Skandinavien in der Zwischenkriegszeit

Eine Zeit der Modernisierung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
36 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Phase 1: Die Nachkriegszeit

II. Phase 2: Deutsche Erholung und britische Schwäche

III. Phase 3: Weltwirtschaftskrise und britische Wachstumszeit

IV. Phase 4: Die Vorkriegsjahre

V. Fazit

Zusammenfassung/Abstract

Datenanhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Zeit. Geschockt von der Erfahrung von Millionen von Opfern war die Welt auf vielen Gebieten gezwungen, ihre bisherigen Überlegung und Strategien zu überdenken und zu erneuern. Alte, aristokratische Gesellschaftsformen brachen auf. Eine Welle der Demokratisierung schwemmte durch Europa, zum einen auf freiwilliger Basis oder auch als Resultat der Niederlage im ersten Weltkrieg. Vormalige Kolonialgebiete werden in die Selbstbestimmung entlassen. Der Völkerbund versuchte neue Wege im Gebiet der zwischenstaatlichen Kommunikation und Konfliktlösung zu gehen. Wirtschaftliche und technische Neuerungen resultierten in einer umfassenden Modernisierung der westlichen Gesellschaften, auch wenn gegen Ende dieser Zeitepoche viele Fortschritte wieder rückgängig gemacht wurden.

Auch die skandinavischen Länder durchlebten diese Zeit. Auch wenn sie nicht direkt zu Profiteuren des alliierten Sieges gehörten, so verbesserte sich ihre Lage im Gegensatz zur Vorkriegszeit doch sehr deutlich. Durch die aus dem Krieg resultierende Neuordnung der Machtverhältnisse in Europa sahen sich die nordischen Länder sowohl im politischen, als auch im wirtschaftlichen Bereich angehalten, ihre bisherigen Partnerschaften und Methoden zu überdenken. Obwohl sich ihre direkte Sicherheit durch die Niederlage der Großmacht Deutschland zunächst und die Installation des Völkerbundes erhöht hatte, mussten sie sich doch bald dem wirtschaftlichen Zweikampf eines erstarkenden Deutschlands und einem traditionell starken Großbritannien stellen. Diese Auseinandersetzung, in deren Verlauf sich Politik und Wirtschaft immer stärker verknüpften, wurde zu einer der wichtigsten Ereignislinien Europas in der Zwischenkriegszeit.

Diese Hausarbeit wird nun versuchen diesen Konflikt in den Jahren von 1918 bis zum beginnenden Krieg 1939 nachzuvollziehen und die Bedeutung der Zwischenkriegszeit für Skandinavien sowie Europa herauszuarbeiten. Die Struktur wird sich dabei an 4 Zeitabschnitten orientieren, die alle jeweils immer der Vormachtstellung einer der beiden Wirtschaftsgroßmächte Deutschland und Großbritannien zuzuordnen sind. Auch die zunehmende Verflechtung von wirtschaftlichen Mitteln mit politischen Methoden sollen auf diese Weise verdeutlicht werden. Abschließend wird ein Fazit die Frage versuchen zu klären, ob die Zwischenkriegszeit als Rückschritt oder Fortschritt in der Modernisierung Europas gesehen werden kann.

1916- 1921

Die Betrachtung von Skandinavien in der Zwischenkriegszeit beginnt mit dem Ende des ersten Weltkrieges im Jahr 1918. Um jedoch ein besseres Verständnis für diesen Zeitabschnitt zu gewinnen, ist es dennoch nötig einige Vorbetrachtungen anzustellen. Deutschland hatte traditionell einen starken Einfluss und starke Verbindungen nach Skandinavien, was zum Einen aus der territorialen Nähe, zum Anderen aber auch aus einem starken, gemeinsamen kulturellen Hintergrund resultierte. So existierte beispielsweise in Dänemark eine größere deutsche Minderheit und die deutsche Sprache war im gesamten Skandinavien weit verbreitet und wurde vor allem in höheren Kreisen und akademischen Zirkeln gesprochen. Vielfach zog es vor allem dänische und schwedische Akademiker nach Deutschland die in der hohen Reputation der deutschen Hochschullehre nutzen um ihr Studium abzuschließen. Auch kulturell gab es viele Berührungspunkte. Künstler wie Hans Christian Andersen[1] begeisterten das deutsche Publikum und welches ihm ermöglichte den Durchbruch vom vorher belächelten Lyriker zum Star seiner Zunft aufzusteigen. Mit einigen Abstrichen galt diese Verbundenheit auch für Norwegen, welches sich erst 1905 aus der Union mit Schweden gelöst hatte. Norwegens Verbindungen verstärkten sich allerdings im Laufe der folgenden Jahre (insbesondere nach Ausbruch des ersten Weltkrieges) eher in Richtung Großbritannien, ohne vorerst jedoch den Bezug zu Deutschland zu verlieren.[2] In Anbetracht dieser Punkte war es nicht weiter verwunderlich, dass auch auf wirtschaftlichem Gebiet reger Kontakt und Handel zwischen Skandinavien und Deutschland stattfanden. Skandinavien war für die Großmacht Deutschland sowohl als Importmöglichkeit als auch Abnehmer der deutschen Waren: Dänemark importiert den größten Teil seiner landwirtschaftlichen Produkte dabei aus Deutschland, Norwegen und vor allem Schweden dienten Deutschland als größte Importeure von Erzen und Holz und waren andererseits die stärksten Abnehmer für deutsche Maschinen und Kohle. Im Zuge der wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den Ländern wurden auch „Großraum“-Konzepte populär, die eine großeuropäische wirtschaftliche Zusammenarbeit vorsahen. Zu Kriegszeiten wurde ein solches Konzept unter dem Namen „Mitteleuropa“ diskutiert, welches vorsah große Teile der Wirtschaften der europäischen Staaten unter deutscher Führung und zur Befriedigung deutscher materieller Bedürfnisse umzugruppieren und neu auszurichten[3]. Der Kollaps des deutschen Reiches und die Niederlage im Krieg ließen diese Pläne jedoch wieder von der Agenda verschwinden. Zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt griffen die Nationalsozialisten das Konzept wieder auf, reicherten es mit ideologischen Komponenten an und stellten es, deutlich modifiziert, unter dem Titel „Großwirtschaftsraum“ wieder zur Debatte. Doch auch dieses Mal setzen sich die Kooperationsbestrebungen nicht durch. Interessant an beiden Konzepten ist vor allem der Gedanke einer gesamteuropäischen Wirtschaftszone, was zur damaligen Zeit noch sehr utopisch klang, jedoch in seinen Grundzügen (und um die ideologische Komponenten bereinigt) schon die sich nach dem zweiten Weltkrieg entwickelnde Europäische Union anklingen lässt.

Großbritanniens wirtschaftlicher Erfolg auf der skandinavischen Halbinsel war sogar noch größer. Auf vielen Gebieten stellte das britische Empire in Skandinavien den wirtschaftlichen Marktführer dar, eine Vormachtstellung, die Deutschland trotz großer Anstrengungen während des Krieges und in der Zwischenkriegszeit nie wirklich attackieren konnte. Während des ersten Weltkrieges war auch das tatsächliche Verhalten der einzelnen skandinavischen Länder sehr unterschiedlich, wenn auch alle formal eine strikte Neutralitätspolitik einhielten. Diese hielt vor allem Schweden jedoch nicht von regem Außenhandel mit Deutschland ab, was aufgrund des hohen deutschen Bedarfs an schwedischen Erzen und Holzprodukten auch für Deutschland eine immens hohe Bedeutung hatte. Dieses Verhalten brachte Schweden eine begrenzte Blockade der Entente-Mächte im Jahr 1916 ein, was im Land zur Verschlimmerung der Situation der Nahrungsmittelversorgung führte und das Ende der verantwortlichen Regierung einläutete[4]. Durch ihre Neutralitätserklärung wurden die skandinavischen Staaten mit Ende des Krieges allerdings von Sanktionen seitens der alliierten Sieger verschont. Vielmehr entwickelten sich die Länder zu Gewinner der unmittelbaren Nachkriegszeit, da vor allem Großbritanniens Interesse an den skandinavischen Märkten wuchs. Das Interesse an Skandinavien als Wirtschaftspartner war dabei allerdings sehr wechselhaft und nicht von großer Kontinuität geprägt. Dem starken Interesse in der unmittelbaren Nachkriegszeit folgte eine länger andauernde Lethargie, was Deutschland ein wirtschaftliches Wiedererstarken auf dem skandinavischen Markt ermöglichte (siehe nächster Abschnitt).

Im Jahr 1918 war davon jedoch noch nichts zu spüren. Die Versailler Friedensverträge hatten Deutschland seines Großmachtstatus beraubt und Frankreichs, vor allem aber Englands Interesse bestand nun vor allem darin diesen Status quo zu erhalten und Deutschlands ökonomische Dynamik für längere Zeit auszubremsen. Aus diesem Grund beinhaltete der Friedensvertrag die sogenannte „Meistbegünstigstenklausel“[5], der sich Deutschland für mindestens die nächsten 5 Jahre zu unterwerfen hatte. Auch bestand die Option, diesen Passus beliebig und einseitig weiter zu verlängern[6]. Mit dieser Klausel wurde es für Deutschland unmöglich irgendwelche wirtschaftlichen Konzessionen zu erzielen, ohne dass die Gewinne nicht sofort auch an die alliierten Sieger hätten weitergereicht werden müssen. Die Klausel stellte somit einen Eingriff zu Gunsten des Freihandels dar, wovon natürlich vor allem Großbritannien profitierte. So kam es in den Jahren bis 1921 zu einem starken Aufschwung des britischen Handels im skandinavischen Raum. Die traditionell starke Stellung der Deutschen konnte in dieser Zeit deutlich geschwächt werden. Deutschlands Möglichkeiten von wirtschaftlichen Kooperationen waren sehr beschränkt, trotz diverser Geheimabkommen (wie beispielsweise der deutsch-schwedische Vertrag von 1920) war die deutsche Wirtschaft insgesamt und als Folge des Krieges zu geschwächt um ernsthaft mit der britischen konkurrieren zu können. England interessierte sich, neben der erwähnte Blockierung von Deutschland, vor allem für Skandinavien als „Brücke“ für ein mögliches post-revolutionäres Russland.

Im Zuge dieser Bestrebungen wurden diverse geostrategische Überlegungen angestellt. Der wirtschaftliche Berater der britischen Gesandtschaft in Kopenhagen, Allan Graham, veröffentlichte 1918 ein Memorandum, in welchem er einen Vorschlag eines dänischen Schiffseigners aufgriff: Kopenhagen sollte Hamburg als Handelsknotenpunkt für das Baltikum ablösen und somit den Deutschen eine Kontrollmöglichkeit des baltischen Handels entziehen. Für diesen Zweck müsse Kopenhagen entsprechend ausgebaut werden. Ein ähnlicher Vorschlag kam im selben Jahr aus Schweden. Hier wurde eine Fährschnellverbindung zwischen Göteborg und einem englischen Hafen vorgeschlagen. Beide Vorschläge wurden bei den zuständigen britischen Behörden begrüßt und wohlwollend aufgenommen, beide erreichten jedoch niemals das Stadium konkreter Planung und wurden zu späteren Zeitpunkten wieder fallengelassen.

In anderen Märkten Skandinaviens war die Konkurrenzsituation zwischen Deutschland und Großbritannien weit weniger scharf. So bot ein sich gerade industrialisierendes Finnland beiden Ländern einen Markt, so dass es hier zu keinerlei Verdrängungswettbewerben kam, obwohl zunächst von britischer Seite befürchtet wurde, dass die deutsche Wirtschaft in Finnland einen immens starken Absatzmarkt vorfinden können würde und der britische Handel mit Finnland leiden müsse. In den Vorjahren der Wirtschaftskrise zeigte sich aber auch, dass die britische Wirtschaft dringenden Modernisierungsbedarf hatte, ein Faktor, der in der ersten Euphorie der Nachkriegsjahre noch nicht sehr stark zu tragen kam, aber später eine wichtige Rolle spielen sollte[7].

1921 - 1931

Die ersten Jahre nach dem Weltkrieg stellten für Deutschland wirtschaftlich wie politisch große Herausforderungen dar. Zu der militärischen Niederlage gesellten sich wirtschaftliche Sanktionen und außenpolitische Blockaden. Die Pläne eines „Neuropa“, eines wirtschaftlich geeinten Europas und deutscher Führung waren weggewischt worden, so dass es für das Reich zunächst nur darum gehen konnte, zuerst einmal als Staat funktionsfähig zu bleiben, die Versorgung der Wirtschaft mit Rohmaterial aufrecht zu erhalten, sowie deutsche Besitzungen im Ausland vor der Zwangsübernahme zu schützen. Skandinavien spielte dabei in den deutschen Plänen eine enorm wichtige Rolle. Deutlich zeigt sich dies am Beispiel des schwedischen Erzes: da Deutschland selbst nur über Vorkommen von minderwertigeren Erze verfügte, war es für die Produktion von hochwertigem Stahl unerlässlich, eine Übereinkunft mit Schweden zu erzielen[8]. Diese Einigung wurde jedoch dadurch erschwert, dass die Versailler Verträge dem deutschen Reich vorschrieben jegliche Vergünstigen die Deutschland einem Staat machte, auch den alliierten Siegern zur Verfügung zu stellen. Daher entschieden sich Deutschland und Schweden im Jahr 1920 zu einem Geheimvertrag, der die Versorgung der Wirtschaft mit Eisenerz sicherstellte und Schweden im Gegenzug großzügige Importquoten nach Deutschland erlaubte. Auch Finnland spielte in den Plänen der Deutschen eine wichtige Rolle, da es als Transitmarkt nach Russland gesehen wurde, ebenso wie das Wachstumspotenzial des finnischen Marktes vielfach hervorgehoben wurde[9].

In den folgenden Jahren erholte sich die deutsche Wirtschaft und schaffte es, trotz der rechtlichen Bremsen des Versailler Vertrages, einen Großteil der Dynamik und Kraft der Vorkriegszeit wieder zu gewinnen. Hilfreich war hierbei sicherlich auch gewesen, dass viele der kulturellen, ökonomischen sowie der politischen Verbindungen Deutschlands zu Skandinavien während des Krieges nicht gekappt wurden und sowohl die nordischen Ländern als auch Deutschland davon profitierten. Handelsvertreter beider Seiten fanden im jeweils anderem einen vertrauten Marktpartner vor, welcher darüber hinaus (zum Beispiel auch durch regionale Nähe) auch ein hohes Maß an Sicherheit garantieren konnte. Im Fall von dänischen Schlachtrindern war die Weimarer Republik sogar der einzig mögliche Abnehmer für die dänischen Viehzüchter[10].

Positiv kam den deutschen Handelsvertretern auch die Abwertung ihrer eigenen Währung zu Gute. Die Inflation sorgte während der wirtschaftlichen Krise der Jahre 1920 und 1921 dafür, dass die deutschen Märkte kauffreudig blieben. Auch bestand eine starke Nachfrage nach ausländischen Produkten, was den Markt für die angrenzenden Wirtschaften natürlich sehr vorteilhaft machte. Durch die zunehmenden außenpolitischen Kontakte gelang Deutschland Mitte der 1920er Jahre dann auch die politische Rehabilitierung. Höhepunkt der Reihe außenpolitischer Erfolge war mit Sicherheit die Aufnahme in den Völkerbund 1926[11]. Unter anderem auch skandinavische Initiativen hatten dazu letztendlich dazu geführt, die Aufnahme Deutschlands in das zu dieser Zeit noch hochambitionierte Projekt der internationalen Politik voran zu treiben. In Folge der zunehmenden Stärke der eigenen Wirtschaft, begann die deutsche Politik diese im zunehmenden Maße als Mittel und Methode der Außenpolitik einzusetzen. Durch Demilitarisierung und Isolation war die Wirtschaft das wichtigste außenpolitische Instrument dieser Zeit, möglicherweise auch das einzige, was Deutschland in dieser Stärke verblieben war, um Fortschritte auf dem internationalen Parkett zu machen. Nicht nur der Fakt, dass Deutschland wirtschaftlichen Druck ausübte, auch allein die schiere Kraft und Existenz der deutschen Ökonomie stellte ein immenses Bedrohungspotenzial für die abhängigen Volkswirtschaften dar. Dieses wussten die Deutschen auch zu nutzen. Dänemark wurde durch wirtschaftlichen Druck in bilaterale Gespräche um Nord-Schleswig „gezwungen“ (was den ersten außenpolitischen Kontakt Deutschlands nach dem Krieg darstellte).

Ähnlich wurde mit der Tschechoslowakei 1920 verfahren. Als im Jahr 1925 die Restriktionen des Versailler Vertrages endeten, beschleunigte sich diese Dynamik noch erheblich. Deutschland stand es nun frei, ökonomische Verträge mit allen Ländern zu schließen, ebenso wie es sich nun ungehindert in einer Sphäre des Freihandels bewegen konnte. In der folgenden Zeit wurde dabei immer deutlicher, dass sich die Funktion und Wirkung einiger wirtschaftlicher Instrumente im Laufe der Zeit verändert hatten. Bestes Beispiel um diese Entwicklung aufzuzeigen sind Außenhandelszölle. Ursprünglich waren diese erdacht und eingesetzt worden, um die einheimische Wirtschaft eines Landes vor potenziell billigeren Konkurrenten aus dem Ausland zu schützen, um so gewisse Industriezweige (oder die komplette Industrie) zu protegieren. Dabei wird auch in Kauf genommen, dass ineffiziente Industrien geschützt werden, was nicht immer sinnvoll ist, wie gescheiterte Versuche auf der gesamten Welt in verschiedenen Jahrhunderten zeigen[12].

[...]


[1] dänischer Schriftsteller (1805 - 1875), welcher seinen Aufstieg hauptsächlich seinem kommerziellen Erfolg in Deutschland zu verdanken hat

[2] Norwegens offizielle Politik im ersten Weltkrieg war die der Neutralität, womit sich das Land auf einer Linie mit den anderen skandinavischen Ländern bewegte. Eine Übersicht über die norwegische Geschichte in u.a. :

[3] Weiterführenden Einblick und Diskussion des Mitteleuropakonzepts in : Naumann

[4] Verantwortlich für diese außen- wie innenpolitische Krise war die Beamtenregierung unter Hjalmar Hammarskjöld. In dieser Zeit gründete sich in Schweden die Sozialdemokratische Partei, welche in den folgenden Jahren und bis zur heutige Zeit die politisch erfolgreichste Partei Schwedens werden sollte.

[5] Der Begriff „Meistbegünstigtenklausel“ bezieht sich hier auf den entsprechenden Begriff im Welthandelsrecht (es gibt noch einen wortgleichen, aber bedeutungsverschiedenen Begriff Wettbewerbsrecht). Die Meistbegünstigtenklausel stellt ein Kernelement des Handelsliberalismus dar und ist heute Bestandteil von vielen wichtigen internationalen Handelsverträgen wie beispielsweise GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) oder GATS (General Agreement on Trade in Services). Juristische Fachliteratur zu diesem Thema u.a. : Kramer

[6] Vollständiger Text zum Friedensvertrag von Versailles: Haffner/Bateson

[7] Englands Exportwirtschaft basierte zum damaligen Zeitpunkt hauptsächlich auf klassischen Produkten und Primärerzeugnissen wie beispielsweise Kohle. Auf diesem Gebiet war dann auch nicht Deutschland, sondern Polen der Hauptkonkurrent. Im Gegensatz dazu vertraute die deutsche Wirtschaft auf verarbeitete Erzeugnisse wie zum Beispiel Maschinen oder chemische Erzeugnisse.

[8] Es hatte zu diversen Zeitpunkten, vor allem gegen Ende der Zwischenkriegszeit immer wieder einmal einige Überlegungen und Pläne zu Autarkiebestrebungen im Bereich des Eisenerzes gegeben. Sie scheiterten jedoch alle an der minderen Qualität der entsprechenden deutschen Eisenerzvorkommen, weswegen Schweden in deutschen Planungen immer eine besondere Rolle aufgrund dieser Abhängigkeit gespielt hat.

[9] Generell waren die skandinavischen Märkte, zusammen mit einigen südosteuropäischen Ländern, diejenigen, die in der Zwischenkriegszeit über das stärkste Wachstum verfügten. Dies erklärt auch die besondere Aufmerksamkeit, den die Wirtschaften der Großmächte diesen an sich sehr kleinen Staaten schenkten.

[10] Es handelte sich hierbei um Kühe, die ihr sogenanntes „Milchalter“ überschritten hatten. Kein anderes Land außer Deutschland hatte dabei die Möglichkeit, diese Tiere noch entsprechend schnell zu schlachten und zu verarbeiten (die Distanz zu anderen potenziell interessierten Ländern war zu hoch bzw. hatten diese Länder entsprechende eigene starke Industrien). Die Ausfuhr der Tiere stellte somit für dänische Viehzüchter ein wichtiges wirtschaftliches Standbein dar (und für Deutschland somit ein wichtiges Verhandlungsinstrument).

[11] 1933 trat Deutschland dann auf Betreiben Hitlers wieder aus dem Völkerbund aus. Zu diesem Zeitpunkt hatte diese Institution allerdings schon keinerlei wirklich Einfluss mehr, möglicherweise hatte sie auch nicht einen besessen. Die hauptsächliche Stärke des Völkerbundes bestand in der normative Kraft, allerdings konnte er nie tatsächlichen Einfluss auf die Machtpolitik in den internationalen Beziehungen nehmen. Auch litt der Völkerbund immer darin, dass die eigentlichen Großmächte nicht bzw. nicht dauerhaft in ihm vertreten waren und eher eigene Interessen verfolgten. Die Schwäche und die Machtlosigkeit, die sich beim Völkerbund gezeigt hatten, wurden allerdings als Chance genutzt, es bei der Konzeption Nachfolgeinstitution UN besser zu machen, auch wenn diese heute vor ähnlichen Problemen steht. Einführende Literatur zum Völkerbund:

[12] So wurden umfangreiche Zölle beispielsweise in Frankreich zu Zeiten des Merkantilismus im 17.Jahrhundert eingesetzt.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Skandinavien in der Zwischenkriegszeit
Untertitel
Eine Zeit der Modernisierung?
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Nordisches Institut)
Veranstaltung
Nordeuropa in der Zwischenkriegszeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
36
Katalognummer
V187705
ISBN (eBook)
9783656112242
ISBN (Buch)
9783656112334
Dateigröße
909 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skandinavien, Nordeuropa, Zwischenkriegszeit, Internationale Politik, Wirtschaftsbeziehungen
Arbeit zitieren
Jakob Kneisel (Autor), 2009, Skandinavien in der Zwischenkriegszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187705

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