Befestigung des Kirchhofes gegeben haben (wird), wird wohl der Hinweis in der Dankelshäuser Kirchenrechnung vom Jahre 1690, dass ein großes Stück Kirchhofsmauer…durch Meister Jacob zu Dransfeld, im folgenden Jahr auch der übrige Teil gemacht wurde[lxxx], nicht als Neubau-, sondern als Reparaturmaßnahme zu interpretieren sein. Das heißt zugleich, dass der hinter der Kirche gelegene alte Friedhof als Teil der kirchlichen Wehranlage vermutlich bereits in früher Zeit durch eine Friedhofsmauer befestigt gewesen war.

Die Doppelfunktion des Kirchturms als Speicher und Fluchtraum sowie die irdischen Anliegen des Glockenläutens mögen der Grund dafür gewesen sein, dass es häufig die Gemeinden waren, denen der Kirchturm und die Kirchenglocken gehörten. Als im Jahre 1949 der Landkreis Münden die Klosterkammer in Hannover darum bat, die Kirchengemeinden Dankelshausen, Varlosen, Lutterberg, Hedemünden, Uschlag und Dransfeld bei der Instandsetzung ihrer während des Zweiten Weltkrieges zerstörten Kirchtürme zu unterstützen, stellte sich in den besagten Gemeinden heraus, dass die Rechtsverhältnisse über die Kirchtürme keineswegs eindeutig waren. So wurden die Kirchtürme in Hedemünden und Varlosen nicht von den Kirchengemeinden, sondern von den politischen Gemeinden unterhalten, wohl ein bezeichnender Hinweis für die ehemals dominante Wehrfunktion des Kirchturms[lxxxi].

Über den Eigentümer des Dankelshäuser Kirchtums wird in den Akten nichts ausgesagt. Als Stiftungskirche dürften anfänglich der Kirchturm und das Kirchenschiff eine Einheit gebildet haben. Die in den Jahren 1806 und 1826 auf Bitten der Gemeinde Dankelshausen geleisteten Unterstützungszahlungen des Superintendenten für die erforderlichen Reparaturen des Kirchturms und das Aufhängen der Glocken[lxxxii] deuten daraufhin, dass zu jener Zeit der Kirchturm und die Glocken der Kirche gehört haben.

Die Mitgliedsgemeinden der Dankelshäuser Parochie proben den Aufstand

Die Ursprünge der Dankelshäuser Parochie mit der Mutterkirche in Dankelshausen, der erstmals im Jahre 1486 erwähnten Tochterkirche in Oberscheden sowie den Tochtergemeinden Niederscheden und Mielenhausen habe ich u. a. auf die damalige Armut der Mitgliedsgemeinden und die Stiftungskirche meiner Vorfahren zurückgeführt. Seit dieser Zeit scheinen sich die Macht- und Wohlstandsverhältnisse zwischen den Mitgliedsgemeinden deutlich verändert zu haben. Im Jahre 1689 betrug die Zahl der Bewohner von Oberscheden 349, von Dankelshausen 111, von Mielenhausen 133 und von Niederscheden 143 (vgl. Übersicht 3). Es dürfte das mit ihrer Gemeindegröße und mit ihrem gewachsenen Wohlstand gestiegene Selbstbewusstsein gewesen sein, das die Oberschedener dazu bewog, mit dem Dankelshäuser Grundherrn gleichziehen zu wollen.

War es im Jahre 1644 die Aufhebung des einseitigen Präsentationsrechts der Dankelshäuser Kirchenpatrone gewesen, so ging es später den Oberschedenern auch darum, in ihrem Dorfe nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch eine „Vollkirche“ zu haben[lxxxiii]. Spätestens im Jahre 1675 wurde sie als „mater combinata“[lxxxiv], als rechtlich selbständige Kirche, bezeichnet. Ihre verbleibende Verbindung mit der in Dankelshausen bestand darin, dass beiden nur ein Pfarrer vorstand. Konnten die Oberschedener die vollwertige Anerkennung ihrer Kirche auch als einen Erfolg feiern, so waren es zugleich die aus der Entstehungsgeschichte der Parochie herrührenden Anrechte[lxxxv] der Dankelshäuser Mutterkirche, die ihnen vielfältige Sorgen bereiteten. Und so beschwerten sie sich im Jahre 1675 bei Gerhard Walter Molanus, als dieser seine Generalvisitation in der Spezialinspektion Münden durchführte, dass die drei mit uns eingepfarrten Gemeinden als Dankelshausen, Mielenhausen und Niederscheden unsere Oberschedische zur Zubuße ihrer Pfarrgebäude mitgefordert haben, aus der Ursache, dass wir des H. Pastoris Dienste so wohl als sie genössen[lxxxvi]. Wenn sie sich an den Kosten des Dankelshäuser Pfarrhauses beteiligen sollten, dann sei es nur recht und billig, dass im Gegenzug die anderen Gemeinden sich auch in angemessener Form an den Baukosten ihres Küsterhauses und insbesondere an den Personalkosten ihres Küsters beteiligten. Denn ihr Oppermann müsse auch jenen drei Gemeinden ebenso viel als hiesiger Gemeinde aufwarten, welches ihm desto schwerer fällt, weilen er die gefährlichen Wege dorthin gehen und dabei allemal so oft es fället, mit unserer Jugend die Schule allhie muß anstehen lassen, wodurch unsere Kinder nicht wenig versäumet werden.

Für den anhängigen Streit bedeutungslos, wohl aber in seinem Zusammenhang erwähnenswert ist, dass Hermann Moritz im Jahre 1659 über die Schede eine Brücke hatte bauen lassen, um seine in Wellersen gestorbene Mutter als erste der Familie in dem von ihm ausgewählten stockhausenschen Erbbegräbnis unter dem Turm der Dankelshäuser Kirche beizusetzen - vermutlich als letzter der Familie wurde dort im Oktober 1794 Heinrich Ludwig an der Seite seiner zwei Jahre zuvor verstorbenen Frau zur letzten Ruhe gebettet. Da, so Pastor Johann Friedrich Schenck in dem Dankelshäuser Kirchenbuch[lxxxvii], Scheden mit Dankelshausen und anderen Dörfern eine Pfarre bleiben und einander zur Kirche folgen, bei einfallendem Ungewitter aber der Steg über die Schede stracks wegläuft …, und so forthein der Hof Wellersen nach Dankelshausen pfarren soll, so hat der Juncker bei Leichbestattung seiner Mutter eine Brücke über die Schede machen lassen, welche diesseits auf die Pfarrwiese, sog. Grabenwiese, und jenseits auf die Kirchwiese, den sog. Möhlenkamp, gelegen ist. Die von ihm bezeichnete Brücke dürfte in der Folgezeit den Kirchgang und auch die erwähnten Gänge des Oberschedener Oppermanns erheblich erleichtert haben.

Es waren nicht nur die aus der Entstehungsgeschichte der Parochie herrührenden Anrechte der Dankelshäuser Kirche, die die Oberschedener verdrossen. Was sie darüber hinaus noch wollten, war eine Kirche, deren Größe der in Dankelshausen nicht nachstand. In ihr sollten die Kirchgänger aller vier Parochiegemeinden Platz haben. Ihre Kirche, so beklagten sie sich im Jahre 1730, sei so klein, dass kaum der dritte Teil von 4 Gemeinden, so darinnen zusammen kommen müssen, eine Stelle haben kann, da hergegen die andern auf dem Kirchhofe stehen bleiben und wenig oder gar nichts von der Predigt hören können[lxxxviii].

Zwanzig Jahre später begründeten sie ihr Anliegen mit der unzureichenden Größe der Dankelshäuser Kirche. Sie sei, so führten sie gegenüber dem „Königlich Britannischen und Kurfürstlichen Konsistorium“ zu Hannover aus, schon für die drei Gemeinden Dankelshausen, Mielenhausen und Niederscheden zu eng. Sie, die Oberschedener, müßten allezeit ihren Aufenthalt vor der Kirchentüre oder in den Gängen nehmen und stehen und könnten dadurch den Gottesdienst nicht mit gebührender Ehrfurcht und Andacht beiwohnen. Überdies hätten sich öfters die Eingepfarrten und mehrenteils unter Adel-Gerichten – meiner Vorfahren in Dankelshausen und der Herren von Mengershausen in Mielenhausen - und wenig Zwang stehenden Einwohner herausgenommen, einige Leute aus Oberscheden zu verschiedenen Zeiten bei den Haaren auf dem Mannhause herumzuzerren, ihnen die Hüte zu zertreten, andere aber zur Kirche herauszustoßen. Daraus gehe hervor, dass die zu dieser Kirche Gehörenden die Oberschedener nicht in diese aufnehmen und zum Gehör des göttlichen Wortes zulassen wollten, was, ohne öffentliche Ärgernis und Anstoß zu geben, nicht zugehe[lxxxix].

Natürlich waren das unhaltbare Zustände. Doch deren Abstellung war wohl nur vorgeschoben. Denn was sie in Wirklichkeit wollten, war mit dem Neubau ihrer Kirche, den sie bereits im Jahre 1741 beschlossen hatten, das Vorrecht der Dankelshäuser Kirche aufzuheben, das alleinige Gotteshaus für alle vier Gemeinden zu sein. Und so drangen sie darauf, dem Pastor aufzuerlegen, in Abweichung von der bisherigen Gepflogenheit eines abwechselnden Predigtgottesdienstes in Dankelshausen und Oberscheden nunmehr allsonntäglich in Oberscheden einen öffentlichen Gottesdienst zu halten. Für eine solche Regelung waren sie auch bereit, dem Pastor eine Entschädigung zu zahlen.

In der Verhandlung am 12. Mai 1751 vor dem Oberhauptmann zu Münden wollte Adam Christoph als Dankelshäuser Kirchenpatron von dem Anliegen der Oberschedener nichts wissen. Kurz und bündig ließ er dem von der Gemeinde Oberscheden beauftragten Verhandlungsführer, Bauermeister Johann Christian Stromburg, wissen, dass er beschlossen habe, die Dankelshäuser Kirche binnen anderthalb Jahren so zu erweitern, dass sämtliche Eingepfarrte für ihre Teilnahme am Gottesdienst genügend Platz hätten.

Bereits hundert Jahre zuvor, im Jahre 1646, zur Lebzeiten seines Großvaters Hermann Moritz, war die Dankelshäuser Kirche als baufällig erklärt worden. Bei den erforderlichen Reparaturmaßnahmen war es damals zu einem Streit über die Aufbringung der erforderlichen Gelder gekommen. Einen Durchbruch erzielte die Kirchenvisitation im Jahre 1648: Weil die Kirche ganz dachlos war und von ihren eignen wenigen Kosten allein nicht konnte gedecket werden, so ist von den Visitatores bei der Generalvisitation den hierzu gehörenden Gemeinden, als Dankelshausen, Mielenhausen, Niederscheden auferlegt, dazu zu schießen 30 Taler, jede Gemeinde 10 Taler gegeben[xc]. Bemerkenswert ist, dass die Gemeinde Oberscheden nicht genannt wurde. Dies könnte ein Hinweis dafür sein, dass die Oberschedener Kirche bereits in diesem Jahr den Status einer „mater combinata“ hatte.

Noch in dem gleichen Jahr wurde das Dach der Dankelshäuser Kirche neu gedeckt. Ein Jahr später wurde das Mannhaus ausgebessert. So umfangreiche Reparaturarbeiten auch noch in den folgenden Jahren durchgeführt wurden – im Jahre 1664 wurde die Pfarrscheune gebaut -, so blieb doch ein Mangel bestehen: Die Kirche war zu klein. Und es war dieser Mangel - v iel Drängens und Mutwille gehet oft auf den Mannhäusern vor[xci] -, über den sich im Jahre 1675 Pastor Johann Friedrich Schenk bei Gerhard Walter Molanus während dessen Kirchenvisitation beklagte.

Johann Christian Stromburg kannte wohl diese Geschichte. Und so dürfte es ihm im Jahre 1751 nicht schwergefallen sein, auf die Bitte der Oberschedener Gemeinde zu verzichten und das bisherige Herkommen zu beachten, falls - für den aus seiner Sicht wohl unwahrscheinlichen Fall - die Kirche in Dankelshausen wirklich erweitert werden würde. Und tatsächlich, aus welchen Gründen auch immer, Adam Christoph hielt seine Zusage nicht ein.

Ihr Neubau wurde erst im Jahre 1779, fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tode, begonnen und zwei Jahre später abgeschlossen. Diese Kirche, so lautet die Inschrift über dem Haupteingang, welche die H. H. v. Stockhausen zu Patronen hat, ist unter dem Kommissariat des Herrn Sup. Jo. Christ. Weckenegel und herrn Gener. major Henlud (Heinrich Ludwig) v. Stockhausen und Pastorat Hr. Fr. Andr. Apel 1781 neu erbauet worden.

Friedrich Andreas Apel - er hatte die Pfarrstelle in Dankelshausen von 1761 bis 1797 inne - war ein baufreudiger Pfarrer. Während seiner Amtszeit wurde nicht nur die heutige Dankelshäuser St. Matthäus-Kirche gebaut. Auch der Neubau der St. Markus-Kirche wurde in der von den Oberschedenern gewünschten Größe abgeschlossen. Wahrscheinlich zum Dank für seine Verdienste, so heißt es[xcii], wurde er vor dem Altar der Oberschedener Kirche beigesetzt.

Zeitgleich mit der Diskussion über die Oberschedener Kirche kam es zwischen der Niederschedener und Mielenhäuser Gemeinde auf der einen und den Dankelshäuser Pfarrern auf der anderen Seite zu einem langwierigen Streit. Aus bloßem Stolze, wie sich rückblickend Karl Ludwig Christian Weber ausdrückte[xciii] - in den Jahren 1802 bis zu seinem Tode 1835 Pfarrer in Dankelshausen -, verlangten die beiden Gemeinden, dass der Pfarrer bei Beerdigungen zu ihnen kommen, vor dem Leichenhaus zwei Gesänge abhalten und sodann die Leiche zum Kirchhof nach Dankelshausen begleiten sollte. Nicht bereit, dieser Forderung zu entsprechen, seien die ärgerlichsten Auftritte vorgefallen. Aus Verdruss sei sogar ein Pastor weggezogen, der schon bald an seiner neuen Wirkungsstätte gestorben sei. Dies wiederum hätten die Niederschedener und Mielenhäuser als eine Strafe Gottes betrachtet und pflegten es einem jeden neuen Pfarrer zu erzählen[xciv].

Als Johann Justus Köster - von 1751 bis 1761 Pfarrer in Dankelshausen -, der nicht gut zu Fuß, wohl aber ein guter Reiter gewesen sein soll, die Leichen zu Pferde begleitet habe, sei dieses ihnen auch nicht recht gewesen. Seine Art der Begleitung habe sie zu der Bemerkung veranlasst, dass nur noch die Hunde fehlten. Anfangs mögen einige Pfarrer den Leichen das Geleit gegeben haben, wenn sie einem guten Menschen eine besondere Ehre erweisen wollten oder größere Accidentien (Abgaben) erhielten. Daraus habe sich aber dann eine Art von Schuldigkeit des Pastors entwickelt. Einige Pastoren hätten des lieben Friedens willen auch nachgegeben.

Auch er habe es anfangs getan, sich jedoch so manchen Verdruss eingehandelt. Im Jahre 1807 habe er einen schweren Stand gehabt, als der Dankelshäuser Friedhof zu klein geworden sei und sich beide Gemeinden auf Kosten der Kirche gesonderte Friedhöfe erbaten. Er habe ihre Bitte mit allen Kräften unterstützt allerdings mit der Einschränkung, dass der Pfarrer bei Beerdigungen nicht zu ihnen käme, sondern die Leichenpredigt in der Dankelshäuser Kirche stattfände. Doch da habe ihre Entrüstung keine Grenzen gekannt. Es habe nicht viel gefehlt, und sie wären in seinen Pfarrgarten eingebrochen.

Jetzt nun, im Jahre 1833, verlangen sie trotzig, bei dem Friedhof in Dankelshausen zu bleiben – es sollten noch 35 Jahre ins Land gehen, bis sie im Jahre 1868 ihre eigenen Friedhöfe erhielten -, weigern sich aber, für die Kosten seiner Erweiterung einen Beitrag zu leisten. Auch wenn der Friedhof ohne ihr Zutun erweitert worden sei, so sei ihnen doch deutlich gemacht worden, dass ihre Forderung gegenüber dem Pastor unbillig sei. Dieser komme ihnen in einem genügenden Maße entgegen, wenn er die Leiche eingangs von Dankelshausen in Empfang nähme. Seit dieser Zeit sind sie etwas demütiger geworden, besonders da ich bei gutem Wetter und wenn es nicht Sonntag war, viel weiter entgegenkam und sie auch jetzt auf mein Alter Rücksicht nehmen. Doch, so fügte er sogleich hinzu, sei dies nur eine vorübergehende Erscheinung. Komme ein neuer Prediger, so würden sie sich wohl wieder regen und anfangs ihre gewöhnliche Sprache führen, dass er es doch aus Liebe zu ihnen tun möchte.

Umstrittenes Kirchenpatronat

Nach Ansicht des Dankelshäuser Pastors Friedrich Konrad Krohne im Jahre 1860[xcv] dürfe angenommen werden, dass die Pfarre von den früheren Besitzern der Güter Dankelshausen und Wellersen, welches die in unserem Lande ausgestorbene Familie von Bardeleben gewesen sein soll, gegründet und auch zunächst dotiert worden ist. Dieser Einschätzung stehen die Ergebnisse meiner Recherchen gegenüber. Nach ihnen haben die Herren von Bardeleben das Gut Dankelshausen niemals und das Gut Wellersen nur in den Jahren 1548 bis 1591 als Lehen besessen. Als mögliche Gründer der Pfarre Dankelshausen scheinen ausschließlich meine Vorfahren als Lehns- und Grundherren von Dankelshausen oder deren uns unbekannte Vorgänger in Frage zu kommen.

Eine andere etwas umstrittene Frage ist, welcher Art das Dankelshäuser Kirchenpatrionat war und heute noch ist. G. Arndt (1926, S. 34 f) unterscheidet zwischen einem persönlichen und einem realen Patronat. Um ein persönliches handelt es sich dann, wenn es einzelnen Personen oder Familien auf Lebenszeit oder erblich verliehen worden ist. Im Falle eines realen Patronats ist es mit einem Gut verbunden, bei dessen Verkauf es auf den jeweiligen Besitzer übergeht. In seiner umfangreichen Untersuchung über das Kirchenpatronat in der preußischen Provinz Hannover gelangt er zu der Vermutung, dass in den meisten Fällen das Privatpatronat als ein persönliches anzusprechen ist, das diese Familien entweder auf Grund des Eigenkirchenrechts oder durch Verleihung seitens des Landesherrn erhalten haben.

Im Jahre 2004 bezeichnete das Landeskirchenamt in Hannover[xcvi] das Dankelshäuser Kirchenpatronat als ein reales, das ausschließlich auf dem Gut Wellersen ruhe. Ob es sich nach dem Kauf des Gutes Wellersen durch Heinrich im Jahre 1591 bei den beiden Gütern Dankelshausen und Wellersen um ein Gut gehandelt habe, könne dahingestellt bleiben. Der Verkauf des Gutes Dankelshausen im Jahre 1949 durch meinen Vater habe jedenfalls auf den Fortbestand des Patronats keine Auswirkung gehabt, da mit dem Gut Wellersen der wesentlich größere Teil des bis dahin gemeinsamen Besitzes der Familie erhalten geblieben sei. Die Sichtweise des Landeskirchenamts wirft die Frage auf, warum und wann das Dankelshäuser Kirchenpatronat auf das Rittergut Wellersen übertragen bzw. erweitert worden sein soll. Für einen solchen Rechtsakt habe ich keinen Nachweis gefunden. Für den Fall, dass es einen solchen wirklich nicht gibt, ist die Frage zu stellen, ob mit dem Verkauf des Gutes Dankelshausen im Jahre 1949 nicht auch das Kirchenpatronat veräußert worden ist

Kirchengeschichtlicher Hintergrund eines Patronats dürfte eine den Grundherren ausgesprochene Genehmigung sein, auf ihrem Gut für ihre Privatandacht und für ihre Haus- und Hofgenossen ein Bethaus zu errichten, einen Hauspriester zu bestellen und das Bethaus als Kapelle weihen zu lassen. Auch wenn es keinerlei Angaben über eine solche Kapelle in Dankelshausen gibt, so lässt der baugeschichtliche Datierungsrahmen der Kapellen in Wellersen[xcvii], Bühren[xcviii] und Fürstenhagen[xcix] um das Jahr 1150 darauf schließen, dass die Dankelshäuser, wenn es sie denn gegeben hat, in den gleichen Zeitrahmen einzuordnen ist.

Später, als die Zahl der Gutsuntertanen zugenommen hatte, mag sich der Grundherr zu einer ausreichenden Versorgung eines eigenen Priesters verpflichtet haben, und mag die Kapelle mit Parochialrechten ausgestattete worden sein. Indem der grundherrliche Stifter das Eigentumsrecht an der Kapelle behielt, war es nur konsequent, dass der Stifter der späteren Parochialkirche auch die verschiedensten kirchlichen Rechte für sich beanspruchte. Dabei dürfte ihm und seinen Nachkommen als Dank für die Kirchengüter, den Kirchenbau und dessen Unterhalt das Patronatsrecht nicht verwehrt worden sein [c]. Im Jahre 1793 wies Heinrich Ludwig darauf hin, dass alle Grundstücke der Kirche in Dankelshausen einschließlich des Grund und Bodens, auf dem sie gebaut ist, aus Lehen seiner Familien stammen[ci].

Können wir auch nicht mit Sicherheit sagen, auf welchen Ursprung das Dankelshäuser Patronat zurückgeht, so scheint doch einiges für die Version des Eigenkirchenrechts zu sprechen. In seiner bereits erwähnten Darstellung schreibt G. Arndt (1926, S. 34) kurz und bündig, dass das Patronat erworben wird durch die Gründung einer Kirche. Und in einem Beitrag des historischen Vereins für Niedersachsen heißt es zur Kirche Dankelshausen, dass sie wahrscheinlich von den früheren Besitzern des dasigen Rittergutes gestiftet[cii] worden sei.

Wenn in der Vergangenheit gelegentlich der Wert eines Kirchenpatronats auf zwei Hufen[ciii] Land veranschlagt worden ist[civ], so ist die Frage nur zu berechtigt, um welche materiellen Interessen - von dem immateriellen Prestigewert einmal abgesehen - es dabei ging. Im Jahre 1793, vierzehn Jahre nach dem Baubeginn der heutigen Kirche in Dankelshausen, wies Heinrich Ludwig auf die beiden nicht zu trennenden Seiten des vermögensrechtlichen Aspekts einer Eigenkirche hin: auf seine Verpflichtung zum Unterhalt der Kirche und die Verwendung der Klingelbeutel-Sammlungen für die Unterstützung der Armen[cv]. Wenn die Kirche durch Unglücksfälle beschädigt werde oder gar abbrenne und keine ausreichenden Mittel zur Behebung der Schäden angesammelt worden seien und auch sonstige Mittel nicht zur Verfügung stünden, so würden die Bau- und Reparaturkosten seiner Familie aufgebürdet werden. Vor diesem Hintergrund sei es wohl angemessen, dass vor der Tätigung von außerordentlichen Ausgaben sie zunächst seiner Familie als Patron der Pfarre angezeigt würden und deren Einwilligung eingeholt werde.

Wenn schon von dem Kirchenvermögen kein unmittelbarer materieller Ertrag zu erwarten war - so kann wohl Heinrich Ludwigs Hinweis gedeutet werden -, könnte dann das Lehngeld, das ihm als Patron von jedem neuen Pastor für die zu besetzende vakante Pfarrstelle zu bezahlen war, die Quelle eines materiellen Anreizes für das Kirchenpatronat gewesen sein? Im Jahre 1576 hatte Pastor Nicolaus Prätorius für die freigewordene Pastorenstelle in Dankelshausen den Patronen Melchior und Jobst 22 Taler bezahlen müssen[cvi]. Ob der Betrag als hoch oder niedrig anzusehen ist muss vor dem Hintergrund bewertet werden, dass bei Leistungen, die die Ertragskraft des Kirchenlehens überstiegen, die Möglichkeit nicht auszuschließen war, dass Simonie , der Kauf von geistigen Ämtern, im Spiel war. Mochte auch die Interpretation des Begriffes sehr dehnbar sein, sie konnte von folgenreicher Bedeutung sein. Denn machte sich der Patron bei der Besetzung der Pfarre der Simonie schuldig, so verlor er das Präsentationsrecht, im Wiederholungsfalle das Patronatsrecht[cvii].

Am 26. Oktober 1797 gelobte Johann August Wilhelm Habenicht - von Elliehausen auf die Pfarrstelle zu Dankelshausen berufen - und schwor zu Gott dem Superintendenten in Göttingen, dass er durch keine Mittel, die durch Gottes Wort verboten sind, zu der Pfarre gelangt sei. In Sonderheit habe niemand zur Unterstützung seiner Bewerbung etwas beigetragen. Weder direkt noch indirekt habe jemand ihm selbst, seiner Frau, seinen Kindern, Angehörigen oder Unterhändlern Geld, geldwerte Sachen oder eine Belohnung, oder wie dergleichen Geschenke auch immer genannt werden mögen, geleistet. Auch wisse er nicht und sei ihm nicht bekannt, dass irgendeiner seiner Verwandten seinetwegen etwas versprochen und gegeben habe. Sollte er über kurz oder lang etwas Entsprechendes erfahren, so wolle er dieses dem Konsistorium anzeigen, dass er also die Pfarre auf dem Wege der durch Gottes Wort und durch die hiesige Landesordnung verbotenen Simonie nicht rechtmäßig erlangt habe[cviii].

Mochte auch ein solcher Eid von den Pastoren vor Besetzung einer jeden Pfarre abverlangt werden, gänzlich ausrotten ließ sich die Simonie nicht. Dennoch dürfen wir wohl annehmen, dass mit ihrem Verbot durch Herzog Heinrich Julius (+1613) im Jahre 1597 das von dem Pfarrer zu zahlende Lehngeld für meine Vorfahren als finanzieller Anreiz für die Aufrechterhaltung des Dankelshäuser Kirchenpatronats stark an Bedeutung verloren, wenn es denn überhaupt jemals eine große materielle Bedeutung gehabt hat.

Das in dem Erwerb und in der Begründung von Kirchenpatronaten auf dem Lande sich äußernde Interesse, so H. Wiswe (1934, S. 81), läßt sich nur erklären, wenn man die Nebenaufgaben der mittelalterlichen Dorfkirche im Interesse der Grundherrschaft berücksichtigt. Neben der baulichen Anlage, der Kirche und des Kirchhofs habe dieses Interesse insbesondere der Präsentation des Pfarrers gegolten. Da dürfte einmal der Wunsch des Grundherrn gewesen sein, bei der Verwaltung des Kirchen- und Pfarrvermögens, nicht zuletzt bei der Verpachtung der Kirchenländereien, den Pfarrer in seinem Sinne zu beeinflussen. In Dankelshausen waren das immerhin sechzehn Morgen Acker- sowie etliches Wiesenland. Und da war möglicherweise sogar noch das gewichtigere Interesse, dem Beziehungssystem zwischen dem grundherrschaftlichen Gut und den Kleinköter-Tagelöhnern – ich werde auf dieses System später noch näher zu sprechen kommen - eine gleichsam kirchliche Unterfütterung zu verleihen. Als Patron konnte der Grundherr den Pfarrer veranlassen, abgaben- und dienstleistungssäumige Bauern durch die Androhung und Verhängung von Kirchenstrafen zur Ordnung zu rufen[cix].

Wenn in früherer Zeit die Grundherren den Pfarrer zur Disziplinierung der Kleinköter-Tagelöhner benutzt haben mögen, so war diese seine Verwendung spätestens im Verlaufe des 17./18. Jahrhunderts mit dem Einzug der Häuslinge und Brinksitzer, die als Tagelöhner auf dem Gutshof mit den Kleinkötern um dessen Arbeitsangebot konkurrierten, weitgehend wertlos geworden. So dürfte auch die Bestimmung der Calenberger Klosterordnung vom Jahre 1737, dass kein Pfarrer einer Gemeinde aufgezwungen werden dürfe, den grundherrlichen Kirchenpatronen keine besonderen Probleme bereitet haben. Andererseits lässt sie die Vermutung zu, dass in früherer Zeit der von dem Patron vorgeschlagene Kandidat für eine frei gewordene Pfarrstelle nicht immer auch die Zustimmung der Gemeinde gefunden hatte.

Bereits hundert Jahre zuvor, im Jahre 1632, hatten sich die Oberschedener bei dem Amt Münden über das einseitige Präsentationsrecht der Dankelshäuser Kirchenpatrone beklagt[cx]. Zwölf Jahre später, am 24. Oktober 1644, wurde ihrer Klage entsprochen. In einem Vergleich des Konsistoriums als Vertreter der Landesherrschaft wegen des ihr über die Filiale zu Ober- und Niederscheden und Mielenhausen zustehenden Patronatsrechtes mit denen von Stockhausen, als Patron der Mutterkirche zu Dankelshausen, wurde vereinbart , dass die Ernennung oder Präsentation künftig abwechselnd geschehe[cxi].

Es war nicht nur das wechselnde Präsentationsrecht, das den Einfluss der Dankelshäuser Kirchenpatrone erheblich einschränkte. Von besonderem Gewicht war auch und insbesondere das geänderte Anliegen der Kirchenvisitationen. Im Gefolge des Gandersheimer Landtagsabschieds vom 10. Oktober 1601 und der Einführung des evangelisch-lutherischen Glaubensbekenntnisses benutzten die Landesherren als nunmehrige Oberhäupter der Kirche und als Dienstherren der Geistlichen die Visitationen auch dazu, die Anforderungen der adligen Grundherrschaft und seinen Einfluss auf die Kirchenpolitik zugunsten der Interessen der Landesherrschaft zurückzudrängen[cxii]. Hatten sich früher die katholischen Visitationen vorrangig auf den Klerus konzentriert, so waren es nunmehr die Gemeinden, die in ihren Mittelpunkt rückten. Dabei oblag es den Visitatoren nicht nur, Informationen über die Zustände, Einstellungen, Vorkommnisse, Verfehlungen und das Wohlverhalten in den Gemeinden einzuholen. Sie nahmen zugleich auch eine Kontroll- und Disziplinierungsaufgabe wahr. Als „Funktionären“ des Landesherrn oblag es ihnen, dessen Vorstellungen von den Zuständen in den Gemeinden und ihren Mitgliedern verbindlich zu machen. Sie hatten innerdörfliche Konflikte auszutragen, die ohne diesen äußeren Anlaß nur sehr zögerlich und versteckt hätten ausgetragen werden können, weil die Nachteile für die Konfliktparteien zu groß gewesen wären [cxiii].

Im Jahre 1675 nutzte der Dankelshäuser Pastor Johann Friedrich Schenk die Autorität von Gerhard Walter Molanus als Generalsuperintendent, um die von ihm allein nicht behebbaren Missstände abzustellen. Ein Dorn im Auge waren ihm nicht nur die ausstehenden Pachtgelder des vor einem Jahr verstorbenen Kirchenpatrons Hermann Moritz, sondern auch die ungenügenden und unregelmäßigen Pachtzahlungen der Gemeinde. Ein besonderes Anliegen war ihm auch die dringende Reparaturbedürftigkeit des Pfarrhauses. Doch damit nicht genug. Wissen wollte er auch, ob dem Rittmeister Wölfinß, der eine Magd geschwängert hatte, eine Kirchenbuße aufzuerlegen sei. Oder wie es mit Stoffel Hasen zu halten sei, der sonntags während des Gottesdienstes Heu gemacht hatte. Und schließlich beklagte er, dass es in keinem der vier Parochie-Dörfer ein Witwenhaus gebe[cxiv].

C.-H. Hauptmeyer (1988, S. 226 ff) spricht davon, dass die territorial-staatliche Verwaltung im Laufe des 18. Jahrhunderts so weit vervollkommnet wurde, dass Eingriffe in kleinste bäuerlich-dörfliche Angelegenheiten möglich wurden. Indem die Landesherren die Pfarrer auch mit Verwaltungsangelegenheiten beauftragten und den bisherigen politischen Freiraum der Kirchenstifter und -patrone ihrer Aufsicht unterstellten, sie solchermaßen den Adel domestizierten, hoben sie die spätmittelalterliche Patt-Situation zwischen sich und dem grundherrlichen Adel auf. Sie verschafften sich die Möglichkeit, vermehrt auf die dörflichen Verhältnisse einzuwirken.

Vor dem Hintergrund des stattgefundenen Wandels ist die Frage zu stellen, wie stark danach meine Vorfahren an dem Kirchenpatronat überhaupt noch interessiert waren, welche wirtschaftliche Bedeutung sie dem Patronat noch zumaßen. Der patronalen Verpflichtung zum Unterhalt der Dankelshäuser Kirche standen keine adäquaten irdischen Gegenleistungen mehr gegenüber. Das Kirchenpatronat hatte machtpolitisch ausgedient. J. Sieglerschmidt (1987, S. 253) bezeichnet das, was von ihm verblieb, als ständische Fassade. Das Patronatsrecht wird mit Rücksicht auf hergebrachte Rechte vor allem des Adels und Bürgertums zu einem Fossil, das in der protestantischen Kirchenverfassung einen ebenso exzentrischen Platz einnimmt wie in der katholischen.

Differenzierter drückt sich J. K. F. Schlegel (1804, S. 307) aus. Dabei geht er von der Überlegung aus, dass kaum eine Parochialkirche und Pfarre allein aus den Gütern des Stifters hervorgegangen ist. In den meisten Fällen habe die Pfarrgemeinde einen beträchtlichen Beitrag geleistet. Soll aber eine Kirchensocietät durch eine solche erzeigte Wohltat, in der wichtigsten Angelegenheit ihres Lebens, von der uneingeschränkten Willkür des Wohltäters und dessen Nachkommen fortdauernd … abhängig werden, so ist dies sodann eine erdrückende Wohltat, der man gern entübrigt seyn würde. Es hänge von den Patronen ab, die Kirche mit dieser einmal bestehenden Einrichtung auszusöhnen und sie von allem Tadel gänzlich zu befreyen. Wenn sie in einträchtiger Übereinstimmung mit der Kirchenregierung, mit thätigem Eifer dem Bestem der Kirchen und des Kirchenstaates sich annehmen, ohne nur allein auf die Erhaltung und Erweiterung ihrer Gerechtsame Bedacht zu nehmen; wenn sie ferner nicht nur die Annehmlichkeiten ihres Rechts genießen, sondern auch zu den Lasten, sofern es etwa nöthig werden sollte, mit beytragen wollen, dann wird man ihnen diesen einmal, zuweilen nicht ohne Aufopferung, erworbenen Vorzug gern gönnen, und sich von ihnen einen mitwirkenden Beystand zur Erreichung der Kirchenzwecke versprechen dürfen[cxv].

Im Jahre 1969 wies der Mündener Superintendent das Landeskirchenamt darauf hin[cxvi], dass der Dankelshäuser Patron keinerlei Verpflichtung gegenüber der Pfarrstelle wahrnehme: Es besteht offensichtlich nur noch das Recht der Präsentation. Dieser Zustand ist völlig unbefriedigend. Deshalb bitte der Kreiskirchenvorstand dringend, die Rechtslage dieses Patronats zu prüfen und nach Möglichkeit die Aufhebung zu betreiben. Als er sodann im Jahre 1973 meinen Vater bat, auf das Patronat über die Pfarrstelle in Dankelshausen zu verzichten[cxvii], war allerdings mit keinem Wort mehr die Rede davon, dass der Zustand des Präsentationsrechts völlig unbefriedigend sei. Worum es ging, war eine rein kirchenorganisatorische Angelegenheit: Von der anstehenden Neugliederung der Kirchengemeinden im Kirchenkreis Münden werde auch die Kirchengemeinde Dankelshausen betroffen. Sie soll mit den Kirchengemeinden Bühren und Scheden zu einer Kirchengemeinde Scheden vereinigt werden. Voraussichtlich wird damit auch die Pfarrstelle in Scheden eingerichtet werden müssen. Es war allein und ausschließlich die erforderliche Zustimmung des Dankelshäuser Kirchenpatrons zu dieser Maßnahme, die den Superintendenten im Auftrage des Landeskirchenamtes zu seiner Verzichtsfrage veranlasste.

Erneut im Vordergrund stand das Präsentationsrecht im Jahre 1990. In diesem Jahr bat der Dankelshäuser Kirchenvorstand das Landeskirchenamt in Hannover, dem amtierenden Patron deutlich zu machen, dass Grund und Auslöser des Wunsches nach Patronatsverzicht … allein die Tatsache ist, dass durch die Rechte des Patrons die Gemeindewahl zur Besetzung der Pfarrstelle ausgeschlossen ist.

Ohne auf die wiederholten Bemühungen des Dankelshäuser Kirchenvorstandes zur Aufgabe des Kirchenpatronats konkret einzugehen, wies im Jahre 2004 das Landeskirchenamt[cxviii] in der von mir erbetenen Stellungnahme die zuvor zitierten Überlegungen von J. K. F. Schlegel mit Nachdruck zurück: Wiederholt haben Kirchenvorstände auch in jüngerer Zeit, wenn der Fortbestand des Patronats in Frage stand, immer wieder betont, dass sie an dem Patronatsverhältnis mit seinen Rechten und Pflichten festhalten möchten. Dies zeigt …, dass es … in der Regel gelingt, das Rechtsverhältnis auch heute noch so mit Leben zu füllen, dass es auch für die Kirchengemeinde nicht „eine drückende Wohltat, der man gern entübrigt sein würde“, darstellt. Wie auch immer die verallgemeinernde Stellungnahme vor dem Hintergrund der Bitten des Dankelshäuser Kirchenvorstandes zu bewerten ist[cxix], kirchenrechtlich steht das letzte Wort dem Patron, Ludolf, zu.

Die Dankelshäuser Gerichtsherren und das Amt Münden: Wer war zuständig?

Das ungeschlossene Untergericht Dankelshausen und Wellersen

Das Dorf Dankelshausen und das Landgut Wellersen, so ist im Jahre 1823 zu lesen[cxx], bilden das ungeschlossene Untergericht Dankelshausen. Hinter dieser nüchternen Feststellung verbirgt sich ein jahrhundertealtes Rechtsprivileg, die sogenannte Patrimonialgerichtsbarkeit meiner Vorfahren als grundherrlicher Adel. Die grundherrliche Gerichtsbarkeit wird auf die Zeit der älteren Grundherrschaft zurückgeführt[cxxi], als den Grundherren noch die uneingeschränkte Jurisdiktion über ihre unfreien Bauern zustand.

Als Herzog Heinrich dem Löwen (+1195) auf dem Reichstag zu Würzburg im Jahre 1180 alle Reichslehen und Eigenbesitzungen abgesprochen wurden, zerfiel sein Herzogtum in eine Vielzahl von Kleinst- und Kleinherrschaften. Davon betroffen war auch das für den Leinegau zuständige Leineberggericht bei Göttingen. Sein Verfall bot den ritterlichen Herren die Möglichkeit, das Gerichtsrecht auf ihrem Grund und Boden und über ihre Hintersassen (zinspflichtige Kleinbauern) zu beanspruchen[cxxii]. Nach W. Ebel (1953, S. 15) waren die Patrimonialgerichte der Grundherrschaften - gleichsam als Lückenfüller der von der landesherrlichen Verwaltung und Justiz nicht abgedeckten Gebiete - an die Burgen wie die Gleichen, den Hanstein, Adelebsen, Jühnde, Hardenberg, Plesse u. a. angelehnt. In vergleichbarer Form dürften die Patrimonialgerichte über die Dörfer Dankelshausen, Imbsen und Löwenhagen als stockhausensche Lehnsgüter an die Bramburg angelehnt gewesen sein. Ihre rechtliche Bestätigung könnte, wenn auch urkundlich nicht belegbar, im Jahre 1303 erfolgt sein. In diesem Jahr übertrug Herzog Albrecht II. (+1318) die Gerichtsbarkeit über den südwestlichen Teil des Leinegaus von Gieselwerder auf die Bramburg und erhob damit die Herren von Stockhausen als Bramburger Lehnsherren in den Stand von Gerichtsherren.

Vielleicht, so H. Mundhenke (1941, S. 40), ist der Vorgang so gewesen, dass die Hintersassen bei Streitigkeiten unter sich zuerst die Entscheidung ihres Grundherren anriefen, dass daraus der Bequemlichkeit wegen sich eine Gewohnheit entwickelte, aus der dann die Herren das Recht ableiteten, Gericht zu halten. Gut möglich ist allerdings auch, dass die Initiative nicht von der Bequemlichkeit der Hintersassen ausging[cxxiii], sondern dass es die Grundherren waren, die es gezielt darauf anlegten, über ihren Lehnsbesitz eine staatsähnliche, patrimoniale Gewalt auszuüben.

Dankelshausen gehörte zu dem geschlossenen Untergericht Imbsen, auch Löwenhagen genannt[cxxiv]. Der historische Hintergrund ist, dass bis Anfang des 17. Jahrhunderts die Güter Dankelshausen, Imbsen und Löwenhagen von den Herren von Stockhausen gemeinschaftlich besessen wurden. Noch Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Gerichtsherrschaft über Dankelshausen im Sinne eines geschlossenen Untergerichts beschrieben[cxxv]: Die Dankelshäuser seien, wenn es den Herren von Stockhausen nicht genehm war, in Dankelshausen Gericht zu halten, zu dem Gericht nach Löwenhagen zitiert worden. Sie hätten dort auch erscheinen müssen. Wenn wir unterstellen, dass es für die Dankelshäuser weniger bequem war, nach Löwenhagen zu gehen als nach Münden zu dem Sitz des landesherrlichen Gerichts, dann dürfte der Aspekt der Bequemlichkeit für die Dankelshäuser Gerichtsbarkeit keine wesentliche Rolle gespielt haben, dann dürften es die Grundherren gewesen sein, die das Gerichtsrecht anstrebten.

Dem gemeinschaftlichen Besitz bereitete Heinrich ein Ende, als er im Jahre 1619 die Güter Löwenhagen, Imbsen und Dankelshausen seinen Söhnen als individuellen Besitz vererbte. Danach scheinen die von Stockhausen in Imbsen die geschlossene Untergerichtsbarkeit über alle Gerichtsdörfer behalten und ihren Vettern in Dankelshausen die Zuständigkeit eines ungeschlossenen Untergerichts übertragen zu haben. Wenn diese Vermutung richtig ist, so saßen meine Vorfahren in Dankelshausen formell zwar nur einem ungeschlossenen Untergericht vor, verfügten aber mittels ihrer Verwandten in Imbsen über die Zuständigkeiten eines geschlossenen Untergerichts mit all den Einflussnahmemöglichkeiten, die ihnen ein solches Gericht bot.

Die Unterscheidung zwischen geschlossenen und ungeschlossenen Untergerichten bezog sich auf das Gebiet der Verwaltungsangelegenheiten[cxxvi]. Die geschlossenen waren völlig selbständig, empfingen von den landesherrlichen Ämtern keine Befehle und mussten keine Verwaltungshandlungen derselben in ihren Bezirken dulden. Anders lagen die Dinge bei den ungeschlossenen. Von Verwaltungsangelegenheiten ausgeschlossen, beschränkte sich ihre Zuständigkeit allein auf die niedere Gerichtsbarkeit.

Mag auch einiges für unsere Herleitung des Dankelshäuser Gerichts und dessen Zuständigkeit sprechen, so war doch die Rechtslage alles andere als klar. Im Jahre 1823 erkundigte sich die Landdrostei Hildesheim bei dem Amt Münden[cxxvii], ob das Dorf Dankelshausen zu dem geschlossenen Untergericht Imbsen gehöre oder ob denen von Stockhausen über dieses Dorf eine besondere ungeschlossene Gerichtsbarkeit zustehe. Drei Jahre später wusste das Amt Münden lediglich zu sagen: das Dorf Dankelshausen nebst den Dorfschaften Imbsen und Loewenhagen und den beyden Adelichen von Stockhausenschen Gütern Dankelshausen und Wellersen gehöre zu dem im hiesigen Amtsbezirk belegenen geschlossenen Gerichte Imbsen. Es werde von dem adlich von Stockhausenschen Gerichtshalter, Amtsverwalter und Advocat Günther, hiselbst verwaltet. B emerkenswert ist sodann der Zusatz, dass in Ansehung desselben und den dazu gehoerigen obbenannten drey Dorffschaften dem hiesigen Amte die Criminal-Gerichtsbarkeit zustehet.

Ü ber die ursprüngliche Entstehung dieser sonst ungewöhnlichen Combination, so fügte das Amt Münden im Jahre 1839 noch hinzu, habe es keinen Aufschluss zu erhalten vermocht . Wahrscheinlich habe sie ihren Grund darin, dass die Verwaltung der beiden Gerichte schon seit vielen Jahren einem und demselben Justion anvertraut war. Das Gericht könne auch ursprünglich zu dem Gericht Imbsen gehört und vormals nicht als ein besonderes Gericht bestanden haben.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wird von dem Gericht Dankelshausen und Wellersen gesprochen. Diese Bezeichnung ist darauf zurückzuführen, dass nach dem Tode von Heinrich Ludwig im Jahre 1794 Benedikt Moritz sowohl der Besitzer des Gutes Wellersen als auch des Gutes Dankelshausen sowie Gerichtsherr zu Dankelshausen war.

Im Jahre 1803[cxxviii] legten die Gerichtsherren des geschlossenen Untergerichts Imbsen, Löwenhagen und Dankelshausen dar, dass das vormalige bardelebensche Gut Wellersen über keinen patrimonialen Gerichtsbezirk verfügt habe. Es habe sich lediglich um ein adliges, freies, mit keinen pflichtigen Untertanen versehenes Gut gehandelt. Es sei kein gemeinschaftliches stockhausensches Gut. Die Familienlinie der gegenwärtigen Gerichtsherren zu Imbsen und Löwenhagen habe daran keinen Anteil gehabt. Für die Untertanen des geschlossenen Gerichts Imbsen und Löwenhagen sei Wellersen ein fremdes Gut. Denn alle solche nur mit der niederen oder Pfahl-Gerichtsbarkeit versehenen Allodiale oder Patronien-Güter sind keine geschlossenen Gerichte, sondern solche in dem Herrschaftlichen Amte - sprich Amt Münden -, das die Criminal-Jurisdiction darüber hat und die Hoheits-Rechte darüber ausübt.

Dieser Einschätzung steht die Mitteilung von A. Seidensticker (1896a, S. 214) entgegen, dass Herzog Ernst (+1367) Wellersen mit Gericht, Halsgericht und Vogtei denen von Adelebsen verlehnt habe. Und noch im Jahre 1782 spricht der im Dienste der „Königlich Großbritannischen Kurfürstlich Hannoverschen General-Wege-bau-Intendance“ stehende Vermessungsingenieur A. Du Plat ohne jede Einschränkung von der Wellersener Gerichtsbarkeit[cxxix].

Mochte auch das Gericht Dankelshausen und Wellersen durch seine Einbettung in das Untergericht Imbsen den formalen Charakter eines geschlossenen Untergerichts haben, so waren es eben dieser formale Charakter sowie die ursprüngliche Nichtzugehörigkeit des Gutes Wellersen zu dem geschlossenen Untergericht Imbsen, die die Zuständigkeit der Dankelshäuser Gerichtsherren auch und insbesondere auf dem Gebiet der niederen Gerichtsbarkeit durch das Amt Münden besonders angreifbar machten. Strittig war dabei nicht nur die Abgrenzung zwischen der niederen und oberen Gerichtsbarkeit, sondern insbesondere, wie im Jahre 1825 von dem Amt Münden offen ausgesprochen, ihre generelle Zuständigkeit für die Criminal-Gerichtsbarkeit.

Im Jahre 1612 beschwerte sich Georg, Herr zu Imbsen und Dankelshausen, dass das Amt Münden Zeugen aus Dankelshausen zu einem Kriminal-Verhör geladen habe, obwohl er darauf hingewiesen habe, dass wir den Angriff in peinlichen Sachen in Dankelshausen haben[cxxx]. Aus den Jahren 1613 bis 1616 – also schon bald nach dem Beginn der protestantischen Kirchenvisitationen - liegt ein umfangreicher Schriftverkehr vor, in dem sich die von Stockhausen wiederholt über Eingriffe des Amtes Münden in die ihnen zustehende niedere Strafgerichtsbarkeit beschwerten[cxxxi].

Die 10 Taler-Grenze

Gut vierzig Jahre später, im Jahre 1659, kam es über die Abgrenzung der beiderseitigen Zuständigkeiten erneut zu einer heftigen Auseinandersetzung[cxxxii]. Die Brüder Wilhelm Christoph, Besitzer des Gutes Dankelshausen, und Heinrich Moritz, Besitzer des Gutes Wellersen, hatten die Brüder Ricus und Hanns Hasen wegen Holzdiebstahls bei dem Dankelshäuser Pfarrer mit 20 Talern bestraft.

Am 22. Mai denunzierte der Förster von Mielenhausen die beiden Gerichtsherren bei dem Amt Münden: Das Strafgeld stünde dem Amt, nicht aber denen von Stockhausen zu. Am 11. August protestierte das Amt Münden gegen deren Amtsanmaßung und forderte die de facto zur Ungebühr gehobenen Gelder für das Amt Münden ein. Am gleichen Tag wurden die Brüder Hasen schriftlich aufgefordert, sich am nächsten Freitag vor dem Amt zu verantworten. Vier Tage später sagten sie dort aus, dass sie zu vieren den Diebstahl begangen hätten und dass ein jeder von ihnen von den Dankelshäuser Gerichtsherren mit 5 Talern bestraft worden sei.

Acht Tage später ließen Wilhelm Christoph und Heinrich Moritz das Amt wissen, dass sie von dem gnädigsten Landesherrn mit dem Dorf Dankelshausen und der daselbigen Nieder- und Erbgerichtsbarkeit und Jurisdiction belehnt worden seien. Seit undenklichen Zeiten verfügten sie über den gerichtlichen Zwang und übten ihn bis zur gegenwärtigen Stunde aus. Wir gestatten niemanden, wer es auch sein mag, unsere höchste Macht über unser Gebiet in Frage zu stellen. Deswegen könnten sie die Denunziation nicht anders bewerten, als einen gehässigen, neuerlichen Eingriff der Verwirrung, der in ihren Gerichtszwang und in ihre Rechtsprechung hineingetragen werden solle. Diese widerrechtlichen, öffentlich gemachten Irrungen und verbotenen Beeinträchtigungen könnten und wollten sie sich nicht im Geringsten gefallen lassen. Ihre notarische Jurisdiktion und Gerichtsbarkeit ließen sie sich nicht auf ein haarbreit schmälern. Nach ihren Lehnsbriefen stünden ihnen das Untergericht und die Belegung von Strafen bis zu 10 Talern zu. Straftatbestände, die mit höheren Strafen zu belegen seien, gehörten in die Zuständigkeit des fürstlichen Amtes[cxxxiii].

Hausfriedensbruch oder jugendlicher Übermut?

Drei Jahre später, im Jahre 1662, war der Ton ihres Vaters Hermann Moritz wesentlich konzilianter, als er den Amtmann von Münden ersuchte, seinen Sohn Heinrich Jobst nicht vor das Mündener Gericht zu zitieren[cxxxiv]. Falls ihn kein fürstlicher Auftrag zwinge, wolle der Herr Amtmann solche citationes an mich oder die Meinigen nicht senden.

Heinrich Jobst wurde vorgeworfen, zusammen mit dem Dankelshäuser Müller und Hans Weitemeyer aus Dransfeld, bezecht aus Münden kommend, abends zwischen 7 und 8 Uhr gewaltsam in das Haus des Försters Kersten in Mielenhausen eingedrungen zu sein - eben jenes Mannes, der vor drei Jahren seine beiden Brüder angezeigt hatte. Kersten habe zu dieser Zeit oben in seinem Haus mit seinen Leuten zu Abend gegessen. Die Haustür sei verschlossen gewesen. Kaum seien Heinrich Jobst und seine Kumpanen angekommen, da habe ersterer sofort mit Schlagen und Stoßen die Tür aufzumachen begehrt. Als Kerstens Tochter die Obertür habe schließen wollen, habe er sie mit dem Degen bedroht, die Tür entzweigehauen und Kersten beschimpft. Schließlich habe er mit seiner Pistole auf die Wand nahe der Tür geschossen. Wenn die Kugel die Wand durchschlagen hätte, wäre Kerstens Tochter getötet worden. Kersten forderte von dem Mündener Amtmann, den mutwilligen Hausfriedensbruch zu bestrafen und ihn vor weiteren derartigen Vorfällen zu schützen.

Gut verständlich, dass Hermann Moritz den Vorfall nicht wie geschildert sehen wollte. Es sei Kerstens Sohn gewesen, so ließ er den Mündener Amtmann wissen, der in Münden mit seinem Sohn Streit angefangen habe. Nach dessen Beilegung sei Heinrich Jobst mit Hans Weitemeyer und seinem ehemaligen Dankelshäuser Müller von Münden davongeritten. In Höhe von Mielenhausen hätten seine beiden Begleiter zu Kerstens Haus vorreiten und diesen von dem Geschehen in Münden berichten wollen. Dabei habe Heinrich Jobst sie noch ermahnt zu bedenken, dass der Förster mit dem, was sein Sohn getan hatte, nichts zu schaffen habe. Diese seine Ermahnung mache deutlich, dass er Kersten nichts habe antun wollen. Nur hatt er einen Schuß in die Luft thun wollen, welches öfter insonderlich von der Jugend aus fröligem gemüthe und unbedarflich geschiehet.

Wie auch immer der Vorfall abgelaufen sein mag - eine hohe Criminal-Sache, wie ihn der Mündener Amtmann einstufte -, dem Dankelshäuser Gerichtsherrn war die ganze Angelegenheit mehr als unangenehm. Und so bat er den Amtmann, den Leuten keinen Glauben zu schenken.

Umstrittener Jagddienst

Im Jahre 1688 hatten die Brüder Wilhelm Christoph und Heinrich Moritz erneut Grund, sich gegen ungerechtfertigte Eingriffe des Amtes Münden in ihre Gerechtsame zu wehren[cxxxv]. Der Bauermeister und die ganze Gemeinde Dankelshausen seien heute, den 31. März, vor ihnen erschienen. Sie hätten ihnen eine Nachricht gezeigt, in der der Amtsschulze zu Münden ihnen anmaßig und reurelich bei wilkürlicher Straffe befohlen habe, bei den anstehenden Jagden in den Brackenbergischen Holzen zu erscheinen. Eine solche Aufforderung käme ihnen, den Aufgeforderten, fremd vor. Sie stelle eine gehessige Neuerung dar. Sie wollten sich dagegen wehren und bäten, die ihnen bei ihrer Erbhuldigung gnädigsten Schutz versprochen hätten, für sie Recht zu suchen. Es sei keiner im Ort, wie alt er auch sei, der von einer solchen, den Stockhausenschen Untertanen abverlangten Zumutung jemals gesehen oder gehört habe.

Und auch sie seien doch sehr verwundert, dass sich der Amtsschulze so unbesonnen denen Stockhausenschen Unterthanen unmittelbar zu befehlen sich anmaset. Und so baten sie den von ihnen angeschriebenen Oberforst und Jägermeister, nicht zu verstatten, dass die Dankelshausische Eingesessene mit dergleichen Neuerungen belestiget werden.

Streit um eine Leiche

Im Jahre 1729 wurde Adam Christoph beschuldigt, die Obergerichtsbarkeit des Amtes Münden verletzt zu haben[cxxxvi]. Am 4. August hatten zwei Kinder einen Schuss gehört, waren in seine Richtung gelaufen und hatten den 70jährigen Förster Johann Brandt König in seinem Blut liegend aufgefunden. Adam Christoph, von ihnen informiert, hatte den stark Verletzten auf seinen Hof geholt und sofort nach Pastor Johann Heinrich Hogreve geschickt. Kurz darauf war er gestorben. Da der Pastor vermutete, dass der Verstorbene sich erschossen hatte, glaubte er, ihn nicht auf dem Friedhof beerdigen zu dürfen. Den befreienden Ausweg wies der zu Rate gezogene Superintendent. Aus Uhrsachen, weil man nicht wüßte, wie es eigentlich zugangen, gab er seine Genehmigung. Und Adam Christoph ließ ihn beerdigen.

Was für alle unmittelbar Beteiligten eine so praktische Lösung war, stellte sich für das Amt Münden ganz anders dar: Adam Christoph habe sich der unerlaubten Amtsbefugnis schuldig gemacht. Wenige Tage nach dem Vorfall ließ es die „Königliche und Churfürstliche Justizkanzlei“ wissen, dass Adam Christoph , ohne dem hiesigen Ambt davon das geringste schriftl. zu melden, sich des Körpers quasi angemasst und selbigen habe beerdigen lassen. D a die criminalität über besagtet Dorf dem hiesigen amt ohnstreitig zu kombt, habe ihn das Amt Münden offiziell bedeutet, dass er eine schriftliche Anzeige zu machen gehabt hätte, um den gesamten Vorgang untersuchen zu lassen.

Umstrittener Kuhmist

Im Jahre 1765 war es die Zuständigkeit des Amtes Münden, die am 26. Juni Machdalene in ihrem Streit mit ihrem Pächter und Gerichtsuntertanen ihres Ehemanns anrief[cxxxvii]. Sie habe, so ließ sie das Amt Münden wissen, am 19. Juni ihren Kuhstall ausmisten und den Mist vor dem Stall lagern lassen. Am nächsten Tage habe sie ihn auf diejenigen Ländereien bringen lassen wollen, die ihr Ehemann bei der Verpachtung des Gutes sich zur Eigennutzung vorbehalten hatte. Doch da habe sie sehen müssen, wie sich ihr Pächter F. L. Krüger des Mistes, wie schon zum wiederholten Male, habe bemächtigen wollen, um ihn auf seine Felder auszubringen. M it Bescheidenheit und in friedliebender Absicht habe sie ihn darauf hingewiesen, dass nach dem Pachtvertrag der Mist, welchen wir mit unsern Kuhvieh und reservireten Zehnt-Stroh machten, nicht mit verpachtet worden, wir auch diesen zur Bedüngung unsers selbst bestellenden Landes unumgänglich benötigt wären. Der Pächter aber habe ihr, ohne sie zu grüßen und seinen Huth auf den Kopfe behaltend, ganz trotzig geantwortet, dass der Mist auf seinem ihm verpachteten Hof liege. Er gehöre ihm, und er wolle ihn in zwei Stunden abfahren lassen.

Trotz dieser so frech als unbefugten Antwort und respectwidrigen Begegnung von meines Eheherrn Pächtern und Gerichtsunterthanen habe sie mit aller Güte und Mäßigung auf ihn eingeredet. Doch dieser sei immer gröber geworden. Er habe sie beständig ihr genannt: ihr sollet es sehen, dass ich den Mist werde wegfahren lassen, und gehöret euch hier nichts, alles ist mein. Nicht gesonnen, sich in eine meiner Ehre und Standes nachtheilige Zänkerey einzulassen, alles Weitere ihrem Ehemann zu überlassen, habe sie ihn wissen lassen, dass sich kein früherer Pächter so respektlos gegen seine Gerichtsherrin und Gutsfrau gezeigt habe.

Bei diesen Worten habe sie nach seinem Hut gegriffen, um ihn abzunehmen. Als er dieses bemerkete, rieff er, ehe ich noch mein Vorhaben bewerkstelligen konnte, überlaut; und schimpfte: Der Teufell hat mich zwischen euch geführet, ihr seyd Bettel- und Canaillenzeug, dass hier nichts hat, wobeneben er mich zu dreyenmahlen dermaaßen hart mit dicker Faust ins Gesichte und um Ohren schlug, dass ich alle Mühe hatte, mich auf den Füßen zu halten, und des rasenden Menschen Händen und gewalthätigkeiten nach meiner Wohnung zu entfliehen.

Wie das Amt wohl selbst ermessen werde, seien die ihr zugefügten hochtstraffbahren verbal- und realinjurien des Pächters und hiesigen Gerichtsuntertanen von einer solchen Beschaffenheit, dass sie anderen zum Exempel criminel untersuchet und bestraffet zu werden verdienen. In Sonderheit müsse sie gegen künftig gewaltsame Anfälle geschützt werden.

Machdalene ersuchte Rechtsschutz bei dem Amt Münden, obwohl sie wiederholt ihren Pächter als Gerichtsuntertanen ihres Mannes bezeichnete. Lagen die Tätlichkeiten des Pächters, der er sich schuldig gemacht hatte, außerhalb der Zuständigkeit der niederen Gerichtsbarkeit ihres abwesenden Ehemannes. Lagen die ihr zugefügten hochtstraffbahren verbal- und realinjurien jenseits der 10 Taler-Grenze? Oder war die Kompetenz des Untergerichts Dankelshausen schon so weit erodiert, dass sie formal wohl noch bestand, real aber bedeutungslos war? Wohl bezeichnend für die allgemeine Unsicherheit über die beiderseitigen Zuständigkeiten ist, dass das Amt Münden im Jahre 1798 höheren Orts eine allgemeine Klärung darüber erbat, in welchen Fällen das Gericht Imbsen zur Untersuchung und Bestrafung befugt ist[cxxxviii].

Auflösung der Dankelshäuser Gerichtsbarkeit

Kaum war im Jahre 1814 das Königreich Hannover „geboren“, als man sich über den mangelhaften Zustand der Rechtspflege und der Polizei in den Patrimonialgerichten ernsthafte Gedanken zu machen begann: Einige adlige Gerichte, so heißt es in dem Bericht der Justizkommission vom 6. November 1815[cxxxix], verfügen über die vollständige zivile Gerichtsbarkeit und üben darüber hinaus die niedere Strafgerichtsbarkeit aus. Andere sind von gewissen Bereichen der Gerichtsbarkeit ausgeschlossen. Und wiederum andere konkurrieren mit den Königlichen Gerichten. Die Gerichtsuntertanen einiger adliger Gerichte beschränken sich auf deren Häuser und Höfe. Andere adlige Gerichte üben ihre Zuständigkeit über die gesamte Feldmark aus.

Bei Strafsachen stehen einigen adligen Gerichten die ersten Untersuchungen und Verhöre zu, andere dürfen sich gar nicht einmischen. Zuweilen werden die Königlichen Untergerichte angerufen. Häufig sind deren Zuständigkeiten so stark gestreut, dass sich in kleineren Dörfern mehrere Gerichtsherren nicht nur die verschiedenen Höfe teilen, sondern um diese auch noch konkurrieren. Die Folge ist, dass beinahe jeder einzelne Hof seinen eigenen Gerichtsherrn hat. Solche Verhältnisse sind auch bei den außerhalb der Dörfer liegenden Höfen und Mühlen anzutreffen. Verschiedentlich haben Gutsbesitzer, denen die Gerichtsbarkeit gar nicht zusteht, das Recht, ihre Gutsleute und Diener bei geringen Vergehen zu bestrafen und überfällige Zinsen und Dienste einzutreiben. Vor diesem Hintergrund wird wohl zu Recht von einer halben Anarchie gesprochen, die damals geherrscht habe[cxl]. Es gingen sechs Jahre intensiver Beratung ins Land, bis im Jahre 1821 das Gesetz über die verbesserte Verfassung der Patrimonialgerichte erlassen wurde. Mit ihm wurde die Kriminalgerichtsbarkeit von den Patrimonialgerichten getrennt und den landesherrlichen Behörden übertragen.

Das Gesetz traf auch die Gerichtsherren von Dankelshausen[cxli]. Am 30. November 1838 teilte ihnen die Königlich Hannoversche Landdrostei Hildesheim[cxlii] mit, dass sie die ihnen bewilligte letzte Frist versäumt hätten, diejenigen Einrichtungen zu treffen, die die Königliche Verordnung vom 13. März 1821 als bedingend für das Fortbestehen des Patrimonialgerichts bezeichnet habe. Als Folge dessen habe das Königliche Ministerium des Innern das Gericht Dankelshausen und Wellersen für aufgehoben erklärt und dessen Vereinigung mit dem Amt Münden verfügt. Und letzteres ließ sie wissen, dass der Bezirk des Gerichts Dankelshausen und Wellersen ab dem 1. Januar 1839 als ein Teil des Königlichen Amtes zu betrachten sei. Die von dem Gericht Imbsen bislang ausgeübte Wahrnahme der Hoheitssachen in dem Bezirk des aufgehobenen Gerichts solle bis auf weiteres unverändert bleiben.

Mochte auch die angesprochene Frist verstrichen und waren auch bereits Ende des Jahres die Dankelshäuser Gerichtsakten dem Amt Münden übergeben worden, Carl Wilhelm war nicht bereit, sich der Entscheidung der Landdrostei Hildesheim zu beugen. Und er hatte Erfolg. Am 4. März 1839 ließ ihn das Königliche Ministerium des Innern wissen, dass es seinem Gesuch zur Wiederherstellung des aufgehobenen Patrimonialgerichts Dankelshausen und Wellersen stattgegeben habe. Allerdings habe er innerhalb von sechs Wochen allen Erfordernissen und Bedingungen vollkommen Genüge zu leisten, die in der Königlichen Verordnung über die verbesserte Einrichtung der Patrimonialgerichte vom 13. März 1821 genannt werden. Sofort nach Ablauf dieser Frist und spätestens innerhalb von 14 Tagen habe er dem Königlichen Ministerium des Innern nachzuweisen, in welcher Form er die Auflagen erfüllt habe.

Sieben Monate nach seiner Aufhebung wurde das Patrimonialgericht zum 1. Juli 1839 wieder hergestellt. Die Kosten in Höhe von 3 Talern 14 Guthegroschen 6 Pfennigen hatte die Gerichtsherrschaft zu tragen.

Der Patrimonialgerichtsbarkeit Dankelshausen und Wellersen das endgültige Aus bescherte die Gerichtsverfassung vom 8. November 1850. Ende Dezember diesen Jahres traten Carl Wilhelm und sein Bruder Carl August die Gerichtsbarkeit der Güter Dankelshausen und Wellersen über den gleichnamigen Gerichtsbezirk, bestehend in der bürgerlichen und der Polizeistraf-Gerichtsbarkeit, einschließlich der niedern Polizei und der Besorgung der Hoheitssachen, an die Königliche Regierung ab[cxliii]. Der Abtretungstermin lag im Zeitrahmen des Üblichen. Von den 116 Patrimonialgerichten, die seit dem Jahre 1821 noch im Königreich Hannover bestanden hatten, wurden zwei Drittel vor der festgelegten Frist, dem 1. Oktober 1852[cxliv], an die landesherrlichen Behörden abgegeben und zwar fast alle, wie es heißt[cxlv], aufgrund eines freiwilligen Verzichts.

Doch wie freiwillig war die Freiwilligkeit? Wurde die Gerichtsherrschaft wirklich, wie von U. Hindersmann (2001, S. 179) angenommen, zu diesem Zeitpunkt nur noch als Belastung empfunden, derer man sich nur zu bereitwillig entledigte? Die Bemühungen von Carl Wilhelm im Jahre 1839 um ihre Wiederherstellung sprechen dagegen. Gingen auch den ehemaligen Gerichtsherren mit der Abtretung der Gerichtsbarkeit alle Einkünfte aus derselben verloren, wie Strafgelder, Sporteln (Gebühren) und sonstige gerichtsherrliche Erträgnisse, so wurden sie zugleich auch von allen Kosten befreit, die mit der Verwaltung der Gerichtsbarkeit verbunden gewesen waren.

Ob der Saldo bisher positiv oder negativ gewesen war dürfte nur im Einzelfall zu beurteilen sein. Über die Einkommensverhältnisse des von den Dankelshäuser Gerichtsherren bestellten Gerichtshalters Dr. Günther heißt es[cxlvi], dass derselbe durch die Aufhebung des Gerichts seine einzige gesicherte, wenn auch nicht bedeutende Einnahme verliert. Die ihm huldreich bewilligte Entschädigung von 182 Talern 7 Guthegroschen solle nur ein Mal stattfinden. Sie gebe ihm keine Gewähr für den Unterhalt seiner Familie in der Zukunft. Zum Vergleich hatte im Jahre 1833 das Einkommen des Dankelshäuser Schullehrers rd. 83 Taler betragen.

Sprach das Gesetz vom Jahre 1850 auch von einer entschädigungslosen Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit, so hatte das Gesetz vom Jahre 1821 den Gerichtsherren doch das Zugeständnis gemacht, von den Gerichtsinsassen auch weiterhin Leistungen beziehen zu dürfen, bei denen es zweifelhaft seyn möchte, ob sie zu den gutsherrlichen oder gerichtsherrlichen Vortheilen gehören, wenn sie sich nur bis zu dem Zeitpuncte der suspendierten Gerichtsbarkeit in deren unbestrittenem Besitz wirklich befunden haben[cxlvii]. Mit einer solchen Vorgabe konnten die ehemaligen Gerichtsherren gut leben, war doch vorauszusehen, dass der Nachweis über den Ursprung und die Unterscheidung der ihnen als Gerichts- oder als Grundherren zustehenden Abgaben und Dienste nicht leicht zu führen sein würde[cxlviii].

Eine andere Frage ist, wie meine Vorfahren als ehemalige Gerichtsherren den Verlust ihrer Gerichtsbarkeit empfunden haben mögen. Hatten sie ehemals über die Mitglieder der Dorfgemeinde Recht gesprochen, so würden sie sich in Zukunft als ganz gewöhnliche Mitglieder in eben diese Gemeinde einfügen müssen. Wohnhafte Mitglieder der Gemeinde allerdings waren sie schon seit langem nicht mehr. Das Gut Wellersen - im Jahre 1736 an Stephan Engel verpachtet[cxlix] - wurde seit Heinrich Ludwig und das Dankelshäuser Gut - bereits im Jahre 1675 wird von einem Pächter gesprochen - nach dem Tode von Adam Christoph im Jahre 1756 von seinen Besitzern nicht mehr bewirtschaftet.

Mußten die Brüder Carl Wilhelm und Carl August den Auflösungsprozess ihres Gerichts Ende des Jahres 1851 auch nicht persönlich vor Ort erleben - beide wohnten in Arolsen, bekleideten hohe Ämter im Fürstentum Waldeck-Pyrmont und ließen sich in allen Gemeindeangelegenheiten durch ihren Gerichtshalter Dr. Günther in Münden vertreten -, so hatten sie sich doch in dem Abtretungsrezess eine gewisse Unterscheidung von den Dankelshäusern zu wahren gewusst. So heißt es in Paragraph 3 des Rezesses: Den abtretenden Gerichtsherren wird die Befugnis zugestanden, eine von der vorgesetzten Königlichen Landdrostei für tüchtig erkannte und vom vorgesetzten Amte zu beeidigende Person anzustellen, welche innerhalb des Gutshofes und dessen Zubehörungen auf Polizeivergehen zu achten und solche der zuständigen Behörde zur Untersuchung und Bestrafung anzuzeigen hat.

Dieser Vereinbarung lag Artikel 16 des Gesetzes über die verbesserte Verfassung der Patrimonialgerichte in den alten Provinzen des Königreichs Hannover vom 13. März 1821 zugrunde: Auch soll den bisherigen Gerichtsherren die Wahrnehmung der niedern Polizei in eben dem Maaße bleiben, wie sie dieselbe bisher … auszuüben berechtigt gewesen, jedoch alles dieses nur in sofern und so lange, als die eintretenden Fälle nicht zu einem eigentlichen gerichtlichen Verfahren erwachsen.

Doch damit nicht genug. Im Jahre 1851[cl], dem Jahr der Auflösung ihres Gerichts, übertrug meinen Vorfahren ihr königlicher Lehnsherr König Georg V. (+1878) auf der Grundlage des Allodifikations-Gesetzes vom 13. April 1836[cli] die beiden Lehnsgüter Dankelshausen und Wellersen zu vollem Eigentum[clii]. Gleichsam als Vor- und Gegenleistung zu der sechs Jahre später erfolgten Ablösung der ihnen pflichtigen Dankelshäuser Bauern – ich werde auf sie später noch näher eingehen - wurde ihnen das ehemalige öffentliche Lehnsverhältnis in ein privatrechtliches Eigentumsverhältnis umgewandelt mit allen daraus folgenden rechtlichen und wirtschaftlichen Verfügungsfreiheiten und -vorteilen.

Mitglied des Nebenanlage-Verbandes des Amtes Münden

Mit der Aufhebung der adligen Gerichtsbarkeit wurde den Dankelshäusern der Anschluss an den Nebenanlage-Verband des Amtes Münden, eine Art von überdörflichem Solidaritätsverband, ermöglicht[cliii]. Die Nebenanlagen waren eine Art gemeindliche Armensteuer. Hatten vor der Reformation die Gemeinden nur wenig mit dem Armenwesen zu tun gehabt, war die Versorgung der Armen eine Pflicht der Schutz- und Dienstherren gewesen, so wurde nach der Reformation die Armenpflege zunächst an die kirchliche Gemeinde geknüpft [cliv], später der Dorfgemeinde übertragen.

Für die kirchliche Armenfürsorge in Dankelshausen liegen zwei Fälle aus dem Jahre 1756 vor. Da gab es eine Restschuld von 4 Talern 2 Groschen der verstorbenen Frau des Ziegenmeiers R., deren Kinder bettelarm in der Irre umhergehen und folglich nicht bezahlen können. Und es gab den Schuldbetrag von 5 Talern 34 Groschen 13,5 Pfennigen von Adam Christoph Neddermann, einem Manne, der zu denjenigen Leuten des Dorfes gehörte, die mit irdischen Gütern am wenigsten, mit Kindern dagegen am reichsten gesegnet waren[clv]. Im Jahre 1793 gibt Heinrich Ludwig Auskunft darüber, aus welchen Quellen die kirchliche Armenhilfe gespeist wurde: aus den Zinsen des Kapitals, das eine vormalige Frau von Stockhausen der Kirche vermacht habe, sowie aus den Klingelbeutel-Sammlungen[clvi].

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verstärkte sich der Grundsatz, dass es zu den Aufgaben der Gemeinde gehöre, für ihre Armen zu sorgen. Sollte die herkömmliche Armenkasse nicht ausreichen, dann sollten die Gemeinden ihre Nebenanlagen so weit erhöhen, dass aus ihnen die Kosten der Armenhilfe bestritten werden könnten[clvii]. Im Februar 1792 gab die Dankelshäuser Gemeinde einer armen Frau zwei und im März einem armen Mann drei Guthegroschen.

Hundert Jahre später, im Jahre 1893, entschied der Kreisausschuss des Kreises Münden, dass die Gutseigenthümer die Hälfte von den der Gemeinde erwachsenden Armenlasten zu tragen haben[clviii]. Ein Jahr später wird davon gesprochen, dass die Gemeinde jahrelang unter den hohen Armenlasten zu leiden gehabt habe. Ein Hinweis dafür, wie lange die Armenhilfe noch eine Aufgabe der Gemeinde war oder zumindest als eine solche erachtet wurde, ist der einstimmige Beschluss des Gemeindeausschusses vom Jahre 1922, die Kosten für die Unterbringung von Heinrich Elias in der Klinik zu Göttingen zu übernehmen[clix].

Im Jahre 1856 war es die Verwüstung von fünf Häusern, die den Dankelshäusern das Wesen der überdörflichen Solidaritätshilfe des Nebenanlage-Verbandes sichtbar vor Augen führte: Am Mittwoch, den 16. April …, ist das kleine Dorf Dankelshausen von nur 29 Hausstellen von einer nachmittags um 1 Uhr plötzlich ausgebrochenen Feuersbrunst heimgesucht worden, welche bei dem heftig wehenden Winde schnell um sich griff und erst, nachdem 5 Wohnungen ein Raub der Flammen geworden und aus der Nachbarschaft Hilfe herbeigeholt war, bewältigt werden konnte[clx].

Das Feuer soll, so der Meenser Bauer Dietrich Franke[clxi], von einem sechsjährigen Knaben in der Scheune der Schmiede von Adolf Hartig gelegt worden sein. Der Junge habe von der Magd Streichhölzer gefordert, die sie ihm aber nicht habe geben wollen. Daraufhin habe er sich ein Bund Schwefelhölzer von den in der Nachbarschaft wohnenden Juden gekauft. Mit den Schwefelhölzern habe der Junge ein Feuer auf der Scheunendiele angezündet. Das Feuer habe sich so schnell ausgebreitet, dass die bei der kranken Mutter weilende Nachbarin nicht gleich nach ihrem Hause habe kommen können. Innerhalb von vier Stunden seien fünf Häuser abgebrannt. Die Feuerspritzen von Oberscheden, Bühren, Meensen, Lippoldshausen und Dransfeld seien da gewesen. So schlimm auch der Schaden gewesen sei, so würde dem Schmied und Ackermann Hartig doch nachgesagt, dass er die Gebäude und das Mobiliar bei der Landkasse mit 3.500 Mark gut versichert habe.

Mag sich auf diese Weise der Schaden für Adolf Hartig in Grenzen gehalten haben, so besagt dieses nicht zugleich, dass auch die anderen Häuser ausreichend versichert gewesen waren. In dem Sammelaufruf vom 22. April der Herren Amts-Assessor Lüder, Kammer-Commissär Meyer, Pastor Krohne, Bauermeister Hartig und der Vorsteher Rannenberg und Beuermann heißt es: Die Betroffenen, die zur Zeit des Unglücks auf dem Felde beschäftigt gewesen waren, hätten ihre ganze Habe, Kleidung, Wäsche, und was das Härteste ist, Saatfrüchte und Fourage, verloren und litten Mangel und Not an allem. Vertrauensvoll richten sie ihre hilfesuchenden Blicke auf ihre Brüder hoffend, dass sie ihre schon so oft bewährte Mildtätigkeit auch an ihnen nicht unbezeugt lassen werden, wie auch sie stets bereit waren, ihren notleidenden Brüdern nach ihren Kräften sich anzunehmen. Die Unterzeichneten sind zu einem Hilfe-Committee zusammengetreten, welches zur Annahme milder Gaben bereit ist. Jede Gabe, sei sie noch so klein, ist willkommen. Der Aufruf blieb nicht ungehört. Auch das Amt Münden griff ihn auf und beauftragte im Obergericht die Bürgermeister von Speele, Spiekershausen, Lutterberg, Benterode, Uschlag, Dahlheim, Escherode, Nienhagen und Sichelnstein, in ihren Gemeinden Sammlungen zu veranstalten und ihm die Erträge zu bringen.

Dankelshausens dominante Grundherrschaft

Merkmale der Grundherrschaft

In einem Dorfe die Gerichtsherrschaft und zugleich das Kirchenpatronat innezuhaben kann als die höchste Verdichtung der Macht eines Grundherrn angesehen werden. Mit einer solchen Verdichtung haben wir es in Dankelshausen zu tun. Der Prozess der Dankelshäuser Gemeindebildung wurde entscheidend durch die Grundherrschaft meiner Vorfahren geprägt.

Versuchen wir, uns für die Zeit der Oberschedener Hensemannsche Ende des 15. Jahrhunderts oder für die Zeit davor von dem Leben der Menschen in Dankelshausen ein konkretes Bild zu machen, so gibt es niemanden, der uns zumindest eine grobe Skizze überliefert hat. Die erste allgemeine Darstellung des Bauernstandes in Deutschland stammt von Johannes Boemus aus dem Jahre 1520[clxii]. Ihre grundsätzlichen Aussagen dürften auch für die Dankelshäuser Bauern zutreffen:

Ihre Lage ist ziemlich bedauernswert und hart. Sie wohnen abgesondert von einander, demütig mit ihren Angehörigen und ihrem Viehstand. Hütten aus Lehm und Holz, wenig über die Erde emporragend und mit Stroh gedeckt, sind ihre Häuser. Geringes Brot, Haferbrei oder gekochtes Gemüse ist ihre Speise, Wasser und Molken ihr Getränk. Ein leinerner Rock, ein paar Stiefel, ein brauner Hut ist ihre Kleidung. Das Volk ist jederzeit ohne Ruhe, arbeitsam, unsauber.

In die nahen Städte bringt es zum Verkaufe, was es vom Acker, vom Vieh gewinnt, und kauft sich wiederum hier ein, was es bedarf; denn Handwerker wohnen keine oder nur wenige unter ihnen. In der Kirche, von denen eine für die einzelnen Gehöfte gewöhnlich vorhanden ist, kommen sie an Festtagen vormittags alle zusammen und hören von ihrem Priester Gottes Wort und die Messe, nachmittags verhandeln sie unter der Linde oder an einem anderen öffentlichen Orte ihre Angelegenheiten, die Jüngeren tanzen darauf nach der Musik des Pfeifers, die Alten gehen in die Schenke und trinken Wein. Ohne Waffen geht kein Mann aus: sie sind für alle Fälle mit dem Schwerte umgürtet.

Die einzelnen Dörfer wählen aus sich zwei oder vier Männer, die sie Bauermeister nennen, das sind die Vermittler bei Streitigkeiten und Verträgen und die Rechnungsführer der Gemeinde. Die Verwaltung aber haben nicht sie, sondern die Herren oder die Schulzen, die von jenen bestellt werden.

Den Herren frohnen sie oftmals im Jahre, bauen das Feld, besäen es, ernten die Früchte, bringen sie in die Scheunen, hauen Holz, bauen Häuser, graben Gräben. Es gibt nichts, was dieses sklavische und elende Volk ihnen nicht schuldig sein soll, nichts, was es, sobald es befohlen wird, ohne Gefahr zu tun verweigert: der Schuldige wird streng bestraft. Aber am härtesten ist es für die Leute, dass der größte Teil der Güter, die sie besitzen, nicht ihnen, sondern den Herren gehört, und dass sie sich durch einen bestimmten Teil der Ernte jedes Jahr von ihnen loskaufen müssen.

Mit der Dankelshäuser Entwicklung, wenn auch in abgeschwächter Form, vergleichbar dürfte die Gemeindebildung von Ellershausen durch die Grundherrschaften der Herren von Bardeleben, von Weihe und später von Stockhausen und die von Mielenhausen durch die der Herren von Mengershausen[clxiii] bestimmt worden sein. Bezeichnend für alle diese Grundherrschaften ist, dass sie durch ein vielschichtiges Geflecht von vertikalen Herrschaftsstrukturen geprägt wurden. Dagegen waren es bei den von uns als bäuerlich zu bezeichnenden landesherrlichen Bramwald-Dörfern Bühren, Varlosen, Ober- und Niederscheden eher die horizontale Organisation des gemeinsamen Siedelns und Arbeitens, das nachbarschaftliche Zusammenleben und die bäuerliche Zusammenarbeit sowie die Teilhabe an der Rechtsprechung, die ihre Gemeindestrukturen maßgeblich beeinflussten[clxiv].

Kauf des Ritterguts Wellersen

Seit dem August 1495 wurde die Gestaltungswirkung der Gemeinden durch ihre adligen Grundherren noch indirekt durch den Wormser Reform-Reichstag verstärkt. Mit dem von ihm erlassenen Reichslandfrieden war, wenn auch nicht sofort, so doch auf längere Sicht, für adlige Hasardeure, Inhaber kleiner Burgenländereien, die zuweilen ihre schmale Kasse mit Überfällen oder Kriegsdiensten … zu füllen versuchten[clxv], die Uhr abgelaufen. Meine Vorfahren hatten das Ende dieser Zeit schon im Jahre 1458 zu spüren bekommen, als Herzog Wilhelm von Sachsen ihrem wilden Treiben auf der Bramburg ein Ende gesetzt und die Burg zerstört hatte. Die Folge war ihr vorläufiger Rückzug auf die Eigenbewirtschaftung ihrer Güter Dankelshausen, Löwenhagen und Imbsen.

Ihr Rückzug fiel in eine Zeit, in der die Agrarkonjunktur einen starken Aufschwung zu nehmen begann. Hatte der grundherrliche Adel im Göttinger Land während der Agrarkrise des 15. Jahrhunderts erhebliche Ländereien insbesondere an die Bürger der umliegenden Städte verpfändet, so sah er sich im Verlaufe des 16. Jahrhunderts in die Lage versetzt, einen großen Teil wieder auszulösen. Im Jahre 1591 kaufte Heinrich von den Brüdern Erich und Alexander von Bardeleben für dreizehntausend Taler den Adelshof Wellersen zusammen mit dem Wetenborn - heute eine Wüstung zwischen Wellersen und Scheden - mit Gericht, Rechten, Vogtei, Fischerei in der Schede, Jagd, Bau- und Brennholz und Mast im Bramwald. Im Jahre 1548 hatte Curdt von Bardeleben, der Vater der beiden Brüder, das Dorf – es wurde bereits im Folgejahr als eine Wüstung bezeichnet - und den Adelshof von Rudolf von Biedenfeld erworben. Bereits in den Jahren 1142 und 1152 urkundlich genannt, war Wellersen Mitte des 14. Jahrhunderts herzogliches Lehen der Brüder Bodo und Berthold von Adelebsen gewesen.

Die Bramwald-Dörfer im Vergleich

Erste Daten über die Gemeindestrukturen der grundherrschaftlichen und bäuerlichen Bramwald-Dörfer mit ihren jeweiligen Bauernklassen liefert uns die Calenbergische Musterungsrolle vom Jahre 1585 (vgl. Übersicht 2). In ihr wurde zwischen Ackerleuten, Halbspännern, Kötern und Häuslingen unterschieden. Diese Unterscheidung ist Ausfluss des mittelalterlichen Lehnsrechts, das eine klare Abgrenzung von Eigentum und Besitz an dem Grund und Boden nicht kannte. Unterschieden wurde zwischen dem Obereigentum (dominum directum) des Lehnsherrn und dem Untereigentum (dominum utile) des Lehensnehmers[clxvi]. Die von den unterschiedlichen Bauernklassen als Lehensnehmer zu erbringenden Dienste und Abgaben waren eine Folge davon, dass seit dem 14. Jahrhundert der Gerichtsherr als Lehnsherr häufig auch Inhaber der Allmendegerechtsame (Obereigentümer der Gemeinheiten) war[clxvii].

Die Bauernklassen unterschieden sich nicht nur durch die Art und Höhe der Abgaben und Dienste, sondern auch durch den Umfang ihrer Flächenausstattung. Im Jahre 1687 wurden für die einzelnen Bauernklassen die folgenden Flächen (1 hannoverscher Morgen entspricht 0,26 Hektar) angegeben[clxviii]:

[...]


[i]Seine erste urkundliche Erwähnung als Mündener Amtsbezirk geht auf das Jahr 1381 zurück. Im Jahre 1444 bestand sein Kernbereich, das spätere Unteramt oder Untergericht, aus den Orten Hedemünden, Wiershausen, Ober- und Niederscheden, Dankelshausen, Mielenhausen, Bühren, Varlosen, Imbsen, Gimte, Volkmarshausen und Blume. Um das Jahr 1535 wurde ihm das Amt Sichelnstein, das Oberamt oder Obergericht, hinzugefügt. Im Kaufungerwald zwischen Werra und Fulda gelegen, gehörten ihm die Dörfer Nienhagen, Sichelnstein, Benterode, Wahnhausen, Lutterberg, Escherode, Landwehrhagen, Uschlag, Spiekershausen, Speele und Oberode an. Im Jahre 1973 wurde der Landkreis Münden mit dem Landkreis Göttingen vereinigt. NHStAH Hann 74 Münden, Akten des Amtes Münden, Vorwort.

[ii] Der Eigentümer eines Rittergutes war ursprünglich zur Heerfolge und zu Ritterpferdsgeldern verpflichtet. Als Gegenleistung war er vor allem von allen bäuerlichen und öffentlichen Lasten, wie Steuern, Einquartierungen, Fronen etc., befreit. In späterer Zeit wurden diese Vorrechte beseitigt.

[iii] Vgl. Ahnentafel der Familie von Stockhausen.

[iv] NHStAH 3 GM 2 A Nr. 17.

[v] Vgl. Übersicht 1. – Die zum Rittergut Dankelshausen gehörigen Forsten, so schreiben G. Stölting und B. von Münchhausen im Jahre 1912 (S. 235), sind seit längerer Zeit auf das benachbarte Gut Wellersen übertragen. Nach dem Tode von Heinrich Ludwig im Jahre 1794 war das Gut Wellersen an den damaligen Eigentümer des Gutes Dankelshausen, Benedikt Moritz, gefallen. Es waren von nun an familieninterne Überlegungen und Regelungen seiner Nachkommen, die das „Hainholz“ einmal ihrem Gut Wellersen, zum anderen ihrem Gut Dankelshausen zuordnen ließen.

[vi] P. Lufen (Bearb.), 1993, S. 250 f.

[vii] Kreisarchiv Göttingen, LA HMÜ Nr. 517.

[viii] Als Anbauern wurden diejenigen Hausbesitzer in einer Gemeinde bezeichnet, deren neuentstandene Wohnstellen an den Gemeindenutzungen keinen Antheil hatten. J. K. B. Stüve, 1851, S. 55 f.

[ix] Kreisarchiv Göttingen, GK GÖ A 66/TBA Nr. 1.

[x] Kreisarchiv Göttingen, LK HMÜ 2467.

[xi] Mielenhausen nur bis zum Hochmittelalter.

[xii] L. Delfs,1947, S. 56.

[xiii] NHStAH Hann 74 Münden 2116.

[xiv] Archiv der Gemeinde Dankelshausen. – Kreisarchiv Göttingen, LK HMÜ 2353.

[xv] Ohne Fördermittel des Landes hätten die Kosten den Wasserpreis von 1,90 DM auf 3,03 DM je Kubikmeter steigen lassen, auf einen Preis, der weit über dem Landesdurchschnitt lag. Kreisarchiv Göttingen, Amt 66/TBA Nr.1.

[xvi] G. Henkel, 1999, S. 324.

[xvii] C.-H. Hauptmeyer, 1986, S. 11.

[xviii] H.-G. Stephan, 1997, S. 12.

[xix] W. Gusmann, 1928, S. 56.

[xx] W. Gusmann, 1928, S. 7.

[xxi] W. Gusmann, 1928, S. 43.

[xxii] H.-G. Stephan, 1997, S. 14. – W. Gusmann, 1928, S. 18. – Die erste Erwähnung des „hausen“-Dorfes Volkmarshausen wird in die Zeit von etwa 830 bis 840 datiert. A. Deese und C. Tollmien, 1985, S. 124.

[xxiii] A. Seidensticker, 1896b, S. 140 f.

[xxiv] K. Mittelhäuser, 1977, S. 271.

[xxv] H. Potthast, 1984, S. 12.

[xxvi] H. Wunder, 1986, S. 28.

[xxvii]Unveröffentlichtes Protokoll eines Kartierkurses der TU Braunschweig Historisch-siedlungs-geographische Untersuchungen im Raum Süd-Hannover vom 27. bis 31. Oktober 1975. Kreisdenkmalpflege Göttingen.

[xxviii] B. Damm, 2000, S.28.

[xxix] H. Potthast, 1984, S. 11.

[xxx] Archiv der Familie Hermann Beuermann.

[xxxi] L. Delfs, 1947, S. 22.

[xxxii] K. Mittelhäuser, 1977, S. 274.

[xxxiii] K. Mittelhäuser,1977, S. 274.

[xxxiv] K. Mittelhäuser, 1977, S. 273. – K. Casimir, U. Ohainski und J. Udolph, 2003, S. 90 f.

[xxxv] J. Stuckius, 1660, S. 977.

[xxxvi] Als Afterlehen wurde im Mittelalter ein Lehen bezeichnet, das der Lehnsgeber selbst von einem höher gestellten Lehnsherren empfangen hatte und es einem untergeordneten Lehnsnehmer weitergab.

[xxxvii] J. Stuckius, 1660, S. 951.

[xxxviii] M. Last,1977, S. 636 f.

[xxxix] H. Potthast, 1984, S. 14.

[xl] K. Sittig, 1976, S. 44 f. – J. von Stockhausen, 2001, S. 79 ff.

[xli] B. Garbe, 2001, S. 9.

[xlii] Nach W.-D. Nück (2008, S. 273) ist die Bramburg im Jahre 1256 von dem Kloster Corvey in den Besitz von Herzog Albrecht I. gelangt.

[xliii] J. von Stockhausen, 2003, S. 42 ff.

[xliv] Sie blieb über viele Jahrhunderte hinweg die wichtigste Verbindungsstrecke von Hannover und Braunschweig nach Kassel. Erst ab dem Jahre 1824 wurde ihr die über Göttingen und Dransfeld führende Straße vorgezogen. G. Meinhardt, 1975, S. 8.

[xlv] J. von Stockhausen, 2003, S. 44.

[xlvi] G. Schucht, 2000, S. 62.

[xlvii] F. Vogt (Bearb.), 1913, S. 131.

[xlviii] F. Vigener (Bearb.), 1913, S. 535.

[xlix] H. Wunder, 1986, S. 33 f.

[l] H. Tütken, 1967, S. 156.

[li] W. Ebel, 1953, S. 15.

[lii] H. Linde, 1954, S. 8.

[liii] Stadt Münden (Hg.), o. J., S. 37.

[liv] K. Kayser, 1904, S. 157.

[lv] H. Tütken,1967, S. 64.

[lvi] J. K. F. Schlegel,1802, S. 277 ff.

[lvii] Ohne Verf., 1990.

[lviii] F. W. Henning, 1994, S. 41.

[lix] Nach D. Saalfeld (1960, S. 32) sind im Laufe des mittelalterlichen Siedlungsausbaues ständig neue Siedlerstellen durch Urbarmachung von Allmendeland und durch Höfeteilungen entstanden. Die ersten Ansiedler konnten zunächst in einem unbeschränkten Umfange Land kultivieren. Grenzen waren ihnen nur durch die eigene Arbeitskraft und die Möglichkeit der wirtschaftlichen Verwertung der Erzeugnisse gesetzt. Bei der späteren Ausdehnung des Kulturlandes waren die älteren Höfe wegen ihrer im Laufe der Zeit gewachsenen stärkeren Wirtschaftskraft den Neusiedlerstellen überlegen. So waren insbesondere sie es, die sich zu den größten Höfen entwickelten. Wenn ihr Bedarf an Arbeitskraft den der bäuerlichen Familie überstieg, fanden sie die zusätzlich benötigte Arbeitskraft in den Gesindekräften und in der Neusiedlerschicht, die keinen oder nur einen geringen Anteil an der Ackerlandgewinnung hatten.

[lx] K. S. Bader (1962, S. 187) spricht davon, dass der Ortsherr, der im Gefolge der Abrundung seiner Rechte nach einer Territorialisierung im Ortsraum strebte, mit aller Selbstverständlichkeit darum bemüht war, nicht nur das Gericht, sondern auch die Kirche im eigenen Dorf zu haben. Auch J. Jünemann (1968, S. 53) glaubt, dass die adlige Grundherrschaft die Kirchenorganisation in ihren Dienst gestellt habe.

[lxi] Ph. Meyer, 1919, S. 17.

[lxii] C. Cordes, 1983, S. 11.

[lxiii] K. S. Bader, 1962, S. 189.

[lxiv] Engelfridus war nicht nur Pfarrer in Dankelshausen, seit dem Jahre 1302 war er zugleich Pfarrer der heutigen Wüstung Wickertshausen, nordöstlich von Witzenhausen. Im Jahre 1315 war er Pfarrer in Münden und zwei Jahre später Probst des Reichsstifts Hilwartshausen (M. von Boetticher, 2001, S. 117 ff.). Mit diesen urkundlichen Belegen dürfte die in der Oberschedener Dorfchronik (G. Mehr, 1997, S. 151) geäußerte Vermutung, dass Engelfridus vor seiner Amtsübernahme in Dankelshausen in der heutigen Wüstung Wetenborn als Priester tätig gewesen ist, als überholt oder zumindest als überprüfungsbedürftig anzusehen sein.

[lxv] Im Gegensatz zu den Städten, für deren Gründung häufig die Verleihung der Stadtrechte in urkundlich verfaßter Form vorliegt, gibt es für die meisten Dörfer kaum Unterlagen über deren Entstehungszeit. Ihr Name taucht meistens irgendwann in einer häufig vergleichsweise belanglosen Urkunde auf. Vgl. R. Schnieders, 1964, S. 15

[lxvi] M. von Boetticher, 2001, S. 117.

[lxvii] J. Sieglerschmidt, 1987, S. 25.

[lxviii] G. Arndt, 1926, S. 35.

[lxix] Auch für J. Sieglerschmidt (1987, S. 25) ist der Schutz der Kirche immanenter Bestandteil der Grundherrschaft.

[lxx] E. Hommel, 1967, S. 43.

[lxxi] W. von Erffa, 1937, S. 8 f. – A. Timm, 1960, S. 114 ff.

[lxxii] H. Reyer, 1983, S. S.25 ff.

[lxxiii] NHStAH Hann 74 Münden 175.

[lxxiv] K. Kunze, 1997, S. 21.

[lxxv] Archiv der Kirche zu Dankelshausen.

[lxxvi] J. von Stockhausen, 2001, S. 216 ff.

[lxxvii] E. Schröder, 1990, S. 33.

[lxxviii] K. S. Bader, 1962, S. 196. – H. Wiswe, 1924, S. 82 f.

[lxxix] H. Tütken, 1964, S. 315.

[lxxx] E. Hommel, 1967, S. 42.

[lxxxi] Kreisarchiv Göttingen LK HMÜ 1228.

[lxxxii] Archiv der Gemeinde Dankelshausen.

[lxxxiii] Vgl. K. S. Bader, 1962, S. 198.

[lxxxiv] P. Althaus, 1912, S. 119.

[lxxxv] Vgl. J. Sieglerschmidt, 1987, S. 10.

[lxxxvi] P. Althaus, 1912, S. 124.

[lxxxvii] J. von Stockhausen, 2001, S. 335.

[lxxxviii] G. Mehr, 1997, S. 157.

[lxxxix] E. Hommel, 1967, S. 41.

[xc] Saat und Ernte. Dankelshäuser Schulrundschau. Kreis-Heimatfest 1955. Nr. 3.

[xci] P. Althaus, 1912, S. 122.

[xcii] G. Mehr, 1997, S. 159.

[xciii] Archiv der Kirche zu Dankelshausen.

[xciv]Möglicherweise hat es sich bei dem besagten Pfarrer um Johann Heinrich Hogreve gehandelt, der in den Jahren 1716 bis 1733 das Dankelshäuser Pfarramt innehatte. Ph. Meyer, 1941, S. 179.

[xcv] Archiv der Kirche zu Dankelshausen.

[xcvi] Schreiben des Landeskirchenamtes an Joachim von Stockhausen vom 11. Juni 2004.

[xcvii] J. Desel, 1967, S. 128. – J. Jünemann, 1986, S. 118.

[xcviii] G. Schucht, 2000, S. 54 f.

[xcix] K. Kunze, 1997, S. 21 f.

[c] Vgl. U. Stutz, 1955, S. 83 f. - J. K. F. Schlegel, 1804, S. 296 ff.

[ci] Kreiskirchenarchiv Göttingen, Spez. Dankelshausen.

[cii] Ohne Verf., 1862, S. 388.

[ciii] Die Hufe war ein Ertrags- und Flächenmaß der fränkischen Zeit, das ein Gehöft und das für eine Familie ausreichende Maß an Acker- und Weideland umfaßte.

[civ] H. Wiswe, 1934, S. 80.

[cv] Kreiskirchenarchiv Göttingen, Spez. Dankelshausen.

[cvi] K. Kayser, 1904, S. 157. – Im Jahre 1575 betrug in dem Dekanat Vechta der Wert des „Weinkaufs“ - eine Art Anerkennungs- und Verwaltungsgebühr, die von dem Pastor bei dem Antritt einer neuen Pfarre üblicherweise zu entrichten und die an die Ertragskraft des Kirchenlehens gekoppelt war - in den geringer ausgestatteten Pfarren 20 Taler. W. Freitag, 1998, S. 76.

[cvii] J.K.F. Schlegel, 1804, S. 360.

[cviii] Kreiskirchenarchiv, Spez. Dankelshausen.

[cix] H. Wiswe, 1934, S. 87.

[cx] Kreiskirchenarchiv Göttingen, Spez. Dankelshausen.

[cxi] J. K. F. Schlegel, 1804, S. 349.

[cxii] H. Schröder, 2008, S. 308 ff.

[cxiii] H. Schnabel-Schüle, 1997, S. 181.

[cxiv] P. Althaus, 1912, S. 119 ff.

[cxv] J.F.K. Schlegel, 1804, S. 322.

[cxvi] Archiv der Kirche zu Dankelshausen.

[cxvii] Schreiben des Superintendenten an meinen Vater vom 28. November 1973.

[cxviii] Schreiben des Landeskirchenamtes an Joachim von Stockhausen vom 11. Juni 2004.

[cxix] Siebzehn Jahre später in seinem Nachruf im Dezember 2007 bezeichnete Pastor Horst Metje, Vorsitzender des Dankelshäuser Kirchenvorstandes, meinen Bruder Hans – er hatte seit dem Jahre 1975 das Patronat inne gehabt - als einen aufrechten und engagierten Christen und verantwortungsbewußten Patron, der sich um seine Gemeinde verdient gemacht habe. Mündener Allgemeine vom 29. Dezember 2007.

[cxx] W. Ubbelohde,1823, S. 13.

[cxxi] C. W. G. Wesenberg, 1907, S. 85.

[cxxii] Die Verordnung vom 1. August 1798 über Die Ansetzung der Justiarien und Actuarien adlicher Patrimonialgerichte spricht von der den Gütern anklebenden Gerichtsbarkeit. NHStAH Hann 74 Münden 2065. - Wenn im Laufe der Zeit viele Rittergüter die Patrimonialgerichtsbarkeit verloren haben – bei ihrer gesetzlichen Aufhebung Mitte des 19. Jahrhunderts besaßen in den Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen nur noch 48 der insgesamt 183 Rittergüter adlige Gerichte -, so wird deren wesentlichster Grund in der häufigen Teilung der grundherrlichen Güter gesehen. Solche Teilungen hätten zur Folge gehabt, dass die Entfernungen zwischen den Gerichtsuntertanen und den Gerichtsherren zu weit wurden, um bei vorfallenden Rechtssachen eine ordentliche Verhandlung durchzuführen. G. W. G. Wesenberg, 1907, S. 85.

[cxxiii] W. Ebel,1953, S. 15.

[cxxiv] E. D. von Liebhaber, 1794, S. 195.

[cxxv] NHStAH Hann 74 Münden 1027.

[cxxvi] E. D. Liebhaber, 1794, S. 187 ff – W. Ubbelohde, 1823, S. xi ff.

[cxxvii] NHStAH Hann 74 Münden 6.

[cxxviii] NHStAH Hann 68 B 597.

[cxxix] NHStAH Hann 68 B 597.

[cxxx] NHStAH Hann 74 Münden 1028.

[cxxxi] NHStAH Hann 74 Münden 1611.

[cxxxii] NHStAH Hann 74 Münden 1245.

[cxxxiii] In diesem Zusammenhang bemerkenswert ist, dass in dem Königreich Sachsen die Untergerichte für diejenigen Frevel zuständig waren, deren Bestrafung nicht über acht Tage Gefängnis hinausging. F. B. Weber, 1802, S. 234.

[cxxxiv] NHStAH Hann 74 Münden 1961.

[cxxxv] NHStAH Hann 74 Münden 2847.

[cxxxvi] NHStAH Hann 74 Münden 1032.

[cxxxvii] NHStAH Hann 74 Münden 1033.

[cxxxviii] NHStAH Hann 74 Münden 1275.

[cxxxix] E. von Meier, 1899, S. 384.

[cxl] E. von Meier, 1899, S. 381

[cxli] NHStAH Hann. 74 Münden B 208 und 209.

[cxlii] Die Landdrosteien waren im Jahre 1823 als staatliche Mittelbehörden geschaffen worden, im Jahre 1867 erhielten sie den Namen und die Stellung eines Regierungsbezirkes. G.-C. von Unruh, 1978, S. 30.

[cxliii] NHStAH Hann 74 Münden 2057.

[cxliv] U. Hindersmann, 2001, S. 173.

[cxlv] U. Hindersmann, 2001, S. 178 f.

[cxlvi] NHStAH Hann 74 Münden 2057.

[cxlvii] U. Hindersmann, 2001, S. 181.- NHStAH Hann 74 Münden 2065.

[cxlviii] In Paragraph 4 des Ablösungsrezesses des Gerichts Dankelshausen und Wellersen heißt es: Wegen Beitreibung der Gefälle (Abgaben), welche der abtretende Gerichtsherr aus dem bisherigen Gerichtsbezirke zu beziehen hat, soll dasjenige Verfahren eintreten, welches durch die neue Gerichtsverfassung und Prozeßordnung für die Beitreibung liquider Gefälle eingeführt werden wird. Archiv der Gemeinde Dankelshausen.

[cxlix] NHStAH Hann 74 Münden 1235.

[cl] V. von Stockhausen, 1936, S. 56.

[cli] G. Stölting und B. von Münchhausen, 1912, S. 235.

[clii] Beide Güter gehörten zu denjenigen Lehngütern, die einschließlich der dabei benutzten Zehnten, gutsherrlichen Gefällen und sonstigen ablösbar gewordenen Rechte mutmaßlich einen Ertrag von jährlich 1200 Reichstalern und darüber abwerfen dürften. NHStAH Hann 4 Nr. 1 I.

[cliii] NHStAH 74 Hann 746.

[cliv] G. Stüve, 1851, S. 133.

[clv] NHStAH Hann 74 Münden 5690.

[clvi] Kreiskirchenarchiv Göttingen, Spez. Dankelshausen.

[clvii] G. Stüve, 1851, S. 137.

[clviii] Archiv der Gemeinde Dankelshausen.

[clix] Archiv der Samtgemeinde Dransfeld, VI.

[clx] NHStAH Hann 74 Münden K 1263.

[clxi] Archiv der Samtgemeinde Dransfeld.

[clxii] G. Franz (Hg.), 1963, S. 3.

[clxiii] Stadt Münden (Hg.), o. J., S. 48 und 107.

[clxiv] H. Wunder, 1986, S. 31.

[clxv] W. Schulze, 1987, S. 113.

[clxvi] K. H. Schneider und H. H. Seedorf, 1989, S. 23.

[clxvii] Vgl. H. Schröder, 2008, S.289.

[clxviii] NHStAH Hann 74 Münden 1338.

Ende der Leseprobe aus 231 Seiten

Details

Titel
Dankelshausen - Wellersen zwischen Göttingen und Hann. Münden
Untertitel
Ein dorf- und familiengeschichtlicher Streifzug
Autor
Jahr
2012
Seiten
231
Katalognummer
V187497
ISBN (eBook)
9783656108863
ISBN (Buch)
9783656108290
Dateigröße
1827 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dankelshausen, Wellersen, Dorfgeschichte, von Stockhausen, Göttingen, Hann. Münden, synagogengemeinde
Arbeit zitieren
Joachim von Stockhausen (Autor), 2012, Dankelshausen - Wellersen zwischen Göttingen und Hann. Münden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187497

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