Der Einfluss von Samuel Richardsons Figuren in "Clarissa" auf Friedrich Schillers Charaktere in "Kabale und Liebe"


Seminararbeit, 2007
26 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer und literarischer Hintergrund

3. Die Werke im Vergleich
3.1 Rahmensituation, Thematik und Leitmotive
3.2 Figuren
a) Clarissa und Luise
b) Lovelace, Ferdinand und weitere

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ich behaupte, daß alle Verführungsromane mit weiblichen Heldinnen aus dem abendländischen Kulturkreis ab Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. dem Modell Clarissa angehören.“[1] Diese These stellte Christine Lehmann in ihrem Modell Clarissa auf und versuchte, sie erfolgreich anhand von Vergleichen mit unter anderem Effi Briest von Fontane zu belegen und zu beweisen. Samuel Richardson und sein Werk Clarissa hatten zweifellos großen Einfluss auf zahlreiche Schriftsteller verschiedener Nationen, wie z.B. Rousseau, Goethe und Henry James.[2] Seine beiden Hauptcharaktere Clarissa und Lovelace „sind geradezu literarische Archetypen, deren Symbolwert sich bis in unsere Zeit erhalten hat“.[3]

Aufgabe dieser Arbeit soll es sein, den unumstrittenen Einfluss Clarissas’ auf Schillers Kabale und Liebe, aufzuzeigen. Bei näherer Betrachtung der vorhandenen Sekundärliteratur zu den Werken und Auseinandersetzung mit der Thematik wird schnell deutlich, dass eine derartige Problemstellung zu allgemein gefasst und eine Präzisierung erforderlich ist. Der Themenbereich liefert etliche Ansätze für spezialisierte Vergleiche. Einige davon sollen hier zumindest kurz aufgezählt werden, da man sie – auch wenn sie kein Bestandteil dieser Arbeit sein werden – weder ignorieren noch unerwähnt lassen sollte: Eine äußerst interessante Gegenüberstellung bietet sich in Hinblick auf die Struktur, den Aufbau und die Sprache beider Werke an – auf der einen Seite der Briefroman Richardsons, auf der anderen der klassische Dramenaufbau Schillers –, die trotz völlig unterschiedlicher Gattungen so manche Parallelen aufweisen. Die Intention der Autoren wäre ein weiterer Aspekt, den zu untersuchen sich lohnen würde. Auch eine nähere Betrachtung der hier nicht behandelten, weniger im Mittelpunkt stehenden Figuren in Clarissa und die damit verbundene systematische Suche nach charakterlich und funktionell übereinstimmenden Eigenschaften im Wesen ihrer literarischen „Nachfolger“ wäre aufschlussreich.

Diese Arbeit wird sich im weiteren Verlauf auf den Einfluss von Clarissa auf Luise und den von Lovelace auf Ferdinand und andere männliche Akteure in Kabale und Liebe konzentrieren. Auch wenn es sicherlich interessant wäre, die signifikanten Unterschiede zwischen den Protagonisten zu analysieren, beschränkt sich das Nachfolgende auf die Gemeinsamkeiten. Darüber hinaus sollen auch Analogien bezüglich der Rahmenhandlung und -situation, der Thematik und wichtigen Motiven herausgearbeitet werden.

2. Historischer und literarischer Hintergrund

Obwohl Friedrich Schiller und Samuel Richardson in zwei verschiedenen Ländern lebten, sind die historischen Begebenheiten bzw. der geschichtliche Hintergrund, den man für das Verständnis der beiden Werke benötigt, ähnlich. Schiller veröffentlichte Kabale und Liebe 1784 in Deutschland zu einer Zeit, die im Großen und Ganzen der Epoche der Aufklärung (bis 1800) einzugliedern ist. Kabale und Liebe ist jedoch ein Werk, das der Sturm und Drang Phase zuzuordnen ist. Diese vor allem literarische Bewegung entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, dauerte verhältnismäßig kurz an – bis etwa 1790 – und kann literarisch gesehen als eine weitere Etappe der Aufklärung gesehen werden.[4] Da jedoch einige Ideen der Aufklärung übernommen, modifiziert oder weiterentwickelt wurden, ist auch dieser Zeitabschnitt wichtig für das Verständnis des Schiller’schen Werkes. Ein Exkurs in die Aufklärung ist an dieser Stelle nicht notwendig. Es soll genügen, kurz auf die Situation der Frauen einzugehen.

Wie aufklärerisch und fortschrittlich die Bewegung auch war, es muss beachtet werden, dass die Theorien und Forderungen der Aufklärer sich lediglich auf eine bestimmte Bevölkerungsschicht bezogen. Das weibliche Geschlecht überging man schlichtweg, da man von der gottgegebenen Ungleichheit zwischen Mann und Frau ausging.[5] Mit einigen Ausnahmen wurde die Frau als unterprivilegiert betrachtet und ihre einzige Aufgabe bestand darin, den Ehemann glücklich zu machen, den Haushalt zu führen und die Kinder großzuziehen.[6] Sogar der Großteil der Frauen selbst akzeptierte diesen Status und lehnte sich nur selten gegen diese „Bestimmung“ auf.[7] Die Aufklärung der Frauen wurde als eine Erziehung zur Haus- und Ehefrau angesehen. Welche Eigenschaften den Mädchen anerzogen werden sollten, formulierte ein Tugendkatalog, der Nachgiebigkeit, Sanftmut, Ordnung und Unterwürfigkeit der Frau als Garant für eine glückliche und konfliktfreie Ehe propagierte.[8]

Zu all den Tugenden, die eine Frau vorweisen sollte, gesellte sich im Laufe des 18. Jahrhunderts eine weitere dazu: eine Frau „muß erstlich von feinem Verstande seyn“.[9] Jedoch machte man auch bei diesem Begriff Bedeutungsunterschiede zwischen Mann und Frau. Der weibliche Verstand sollte dahin zielend ausgeprägt werden, dass die Frau in der Lage war „vernünfftig [zu] reden, und mit jederman geschickt [zu] conversiren“.[10] Sie sollte „am Gespräch der Männer, ohne Furcht sich zu compromittieren, Antheil nehmen, und einige leere Stunden mit nützlicher Lektüre angenehmer ausfüllen […] können.“[11] Das Lesen war einer der wenigen Bereiche der Bildung, der den Frauen zugestanden wurde. Auch hier war die Frau dennoch abhängig von ihrem Mann, denn, wie bereits erwähnt, sie sollte zwar Verstand besitzen, aber gelehrt sein oder werden sollte sie keineswegs.[12] Die Bildung hatte also für die Frauen spätestens dort ein Ende, wo „Professionalisierung und Institutionalisierung anfingen.“[13] Gelehrsamkeit galt als unweiblich und „entfremde die Frauen ihrer natürlichen Bestimmung“.[14] Deswegen war es an den Männern, die Lektüre ihrer Frauen zu bestimmen. Schon in der frühen Aufklärungszeit wurden aus diesem Grund so genannte Frauenzimmerbibliotheken zusammengestellt, die unter männlicher Aufsicht standen und die nur derartige Bücher beinhalteten, die die Männer für passend erachteten.[15] Als geeignete Werke wurden „erbauliche, moralisierende, schöngeistige Literatur […], Romane nur mit Maßen und großen Vorbehalten“[16] und natürlich die Bibel angesehen. Anspruchsvolle bzw. gelehrte Literatur war den Frauen nicht zugänglich.

Der Großteil der Bevölkerung blieb dennoch der traditionellen Ansicht verhaftet, dass die Frau sich den „willigen Gehorsam, die von keinem Murren, keiner Widerspenstigkeit begleitete stille Folgsamkeit“[17] aneignen müsse und lediglich zum Gehorchen und Dulden geboren sei. Dieser Gehorsam spielte auch bei Eheschließungen eine essentielle Rolle. Als Mädchen war sie ihren Eltern Gehorsam schuldig und als Ehefrau ihrem Gatten.[18]

Mitte des 18. Jahrhunderts kam in Deutschland eine kurze, aber heftige und neue Bewegung vor allem literarischer Gesinnung auf, eine Art Parallelepoche oder neue Etappe der Aufklärung, in deren Zeit, wie gesagt, Kabale und Liebe fällt: der Sturm und Drang. Es wäre nicht ganz richtig diese Bewegung einfach als Revolution oder Gegenbewegung zur Aufklärung anzusehen. Vielmehr wurde das Sich-Besinnen auf die eigene Vernunft um die Forderung nach Freiheit des Gefühls und der Leidenschaft erweitert.[19] Einige radikale Stürmer und Dränger stellten die „Herrschaft der Ratio“[20] vollständig in Frage, verallgemeinernd gesehen aber war das Streben nach einem Konsens zwischen Gefühl und Verstand das Ziel.[21] Auf literarischer Ebene wurde das Drama zur bevorzugten Gattung, dessen Wirkung erzieherischen Charakter haben sollte.[22]

Obwohl Richardson die Zeit der Aufklärung in England auch schon miterlebte, sind deren sozialen Auswirkungen für Clarissa nicht von Priorität. Jedoch spielen die gesellschaftlichen und strukturellen Veränderungen, die die Epoche mit sich brachte, auf die an späterer Stelle in diesem Kapitel eingegangen werden, eine essentielle Rolle. Wichtiger für Richardsons Werk ist der Puritanismus und auch die Zeit der Empfindsamkeit. Der Puritanismus entstand in England bereits im späten 16. Jahrhundert und war eine kirchliche Reformbewegung innerhalb der anglikanischen Kirche.[23] Wichtig für das Verständnis von Clarissa sind die Ideale und die puritanische Theologie, die besagte, dass jeder Mensch ein Sünder sei, doch dass auch jeder zum Guten bekehrt werden könne.[24] Im Zentrum des puritanischen Gewissens stand folglich die ständige Selbstkontrolle, Selbstreflexion und -prüfung eines jeden Menschen, denn nur durch das Lernen der daraus resultierenden „aktiven Selbstbeherrschung“[25], konnte man, in den Augen der Puritaner, ein besserer Mensch werden und nach Gottes Willen und Vorbild leben.[26] Ein anderes Element der puritanischen Ethik, auch in Bezug zur Selbstbeherrschung, war eine Form der „Zurücknahme der Selbstbezogenheit“[27], die dazu führen sollte, dass sich ein Mensch mehr um seine Mitmenschen kümmerte und sorgte, ohne jedoch aufdringlich zu sein.[28] Besonders wichtig in der puritanischen Kultur waren die Reinheit und die Moral, die eine Person dazu veranlassten, „Gutes zu tun und rechtschaffen zu sein. Wenn jemand dies erreichte, dann […] würde Gott sich offenbaren, nicht nur für einen Augenblick, sondern fortwährend.“[29] Moralisch rein zu sein war folglich ein Zustand, den jede puritanische Frau – denn dieses Ideal galt in dem Ausmaß nicht für Männer - erreichen wollte. Das den Puritanern oft unterstellte Ablehnen jeglicher Sexualität, ist nur teilweise richtig, denn sie propagierten sogar den Geschlechtsakt, allerdings nur in einer Ehe: „Diese sinnliche Liebe ist nicht nur erlaubt, sofern eine höhere, heiligere, ‚spirituelle’ Beziehung zwischen Mann und Frau besteht, um die anderen Zwecke der Ehe zu befördern; sie wird als ein wesentliches Element einer guten Ehe gefordert.“[30] Um Clarissas Verhalten verstehen zu können, muss man diese Ideale der Puritaner kennen, da sie nach diesen agiert. Auch ihre Meinung zur Ehe kann man von dieser Ethik ableiten, denn um eine gute Ehe führen zu können, so die Puritaner, benötigte es Harmonie zwischen den beiden Partnern und mehr noch, eine Ehe sollte und musste wie eine wahre Freundschaft sein.[31] Ein anderes, äußerst essentielles Gebot war die Verantwortung gegenüber Gott.[32] Ein Puritaner sollte nach dem Willen Gottes leben, denn darin „lag der Weg der irdischen Perfektion vorgezeichnet, deren Ziel das Reich Gottes war. Das Handeln im Diesseits geschah zum Ruhme Gottes“.[33] Clarissa – so kann im Laufe dieser Arbeit unter anderem festgestellt werden – ist eine Figur, die als Prototyp für puritanisches Denken und Handeln betrachtet werden kann. Während sie den Puritanismus verkörpert, repräsentieren die meisten anderen Figuren in Richardsons Roman, vor allem ihre Familie und Lovelace, typische Vertreter der damaligen, sich durch den Einfluss der Aufklärung veränderten, Gesellschaft.

Denn parallel zu den sozialen Entwicklungen, entwickelten sich in Deutschland und England im Zuge der Aufklärung die gesellschaftlichen Strukturen zugunsten des Bürgertums und es entstand eine „neue gebildete bürgerliche Schicht, die […] neue und moderne Werte verkörperte.“[34] Durch die Werte und Ideale der Bewegung wurde das Selbstbewusstsein des Bürgertums gestärkt und es folgte im Laufe des 18. Jahrhundert eine Emanzipation dieser Schicht.[35] In England etablierte sich das Großbürgertum durch den Aufstieg in den Landadel zu einer ökonomischen Größe und versuchte sich daraufhin auch politische Macht zu verschaffen, Kapital anzuhäufen und Zugang zum Parlament zu erreichen.[36] Dem gegenüber stand der Adel, der sich im Zuge der Revolution 1688 aufs Land zurückziehen und einigen Machtverlust hinnehmen musste.[37] Charakteristisch für das Bürgertum, sowohl in England als auch in Deutschland, wurde die Aufwertung von Moral und Gefühl, die Einheit von Verstand und Emotionen: die Empfindsamkeit.[38] Zeitlich gesehen war die Epoche der Empfindsamkeit in Deutschland vor der des Sturm und Drang, doch im Großen und Ganzen überschneiden sie sich und sind sich inhaltlich ähnlich.[39] Die Bürgerschicht distanzierte sich mit ihren Moral- und Tugendvorstellungen immer mehr von der Welt des Adels, dem Eigenschaften wie Sittenlosigkeit und Korruption zugeschrieben wurde und der im krassen Gegenteil zum empfindsamen Bürgertum gesehen wurde.[40] Der Familie, als Ort der intimen, harmonischen und bürgerlichen Privatsphäre, wurde der öffentliche, unmoralische feudale Hof entgegengesetzt.[41]

Der weibliche Tugendbegriff der Aufklärung spielte auch hier eine große Rolle. Während er sich in früherer Zeit hingegen eher durch Gehorsam und Sanftmut definiert hatte, wurde er jetzt immer mehr zum Synonym für weibliche Unschuld und Keuschheit.[42] Damit im Zusammenhang stand auch die Reinheit, die sowohl puritanisches Ideal als auch eine Eigenschaft der tugendhaften Frau der empfindsamen Zeit in England und Deutschland war. Durch die historischen Begebenheiten beeinflusst, entwickelte sich auch die Literatur dieses Jahrhunderts. Im Zentrum stand nicht mehr die adlige, sondern der Themenschwerpunkt verlagerte sich auf die bürgerliche und private Welt.[43]

In England waren die so genannten „conduct books“, Bücher, die erzieherische und moralische Wirkung haben sollten, weit verbreitet und auch Clarissa zählt dazu.[44] Darüber hinaus kann es als Prototyp des Briefromans bezeichnet werden, einer Gattung, die Richardson sicher auch aus dem Grund wählte, da sich Briefe besonders zur Selbstdarstellung und -beobachtung eines Protagonisten eignen[45] und somit das puritanische Ideal der Selbstprüfung widerspiegeln.

Kabale und Liebe ist sowohl ein Drama als auch ein bürgerliches Trauerspiel, eine Gattung, die im Zuge des Sturm und Drang entstand und in deren Mittelpunkt ein Konflikt zwischen Bürgertum und Adel steht bzw. die den Kontrast zwischen bürgerlichen und adligen Wertvorstellungen dramatisch verarbeitet.[46]

Man kann folglich behaupten, dass „der politische Emanzipationskampf in Deutschland [und auch in England] als moralische Auseinandersetzung zwischen Adel und Bürgertum ausgetragen wurde“.[47]

3. Die Werke im Vergleich

3.1 Rahmensituation, Thematik und Leitmotive

Dass Richardsons Clarissa Vorbildfunktion und großen Einfluss auf Schillers Kabale und Liebe hatte, zeigen die zahlreichen Parallelen bezüglich Rahmenhandlung, Thematik und Motive. Die Ausgangssituation der beiden Werke spielen den jeweiligen historischen und auch literarischen Kontext wider. Sowohl in Clarissa als auch in Kabale und Liebe ist eine bürgerliche Frau Handlungsträger bzw. ist die bürgerliche Familie Schauplatz der Handlung. Die Tochter, die sehr an ihrer Familie hängt, kommt in einen Konflikt mit ihrem familiären Umfeld, da sie sich in einen adligen Mann verliebt. Die Protagonistin muss sich zwischen Familie und Mann entscheiden, wobei sie von allen Seiten bedrängt wird, und sieht am Ende den Tod als einzige Möglichkeit, der Auseinandersetzung zu entgehen und Frieden zu finden. Im Verlauf sehen die tragischen Heldinnen sowohl ihre Tugend, ihre Moral und ihren festen Glauben bedroht (siehe Punkt 3.2). „Am Ende de[r] Stück[e] liegt die Welt in Trümmern.“[48] Ihr beider Schicksal ist der Tod.

Richardsons Figuren hatten Vorbildcharakter für Schillers Protagonisten – allen voran natürlich Clarissa, wie in Punkt 3.2 ausführlich erläutert werden wird. Während sie fast eins-zu-eins in Luise wiederzufinden ist, spiegelt sich Lovelaces Charakter nie vollständig, sondern immer nur facettenartig in mehreren Figuren wider. Dies soll Thema in Punkt 3.3 sein.

Wichtige Motive in Clarissa lassen sich ebenfalls in Kabale und Liebe wiederfinden. Einige mit ähnlicher oder gleicher Funktion, andere mit modifizierter Wirkung. Das essentiellste Motiv (oder auch Thema) in beiden Werken ist die Tugend und die Moral, die durch die Protagonistinnen verkörpert und bedroht werden, und am Ende obsiegen. Hierbei sei erneut auf Punkt 3.2 verwiesen. Ein weiteres Motiv ist das der Kabale, die sowohl gegen Clarissa – Lovelace benutzt sie, um sich an ihrem Geschlecht zu rächen und lässt viele Figuren Theater spielen, um sie zu täuschen; James, der ihr Solmes „vorsetzt“ – gesponnen wird, und zu deren Opfer auch Luise wird, als der Präsident und Wurm gegen sie intrigieren, um sie von Ferdinand zu trennen. In Bezug auf die jeweiligen Kabalen, die als Hindernisse für das Glück der Heldinnen fungieren, kann man bei beiden Werken auch zwischen äußerer und innerer Kabale differenzieren. Die äußeren sind die bereits erwähnten, jedoch kann man ebenfalls von einem inneren Hindernis und einem weiteren Motiv, einer inneren „Kabale“, sprechen, die sich die beiden Frauen selbst auferlegen: die Liebe.[49] Luise liebt Ferdinand aufrichtig und gibt dies auch offen zu:

Luise: „Als ich ihn das erste Mal sah – […] und mir das Blut in die Wangen stieg, froher jagten alle Pulse, jede Wallung sprach, jeder Atem lispelte: er ist’s, und mein Herz den Immermangelnden erkannte, bekräftigte: er ist’s, und wie das widerklang durch die ganze mitfreuende Welt. Damals – o damals ging in meiner Seele der erste Morgen auf. Tausend junge Gefühle schossen aus meinem Herzen, wie die Blumen aus dem Erdreich, wenn’s Frühling wird. Ich sah keine Welt mehr, und doch besinn ich mich, dass sie niemals so schön war. Ich wusste von keinem Gott mehr, und doch hatt ich ihn nie so geliebt.“ (KL, S. 13f.)

[...]


[1] Lehmann, Christine: Das Modell Clarissa. Liebe, Verführung, Sexualität und Tod der Romanheldinnen des 18. und 19. Jahrhunderts, Stuttgart 1991, S. 10.

[2] Vgl. Gebsattel, Jerôme von: Samuel Richardson, in: Walter Jens (Hrsg.): Kindlers Neues Literaturlexikon, Bd. 14, München 1991, S. 97.

[3] Ebd.

[4] Vgl. „Sturm und Drang“, http://literaturwelt.com/epochen/sturm.html © 2002-2008 Claudio Mende, 22.1.08.

[5] Vgl. Stollberg-Rilinger, Barbara: Europa im Jahrhundert der Aufklärung, Stuttgart 2000, S 277.

[6] Vgl. Dülmen, Andrea von (Hrsg.): Frauenleben im 18. Jahrhundert, München 1992, S. 29.

[7] Vgl. ebd., S. 30.

[8] Vgl. ebd., S. 124.

[9] Ebd., S. 51.

[10] Ebd.

[11] Ebd., S. 135.

[12] Vgl. ebd., S. 210.

[13] Stollberg: Europa, S. 156.

[14] Ebd.

[15] Vgl. Dülmen: Frauenleben, S. 210f.

[16] Ebd. 211.

[17] Ebd., S. 39.

[18] Vgl. ebd.

[19] Vgl. „Sturm und Drang“, http://literaturwelt.com/epochen/sturm.html, 22.1.08.

[20] Müller, Hans-Georg : Lektürehilfen Friedrich Schiller „Kabale und Liebe“, 18. Auflage, Stuttgart 2006, S. 53.

[21] Vgl. „Sturm und Drang“, http://literaturwelt.com/epochen/sturm.html, 22.1.08

[22] Vgl. ebd.

[23] Vgl."Puritanismus," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2007

http://de.encarta.msn.com © 1997-2007 Microsoft Corporation, 23.8.08.

[24] Vgl. Ebd.

[25] Leites, Edmund: Puritanisches Gewissen und moderne Sexualität, Frankfurt 1988, S. 12.

[26] Vgl. "Puritanismus," http://de.encarta.msn.com, 23.8.08.

[27] Leites: Puritanisches Gewissen, S. 18.

[28] Vgl. ebd.

[29] Ebd.

[30] Ebd., S. 25.

[31] Vgl. ebd., S. 102.

[32] Vgl. Mebold, Adrian: Rhetorik und Moral in Samuel Richardsons Clarissa. Ein systemtheoretischer Versuch, Bern 1991, S. 4.

[33] Ebd.

[34] Völkl, Bernd: Friedrich Schiller. Kabale und Liebe, Stuttgart 2006, S. 43.

[35] Vgl. „Aufklärung“, http://literaturwelt.com/epochen/sturm.html © 2002-2008 Claudio Mende, 22.1.08.

[36] Vgl. Moravetz, Monika: Formen der Rezeptionslenkung im Briefroman des 18. Jahrhunderts. Richardsons Clarissa, Rousseaus Nouvelle Héloïse und Laclos’ Liaisons Dangereuses, Tübingen 1990, S. 54.

[37] Vgl. ebd., S. 63.

[38] Vgl. Hempel, Britta: Sara, Emilia, Luise: drei tugendhafte Töchter. Das empfindsame Patriarchat im bürgerlichen Trauerspiel bei Lessing und Schiller, Heidelberg 2006, S. 30.

[39] Vgl. http:///www.literaturwelt.com, 26.1.08.

[40] Vgl. Hempel: Töchter, S. 18.

[41] Vgl. Moravetz: Briefroman, S. 55.

[42] Vgl. Stephan, Inge: Frauenbild und Tugendbegriff im bürgerlichen Trauerspiel bei Lessing und Schiller, in: Richard E . Schade (Hrsg.): Lessing Yearbook, Vol. XVII, München/Detroit 1986, S. 7.

[43] Vgl. Müller: Schiller, S. 53.

[44] Vgl. Mengel, Ewald: Der englische Roman des 18. Jahrhunderts. Eine Einführung in seine Klassiker, Tübingen 1997, S. 25.

[45] Vgl. Moravetz: Briefroman, S. 26.

[46] Vgl. Müller: Schiller, S. 55.

[47] Stephan: Frauenbild, S. 13.

[48] Müller: Schiller, S. 61.

[49] Vgl. Hempel: Töchter, S. 87.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Samuel Richardsons Figuren in "Clarissa" auf Friedrich Schillers Charaktere in "Kabale und Liebe"
Hochschule
Universität Stuttgart  (Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
„Väter und Töchter“
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V187766
ISBN (eBook)
9783656115601
ISBN (Buch)
9783656620785
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neuere Deutsche Literatur, Väter und Töchter, Motiv Vater, Motiv Tochter, Samuel Richardson, Clarissa, Friedrich Schiller, Kabale und Liebe, empfindsame Literatur, Empfindsamkeit, Briefroman, Motiv Tugend, Bürgerliches Trauerspiel, 18. Jahrhundert, Sturm und Drang
Arbeit zitieren
Hannah Scharf (Autor), 2007, Der Einfluss von Samuel Richardsons Figuren in "Clarissa" auf Friedrich Schillers Charaktere in "Kabale und Liebe" , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187766

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