1. Einleitung
Die Bedeutung von Forschung und Entwicklung (F&E) ist aus ökonomischer Sicht in
der heutigen Zeit unbestritten. Innovationen als Ergebnis von F&E sind elementare
Faktoren zur Verbesserung von Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Wachstum.
Forschungsintensive Standorte werden daher aufgrund des gestiegenen Interesses
mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet. Verschiedene Regionen und einzelne
Staaten sind auch dazu übergegangen, die Möglichkeiten der ansässigen Unternehmen
in den Bereichen Forschung und Entwicklung gezielt zu verbessern und zu fördern.
Neben den etablierten und weithin verbreiteten politischen Ansichten zu Forschung
und Entwicklung ist mittlerweile auch ein noch recht neues Phänomen in Erscheinung
getreten und dabei, sich durchzusetzen: die Vereinbarung von Kooperationen
in den Sektoren Forschung, Entwicklung und Innovation. Die Bedeutung dieses Bereichs
hat in den letzten Jahren signifikant zugenommen – gerade in der technologisch
intensiven Branche der Automobilindustrie.
Die weltweite Automobilindustrie sieht sich momentan einem tiefgreifenden Umbruch
mit weitreichenden Folgen ausgesetzt, der sog. „dritten Revolution der Automobilindustrie“.
1 Auf der Herstellerseite drängen neue Fahrzeuganbieter – speziell aus China
– auf die europäischen und nordamerikanischen Märkte, die bislang den etablierten
Produzenten „vorbehalten“ waren. Parallel dazu entstehen auf der Absatzseite
durch die Globalisierung und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung in
den sog. „Schwellenländer“ – allen voran die sog. „BRIC-Staaten“, bestehend aus
Brasilien, Russland, Indien und China – neue Absatzmärkte. Da in diesen Volkswirtschaften
immer breitere Gesellschaftsschichten entstehen, die auch zunehmend die
Mobilität für sich entdecken und sich diese auch finanziell leisten können, müssen die
Fahrzeughersteller diese Exportmärkte erschließen, um hier den Anschluss an die
Wettbewerber nicht zu verpassen bzw. zu verlieren.
Auch gewinnt der Umweltaspekt mehr und mehr an Gewicht. Die Bedeutung von anderen
Antriebslösungen als dem Verbrennungsmotor („alternative Antriebstechnologie“)
nimmt ständig zu. Parallel dazu dürfen die Motoren der Fahrzeughersteller immer
weniger CO² emittieren, was in den seitens der EU immer schärferen Euro-Ab-
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau und Zielsetzung: Untersuchung von Unternehmensnetzwerken
3. Grundlegende Begriffsdefinitionen
4. Herausforderungen für Hersteller und Zulieferer
4.1 Die OEMs in der Globalisierung
4.2 Zulieferer zwischen Fahrzeugbauern und Rohstoffmärkten
4.3 Umwälzungen in der Wertschöpfungskette
4.3.1 Arbeitsteilung Outsourcing
4.4 Zukünftige Geschäftsmodelle
4.4.1 Konzentration und Konsolidierung
5 Zukunftsstrategien der Automobilhersteller (OEM)
5.1 Strategische Handlungsoptionen der Automobilhersteller
5.2 Qualität der Zusammenarbeit
5.3 Netzwerk Automobilindustrie
6 Einführungen in das Thema F&E-Kooperation
6.1 Unternehmenskooperation
6.2 Kooperationsarten und –formen
6.3 Horizontale Kooperation
6.4 Vertikale Kooperation
7 Die Entstehung von F&E-Kooperationen
7.1 Kooperationsmotive
7.2 Kooperationshemmnisse und Risiken
7.3 Erfolgsfaktoren
8 Wettbewerbspolitische Beurteilung der Kooperationen bei F&E
8.1 Wettbewerbspolitische Betrachtung vertikaler F&E-Kooperationen
8.2 Wettbewerbspolitische Betrachtung horizontaler F&E-Kooperationen
8.3 Gesamtwirtschaftliche Betrachtung
8.4 Einzelwirtschaftliche Betrachtung
9 Expertenbefragung zur aktuellen Lage und zukünftigen Entwicklungen
9.1 Aufbau des Fragebogens
9.2 Gesprächspartner
9.3 Befragung
10 Ergebnisse
10.1 Beantwortung der Forschungsfrage
10.2 Eckpunkte eines zukünftigen Kooperationsmodells
10.3 Handlungsempfehlungen für OEMs
11 Fazit und Ausblick
12 Literaturverzeichnis
13 Gesprächsleitfaden für die Befragung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Entwicklung und Notwendigkeit von Kooperationen in der Automobilindustrie, insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E). Die zentrale Forschungsfrage lautet: Sind die existierenden Kooperationsformen in der Lage, die zukünftigen Anforderungen an OEMs und Zulieferer zu erfüllen?
- Strukturelle Umwälzungen in der automobilen Wertschöpfungskette.
- Analyse horizontaler und vertikaler Kooperationsstrategien.
- Wettbewerbspolitische Einordnung von F&E-Kooperationen.
- Erkenntnisse aus Experteninterviews zur Zukunft der Branche.
- Entwicklung eines Modells für zukünftige Kooperationsbeziehungen ("Kooperation 2030").
Auszug aus dem Buch
4.3 Umwälzungen in der Wertschöpfungskette
Die Art und Weise, wie in der Automobilindustrie entwickelt, beschafft, produziert und vertrieben wird, hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt und wird sich weiter verändern.36 Die gesamt Branche durchläuft eine tiefgreifende und nachhaltige Veränderung, die eine strategische Neuausrichtung von allen Wertschöpfungspartnern erfordert.37
Auf der Produktseite vollzieht sich mit sehr hoher Geschwindigkeit eine starke Auffächerung in immer neu entwickelte Marktsegmente. Die Zahl der möglichen Ausstattungsvarianten und damit der Bauteile ist drastisch angestiegen (vgl. Abschnitt 4.1 dieser Arbeit). Gleichzeitig steigt der Kostendruck parallel zur Innovationsgeschwindigkeit, da die Produktlebenszyklen immer kürzer werden. So betrug der Produktlebenszyklus des Volkswagen Golf II noch ganze 10 Jahre, der im Jahr 2003 eingeführte Golf V wurde bereits 2008 wieder abgelöst.38 Damit einher gehen auch die immer kürzeren Entwicklungszeiten. Durchschnittlich 24 Monate dauerte im Jahr 2006 die Fahrzeugentwicklung. Innerhalb der Branche variiert dieser Durchschnitt zwischen 17 und 31 Monaten. Gegenüber der Entwicklungsdauer von 58 Monaten aus dem Jahr 1990 wurde dieser Wert mehr als halbiert. Seit 1990 ist eine Verkürzung der durchschnittlichen Entwicklungsdauer alle 4 Jahre um 6 bis 7 Monate zu verzeichnen.39 Dies erschwert die Marktsituation für alle Beteiligten. Und auch im Ausblick auf die Zukunft erwartet die Automobilbranche weiter steigenden Innovationsdruck. Als Schlagworte seien hier genannt die Entwicklung von alternativen Antrieben wie dem Elektro-, Hybrid- oder dem Wasserstoffantrieb sowie alternative Werkstoffe zur Reduzierung des Gesamtfahrzeuggewichtes.40 Am Ende dieser Evolutionsstufe erwarten Experten einen Anstieg der Wertschöpfung bei den Automobilzulieferern bis 2015 um 40 %.41
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung von Forschung und Entwicklung sowie die Notwendigkeit von Kooperationen angesichts des Strukturwandels in der Automobilindustrie.
2. Aufbau und Zielsetzung: Untersuchung von Unternehmensnetzwerken: Dieses Kapitel definiert den Untersuchungsgegenstand und legt den Fokus der Arbeit auf Unternehmenskooperationen im Kontext von Unternehmensnetzwerken.
3. Grundlegende Begriffsdefinitionen: Hier werden die zentralen Fachbegriffe wie Automobilindustrie, Fahrzeughersteller (OEM), Zulieferbetrieb und Wertschöpfung für den weiteren Verlauf der Arbeit definiert.
4. Herausforderungen für Hersteller und Zulieferer: Das Kapitel analysiert die globalen Marktveränderungen, den Wertschöpfungstransfer sowie die zunehmende Bedeutung von Outsourcing.
5 Zukunftsstrategien der Automobilhersteller (OEM): Der Fokus liegt hier auf strategischen Handlungsoptionen, der Qualität der Zusammenarbeit und der Rolle des Netzwerks Automobilindustrie.
6 Einführungen in das Thema F&E-Kooperation: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen von Unternehmenskooperationen sowie verschiedene Kooperationsarten und -formen.
7 Die Entstehung von F&E-Kooperationen: Es werden die Motive für Kooperationen sowie potenzielle Hemmnisse, Risiken und wesentliche Erfolgsfaktoren für F&E-Projekte behandelt.
8 Wettbewerbspolitische Beurteilung der Kooperationen bei F&E: Die wettbewerbspolitische Sicht auf Kooperationen wird hier differenziert nach vertikalen und horizontalen Kooperationen sowie gesamtwirtschaftlichen Aspekten diskutiert.
9 Expertenbefragung zur aktuellen Lage und zukünftigen Entwicklungen: Dieser Abschnitt beschreibt die Methodik der Experteninterviews und stellt die Gesprächspartner vor.
10 Ergebnisse: Zusammenführung der Erkenntnisse mit einem Fokus auf die Beantwortung der Forschungsfrage, dem Kooperationsmodell "Kooperation 2030" und Handlungsempfehlungen.
11 Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die Notwendigkeit partnerschaftlicher Kooperationen und wirft einen Blick auf zukünftige Branchentrends.
Schlüsselwörter
Automobilindustrie, Forschung und Entwicklung, F&E-Kooperation, OEM, Zulieferer, Wertschöpfungskette, Outsourcing, Strategische Allianz, Innovationsmanagement, Wettbewerbspolitik, Unternehmensnetzwerk, Kooperation 2030, Globalisierung, Automobilzulieferer, Technologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Entwicklung und Gestaltung von Kooperationen im Forschungs- und Entwicklungsbereich innerhalb der Automobilindustrie, getrieben durch den Strukturwandel und globalen Wettbewerbsdruck.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Verschiebung der Wertschöpfungsketten, die Notwendigkeit von Kooperationen zwischen OEMs und Zulieferern sowie wettbewerbspolitische Rahmenbedingungen für Innovationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, die Zukunftsfähigkeit aktueller Kooperationsformen zu analysieren und auf Basis von Experteninterviews Eckpunkte für ein neues Modell namens "Kooperation 2030" zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer qualitativen Expertenbefragung (teilstrukturierte Interviews) mit Branchenexperten zur aktuellen Lage und zukünftigen Entwicklungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Situationsanalyse der Automobilindustrie, eine theoretische Herleitung von Kooperationsmodellen, eine wettbewerbspolitische Beurteilung und eine Expertenbefragung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie OEM, Zulieferer, Wertschöpfungskette, Innovationswettbewerb, Kooperationsmotive, Skaleneffekte und Transaktionskosten.
Welche besondere Rolle spielen die "Tier-0,5-Lieferanten"?
Diese Zulieferer übernehmen die Rolle der Gesamtfahrzeugentwicklung und unterstützen OEMs bei Kapazitätsengpässen oder hochkomplexen, zeitkritischen Entwicklungsprojekten.
Warum ist das "Machtgefüge" ein kritisches Thema für Kooperationen?
Das Machtgefüge zwischen OEM und Zulieferer erschwert oft eine echte "Win-Win-Situation", da traditionelle Hierarchien und die einseitige Dominanz der Hersteller kooperatives Lernen häufig behindern.
Was ist der Kern des Modells "Kooperation 2030"?
Das Modell konzentriert sich stärker auf die Rahmenbedingungen, wie vertrauensvolle Kommunikation, klare Definition von Nutzungsrechten und detaillierte Kooperationsverträge, um Risiken bei Innovationsprojekten zu minimieren.
- Quote paper
- Christian Lange (Author), 2011, Entwicklungskooperationen in der Automobilindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187669