Gerontologische Geschlechterforschung - Übergänge in den Ruhestand


Hausarbeit, 2010
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Ruhestand

3. Psychologische und zeitliche Anpassung an den Ruhestand

4. Ruhestand und die geschlechterspezifischen Unterschiede von
4.1 Geldvermögen
4.2 Freizeitverhalten
4.3 Rolle
4.4 Macht

5. Fazit und Ausblick

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im vorliegenden Referat werden Übergänge in den Ruhestand beschrieben, wobei diese speziell unter dem Blickpunkt der geschlechterspezifischen Unterschiede beleuchtet werden. Beginnend mit einer Definition von Ruhestand werden anschließend psychologische und zeitliche Anpassungen an den Ruhestand aufgezeigt. Im Hauptteil des Referates werden die geschlechterspezifischen Unterschiede im Ruhestand anhand der vier Bereiche Geldvermögen – Freizeitverhalten – Rolle und Macht näher beschrieben. Mit einem kurzen Fazit – welches zeitgleich einen Ausblick in die Zukunft wirft - schließt das Referat ab. Nun der Reihe nach.

2. Definition von Ruhestand

Es ist schon bemerkenswert. Der Ruhestand – ein durchaus geläufiges Wort – lässt sich bei näherer Betrachtung gar nicht so leicht definieren. Ein Grund dafür mag sein, dass der Ruhestand sehr individuell ge- und erlebt wird und insofern auch individuell interpretiert wird. So lässt es sich auch erklären, dass uneinheitliche Schlagwörter wie: Ruhestandsschock[1], Belohnung, rollenlose Rolle[2] oder auch Ruhestätte[3] im Zusammenhang mit diesem Ereignis genannt werden. Gleichwohl lässt sich der Ruhestand aus einer generalisierten Perspektive wie folgt beschreiben: Als Ruhestand bezeichnet man den Zustand, in dem sich eine Person nach dem Ende der kontinuierlichen ( Arbeits -)Tätigkeit befindet. Der Ruhestand geht im Normalfall mit dem Bezug der Rente oder Pension einher und betitelt den (letzten) Lebensabschnitt eines Menschen.

Der Ruhestand beginnt normalerweise mit dem Monat, der der Vollendung des 65. Lebensjahres folgt. Ab dem Jahr 2012 wird diese Regelaltersgrenze jährlich um einen Monat verlängert. Ab dem Jahr 2029 wird dann das Rentenalter mit dem vollendeten 67. Lebensjahr beginnen.[4]

3. Psychologische und zeitliche Anpassung an den Ruhestand

Der Ruhestand gilt als kritisches Lebensereignis[5]. Mit dem Übergang in diesen kommen auf viele Menschen große Veränderungen zu. Zur Sensibilisierung und zum besseren Verständnis dieser Veränderungen werden nun beispielhaft zwei Anpassungen an den Ruhestand überblicksartig beschrieben. Die psychologische Anpassung an den Ruhestand kann in drei Phasen beschrieben werden. So folgt nach dem Ereignis „Ruhestand“ zunächst die Phase der Flitterwochen. Diese Phase kann bis zu sechs Monaten andauern. Die „Neu-RentnerInnen“ sind voller Euphorie und gestalten ihren Alltag durchaus aktiv. Nach rd. 13 Monaten kann eine Phase eintreten, die mit Ernüchterung beschrieben werden kann. Passivität oder sogar Depressivität können eintreten. Nach rd. 25 Monaten (die Personen werden nunmehr als „Alt-Rentner“ bezeichnet) beginnt die Phase der Neuorientierung. Die Rentnerinnen und Rentner sind in ihrem neuen Alltag angekommen, fühlen sich wohl und haben ihren Platz gefunden.[6] [7]

Die zeitliche Anpassung an den Ruhestand ist nicht minder von einschneidenden Veränderungen für die betroffenen Personen geprägt. Es überrascht nicht, dass die größte zeitliche Veränderung den Wegfall der Erwerbsarbeit darstellt.

Bei einem Blick auf die Zeitverwendung von Rentnerinnen und Rentnern im Vergleich zu vollerwerbstätigen Personen erfolgt eine Reduzierung um 5 Std. 29 Min. pro Tag in diesem Bereich. Die von Rentnern neu gewonnene Zeit wird sehr unterschiedlich eingesetzt. So erfolgen in den Bereichen: 1. Unbezahlte Arbeit (dazu zählen u.a. Haushalt und Einkaufen),

2. Schlafen – Essen – Körperpflege sowie 3. Sport – Hobby – Mediennutzung eine Zunahme von 1 Std. 20 Min. bis zu 1 Std. 50 Min. pro Tag. Hingegen nehmen Kontakte und Unterhaltungen zu dritten Personen um nur rd. 18 Min. zu.[8] Die beiden letztgenannten Bereiche werden im Hauptteil unter 4.2 Freizeitverhalten (S. 6) detaillierter beschrieben.

4. Ruhestand und die geschlechterspezifischen Unterschiede von…

Im vorliegenden Hauptteil des Referates werden die vier Bereiche Geldvermögen, Freizeitverhalten, Rolle und Macht mit speziellem Fokus auf geschlechterspezifische Unterschiede beleuchtet.

4.1 Geldvermögen

Es gibt sicherlich zweierlei Möglichkeiten, dass Geldvermögen darzustellen. Zum Einen können Unmengen von Zahlen, Daten und Tabellen präsentiert werden, die es zweifelsohne zu diesem Thema gibt. Zum Anderen kann man sich auf wenige Kennzahlen fokussieren, die besonders interpretationswürdig sind. Die zweite Variante ist für dieses Referat präferiert worden, sodass nun ein fokussierter Blick auf das Nettogeldvermögen[9] erfolgt. Die Zahlen aus Abbildung 1 überraschen nicht all zu sehr, denn die ökonomischen Ungleichheiten zwischen Rentnerin und Rentner (der Rentner besitzt durchschnittlich mehr Geld als die Rentnerin) sind bereits im Modul ausführlich besprochen worden.

Abbildung 1 - Nettogeldvermögen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Tabelle. Quelle: Stat. Bundesamt [13, S. 993 und 1006] sowie ausführlicher in der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2003, Fachserie 15, Heft 6 [12]

Interessant ist hierbei jedoch zu sehen – und es kann gleichzeitig festgehalten werden – je älter allein lebende RentnerInnen werden, umso stabiler wird ihre finanzielle Situation. Das höchste Nettogeldvermögen besitzen Rentnerinnen und Rentner in der Altersgruppe 75 Jahre und älter. Dieser Geldzuwachs wird durch kleine Erbschaften erklärt. Ergänzend ist jedoch festzuhalten, dass diese Behauptung durch die EVS Zahlen nicht abschließend bestätigt werden können.

Das Nettogeldvermögen von Pensionärinnen und Pensionären spiegelt im Vergleich zu den RentnerInnen ein ähnliches Bild wider. Die Männer verfügen grundsätzlich über mehr Vermögen als die Frauen. Ein großer Unterschied jedoch liegt in der Höhe des verfügbaren Vermögens. Hier können die Pensionärinnen und Pensionäre in den angegebenen Altersklassen durchschnittlich das doppelte Vermögen im Vergleich zu den RentnerInnen aufweisen. In der Altersgruppe 75 Jahre und älter verfügen allein lebende Pensionärinnen über 61.609 EUR und Pensionäre über 83.944 EUR.[10] Es besteht somit beim Nettogeldvermögen nicht nur ein Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern, sondern zudem ein weit größerer Unterschied bedingt durch den Status (PensionärIn oder RenterIn).

4.2 Freizeitverhalten

Die geschlechtsspezifischen Differenzen sind auch im Bereich des Freizeitverhaltens deutlich zu erkennen. Ganz allgemein kann festgehalten werden, dass Rentner über 8,5 Std., Rentnerinnen hingegen über 7 Std. Freizeit pro Tag verfügen. Vgl. hierzu auch Abbildung 2.

Abbildung 2 - Freizeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Tabelle, Quelle: [8, S. 29] und [5, S. 186 f., 232][11] Die unteren Zahlenangeben stellen Minutenwerte dar.

Im Bereich Mediennutzung[12], Sport, Hobby können zwei Punkte eindeutig festgehalten werden. Erstens: Mit zunehmendem Alter steigt die verwendete Zeit für diesen Bereich eindeutig an – sowohl bei Frauen als auch bei Männern (vgl. Frauen von 3.54h auf dann 4.23h und bei Männern von 4.42h auf dann 5.21h). Als zweiter Punkt kann festgehalten werden, dass Männer grundsätzlich mehr Zeit für Mediennutzung, Sport und Hobby aufwenden als Frauen. Dabei liegt der geschlechterspezifische Unterschied der über 70 Jährigen bei rd. einer Stunde (vgl. bei Frauen 4.23h zu 5.21h bei Männern). Fakt ist, dass der Fernseher im zunehmenden Alter früher eingeschaltet und später ausgeschaltet wird. Die höhere Zeitverwendung bei den Männern kann ebenso durch die erhöhte Vereinsaktivität belegt werden, die bereits vor Ruhestandsbeginn vermehrt bei Männern vorliegt.

Im Bereich Kontakte, Unterhaltung (damit sind persönliche Begegnungen mit dritten Personen gemeint) zeigt sich ein gänzlich anderes Bild als im vorherigen Bereich. Der Kontakt zu anderen Personen verringert sich bei Frauen ab 70 Jahren um fast 20 Min. zur vorherigen Altersgruppe. Bei den Rentnern hingegen steigt die aufgewendete Zeit für Kontakte/ Unterhaltung um rd. 30 Min. an. Das Alleinsein scheint im Alter somit eher Frauen zu treffen als Männer bzw. kann auch zu der Schlussfolgerung führen, dass Männer mit zunehmendem Alter mehr soziale Unterstützung brauchen und Frauen länger alleine im Alltag zu Recht kommen.[13]

4.3 Rolle

Die klassische geschlechterspezifische Rollenverteilung (Mann = Hauptverantwortlich für die Beschaffung von Geld und Ansehen; Frau = Hauptverantwortlich für den Haushalt und die Kinder + ggf. „Nebenjob“) kann mittlerweile als korrekturbedürftig festgehalten werden.[14] Aufgrund dessen geraten auch zunehmend die in der Literatur bis dato fest zugewiesenen Rollenverteilungen beim Übergang in den Ruhestand (Mann = Rollenverlust und Krise; Frau = konfliktlos, da Rückkehr zur eigentlichen Hausfrauenrolle) mehr und mehr ins Wanken.[15] Heute wird der Übergang in den Ruhestand von vielen innere und äußere Faktoren beeinflusst, die wiederum Einfluss darauf haben, welche Rolle die Rentnerin oder der Rentner im Ruhestand einnehmen wird. Beispielhaft werden nachstehend Determinanten genannt, die auf beide Geschlechter beim Übergang in den Ruhestand wirken – aufgrund der unterschiedlichen Berufs- und Familienkarrieren jedoch geschlechterspezifische Unterschiede erkennen lassen: Ødie Arbeitsbedingungen zum Ende der Erwerbsarbeit, Øeine vorausgehende Arbeitslosigkeit, Øein geplanter oder unfreiwilliger Übergang in den Ruhestand, Øgesundheitliche, familiäre und finanzielle Situation der betroffenen Personen.[16] Nach neuen Erkenntnissen resultieren aus diesen verschiedensten Übergangsformen nunmehr diverse Rollenorientierungen im Ruhestand, die kurz gefasst wie folgt erklärt werden können:

- FLUCHT – unerträglich gewordene berufliche Situation
- BELOHNUNG – für hartes, aufopferungsvolles Berufsleben
- KONTINUITÄT – von Identität und Lebensstilaktivitäten geprägt
- RÜCKZAHLUNG – für vernachlässigte soziale Verpflichtungen
- ABENTEUER – diskontinuierlichen und wachstumsorientierten Neuanfang
- BILANZIERUNG – zurückblickende moralische Bilanzierung
- ENDPUNKT – ohne neue Lebensinhalte[17]

[...]


[1] vgl. [11, S. 289]

[2] ebd.

[3] vgl. [12, S. 12]

[4] Deutsche Rentenversicherung [15], vgl. dort auch ausführlich zur Regelaltersrente

[5] Psychologen sprechen überwiegend vom sog. kritischen Lebensereignis. Vgl. ausführlicher: Mike Martin; Matthias Kliegel: Psychologische Grundlagen der Gerontologie, Stuttgart 2005, S. 93

[6] [10, S. 241; vgl. ausführlich Atchley 1976 [2] und Ekerdt mit Fokus auf den gesundheitlichen Bereich 1989 [6]

[7] Zur visuellen Darstellung anhand eines Zeitstrahls vgl. im vorliegenden Referat vom 20.05.2010, Folie Nr. 4

[8] [4, S. 8] vgl. ausführlich die gesamte Zeitbudgeterhebung vom Stat. Bundesamt: Wo bleibt die Zeit, 2003 [4]

[9] Nettogeldvermögen = Bruttogeldvermögen minus Restschulden

[10] Stat. Bundesamt [13, S. 993 und 1006]

[11] Ergänzend informativ mit Blick auf Medien, siehe: Media Perspektive 4/2004, Mediennutzung der älteren Generation [9, S. 163-175] bzw. Stat. Bundesamt, Zeitbudgeterhebung 2001/ 2002, Wo bleibt die Zeit? [4, S. 36-42]

[12] Der Bereich Mediennutzung wird hier als Oberbegriff verwendet. Die darunterfallenden Medien werden in folgender Reihenfolge konsumiert: 1. Fernseher; 2. Zeitung und 3. Radio.

[13] [8, S. 29] und [5, S. 186 f., 232]

[14] [10, S. 242f.]

[15] ebd.

[16] [1, S. 153]

[17] [1, S. 153]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gerontologische Geschlechterforschung - Übergänge in den Ruhestand
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Gerontologie (IfG))
Veranstaltung
Individuum und Gesellschaft; Geschlecht und Alter(n)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V187605
ISBN (eBook)
9783656111177
Dateigröße
810 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wie unterschiedlich erleben Mann und Frau den Übergang in den Ruhestand. Diese Hausarbeit zeigt die Unterschiede hinsichtlich der psychologischen und zeitlichen Anpassung an den Ruhestand auf. Zudem werden geschlechterspezifische Unterschiede von Geldvermögen, Freizeitverhalten, der Rolle und der Macht aufgeführt.
Schlagworte
Ruhestand, Pensionierung, Übergang, Geschlechter, Geschlechterforschung
Arbeit zitieren
Dipl. Betriebswirt, Gerontologe M.A. Ivonne Kuss (Autor), 2010, Gerontologische Geschlechterforschung - Übergänge in den Ruhestand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187605

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