Es sei gar nicht lange her, da wären die Tagungen der unabhängigen Organisation
Transparency International (TI) nur Randglossen wert gewesen, schrieb die „Zeit“ 19991.
Auch der Vorsitzende von TI, Dr. Peter Eigen, erinnert sich noch an die Anfangsjahre der
Organisation: „Wir galten als noble Don Quichottes, die etwas Unabänderliches abschaffen
wollten, etwas, das quasi zur zweiten Natur des Menschen wurde und in allen Völkern und
Kulturen verbreitet ist.“2 Doch die Zeiten haben sich geändert. Transparency International ist
heute ein enorm wichtiger Partner in den internationalen Bemühungen zur Bekämpfung von
Korruption. Sie haben es geschafft, das Thema Korruption im öffentlichen Bewusstsein zu
verankern (Überschrift einer Ausgabe der „Time“, Mitte 1998: „Peter Eigen's Transparency
International put corruption on the world's agenda“3), sind aktiv an der Ausarbeitung von
Gesetzen beteiligt, werden von vielen Staaten und Unternehmen als geschätzte Berater
hinzugerufen und auch die Verantwortlichen der Weltbank suchen mittlerweile ihren Rat. „Im
Laufe der neunziger Jahre ist aus der kleinen Initiative eine mächtige Bewegung gewachsen,
auf deren Veranstaltungen sich Staatspräsidenten, Minister, Banker, Industrielle und sogar der
Generalsekretär von Interpol die Ehre geben.“, so „Die Zeit“ weiter4. Auch Dr. Peter Eigen
schaut im aktuellen Jahresbericht von TI auf den Erfolg seiner Organisation zurück: „In den
sieben kurzen Jahren, die es TI nun gibt, haben wir es vollbracht, eine entscheidende Rolle zu
spielen bei der Schaffung eines breiten Verständnisses bei Regierungen und Öffentlichkeit für
die schädliche Wirkung der Korruption und die Bedeutung der Entwicklung geeigneter Mittel,
um sie zurückzudrängen.“5 Das der Kampf noch lange nicht vorbei ist, sondern weiterhin tobt
und an einigen Punkten erst begonnen hat, zeigen nicht zuletzt die aktuellen deutschen
Beispiele aus Berlin und Bonn. [...]
1 Grill, Bartholomäus: Der globale Sumpf: Korruption bedroht den Fortschritt und Wohlstand der ganzen Welt. In: Die Zeit,
Ausgabe 44/1999
2 ebd.
3 Elshorst, Hansjörg: Transparency International: Kampf gegen die Korruption – weltweit. In: E+Z – Entwicklung und
Zusammenarbeit, Nr. 11, November 1999, S. 304-306
4 Grill, Bartholomäus: Der globale Sumpf: Korruption bedroht den Fortschritt und Wohlstand der ganzen Welt. In: Die Zeit,
Ausgabe 44/1999
5 Transparency International: Transparency International Annual Report 2000, Seite 1.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung „Streiter gegen weltweite Korruption“
2. Ursprung der weltweiten Organisation „Woher kamen sie?“
3. Ziele in der Arbeit von Transparency International „Was wollen sie?“
4. Zur Arbeit der deutschen Sektion von TI „Die deutsche Abteilung“
5. Die Struktur von TI, Mitglieder und Organe „Die Organisation“
6. Woher erhält TI die Mittel für seine Arbeit? „Finanzierung“
7. Über Art und Weise sowie Ergebnisse der Arbeit von TI „Erreichen sie etwas?“
8. Bemühungen um die Verabschiedung und den späteren Ausbau der OECD-Konvention zur Bekämpfung von Korruption in mehreren europäischen Staaten „OECD“
9. Über die Arbeit und Ergebnisse der Internationalen Anti-Korruption Konferenz „International Anti-Corruption Conference (IACC)“
10. Studien von TI über die internationalen Auswüchse der Korruption: ‚Corruption Perceptions Index’ (CPI) und ‚Bribe Payers Index’ (BPI) „Korruption in Tabellen“
11. aktuelle Anstrengungen in Deutschland und Fazit „So what?“
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Dieser Arbeitsbericht analysiert die Rolle, Struktur und Arbeitsweise von Transparency International (TI) als globale Bewegung im Kampf gegen Korruption. Ziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie TI durch Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying und die Entwicklung innovativer Instrumente zur Integritätsstärkung weltweit Einfluss auf Regierungen und den Wirtschaftssektor ausübt.
- Gründungshintergrund und ideelle Ziele der Organisation
- Struktureller Aufbau und Finanzierung von TI
- Wirkung von Instrumenten wie dem „Integrity Pact“ und dem Korruptionswahrnehmungs-Index (CPI)
- Die Rolle der deutschen Sektion im nationalen und internationalen Kontext
- Einflussnahme auf internationale Abkommen wie die OECD-Antikorruptionskonvention
Auszug aus dem Buch
1. Streiter gegen weltweite Korruption
Es sei gar nicht lange her, da wären die Tagungen der unabhängigen Organisation Transparency International (TI) nur Randglossen wert gewesen, schrieb die „Zeit“ 1999. Auch der Vorsitzende von TI, Dr. Peter Eigen, erinnert sich noch an die Anfangsjahre der Organisation: „Wir galten als noble Don Quichottes, die etwas Unabänderliches abschaffen wollten, etwas, das quasi zur zweiten Natur des Menschen wurde und in allen Völkern und Kulturen verbreitet ist.“ Doch die Zeiten haben sich geändert. Transparency International ist heute ein enorm wichtiger Partner in den internationalen Bemühungen zur Bekämpfung von Korruption.
Sie haben es geschafft, das Thema Korruption im öffentlichen Bewusstsein zu verankern (Überschrift einer Ausgabe der „Time“, Mitte 1998: „Peter Eigen's Transparency International put corruption on the world's agenda“), sind aktiv an der Ausarbeitung von Gesetzen beteiligt, werden von vielen Staaten und Unternehmen als geschätzte Berater hinzugerufen und auch die Verantwortlichen der Weltbank suchen mittlerweile ihren Rat. „Im Laufe der neunziger Jahre ist aus der kleinen Initiative eine mächtige Bewegung gewachsen, auf deren Veranstaltungen sich Staatspräsidenten, Minister, Banker, Industrielle und sogar der Generalsekretär von Interpol die Ehre geben.“, so „Die Zeit“ weiter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Beschreibt den Wandel von Transparency International von einer kleinen Initiative hin zu einem weltweit anerkannten Akteur im Kampf gegen Korruption.
2. Ursprung der weltweiten Organisation: Erläutert die Gründung durch Dr. Peter Eigen im Jahr 1993 und die Vision einer parteipolitisch unabhängigen Bewegung.
3. Ziele in der Arbeit von Transparency International: Definiert den Fokus auf die Schärfung des öffentlichen Bewusstseins und die Verbesserung institutioneller Rahmenbedingungen.
4. Zur Arbeit der deutschen Sektion von TI: Beschreibt die Aufgaben der deutschen Vertretung, insbesondere bei der Umsetzung von OECD-Vereinbarungen und Korruptionsprävention.
5. Die Struktur von TI, Mitglieder und Organe: Detailliert den demokratischen Aufbau, das „Board of Directors“ und die beratenden Gremien.
6. Woher erhält TI die Mittel für seine Arbeit?: Analysiert die Finanzierungsstruktur durch Stiftungen, internationale Organisationen und Unternehmen.
7. Über Art und Weise sowie Ergebnisse der Arbeit von TI: Dokumentiert die Methoden der Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit zur Korruptionsbekämpfung.
8. Bemühungen um die Verabschiedung und den späteren Ausbau der OECD-Konvention zur Bekämpfung von Korruption in mehreren europäischen Staaten: Diskutiert die Rolle von TI bei der Etablierung verbindlicher internationaler Regeln für Unternehmen.
9. Über die Arbeit und Ergebnisse der Internationalen Anti-Korruption Konferenz: Beleuchtet die Funktion der IACC als globales Forum für Fachleute.
10. Studien von TI über die internationalen Auswüchse der Korruption: ‚Corruption Perceptions Index’ (CPI) und ‚Bribe Payers Index’ (BPI): Erklärt die Bedeutung und Methodik der von TI veröffentlichten Indizes zur Messung von Korruption.
11. aktuelle Anstrengungen in Deutschland und Fazit: Zieht Bilanz über den bisherigen Erfolg und skizziert künftige Herausforderungen wie das Akteneinsichtsrecht.
Schlüsselwörter
Transparency International, Korruption, Korruptionsbekämpfung, Bestechung, OECD-Konvention, Integrität, Korruptionswahrnehmungs-Index, Institutionelle Reformen, Transparenz, Zivilgesellschaft, Compliance, Wirtschaftsethik, Lobbyarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen detaillierten Überblick über die Entstehung, Struktur und Arbeitsweise der Nichtregierungsorganisation Transparency International im Kampf gegen globale Korruption.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Förderung öffentlicher Integrität, die Einflussnahme auf Gesetzgebungsprozesse, die Finanzierung der Organisation sowie die Entwicklung von Instrumenten zur Messung und Prävention von Korruption.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie TI erfolgreich Themen in die politische Agenda integriert und durch Kooperationen mit Staaten und Unternehmen Korruption wirksam bekämpfen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse von Berichten, Dokumenten und Medienpublikationen, die das Wirken von Transparency International seit der Gründung 1993 dokumentieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die interne Organisationsstruktur, die Finanzierungsquellen, den Erfolg internationaler Abkommen wie der OECD-Konvention sowie die Bedeutung der von TI entwickelten Indizes (CPI und BPI).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Begriffe sind Korruptionsprävention, internationale Integritätssysteme, politische Lobbyarbeit und institutionelle Transparenz.
Warum ist der Korruptions-Wahrnehmungs-Index (CPI) für TI so bedeutend?
Der CPI dient als wichtiges Instrument, um Korruption messbar zu machen und durch öffentliche Aufmerksamkeit und den Druck auf Entscheidungsträger Reformen in den betroffenen Ländern anzustoßen.
Wie geht TI mit dem Dilemma um, Gelder von Unternehmen anzunehmen, die in der Vergangenheit in Korruptionsaffären verwickelt waren?
Dr. Peter Eigen vertritt hierbei eine pragmatische Haltung: Anstatt moralischen Heroismus zu fordern, setzt TI auf eine Einbindung der Unternehmen, um diese schrittweise zu einer integren Unternehmensführung und der Einhaltung von Standards zu bewegen.
- Quote paper
- Michael Clemens (Author), 2001, Transparency International - Verein zur Bekämpfung von Korruption, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18758