Trust a few, fear the rest - "X-Men" im Spiegel von Wahrnehmungstheorie und Werkästhetik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Von Anfang bis Ende - Die Story von „X-Men“

2. Die Reise des Helden
Filmbetrachtung nach Voglers Modell
2.1 Erster Akt
2.2 Zweiter Akt
2.3 Dritter Akt

3. Der Held im Schatten des Mentors - Voglers Archetypen
3.1 Der Held
3.2 Der Mentor
3.3 Der Herold
3.4 Der Schatten

4. Neoformalistisch betrachtet Visuelle Motive und deren Kontinuität bzw. Ver- änderung nach der Methodik des Neoformalismus
4.1 Visuelle Umsetzung der Entwicklung Logans
4.2 Farben als Symbole
4.3 Ideologische Hintergründe der „X-Men“

5. Sinngebung nach dem PKS-Modell Analyse des Films nach dem Modell von Peter Wuss
5.1 Perzeption
5.2 Kognition
5.3 Reflexion

6. Schlussendlich

7. Quellen

1. Von Anfang bis Ende – Die Story von „X-Men“

Als Marie D'Ancanto ihren ersten Freund küßt, fällt er ins Koma. Bis zu diesem Ereignis ist Marie einfach ein amerikanisches Mädchen und wohnt mit ihrer Familie in einem kleinen Häuschen. Ihr erster Kuß ist der letzte Moment in dieser Vorstadt-Idylle. Danach wird sie von ihren schockierten Eltern verstoßen und reist ziellos durch die Gegend, verlässt das Land. In der Kneipe eines kleinen canadischen Dorfes trifft sie auf Logan, der sich als „Wolverine“ mit Schaukämpfen sein Leben finanziert und dabei seit fünfzehn Jahren von Ort zu Ort reist. Er fasziniert sie und Marie, die sich jetzt Rogue nennt, folgt ihm heimlich. Ihre gemeinsame Fahrt durch schneebedeckte Wälder nimmt ein jähes Ende, als ein Baum auf die Motorhaube fällt und Logans Auto stoppt. Logan, da nicht angeschnallt, setzt seinen Weg durch die Frontscheibe fort und bleibt einige hundert Meter entfernt liegen. Momente später bricht ein menschgewordenes Biest aus dem Wald und attackiert ihn. In dieser Situation erscheinen zwei in schwarzes Leder gekleidete Personen, die Wolverine und Rogue retten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die X-Men – Homo Superior

Sie bringen die beiden in ein geheimnisvolles Labor, das sich alsbald als Anbau einer „Schule für begabte Kinder“ herausstellt. Die gesamte Anlage wird von Professor Charles Francis Xavier, dem machtvollsten Telepathen der Welt, geleitet und ist die Heimat von Mutanten. Auch Rogue und Wolverine sind Teil der nächsten menschlichen Evolutionsstufe – Mutanten. Jeder von ihnen wird mit einer einzigartigen genetischen Veränderung geboren, die sich mit Beginn der Pubertät durch außerordentliche Fähigkeiten offenbart. In der Gesellschaft sorgen sei bei Entdeckung ihrer Besonderheit für Aufregung und Angst. Weltweit versucht daher eine politische Bewegung unter Führung des amerikanischen Senators Robert Jefferson Kelly, den „Mutant Registration Act“ durchzusetzen, der eine genaue Erfassung von Mutanten gesetzlich vorschreibt.

Professor Xavier und seine Schülerin Dr. Jean Grey versuchen, diese Absichten durch Vermittlung und Aufklärungen zu verhindern. Für eine aggressivere Lösung tritt derweil sein alter Freund Erik Magnus Lehnsherr ein. Er ist ein Überlebender eines polnischen Nazi-Konzentrationslager und fühlt sich durch die aktuelle Debatte deutlich an seine Kindheit erinnert. Als Magneto kann er jegliche Art Metall mittels Gedankenkraft verformen und hat sich dafür entschieden, diese Kräfte gegen die Menschheit einzusetzen – überzeugt davon, dass eine friedliche Koexistenz von Menschen und Mutanten ein unerreichbare Utopie ist. Daher hat er eine Maschine geschaffen, die mittels eines Kraftfeldes bei jedem Menschen, der in dieses Feld gerät, Mutationen hervorruft.

Als Demonstrationsbeispiel erwählt Magneto internationale Politiker, die Gäste einer auf Ellis Island bei New York einberufenen UNO-Versammlung sind und über neue Mutanten-Gesetze beraten sollen. Da er selbst der Anstrengung nicht mehr gewachsen ist, die Maschine mit seinen Fähigkeiten anzutreiben, braucht er Rogue. Durch ihre Gabe, von anderen Menschen Lebenskraft und deren Fähigkeiten durch Berührung zu absorbieren, soll sie an seiner Stelle die Maschine bedienen und bis zum eigenen Tod mit genügend Energie versorgen.

Noch ist Rogue jedoch sicher in Professor Xaviers Schule. Doch durch das Eingreifen von Magnetos Vertrauter und Gestaltwandlerin Mystique verlässt Rogue die sichere Umgebung. Professor Xavier findet sie unter Einsatz seiner telepathischen Kräfte auf einem Bahnhof, doch in einer Auseinandersetzung mit Magneto und seines „Brotherhood of Mutants“ scheitert der Rettungsversuch von Wolverine und den X-Men Storm und Cyclops – Schülern des Professors. Auch dessen eigenes Eingreifen kann nicht verhindern, dass sie Rogue verlieren.

Es kommt zum großen Finale auf der Freiheitsstatue. Auf dem Weg in der Statue nach oben zur Fackel, wo Magnetos Maschine steht, müssen sich die X-Men jedoch erst Magnetos Helfern stellen. Nach deren Überwindung bedarf es letztlich der gemeinsamen Aufbietung aller Fähigkeiten, um Magnetos Kraft zu brechen, dadurch Rogue retten und die Maschine zerstören – kurz bevor das Kraftfeld die Politiker auf Ellis Island erreicht. Magneto wird dadurch Xaviers Gefangener in einem gläsernen Raum, während sich Logan aufmacht, die Verantwortlichen zu finden, die ihn in einer Operation vor Jahren zu Wolverine gemacht haben.

2. Die Reise des Helden

Christopher Vogler geht in seinem Modell zur Strukturierung einer Filmhandlung von mythologischen Grundmustern im amerikanischen Kino aus. Er vergleicht einen Film mit einer Sinfonie, die aus Einleitung, Mittelteil und Schluß aufgebaut ist. Ein Film besteht nach seiner Sichtweise somit aus drei Akten, in denen der Held der Geschichte auf verschiedene Bahnen mit bestimmten Zielen gelenkt wird. Nach Vogler kehren im Aufbau von Geschichten damit gewisse Bauelemente immer wieder. Insgesamt definiert er zwölf Stadien im Ablauf, die er zusammenfasst als „Reise des Helden“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wolverine ist in seiner alten Welt selten willkommen

Aber in welchem der vielen Charaktere finden wir den Helden in „X-Men“? Insgesamt präsentieren sich im Film 11 Figuren, die mehr als einmal auftreten – 10 von ihnen sind Mutanten. Zwei von ihnen weisen im Verlauf des Films eine charakterliche Entwicklung auf. Hierbei handelt es sich um das Mädchen Rouge und den Einzelkämpfer Wolverine. Rouge steht oft im Zentrum des Geschehens, ist für eine Heldin letztendlich aber zu passiv. Sie ist, oftmals unbeabsichtigt, Auslöser von Ereignissen, trägt aber nicht aktiv zur Auflösung von Spannungsknoten bei. Somit konzentriert sich der Film bei diesem Ensemble auf Logan alias Wolverine und dessen Suche nach seiner Natur und Herkunft. Wenn er auch zumeist in Verbindung mit anderen Figuren auftritt und agiert, ist es seine Entwicklung, die als roter Faden im Hintergrund erkennbar wird. Zudem ist er der einzige Mutant, der nicht so geboren wurde, wie er jetzt existiert. Seine Mutation ist die Selbstheilkraft – sein übernatürlich starker Körper wurde jedoch erst durch ein Experiment skrupelloser Wissenschaftler geschaffen.

2.1 Erster Akt

Logans Reise beginnt in einer rastlosen Welt, in der er als Preisboxer durch kleine Kaffs zieht und in Bars und Saloons gegen andere Kämpfer antritt und dabei mit Wett-Geldern seinen Lebensunterhalt verdient. Aus dieser gewohnten Welt wird er durch das Auftauchen Rogues herausgerissen. Sie konfrontiert ihn mit seinen eigenen Fragen nach Herkunft und Sinn, die er bisher stets verdrängt und missachtet hatte. Ihr Erscheinen markiert den Ruf des Abenteuers, das sogleich mit der Attacke des hühnenhaften Mutanten Sabretooth beginnt

Doch ist Logans nicht so einfach bereit, seine vertrauten Lebenswege zu verlassen. Nachdem er Rogue als blinden Passagier auf der Ladefläche seines Autos entdeckt, weist er sie anfangs als Eindringling ab und lässt sie einsam auf der eisigen Straße zurück. Erst einige Momente später denkt er um und nimmt sie mit. Durch die Attacke von Sabretooth ist es mit der Gewohnheit endgültig vorbei – dieser Höhepunkt des ersten Aktes stellt einen zentralen Wendepunkt dar - Wolverines Reise hat somit begonnen.

Als Logan nach dem Gemenge im Winterwald und der Errettung durch die X-Men Ororo Munroe alias Storm und Scott Summers alias Cyclops sein Bewusstsein wieder erlangt, findet er sich in einer unbekannten Umgebung. Er durchstreift die Gänge der unterirdischen Station von Professor Xavier wie ein gefangenes wildes Tier – stets auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Auch als sich der Professor bemerkbar macht, verweigert Logan noch immer, sich auf die neue Situation einzulassen. Bestärkt wird er in dem Streben, in seine Welt zurückzukehren, durch die quälenden Gedanken über seine eigene Natur. Seine Nächte werden durch Alpträume bestimmt, er erinnert sich schemenhaft an seine Operation, bei der er mit seinen neuen Fähigkeiten ausgestattet wurde.

In seiner Auffassung, allein besser aufgehoben zu sein, bestärken ihn auch seine Überreaktion, als er von Dr. Jean Grey geweckt wird und sie dabei mit seinen Klauen verletzt. Erst durch Treffen mit dem Professor und durch das Beispiel Rogues, die sich im Kreise der anderen Mutanten-Kinder wohl fühlt, fasst er etwas Vertrauen. Xavier führt Logan langsam in die Welt der Mutanten ein und vermittelt ihm dabei behutsam das Gefühl, erstmals in seinem Leben einen Ort gefunden zu haben, an dem man ihn verstehen könnte. Dennoch behält er seine Distanz gegenüber den anderen X-Men bei – eine Ausnahme macht er lediglich bei Dr. Jean Grey, da er sie anziehend findet. Die erste Schwelle in Voglers Reise-Modell hat Logan damit überschritten, denn nun ist er endgültig Teil des Abenteuers, ist in der neuen Welt angekommen.

2.2 Zweiter Akt

Der Weg der Prüfungen beginnt für Logan mit einem weiteren Alptraum. Als Rogue in der Nacht sein Stöhnen hört, schleicht sie in sein Zimmer. Sie setzt sich zu Logan aufs Bett und beobachtet ihn in seinem Schmerz. Plötzlich schrickt jedoch Logan auf und durchbohrt dabei Rogue mit seinen Klauen. In einem für beide unendlichen Moment treffen sich ihre entgeisterten Blicke. Ein Ereignis, welches Wolverine auf einen Schlag begreifen lässt, wie schrecklich seine Fähigkeiten wirken können. Im letzten Moment streckt Rouge dabei langsam ihren Arm aus und kurz bevor sie leblos vom Bett fällt, erreicht ihre Hand Logans Gesicht. Dabei übertragen sich Wolverines Selbstheilkräfte auf sie und so übersteht sie den Unfall. Dieses Ereignis stärkt die emotionale Bindung zwischen Rouge und Wolverine, ein Grund mehr, seine Ziele zu ändern und seine Einzelkämpferposition langsam zu verlassen. Seine Entwicklung erfährt somit an dieser Stelle des Films eine erneute Wendung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Trust a few, fear the rest - "X-Men" im Spiegel von Wahrnehmungstheorie und Werkästhetik
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Institut für Geschichte und Theorie der Gestaltung)
Veranstaltung
Studien zu Wahrnehmungstheorie und Werkästhetik
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V18757
ISBN (eBook)
9783638230278
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trust, X-Men, Spiegel, Wahrnehmungstheorie, Werkästhetik, Studien, Wahrnehmungstheorie, Werkästhetik
Arbeit zitieren
Michael Clemens (Autor), 2002, Trust a few, fear the rest - "X-Men" im Spiegel von Wahrnehmungstheorie und Werkästhetik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18757

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