Die Magisterarbeit befasst sich mit dem zweiten Zusatz zur Verfassung der USA, dem Second Amendment, welches einen der umstrittensten Verfassungszusätze darstellt. Ist das Waffenrecht nun ein Kollektivrecht, welches nur in Kraft tritt, wenn eine Verteidigung des Landes erforderlich ist und zu diesem Zwecke eine Bürgerwehr (Militia) gegründet werden muss? Dann natürlich ist heutzutage dieser Zusatz hinfällig, da es ein funktionierendes und hervorragend aufgestelltes Militär in den USA gibt. Oder ist das Waffenrecht ein Individualrecht, welches jedem Bürger die Freiheit zugesteht Waffenbesitzer zu sein? Dahingehend gehen die Meinungen stark auseinander. Die Waffenlobby, angeführt von der zweitmächtigsten Lobby der USA, der National Rifle Association (kurz: NRA), verteidigt den Anspruch auf individuellen Waffenbesitz politisch, monetär und in großem Umfang. Leute von Rang und Namen, darunter diverse (Ex-)Präsidenten, zählen zur einflussreichen Mitgliederschaft der NRA. Eine Einschränkung oder sogar Abschaffung des Waffenrechts bedeutet Krieg und die NRA ist mächtig genug und verfügt über die Mittel und die Finanzen, um diesen Krieg gewinnen zu können. In dieser Arbeit werden die Wurzeln des Second Amendment, Individual- und Kollektivrechtsdiskussionen und wichtige Gerichtsurteile, die wichtigsten Waffenkontrollgesetze und die Organisation National Rifle Association näher beleuchtet. Der Untersuchungszeitraum endet zum Zeitpunkt 1994, da seit diesem Zeitpunkt (bis zur Erstellung der Arbeit) kein Waffenkontrollgesetz mit bedeutendem Ausmaß mehr erlassen wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das umstrittene “Second Amendment“
2.1 Inhalt und Umfang des “Second Amendment“
2.2 Die ideologischen Wurzeln des Second Amendment
2.3 Die historischen Wurzeln des Second Amendment
2.4 Die Geburt des Second Amendment – Ideologie und Geschichte begründen ein Gesetz
2.5 Individual- oder Kollektivrecht?
2.5.1 Wissenschaftliche Meinungen zum Kollektivrecht
2.5.2 Wissenschaftliche Meinungen zum Individualrecht
2.5.3 Ein linguistischer Ansatz
2.5.4 Wichtige Gerichtsurteile
2.5.4.1 United States v. Cruikshank (1875)
2.5.4.2 Presser v. Illinois (1886)
2.5.4.3 United States v. Miller (1939)
2.5.4.4 United States v. Verdugo-Urquidez (1990)
2.5.4.5 United States v. Emerson (2001)
2.5.4.6 Silveira v. Lockyer (2002)
2.5.4.7 Parker v. District of Columbia (2007)
3 “Gun Control in the United States”
3.1 Die wichtigsten Waffenkontrollgesetze 1791-1999
3.1.1 National Firearms Act of 1934 (NFA)
3.1.2 Federal Firearms Act of 1938 (FFA)
3.1.3 Gun Control Act of 1968 (GCA)
3.1.4 Armed Career Criminal Act 1986 (ACCA)
3.1.5 Firearms Owners’ Protection Act 1986 (FOPA)
3.1.6 Law Enforcement Officers’ Protection Act 1986
3.1.7 Crime Control Act 1990
3.1.8 Brady Handgun Violence Prevention Act 1994
3.1.9 Violent Crime Control and Law Enforcement Act of 1994 (VCCLEA)
3.1.10 Entwicklungen seit 1994
4 Die mächtige Gun Lobby, ihr Weg an die Spitze und ihr Wille dort zu bleiben – koste es, was es wolle!
4.1 Vom Schützenverein zur mächtigsten Lobby Amerikas - Die Geschichte der National Rifle Association
4.2 Die politische Bühne
4.3 Kompromisslos mächtig
4.3.1 Die NRA und ihre Mitglieder
4.3.2 Eine Frage des Geldes
4.3.3 Politischer Aktivismus – Beispiele
4.3.3.1 McClure-Volkmer: Die Aufweichung des GCA von 1968
4.3.3.2 Die Brady Bill: Das Wartefrist-Dilemma
4.4 Weniger Waffen, weniger Gewalt – ein Trugschluss?
4.5 Werbung und Presse: Warum die NRA Feinde braucht, um zu überleben
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Waffenrecht in den USA, insbesondere die Interpretation des Zweiten Verfassungszusatzes (Second Amendment), die Auswirkungen existierender Waffenkontrollgesetze sowie die Rolle und den Einfluss der National Rifle Association (NRA) auf die amerikanische Waffenpolitik. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit dem Inhalt und der Bedeutung des Zweiten Zusatzes sowie dessen Konsequenzen für die Gesetzgebung und den politischen Aktivismus in den USA.
- Historische und ideologische Grundlagen des Zweiten Verfassungszusatzes.
- Kontroverse Interpretation des Second Amendment als Individual- oder Kollektivrecht.
- Analyse zentraler landesweiter Waffenkontrollgesetze von 1934 bis 1999.
- Entwicklung und politische Machtstrategien der National Rifle Association.
- Wechselwirkungen zwischen Waffenkontrollpolitik, Kriminalitätsraten und Lobbying.
Auszug aus dem Buch
Die ideologischen Wurzeln des Second Amendment
Die Angst vor einer Berufsarmee, die sich nicht dem Wohle des Volkes widmet, sondern blind den Befehlen einer Regierung oder eines Anführers folgt, der für die rechtzeitigen Soldzahlungen sorgt, ist weit in die Geschichte zurückzuverfolgen.
Bereits im 16. Jahrhundert stellte Niccolò Machiavelli Nachforschungen über die geschichtliche Bedeutung bewaffneter Bürger an und hielt diese in seinem Werk The Art of War fest: “Freedom and military might could coexist only when military service merged with the rights and responsibilities of citizenship.” Er führte seine Studien auf das alte Rom zurück, wo “Roman liberties succumbed to tyranny only when citizens allowed professional soldiers, unmoved by a sense of the common good, to subvert the military power of the state to their own self-interest.” (CRESS 22) Dieses florentinische Gedankengut war einer der Grundpfeiler, auf denen der zweite Zusatz zur Verfassung begründet wurde.
Ein weiteres Vorbild für die Begründer des Second Amendment war die English Bill of Rights von 1689, die offiziell verlautbarte “[t]hat the raising or keeping a standing Army within the Kingdome in time of Peace unlesse it be with Consent of Parlyament is against Law [and that furthermore] … the Subjects which are Protestants may have Arms for their Defence suitable to their Conditions and as allowed by Law.” (Bill of Rights (c.2)) Die Entstehung dieses Gesetzes nahm einen langen Weg in der britischen Geschichte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des liberalen Waffenrechts in den USA bei gleichzeitig hoher Kriminalitätsrate ein und skizziert die methodische Ausrichtung der Arbeit.
2 Das umstrittene “Second Amendment“: Dieses Kapitel behandelt die historischen und ideologischen Wurzeln des Zweiten Verfassungszusatzes sowie die anhaltende wissenschaftliche Debatte, ob es sich um ein Individual- oder Kollektivrecht handelt, unterfüttert durch eine Analyse wichtiger Gerichtsurteile.
3 “Gun Control in the United States”: Hier werden die wesentlichen landesweiten Waffenkontrollgesetze, wie der National Firearms Act und der Gun Control Act, in ihrem zeitlichen Kontext und ihrer legislativen Funktion erläutert.
4 Die mächtige Gun Lobby, ihr Weg an die Spitze und ihr Wille dort zu bleiben – koste es, was es wolle!: Dieses Kapitel analysiert die Geschichte der NRA, ihre politischen Machtstrategien, die Rolle ihrer Mitglieder und ihre Strategien in der Öffentlichkeitsarbeit.
5 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Unvereinbarkeit der Kollektivrechtstheorie mit der aktuellen amerikanischen Sichtweise auf das Waffenrecht sowie die anhaltende Dominanz der NRA.
Schlüsselwörter
Waffenrecht, Second Amendment, USA, National Rifle Association, NRA, Waffenkontrolle, Individualrecht, Kollektivrecht, Waffenbesitz, Lobbyismus, Verfassung, Gesetze, Kriminalität, Miliz, Politik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung, Bedeutung und Regulierung des amerikanischen Waffenrechts sowie den maßgeblichen Einfluss der National Rifle Association (NRA) als Lobbyorganisation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die historische Interpretation des Zweiten Verfassungszusatzes, der Vergleich zwischen Individual- und Kollektivrechtstheorien sowie die Analyse von Waffenkontrollgesetzen und Lobbying-Methoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, was der Inhalt des Zweiten Zusatzes zur US-Verfassung tatsächlich beinhaltet und wie diese Interpretation die Gesetzgebung sowie den politischen Aktivismus der NRA beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen analytischen Ansatz, indem sie historische Dokumente, Verfassungstexte, wissenschaftliche Debatten und Gerichtsurteile untersucht, um Argumentationslinien zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Second Amendment, die detaillierte Vorstellung wichtiger Waffenkontrollgesetze (wie NFA, GCA, Brady Bill) und eine tiefgehende Analyse der NRA-Strategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Waffenrecht, Second Amendment, National Rifle Association, Waffenkontrolle, Individualrecht, Lobbyismus, Gesetzgebung, Miliz, Kriminalitätsrate.
Wie begründet die NRA ihren aggressiven politischen Kurs laut Arbeit?
Die Arbeit zeigt, dass die NRA Waffenbesitz als wesentliches Element der individuellen Freiheit und als Schutz gegen staatliche Willkür darstellt, wobei sie jede Waffenkontrolle als "slippery slope" in Richtung einer totalitären Regierung framt.
Was ist die Kernbotschaft der Schlussbetrachtung bezüglich der NRA?
Die Schlussbetrachtung stellt fest, dass die NRA kein Interesse an einer Lösung des Konflikts hat, da ihre Daseinsberechtigung im Kampf um das Recht auf Waffenbesitz liegt und sie diesen Konflikt aktiv schürt, um ihre Mitgliederbasis zu binden und Gelder zu generieren.
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- Christina Böhme (Autor), 2008, Waffenkontrolle in den USA, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187580