Viele Kreditinstitute, insbesondere die Großbanken aber auch zahlreiche kleinere und mittlere Institute, befinden sich in einer schwierigen Lage. Auf der einen Seite kämpfen die Banken mit steigenden Betriebs- und Personalkosten, auf der anderen Seite brechen die Erträge auf Grund der sinkenden Zinsspanne und niedriger Provisionserlöse weg. Die Kosten werden bereits seit einigen Jahren teilweise erfolgreich gesenkt. Mittelfristig soll die Eigenkapitalrendite wieder auf 15 Prozent steigen. Bei der Cost-Income-Ratio ist die Zielmarke auf 60 Prozent fixiert. Im Bereich des Cash-Management (Optimierung des internen Geldkreislaufs) und der Bankorganisation sind schon viele Kostensenkungspotenziale ausgeschöpft worden. Neue Möglichkeiten der Kostenreduktion soll Cash Recycling liefern. Durch eine Gesetzesänderung ist nun auch in Deutschland ein neues Zeitalter der automatisierten Bargeldbearbeitung angebrochen. Doch Cash Recycling tangiert die Bank in zahlreichen Bereichen.
Dieses Buch zeigt die vielfältigen Auswirkungen des Einsatzes von Cash Recycling in Kreditinstituten. Sie erläutert die Begrifflichkeit des Cash Recycling, die historische Entwicklung und gesetzliche Vorschriften. Ergänzend wird die Funktionalität eines Cash-Recycling-Automaten vorgestellt. Anschließend werden die Auswirkungen auf die Kostenstruktur eines Kreditinstitutes betrachtet. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der Kostensenkungspotenziale, die Darstellung der Mehraufwendungen soll das Gesamtbild abrunden. Die Auswirkungen auf die eigenen Mitarbeiter werden daneben erklärt. Hier sollen aus dem Blickpunkt der Mitarbeiter die Folgen des Einsatzes von Cash Recycling auf Arbeitsprozesse und Arbeitsbedingungen verdeutlicht werden. Das Cash Recycling verändert aber auch die gesamte Kunde-Bank-Beziehung in bedeutendem Maße. Diese Tatsache soll unter Betrachtung der gegenwärtigen Beziehung und möglicher Veränderungen durch Cash Recycling aufgezeigt werden. Dieses Buch richtet sich an die Entscheidungsträger der Kreditinstitute, an Wirtschaftswissenschaftler, Manager und alle Unternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit
2 Cash Recycling als neue Entwicklung
2.1 Zum Begriff des Cash Recycling
2.2 Historische Entwicklung
2.3 Rahmenvereinbarung für den Betrieb von kombinierten Ein- und Auszahlungsautomaten (Cash-Recycling-Automaten)
2.4 Arten und Funktionsweise eines Cash-Recycling-Systems
3 Auswirkungen auf die Kostenstruktur
3.1 Mehraufwendungen
3.2 Kostensenkungspotenziale
3.2.1 Personalkosten
3.2.2 Automatenbefüllung/Automatenleerung
3.2.3 Werttransporte
3.2.4 Nachttresor
3.2.5 Bargeldbestände
3.2.6 Flächennutzung
3.3 Einsatz von CRS unter Kosten-Nutzen-Aspekten
4 Auswirkungen auf das Personal
4.1 Wegfall von Kassenarbeitsplätzen
4.2 Schaffung von Beratungsfreiräumen
4.3 Arbeitsgestaltung und Arbeitsmonotonie
5 Auswirkungen auf die Kunde-Bank-Beziehung
5.1 Kontakt von Kunde und Bank vor Einführung des CRS
5.2 Kontakt und Veränderungen nach Einführung des CRS
5.2.1 Selbstbedienung
5.2.2 Filialgestaltung
5.2.3 Mehrwertdienste
5.2.4 Servicequalität
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Auswirkungen, die der Einsatz von Cash-Recycling-Systemen (CRS) in Kreditinstituten mit sich bringt. Ziel ist es, das Potenzial zur Kostensenkung, die Folgen für das Personal sowie die Veränderungen in der Kunden-Bank-Beziehung zu analysieren und kritisch zu bewerten.
- Wirtschaftliche Analyse der Kostensenkungspotenziale durch Cash Recycling.
- Untersuchung der Auswirkungen auf Personalkapazitäten und Arbeitsplatzgestaltung.
- Veränderungen der Kundenkontaktpunkte und der Filialstruktur durch moderne SB-Systeme.
- Gesetzliche Rahmenbedingungen und technische Voraussetzungen für den Betrieb von Cash-Recycling-Automaten.
- Strategische Bedeutung der Automatisierung im Bargeldmanagement für Kreditinstitute.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Personalkosten
Filialmitarbeiter verschwenden nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey rund 87 Prozent ihrer Zeit mit administrativen Tätigkeiten. 30 Prozent der Gesamtkosten einer Filiale entstehen durch das personalkostenintensive und mit Risiko behaftete Bargeldhandling. Die Zeiten, als die Bargeldabwicklung noch zu den tragenden Säulen des Bankgeschäftes gezählt wurde, sind aber endgültig vorbei. Für den Kunden sind Bargeldgeschäfte allerdings eine selbstverständliche Routinedienstleistung seiner Bank.
Durch den Einsatz von CRS kann die allein mitarbeiterbediente Kassentransaktion fast komplett entfallen. Eine Verringerung dieser Kassentransaktion wurde durch monofunktionale KBA und Einzahlungsautomaten erreicht. Die Vollzeitkassenarbeitskräfte können jetzt jedoch abgeschafft werden, womit gleichzeitig die sprungfixen Kosten entfallen.
Zahlreiche Mitarbeiter von Kreditinstituten sind aber mit dem Kassengeschäft und den damit verbundenen Dienstleistungen komplett ausgelastet. Damit einhergehend sind mögliche Entscheidungen über Personalfreisetzungen und Personalentwicklungen zu treffen. Strittig ist die Frage, ob die Kasse tatsächlich gänzlich abgeschafft werden soll und auch kann. Zunächst werden die meisten Institute wohl auf eine Diskretkasse in ihren Filialen, wie in Kapitel 3.1 dargestellt, zurückgreifen. Andere Institute werden die Kasse in kleineren Filialen komplett abschaffen, da ein Kassenarbeitsplatz unter 45.000 Kassenposten pro Jahr nicht ausgelastet ist und die Personalkosten bei Bestand einer Kasse (auch Diskretkasse) durch CRS nur geringfügig gesenkt werden können. In ihren Hauptgeschäftsstellen werden diese Institute eine Diskretkasse aufrechterhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der schwierigen Ertragslage der Kreditinstitute und Definition der Zielsetzung dieser Arbeit bezüglich des Cash Recyclings.
2 Cash Recycling als neue Entwicklung: Erläuterung der technischen und rechtlichen Grundlagen, der Begrifflichkeit sowie der historischen Entwicklung des Cash Recyclings.
3 Auswirkungen auf die Kostenstruktur: Analyse der Kostensenkungspotenziale bei Personal, Werttransporten und Bargeldbeständen sowie der Mehraufwendungen durch Implementierung.
4 Auswirkungen auf das Personal: Untersuchung der Folgen für Kassenarbeitsplätze, der Umschulung von Mitarbeitern und der Humanisierung der Arbeit durch Entfall monotoner Tätigkeiten.
5 Auswirkungen auf die Kunde-Bank-Beziehung: Diskussion der veränderten Kundenkontakte, neuer Filialkonzepte und der Servicequalität im Zuge der Einführung von SB-Systemen.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Chancen und Risiken sowie Prognose zur zukünftigen Verbreitung der Technologie in verschiedenen Institutsgruppen.
Schlüsselwörter
Cash Recycling, Kreditinstitute, Kostenstruktur, Personalkosten, Bargeldmanagement, Selbstbedienung, CRS, Bankfiliale, Prozessoptimierung, Kundenzufriedenheit, Falschgeldbekämpfung, Banknoten, Automatisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einsatz von Cash-Recycling-Systemen (CRS) in Bankfilialen und deren ökonomischen sowie personalwirtschaftlichen Auswirkungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Kostensenkungspotenziale im Bargeldmanagement, die Auswirkungen auf die Personalsituation und die Transformation der Kunden-Bank-Beziehung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die vielfältigen Konsequenzen der Automatisierung des Bargeldverkehrs zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Kreditinstitute durch diese Technik effizienter agieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die Einbeziehung gesetzlicher Rahmenvereinbarungen sowie auf ein Experten-Fachgespräch mit einem Hersteller von Bankautomaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Auswirkungen auf Kosten, das Personal (inkl. Arbeitsplatzveränderungen) und die Gestaltung der Kundenkontakte in Bankfilialen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Cash Recycling, Kostensenkungspotenziale, Bargeldmanagement, Kunden-Bank-Beziehung und Automatisierung.
Warum spielt die Falschgeldbekämpfung eine so große Rolle beim Cash Recycling?
Da Cash-Recycling-Automaten Banknoten direkt wieder ausgeben, müssen sie hohe gesetzliche Anforderungen der Bundesbank erfüllen, um sicherzustellen, dass keine Fälschungen zurück in den Geldkreislauf gelangen.
Welche Rolle spielt die Filialgestaltung bei der Einführung von CRS?
Die Filialgestaltung muss angepasst werden, um den durch SB-Systeme veränderten Kundenfluss zu steuern und gleichzeitig den Übergang von der Technik zur persönlichen Beratung menschlich und angenehm zu gestalten.
- Quote paper
- Oliver Becker (Author), 2003, Auswirkungen des Cash Recycling in Kreditinstituten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18785