Klassische und Ressourcenorientierte Prozesskostenrechnung - Eine vergleichende Betrachtung


Seminararbeit, 2011
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die klassische Prozesskostenrechnung
2.1 Entwicklung und Einordnung
2.2 Vorgehensweise
2.2.1 Anwendungsvoraussetzungen und Aufbau des Prozessmodells
2.2.2 Ermittlung von Prozesskosten

3 Die ressourcenorientierte Prozesskostenrechnung
3.1 Entwicklung und Einordnung
3.2 Aufbau des Prozessmodells und weitere Vorgehensweise
3.3 Ermittlung von Prozesskosten

4 Vergleich von klassischer und ressourcenorientierter Prozesskostenrechnung

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die traditionellen Systeme der Kostenrechnung, worunter Steger die Voll- und Teilkostenrechnung sowohl auf Ist- und Normalkosten- als auch Plankostenbasis versteht,[1] wurden durch die in den Unternehmen zur Zeit ihrer Entwicklung vorherrschende relative Homogenität des Produktprogramms geprägt. Basierend darauf war die Annahme ge-rechtfertigt, dass die Beschäftigung als wichtigste Einflussgröße für jeglichen Güterverzehr in der Fertigung anzusehen ist. Konsequenterweise nutzen die herkömmlichen Systeme der Kostenrechnung die Beschäftigung oder beschäftigungsabhängige Ersatzgrößen, beispielsweise Materialeinzelkosten, zur Verrechnung von Gemeinkosten.[2]

Der Übergang von Verkäufer- zu Käufermärkten führte jedoch zu steigenden Anforderungen an das Produktprogramm der Unternehmen,[3] welches sich deshalb in den letzten Jahrzehnten von der ehemaligen Homogenität zu großer Heterogenität wandelte. Die Ursachen dafür liegen gemäß Joos-Sachse in der größeren Variantenvielfalt zur Abdeckung differenzierter Kundenbedürfnisse, kürzeren Produktlebenszyklen und gestiegenen Qualitätsanforderungen. Als Folge davon hat der Umfang von planenden, steuernden und überwachenden Tätigkeiten innerhalb der Unternehmen stark zugenommen,[4] was zu einem steigenden Gemeinkostenanteil in sogenannten indirekten Unternehmensbereichen, wie beispielsweise Beschaffung, Arbeitsvorbereitung oder Qualitätssicherung, führte.[5] Dagegen war für direkt zurechenbare Kosteneinflüsse ein stetiger Rückgang, z. B. durch den steigenden Automatisierungsgrad im Produktionsbereich, zu verzeichnen.[6]

Die beschriebene Entwicklung führte dazu, dass die in der Fertigung produzierten Gütermengen nicht mehr als alleinige Bestimmungsgröße für die Beanspruchung von Leistungen im indirekten Bereich genutzt werden konnten. Vielmehr sind neue Kosteneinflussgrößen wie Variantenzahl, Automatisierungsgrad oder Produktkomplexität zu berücksichtigen. Weiterhin ist zu hinterfragen, welche dieser neuen Einflussgrößen in der Kostenrechnung als Bezugsgrößen genutzt werden können, um relevante Informationen für Entscheidungen über die Zusammensetzung des Produktionsprogramms liefern zu können. Um diesen Anforderungen zu genügen, wurde die Prozesskostenrechnung entwickelt.[7]

Das Ziel dieser Arbeit ist ein Vergleich der klassischen Prozesskostenrechnung nach Horváth / Mayer mit der ressourcenorientierten Variante, welche grundlegend von Schuh entwickelt wurde. Zu diesem Zweck werden jeweils nach einer kurzen Einordnung sowohl der Aufbau des Prozessmodells als auch die Ermittlung von Prozesskosten für die klassische und die ressourcenorientierte Prozesskostenrechnung dargestellt. Anschließend werden beide Verfahren anhand der Kriterien Einsatzbereich, Aufbau des Prozessmodells und Ermittlung von Prozesskosten verglichen, bevor eine kurze Zusammenfassung den Abschluss der Seminararbeit bildet.

2 Die klassische Prozesskostenrechnung

2.1 Entwicklung und Einordnung

Gemäß Horváth / Mayer stellt die Prozesskostenrechnung einen neuen Ansatz zur Erhöhung der Kostentransparenz in den indirekten Leistungsbereichen, wozu beispielsweise Beschaffung, Rechnungswesen, Qualitätssicherung und Vertrieb zählen, dar.[8] Grundgedanke derselben ist dabei eine möglichst verursachungsgerechte Verrechnung der in den indirekten Unternehmensbereichen anfallenden Gemeinkosten, welche in der Vergangenheit sowohl absolut als auch relativ zu den Einzelkosten stark gestiegen sind, auf die entsprechenden Kostenträger (in der Regel Produkte).[9] Da diese Gemeinkosten größtenteils Fixkosten darstellen, kann gemäß Weiß nicht wie im direkten Leistungsbereich auf eine Verrechnung nach dem Verursachungsprinzip zurückgegriffen werden.[10] Götze weist darauf hin, dass bei einer Verrechnung von Gemeinkosten mit Hilfe von wertbezogenen Zuschlagssätzen auf die Kostenträger oft Ungenauigkeiten auftreten. Die Prozesskostenrechnung analysiert deshalb die Prozesse, welche Gemeinkosten verursachen.[11] Dabei verfolgt die Prozesskostenrechnung laut Kremin-Buch zwei Ziele:

(1) Durch die Berücksichtigung der jeweiligen produktspezifischen Beanspruchung indirekter Bereiche soll eine verursachungsgerechtere Verteilung der Gemeinkosten ermöglicht werden.
(2) Die Analyse und Steuerung der Gemeinkosten soll durch die Erhöhung der Kosten- und Leistungstransparenz in den indirekten Unternehmensteilen verbessert werden. Hierbei dient die höhere Transparenz als Basis möglicher Gemeinkostenreduktionen.

Zur Erreichung des ersten Ziels wird eine weitestgehende Proportionalisierung der traditionell überwiegend fixen Gemeinkosten in den indirekten Bereichen in Abhängigkeit von der Prozessanzahl vorgenommen. Zur Kostensenkung können dann die Zahl der nicht notwendigen Transaktionen reduziert und die erforderlichen Prozesse effizienter gestaltet werden.[12]

Ihren Anfang nahm die Prozesskostenrechnung im Jahr 1985 mit dem Artikel "The hidden factory" von Miller und Vollmann.[13] Der Aufsatz thematisiert den negativen Einfluss der indirekten Unternehmensbereiche - der "hidden factory" - auf Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität der Unternehmen, da sowohl deren prozentualer Anteil an den Gesamtkosten als auch ihre absolute Höhe stetig ansteigen. Als Kostentreiber innerhalb der indirekten Unternehmensbereiche identifizieren Miller / Vollmann die Anzahl dort ausgeführter Transaktionen.[14] Johnson, Kaplan und Cooper entwickelten diesen Ansatz in den folgenden Jahren zum "Activity Based Costing" weiter. Das Activity Based Costing wurde schließlich von Horváth und Mayer modifiziert und zur Prozesskostenrechnung fortentwickelt, welche 1989 erstmals Erwähnung fand.[15] Seither hat sich eine Reihe von Autoren mit diesem Ansatz auseinandergesetzt, weswegen eine Vielzahl an Publikationen existiert. Zum Teil wurden dabei Variationen vorgenommen, wobei sich aber im Wesentlichen das Vorgehen von Horváth / Mayer etabliert hat,[16] weshalb darauf im Folgenden überwiegend Bezug genommen wird.

Die Prozesskostenrechnung kann laut Gadatsch / Mayer als Alternative zum Activity Based Costing betrachtet werden, die sich allerdings in elementaren Punkten von diesem unterscheidet.[17] Erstens wurde das Activity Based Costing grundsätzlich für eine Anwendung im gesamten Unternehmen konzipiert, während die Prozesskostenrechnung nur in den indirekten Unternehmensbereichen genutzt werden kann.[18] Zweitens kann die Prozesskostenrechnung bei der Prozessdefinition auf die bestehenden Kostenstellen in den Unternehmen zurückgreifen, wohingegen das Activity Based Costing, vor allem in anglo-amerikanischen Unternehmen, bei der Festlegung der "Activities" keine differenziert abgegrenzten Kostenstellen nutzen kann.[19] Ursächlich für die Unterschiede zwischen Activity Based Costing und Prozesskostenrechnung war der ungleiche Entwicklungsstand der Kostenrechnung in Deutschland und den USA zu Beginn der 1980er Jahre. In den USA erfolgte zum damaligen Zeitpunkt nur eine stark vereinfachende Verrechnung der Gemeinkosten, welche häufig über eine Lohnzuschlagskalkulation abgebildet wurde. Die Suche nach Alternativen zu selbiger führte zur Entstehung des Activity Based Costing. Dagegen wurden im deutschsprachigen Raum die Gemeinkosten der direkten Leistungsbereiche schon über verschiedene Größen, beispielsweise Maschinenstundensätze oder Fertigungsstunden, verrechnet. Hier bestand deshalb vor allem Handlungsbedarf bei den Gemeinkosten indirekter Leistungsbereiche, was zur Entwicklung der Prozesskostenrechnung führte.[20] Gemäß Mayer / Kaufmann ist die klassische Prozesskostenrechnung für Unternehmen und Unternehmensbereiche gedacht, deren Prozesse nicht bereits in Arbeitsplänen abgebildet und bewertet werden. Folglich bestand für den Produktionsbereich keine Notwendigkeit einer Anwendung der Prozesskostenrechnung, da Produktionsprozesse in Arbeitsplänen erfasst und mit Methoden der Plankostenrechnung bewertet werden können.[21]

Die Prozesskostenrechnung legt ihren Fokus auf die indirekten Unternehmensbereiche, weshalb sie entweder in ein weiteres, die direkten Bereiche umfassendes Kostenrechnungssystem zu integrieren ist oder aber ein solches System parallel zur Prozesskostenrechnung betrieben werden muss.[22] Außerdem nutzt die Prozesskostenrechnung ihrerseits aus Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung gewonnene Informationen,[23] weswegen die Prozesskostenrechnung selbst kein neuartiges, eigenständiges Kostenrechnungssystem darstellt, sondern nur eine Ergänzung oder teilweise Alternative zu bereits bestehenden derartigen Systemen.[24] In ihrer Grundform ist die Prozesskostenrechnung laut Stibbe als Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis ausgestaltet.[25] Steger weist dagegen darauf hin, dass die Prozesskostenrechnung zwar eine Form der Vollkostenrechnung ist, welche jedoch wie jedes andere Kostenrechnungssystem sowohl auf Ist- als auch auf Planwerte zurückgreifen kann.[26] Andererseits bezeichnen Schweitzer und Küpper die Prozesskostenrechnung nach Horváth / Mayer nicht als Vollkostenrechnung, da jene keine Verrechnung prozessunabhängiger Kosten auf Kostenträger vornimmt.[27]

2.2 Vorgehensweise

2.2.1 Anwendungsvoraussetzungen und Aufbau des Prozessmodells

Für eine Anwendung der Prozesskostenrechnung müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu zählen insbesondere:

(1) Für den indirekten Leistungsbereich können Prozesse definiert und präzise abge- grenzt werden. Dafür müssen die Prozesse voneinander unabhängig sein.[28]
(2) Die untersuchten Tätigkeiten sind repetitiver Natur.[29] Folglich ist die Prozesskosten- rechnung für innovative und dispositive Tätigkeiten, wie z. B. Forschung oder Unter- nehmensführung, nicht geeignet. Diese Aktivitäten fallen bei jeder Durchfüh rung un- terschiedlich aus, weshalb keine mengenmäßigen Wiederholungen vorliegen.[30]
(3) Für jeden Prozess ist die eindeutige Bestimmung einer Prozessbezugsgröße erfor- derlich, welche die zugehörige Prozessmenge quantitativ erfasst.[31]
(4) Zwischen der Prozessbezugsgröße und der Kosteneinflussgröße des betrachteten Prozesses liegt eine funktionale Beziehung vor. Weiterhin besteht ein proportionaler Zusammenhang zwischen der Prozessbezugsgröße und den zugehörigen Gemein- kosten des Prozesses. Da Kapazitäten im indirekten Leistungsbereich in der Regel nicht vollumfänglich teilbar sind, gilt der angenommene proportionale Zusammenhang jeweils nur für eine abgegrenzte Leistungsbereitschaftsstufe.[32]
(5) Der Ressourcenverbrauch in den indirekten Unternehmensbereichen hängt von produkt- und programmbezogenen Merkmalen (Kostentreiber) ab, welche individuell bestimmt und erhoben werden können.[33]
(6) Für die definierten Prozesse liegen ausreichend genaue Kosteninformationen vor, damit die jeweiligen Gemeinkosten prozessbezogen erfasst und geplant werden kön- nen.[34]

Vor Einführung einer Prozesskostenrechnung sind alle in den betrachteten Unternehmensbereichen ablaufenden Tätigkeiten zu analysieren und zu strukturieren.[35] Dazu ist im Unternehmen ein Prozessmodell zu implementieren, welches laut Mayer / Kaufmann im Regelfall aus zwei bis drei Ebenen besteht, obwohl grundsätzlich beliebig viele Ebenen möglich sind.[36] Anzumerken ist hierbei, dass im weiteren Verlauf dieser Arbeit vier Ebenen betrachtet werden. Eine derartige Prozesshierarchie ist notwendig, um eine überschneidungsfreie prozessuale Abbildung aller Abläufe innerhalb der verschiedenen Bereiche des Unternehmens realisieren zu können. Weiterhin sollen damit Schnittstellenprobleme, welche als Konsequenz aus der Prozessstrukturierung auftreten können, vermieden werden.[37] Dabei wird ein Prozess definiert als "[…] eine auf die Erbringung eines Leistungsoutputs gerichtete Kette von Aktivitäten […]."[38] Allerdings stellen Prozesse gemäß Horváth / Mayer, selbst bei einer überwiegend prozesskonformen Unternehmensorganisation, in den häufigsten Fällen abteilungs- und kostenstellenübergreifende Vorgänge dar.[39]

Unter einem Geschäftsprozess wird in diesem Zusammenhang ein Kernaufgabenfeld des Unternehmens[40] als Abfolge verschiedener Aktivitäten mit messbarem Input und definiertem, messbarem Output verstanden. Zur Abgrenzung von Geschäftsprozessen wird eine ablauforientierte Sichtweise eingenommen.[41] Ein Hauptprozess dagegen ist "[…] eine Kette i. d. R. kostenstellenübergreifender homogener Aktivitäten, die demselben Kosteneinflußfaktor unterliegen und für die Prozeßkosten ermittelt werden sollen."[42] Homogene Aktivitäten umfassen dabei solche, bei denen Ablauf, Struktur, Arbeitsaufwand sowie die beanspruchten Ressourcen sich nicht grundsätzlich voneinander unterscheiden. Anderenfalls wären die im Rahmen der Prozesskostenrechnung ermittelten Hauptprozesskostensätze nur grobe Durchschnittswerte von fragwürdiger Relevanz.[43] Folglich ist bei der Bildung von Hauptprozessen auf eine ausreichende Differenzierung derselben zu achten. Denn sollten diese zu inhomogen sein, kann das zu fehlerhaften Kostenverläufen führen. Gemäß Mayer / Kaufmann ist allerdings jede Verfeinerung des Prozessmodells kritisch unter Aufwand-Nutzen-Aspekten abzuwägen.[44]

Ein Teilprozess ist eine Kette von homogenen Aktivitäten innerhalb derselben Kostenstelle[45] und kann seinerseits einen oder mehreren Hauptprozessen zugeordnet werden.[46] Im Regelfall stellen Teilprozesse physische Aktivitäten, beispielsweise die Ausführung eines Kundenauftrages, dar. Denkbar ist jedoch auch die Klassifikation wertbezogener Vorgänge, zum Beispiel Abschreibungen, als Teilprozess.[47] Durch ihren Bezug zu bestimmten Kostenstellen stellen Teilprozesse die Verbindung zwischen den kostenstellenübergreifend stattfindenden Hauptprozessen und den jeweiligen Kostenstellen dar.[48] Hierbei sind gemäß Mayer die Teilprozesse innerhalb derselben Kostenstelle nichts anderes als unterschiedliche Tätigkeitsbereiche, welche sowohl mengen- als auch wertmäßig erfasst werden.[49]

Um Teilprozesse inhaltlich besser beschreiben zu können, kann eine detailliertere Aufspaltung derselben in die dabei durchzuführenden Aktivitäten erfolgen.[50] Kennzeichnend für Aktivitäten ist, dass sie aus mehreren, kleinen Arbeitsgängen bestehen und mit einem bestimmten Arbeitsergebnis enden.[51] Aktivitäten sind dabei innerhalb einer Kostenstelle oder eines Arbeitsablaufes die kleinsten, nicht noch weiter unterteilbaren, jedoch in sich geschlossenen Teile, welche einen Ressourcenverbrauch bewirken.[52] Für eine kostenmäßige Bewertung erscheint dieser Detaillierungsgrad gemäß Mayer / Kaufmann jedoch nicht sinnvoll, weil die damit einhergehende enorme Komplexitätsausweitung des Modells den erforderlichen Arbeitsaufwand massiv erhöhen und somit eine permanente Nutzung der Prozesskostenrechnung in praxi hochgradig gefährden würde.[53] Eine weitere Aufgliederung von Aktivitäten führt gemäß Steger zu Tätigkeiten, welche einen einzelnen Arbeitsgang, durch den Ressourcen verbraucht werden, innerhalb einer Kostenstelle darstellen.[54]

2.2.2 Ermittlung von Prozesskosten

Bei der Prozesskostenrechnung erfolgt grundsätzlich eine Verrechnung aller Kosten beanspruchter Ressourcen auf die zugrundeliegenden Prozesse gemäß dem Beanspruchungsprinzip. Horváth / Mayer merken in dem Zusammenhang an, dass von ihnen bewusst keine Trennung zwischen fixen und proportionalen Prozesskosten vorgenommen wird, da eine solche nur scheinbar die Transparenz der Prozesskostenrechnung erhöht.[55]

Zunächst sind aus der spezifischen Unternehmensstruktur Hypothesen über die Hauptprozesse und die zugehörigen Cost Driver[56] zu generieren.[57] Die erhaltenen Hypothesen sind nützlich für die Strukturierung des Aufgabenvolumens bei der nachfolgenden Tätigkeitsanalyse.[58] Cost Driver sind gesamtunternehmerische Bestimmungsgrößen, welche letztendlich maßgeblichen Einfluss auf das Kostenvolumen der betrachteten indirekten Bereiche ausüben.[59] Damit stellen sie zugleich kostenbeeinflussende Größen von Prozessen dar. Zudem werden sie als Zähl- bzw. Messgröße für die Anzahl der Prozessdurchführungen genutzt. Anzumerken ist hierbei, dass die Anzahl der Hauptprozessdurchführungen mit dem Kosteneinflussfaktor,[60] der deshalb auch kostenstellenübergreifend von Bedeutung ist,[61] die Anzahl der Teilprozessdurchführungen in den betrachteten Kostenstellen dagegen mit der Maßgröße gemessen wird. Cost Driver und Maßgröße können identisch sein.[62] Laut Götze sind Kosteneinflussfaktoren im Regelfall Mengengrößen, wobei in Ausnahmefällen jedoch auch Wertgrößen möglich sind.[63] Bei einem geeigneten Cost Driver verdoppelt sich bei doppelter Anzahl von Hauptprozessdurchführungen die Ressourcenbeanspruchung und damit auch der entsprechende Kostenanfall. Bei einer Reduktion der Prozessmenge ist konsequenterweise von einer entsprechenden Senkung der Kosten auszugehen. Mayer / Kaufmann schlagen vor, nur einen einzigen Kosteneinflussfaktor je Hauptprozess zu definieren.[64]

Anschließend ist in den einzelnen Kostenstellen eine Tätigkeitsanalyse durchzuführen, um die wichtigsten Teilprozesse und deren jeweilige Kostenbestimmungsfaktoren zu eruieren.[65] Die Inventur der Tätigkeiten in den verschiedenen Kostenstellen kann beispielsweise durch Selbstaufschreibungen, Fragebögen oder Beobachtungsverfahren erfolgen.[66] Danach werden die im betrachteten Unternehmensbereich identifizierten Tätigkeiten zu Teilprozessen verdichtet. Für die Abgrenzung der Teilprozesse untereinander wird typischerweise auf die dabei vorliegende Art der Verrichtungen zurückgegriffen.[67] Als Ausgangspunkt dieser Betrachtung sollten die Hauptprozesse und die dafür erbrachten Tätigkeiten dienen. Die Aufteilung der angefallenen Kostenstellenkosten auf Teilprozesse kann dann in der Regel Top Down[68] anhand der Mitarbeiterzahl erfolgen. Dabei ist je Teilprozess der Arbeitsaufwand in Mitarbeiterjahren zugrunde zu legen.[69] Laut Horsch werden in den indirekten Leistungsbereichen häufig personalintensive Tätigkeiten durchgeführt, weshalb dieses Vorgehen sinnvoll erscheint.[70] Wichtig ist hierbei, dass eine Zuordnung der gesamten Personalkapazität einer Kostenstelle auf die entsprechenden Teilprozesse erfolgt. Im Ergebnis müssen die Summe der Kostenstellenkosten und die Summe der auf Hauptprozesse verrechneten Kosten identisch sein.[71] Für bestimmte Kostenarten, z. B. Lagerraum- oder Datenverarbeitungskosten, können jedoch andere Verteilungsmethoden erforderlich sein.[72]

Nachdem alle Prozesse einer Kostenstelle identifiziert wurden, sind diese daraufhin zu überprüfen, ob sie sich bezüglich des zu erbringenden Leistungsvolumens in der betrachteten Kostenstelle mengenvariabel verhalten oder unabhängig vom zu erbringenden Leistungsvolumen generell und mengenfix anfallen. Dafür wurden von Horváth / Mayer die Begriffe „ leistungsmengeninduzierte “ (lmi) und „ leistungsmengenneutrale “ (lmn) Prozesse geprägt.[73] Sogenannte lmi-Prozesse laufen weitgehend schematisiert mit nur geringem Entscheidungsspielraum ab und wiederholen sich häufig.[74] Bei ihnen verhalten sich der Zeitaufwand und somit die zugeordneten Kosten mengenproportional zum in der jeweiligen Kostenstelle erbrachten Leistungsvolumen.[75] Für leistungsmengeninduzierte Prozesse müssen demzufolge geeignete Maßgrößen gefunden werden, die eine mengenmäßige Erfassung derselben ermöglichen,[76] da eine proportionale Beziehung zwischen der Höhe der Kosten und der Anzahl in Anspruch genommener Einheiten des jeweiligen Kostentreibers vorliegt.[77] Dagegen sind lmn-Prozesse eine „Grundlast“ der Kostenstelle selbst, die beispielweise zur eigenen Verwaltung derselben oder zur Mitarbeiterführung erforderlich ist.[78] Somit können leistungsmengenneutrale Prozesse als nichtrepetitive, mittelbar prozessabhängige Aktivitäten klassifiziert werden, die zur Unterstützung von lmi-Prozessen dienen. Sie sind zudem durch eine „relative Prozessnähe“ sowie das Fehlen eines konkreten Mengengerüstes gekennzeichnet.[79] Folglich stellen sie prozessfixe Kosten, die unabhängig von der Anzahl in Anspruch genommener Kostentreiber sind, dar.[80] Für leistungsmengenneutrale Prozesse erfolgt deshalb keine unmittelbare Zuordnung auf Hauptprozesse, sondern in einem Zwischenschritt eine Verrechnung auf die in der jeweiligen Kostenstelle vorliegenden lmi-Prozesse.[81] Somit ist ein Auffinden entsprechender Maßgrößen für lmn-Prozesse nicht erforderlich.[82]

[...]


[1] Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 533.

[2] Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 352.

[3] Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 352.

[4] Vgl. Joos-Sachse, T.: (Controlling), S. 320.

[5] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Prozeßkostenrechnung), S. 214.

[6] Vgl. Deimel, K.; Isemann, R.; Müller, S.: (Managementaspekte), S. 325.

[7] Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 353.

[8] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Prozeßkostenrechnung), S. 214 ff.

[9] Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 217.

[10] Vgl. Weiß, M.: (Kostenmanagement), S. 119.

[11] Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 217.

[12] Vgl. Kremin-Buch, B.: (Kostenmanagement), S. 36.

[13] Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 217.

[14] Vgl. Miller, J.; Vollmann, T.: (factory), S. 142 ff.

[15] Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 217 f.

[16] Vgl. Michel, R.; Torspecken, H.-D.; Jandt, J.: (Formen), S. 260 f.

[17] Vgl. Gadatsch, A.; Mayer, E.: (IT-Controlling), S. 517.

[18] Vgl. Kremin-Buch, B.: (Kostenmanagement), S. 38.

[19] Vgl. Gadatsch, A.; Mayer, E.: (IT-Controlling), S. 517.

[20] Vgl. Kremin-Buch, B.: (Kostenmanagement), S. 38.

[21] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 293.

[22] Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 219.

[23] Vgl. Hans, L.: (Grundlagen), S. 278.

[24] Vgl. Kremin-Buch, B.: (Kostenmanagement), S. 38.

[25] Vgl. Stibbe, R.: (Methoden), S. 197.

[26] Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 534.

[27] Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 371 f.

[28] Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 380.

[29] Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 536.

[30] Vgl. Posluschny, P.; Treuner, F.: (Prozesskostenmanagement), S. 107; Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 219.

[31] Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 380.

[32] Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 536; Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 380 ff.

[33] Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 536; Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 379 ff.

[34] Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 536; Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 380 f.

[35] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Prozeßkostenrechnung), S. 216.

[36] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 296.

[37] Vgl. Kavandi, S.: (Controllinginstrumente), S. 132 f.

[38] Mayer, R.: (State), S. 6.

[39] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Konzeption), S. 16.

[40] Vgl. Deimel, K.; Isemann, R.; Müller, S.: (Managementaspekte), S. 334.

[41] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 296.

[42] Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 296.

[43] Vgl. Mayer, R.: (State), S. 7 f.

[44] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 302 f.

[45] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 297.

[46] Vgl. Hoitsch, H.-J.; Lingnau, V.: (Einführung), S. 329.

[47] Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 220.

[48] Vgl. Deimel, K.; Isemann, R.; Müller, S.: (Managementaspekte), S. 332.

[49] Vgl. Mayer, R.: (Prozeßkostenrechnung), S. 307.

[50] Vgl. Mayer, R.: (State), S. 8.

[51] Vgl. Küting, K.; Lorson, P.: (Überblick), S. 30.

[52] Vgl. Deimel, K.; Isemann, R.; Müller, S.: (Managementaspekte), S. 332.

[53] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 297.

[54] Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 541.

[55] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Konzeption), S. 18 f.

[56] Der Begriff "Kosteneinflussfaktoren" findet in der Literatur ebenfalls Verwendung (vgl. Götze, U.: (Kosten- rechnung), S. 220) und wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit synonym benutzt.

[57] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Konzeption), S. 20.

[58] Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 220.

[59] Vgl. Mayer, R.: (Prozeßkostenrechnung), S. 307.

[60] Vgl. Mayer, R.: (State), S. 10.

[61] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Konzeption), S. 18.

[62] Vgl. Mayer, R.: (State), S. 10.

[63] Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 226.

[64] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 298.

[65] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Konzeption), S. 20.

[66] Vgl. Deimel, K.; Isemann, R.; Müller, S.: (Managementaspekte), S. 336.

[67] Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 220.

[68] Für Ausführungen zu Bottom Up vgl. z. B. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 300; Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 222.

[69] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Konzeption), S. 20 ff.

[70] Vgl. Horsch, J.: (Methoden), S. 257.

[71] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 299.

[72] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Konzeption), S. 22.

[73] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Prozeßkostenrechnung), S. 216.

[74] Vgl. Küting, K.; Lorson, P.: (Überblick), S. 31.

[75] Vgl. Mayer, R.: (State), S. 13.

[76] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Konzeption), S. 21.

[77] Vgl. Deimel, K.; Isemann, R.; Müller, S.: (Managementaspekte), S. 333.

[78] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 299.

[79] Vgl. Küting, K.; Lorson, P.: (Überblick), S. 32.

[80] Vgl. Deimel, K.; Isemann, R.; Müller, S.: (Managementaspekte), S. 333.

[81] Vgl. Mayer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 299.

[82] Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Konzeption), S. 21.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Klassische und Ressourcenorientierte Prozesskostenrechnung - Eine vergleichende Betrachtung
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Fakultät für Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Berufsfeldseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
26
Katalognummer
V187629
ISBN (eBook)
9783656110743
ISBN (Buch)
9783656110873
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
klassische, ressourcenorientierte, prozesskostenrechnung, eine, betrachtung
Arbeit zitieren
Steffen Kehrer (Autor), 2011, Klassische und Ressourcenorientierte Prozesskostenrechnung - Eine vergleichende Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187629

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