1 Kurzexposé
Die Weltwirtschaftskrise ist auch in Baden-Württembergs Ersatzschulen in freier Trägerschaft, wie es etwa reformpädagogische Schulen sind, angekommen. Diese müssen einen beträchtlichen Anteil ihrer Gesamtkosten durch Schulgeld von den Eltern decken, welches sich in seiner Höhe einkommensabhängig bemisst. Angesichts veränderter Familienstrukturen, steigender Familienarmut und drohender Arbeitslosigkeit gerät nun zunehmend der Finanzhaushalt vieler dieser Bildungseinrichtungen erheblich unter Druck. Auch sind viele Familien wohl nicht mehr in der Lage das vereinbarte Schulgeld aufzubringen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Thema Elternarbeit verstärkt an Bedeutung. Welche Möglichkeiten hat dabei die Schule, die Motivation der Eltern zu beeinflussen?
1.1 Gegenstand/Abgrenzung/Ziel
Die vorliegende Arbeit möchte diese Frage schwerpunkmäßig aus arbeits- und organisationspsychologischer Sicht beleuchten. Dabei wird weder Anspruch auf eine umfassende Berücksichtigung sämtlicher bedeutsamer Einflussgrößen und Interdependenzen, noch auf Allgemeingültigkeit erhoben, sondern lediglich Bezug genommen auf eine Situation, die aus einer individuellen und somit subjektiv wahrgenommenen Perspektive erfolgt. Ziel der Ausführungen ist es dennoch gleichermaßen, mögliche Ursachen für den bisherigen Mangel an Engagement aufzuzeigen, daraus einige Lösungsansätze abzuleiten sowie zu einer weiterführenden Auseinandersetzung mit dieser vielschichtigen Thematik anzuregen.
1.2 Aufbau
Im folgenden Kapitel 2 werden Schlüsselbegriffe im Sinne einer einheitlichen Verständigungsbasis erläutert. Kapitel 3 gewährt Einblick in die Motivationstheorie. Es erfolgt darin eine Auseinandersetzung mit den beiden bekanntesten inhaltstheoretischen Motivationsmodellen. Im Anschluss finden spezielle Aspekte der Motivation in Hinblick auf Freiwilligenarbeit Beachtung. Danach beschreibt und analysiert Kapitel 4 den Praxisfall. Schlussfolgerungen aus den vorangegangenen Ausführungen sind in Kapitel 5 dargestellt. Adäquat und praktikabel erscheinende Lösungsmöglichkeiten schließen die Betrachtungen ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Kurzexposé
1.1 Gegenstand/Abgrenzung/Ziel
1.2 Aufbau
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Eltern
2.2 Arbeit
2.3 Elternarbeit
3 Motivation
3.1 Grundlagen
3.2 Die Motivationstheorie von MASLOW
3.2.1 Kritik
3.2.2 Stellungnahme
3.3 Die Zwei-Faktoren-Theorie von HERZBERG
3.3.1 Kritik
3.3.2 Stellungnahme
3.4 Die Motivation freiwillig Engagierter
4 Das Praxisgeschehen
4.1 Beschreibung
4.2 Analyse
5 Lösungsmöglichkeiten/Fazit
5.1 Kommunikation/Identifikation
5.2 Integration/Sozialisation in die Elternarbeit
5.3. Arbeitsgestaltung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht aus arbeits- und organisationspsychologischer Perspektive, welche Faktoren das Engagement von Eltern in Bildungseinrichtungen beeinflussen und wie Schulen die Motivation zur Elternarbeit durch gezielte Maßnahmen steigern können.
- Analyse motivationaler Grundlagen der Freiwilligenarbeit.
- Untersuchung von Barrieren im aktuellen Praxisgeschehen.
- Ableitung von Strategien zur Förderung der Elternidentifikation.
- Bedeutung von Arbeitsgestaltung und Kommunikation für das freiwillige Engagement.
Auszug aus dem Buch
3.4 Die Motivation freiwillig Engagierter
Im Zusammenhang mit Freiwilligenarbeit ist es sinnvoll, sich für die speziellen Beweggründe freiwillig Aktiver zu interessieren. Die vorangegangenen Gestaltungsmerkmale entspringen zwar dem Bereich der Erwerbsarbeit, sie gelten jedoch auch in Bezug auf Freiwilligenarbeit, allerdings in anderer Reihenfolge: Studien zufolge steht für Freiwillige die Sinnhaftigkeit an erster Stelle, für Erwerbstätige hingegen erst an vierter Stelle. Die Sinnhaftigkeit wird zudem von Freiwilligen in Bezug auf ihre Arbeit deutlich positiv gegenüber anderen Kriterien herausgestellt. Auf dem zweiten Platz rangiert bei freiwillig Engagierten die Autonomie. (vgl. WEHNER/GÜNTERT in Schuler/Sonntag 2007, 792f)
In Studien wurde außerdem eine positive Korrelation zwischen Stärke der Rollenidentität und Zeitraum in dem sich Freiwillige engagieren nachgewiesen. Daraus lässt sich ableiten, dass man die Motivation von Menschen, die sich freiwillig für eine Sache melden, aufrechterhalten kann, indem man ihrem Bedürfnis nach Rollenidentität Rechnung trägt. So können beispielsweise Zeichen auf T-Shirts, die Freiwillige öffentlich erkennbar machen, ihre Rollenidentität zusätzlich stärken. (vgl. ZIMBARDO 2006, 686)
Die nachfolgenden Grafiken entstammen der bislang umfassendsten Repräsentativerhebung zum Thema Freiwilliges Engagement in Deutschland, die 1999 und 2004 durchgeführt wurde. Sie geben einen erweiterten Einblick in Motive und Erwartungen in Bezug auf Freiwilligenarbeit und sollen die Erklärungskraft der bisherigen theoretischen Betrachtungen bestätigen und ergänzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kurzexposé: Einführung in die Problematik des sinkenden Elternengagements vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Herausforderungen für Bildungseinrichtungen.
2 Begriffsbestimmungen: Klärung der zentralen Termini wie Eltern, Arbeit und Elternarbeit zur Schaffung einer einheitlichen Diskussionsbasis.
3 Motivation: Theoretische Fundierung durch Analyse der Ansätze von Maslow und Herzberg sowie spezifische Betrachtung der Motive von Freiwilligen.
4 Das Praxisgeschehen: Beschreibung und psychologische Analyse von konkreten Situationen in einer reformpädagogischen Schule, die den Mangel an Engagement illustrieren.
5 Lösungsmöglichkeiten/Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse mit Fokus auf Kommunikation, Identifikation und Arbeitsgestaltung zur nachhaltigen Steigerung des Engagements.
Schlüsselwörter
Elternarbeit, Motivation, Freiwilligenarbeit, Arbeitspsychologie, Organisationspsychologie, Maslow, Herzberg, Engagement, Kommunikation, Identifikation, Arbeitsgestaltung, Selbstverwirklichung, Freiwilligenmanagement, Rollenidentität, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die psychologischen Hintergründe von mangelndem Elternengagement an Schulen und sucht nach Möglichkeiten, die Motivation der Eltern aktiv zu fördern.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Arbeit verknüpft organisationspsychologische Motivationstheorien mit den spezifischen Anforderungen des freiwilligen Elternengagements.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Ursachen für den Mangel an Engagement zu identifizieren und praktikable Lösungsansätze aus der Organisationspsychologie für den Schulalltag abzuleiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse sowie der Analyse und Beschreibung von Praxisfällen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung theoretischer Motivationsmodelle (Maslow, Herzberg) und die Übertragung dieser Erkenntnisse auf ein konkretes Praxisbeispiel.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Elternarbeit, Freiwilligenmanagement, Intrinsische Motivation, Sinnhaftigkeit und Organisationskultur.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Maslow und Herzberg eine Rolle?
Die Theorien bieten unterschiedliche Ansätze zur Bewertung von Arbeitszufriedenheit, die helfen, die Bedürfnisse von freiwillig engagierten Eltern besser zu verstehen und zu bedienen.
Welche Rolle spielt die Kommunikation in dieser Arbeit?
Die Arbeit identifiziert einseitige Kommunikation als Hauptgrund für mangelnde Identifikation und plädiert für den persönlichen Dialog zur Stärkung der Bindung.
Warum wird ein Vorschlagswesen empfohlen?
Ein Vorschlagswesen soll den Bedürfnissen nach Autonomie und Mitgestaltung entgegenkommen und als Instrument dienen, um wertvolle Informationen systematisch zu erfassen.
- Arbeit zitieren
- Linda Boumediane (Autor:in), 2009, Motivation zur Elternarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187926