Der Computer und das Internet haben unseren Alltag in vielfältiger Weise vereinfacht und verändert. Die linguistische Forschung befasst sich zusehends intensiver mit dem Einfluss der neuen Kommunikationsmittel auf den Wortschatz und Sprachgebrauch seiner Nutzer.
Dabei postulieren einige Autoren die Entwicklung einer spezifischen Sondersprache des Internets, die sie als „Webspeak, Netspeak oder Weblish“ bezeichnen (vgl. CRYSTAL 2001).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und linguistische Einordnung
2. Diachrone / historische Einordnung
3. Sprechergruppe
4. Außersprachliche Einflüsse
5. Sprachliche Einflüsse
5.1 1) Anglizismen
5.2 2) Mündliche Sprache
6. Leistung der Sprache
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Merkmale der Chatsprache als Soziolekt im digitalen Raum, analysiert deren historische Entstehung sowie die verschiedenen linguistischen und außersprachlichen Faktoren, die diesen Sprachgebrauch prägen.
- Entwicklung und historische Genese der Chatsprache
- Charakterisierung der typischen Sprechergruppen in Chat-Umgebungen
- Einfluss von Anglizismen und mündlichen Kommunikationsformen
- Funktionsweise und Bedeutung von Emoticons und Inflektiven
- Strukturelle Reduktionsmechanismen und Leetspeak
Auszug aus dem Buch
Außersprachliche Einflüsse
Die ständige Weiterentwicklung der Computer- und Internettechnik führte zu einer Digitalisierung unseres Alltaglebens und schaffte neue Phänomene und Anwendungen, die notwendigerweise benannt werden mussten. Dies führte zu einer Vielzahl an Neologismen und Wortbildungen. Insbesondere die amerikanische Computerfirma Apple schaffte es mit ihren Namensgebungen bereits mehrfach den Wortschatz zu erweitern. So wird z.B. der Produktname „iPod“ (Begriffbildung nach Apple aus dem Jahre 1998: i für engl. ‘internet’, ‘individual’, ‘instruct’ (instruieren, anleiten), ‘inform’ (informieren) und ‘inspire’ (inspirieren), pod engl. für ‚Hülse‘) inzwischen auch Umgangssprachlich als synonyme Bezeichnung für alle Arten von tragbaren, digitalen Musikabspielgeräten genutzt.
Viele hinzugekommene Bezeichnungen beziehen sich dagegen konkret auf die neue Internetwirklichkeit: Browser, Nickname, Download, etc.
Die Technologie der Chatdienste ermöglichte erstmals eine direkte und simultane Kommunikation per Texteingabe am Computer. Damit war das Medium mit seinen Besonderheiten selbst der Auslöser weiterer Anpassungen der Sprache:
1) Ideogramme (Emoticons) und Inflektive bzw. Inflektivkonstruktionen
Der Begriff „Emotican“ setzt sich aus den englischen Wörtern „Emotion“ (Gefühl) und „Icon“ (Zeichen) zusammen. Emoticans sind konventionalisierte Glyphen, die den Ausdruck von Stimmungslagen und Gefühlszuständen über Sprachgrenzen hinweg ermöglichen (vgl. RUNKEHL 1998: 64). Hier einige Beispiele (Grafik aus ebd.):
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung und linguistische Einordnung: Die Einleitung verortet die Chatsprache innerhalb der linguistischen Forschung als gruppenspezifischen Soziolekt und betont die Notwendigkeit, diese medienoptimierte Sprachvarietät gesondert zu untersuchen.
Diachrone / historische Einordnung: Dieses Kapitel zeichnet die technologische Entwicklung vom ARPANET über das „Jargon File“ bis hin zur Etablierung des Internet Relay Chat (IRC) als Grundlage der heutigen Chatkultur nach.
Sprechergruppe: Hier wird der Wandel des Nutzers vom spezialisierten „Geek“ oder Hacker hin zur breiten Masse der Internetnutzer analysiert, wobei das Alter als wesentlicher Faktor für die Nutzungshäufigkeit identifiziert wird.
Außersprachliche Einflüsse: Der Autor erläutert, wie technische Innovationen und der Bedarf an Benennungen neuer digitaler Phänomene zur Entstehung von Neologismen und der Verwendung von Emoticons zur Kompensation nonverbaler Signale geführt haben.
Sprachliche Einflüsse: Dieser Abschnitt behandelt die prägenden Faktoren wie Anglizismen und die Übernahme von Merkmalen mündlicher Kommunikation, einschließlich dialektaler Anleihen und verkürzter Schreibweisen.
Leistung der Sprache: Das Kapitel schließt mit der Untersuchung der zentralen Funktionen der Chatsprache, insbesondere der Vereinfachung zur Steigerung der Feedbackgeschwindigkeit und der symbolischen Abgrenzung durch spezielle Codes wie Leetspeak.
Schlüsselwörter
Chatsprache, Soziolekt, Internetkommunikation, Emoticons, Inflektive, Akronyme, Anglizismen, Leetspeak, digitale Sprache, Netzkultur, IRC, Sprachwandel, Gruppensprache, Neologismen, Online-Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Analyse der Chatsprache als spezifischem Soziolekt im Internet und untersucht deren formale und funktionale Besonderheiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören die historische Entwicklung der Computerkultur, die Analyse der Sprechergruppen, der Einfluss von Technik auf den Wortschatz sowie die Mechanismen sprachlicher Vereinfachung im Chat.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Charakteristika der Chatsprache als eigenständige Varietät darzustellen und aufzuzeigen, wie technische Bedingungen des Mediums den Sprachgebrauch beeinflussen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender medienlinguistischer Studien sowie auf die Auswertung von Daten zur Internetnutzung und empirische Beispiele aus der Chatkommunikation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine Charakterisierung der Nutzer, eine Untersuchung außersprachlicher Faktoren wie Emoticons und einen detaillierten Blick auf sprachliche Einflüsse wie Anglizismen und Mündlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Chatsprache, Soziolekt, Sprachwandel, Internetkommunikation, Emoticons, Akronyme und Leetspeak.
Welche Rolle spielen Emoticons in der Chatkommunikation?
Emoticons dienen als Ersatz für nonverbale Signale der Face-to-Face-Kommunikation und helfen, Gefühlszustände über Sprachgrenzen hinweg zu transportieren und Missverständnisse zu minimieren.
Was ist Leetspeak und wozu wird es verwendet?
Leetspeak ist eine extreme Form der Abgrenzung, bei der Buchstaben durch Zahlen ersetzt werden; es dient unter anderem der Demonstration von Gruppenzugehörigkeit und fachlicher Identität.
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- B.A. Hendrik Beyer (Author), 2010, Wortschatzsteckbrief Netzsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187738