Was genau bedeutet Gewalt? Worin unterscheidet sie sich von Aggression? Welche Arten von Gewalt gibt es? Woher kommt Gewalt? Wie wirkt mediale Gewalt auf den Zuschauer? Löst mediale Gewalt wiederum Gewalt aus? Oder sorgt sie für Angst? Welche Rolle spielen Frauen im Gewaltgenre? Wer guckt sich Gewalt überhaupt gerne an? Wie wirkt Gewalt in den Medien speziell auf Frauen? Mit diesen (und mehr) Fragen werde ich mich in meiner Arbeit hauptsächlich beschäftigen. Im folgenden Kapitel werde ich den Gewaltbegriff definieren, zwischen Aggression und Gewalt differenzieren sowie verschiedene Formen von Gewalt vorstellen. Im dritten Kapitel erläutere ich dann verschiedene Theorien zur Entstehung von Gewalt - angefangen bei Freud bis zum lerntheoretischen Standpunkt. Mit dieser Grundlage gehe ich im vierten Kapitel auf die Medienwirkung von Gewalt ein, was die durch Horrorfilme ausgelösten Imitationseffekte, den Zusammenhang von Gewaltaffinität und Fernsehkonsum, aber auch die Wechselbeziehung zwischen Horrorfilmkonsum und Angst mit einbezieht. Danach werde ich im fünften Kapitel mediale, insbesondere Fernsehgewalt unter geschlechtsspezifischem Aspekt betrachten. Dazu ist es notwendig, zunächst Strukturen zu benennen, die zwischen beiden Geschlechtern bestehen; insbesondere solche, die auftreten, falls es zu zwischengeschlechtlicher Gewalt kommen sollte. Diese Strukturen werden später mit den zwischengeschlechtlichen Konstruktionen von Gewaltsendungen im Fernsehen vergleichen - mit z.T. unerwarteten Ergebnissen. Zum Schluss gehe ich auf das Fernsehen als Sozialisationsfaktor ein, wobei ich Gefahren anspreche, die durch medial transportierte Menschenbilder entstehen können. Andererseits werde ich mich auch kritisch mit der Haltung auseinandersetzen, Medien als hauptverantwortlich für Gewalttaten zu halten, die auf sehr viel mehr als auf bloße Medienrezeption zurückzuführen sind.
Inhaltsverzeichnis
1.EINLEITUNG
2. GEWALT ALS BEGRIFF
2.1 Zur Definition von Gewalt
2.2 Aggression und Gewalt
2.3 Verschiedene Formen von Gewalt
3. THEORETISCHE ANSÄTZE ZUR ENTWICKLUNG VON AGGRESSION
3.1 Das Psychoanalytische Triebkonzept
3.2 Die Frustrations-Aggressions-Hypothese
3.3 Die Lerntheorie
4. MEDIENWIRKUNG
4.1 Fernsehkonsum und Gewaltdisposition
4.2 Medienwirkung zweiter Ordnung
4.4 Exkurs: Fernsehgewalt und Angst
5. GEWALT UND GESCHLECHT IN DEN MEDIEN
5.1 Strukturen und Verhältnisse der beiden Geschlechter
5.2 Fernsehgewalt und Geschlecht
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Darstellung von Gewalt unter geschlechtsspezifischen Aspekten und analysiert, wie diese Inhalte durch den Zuschauer wahrgenommen und verarbeitet werden. Dabei stehen theoretische Grundlagen zur Gewaltentstehung, die Wechselwirkung von Medienkonsum und aggressivem Verhalten sowie die konstruierten Rollenbilder von Frauen und Männern im Fokus.
- Grundlagen der Begriffsbestimmung von Gewalt und Aggression
- Theoretische Erklärungsansätze für die Entstehung aggressiven Verhaltens
- Analyse der Medienwirkung und der Rolle von Fernsehkonsum
- Untersuchung geschlechtsspezifischer Gewaltstrukturen in medialen Inhalten
Auszug aus dem Buch
5.2 Fernsehgewalt und Geschlecht
Eine Analyse von Groebel/Gleich über die Beschaffenheit von Gewalt im Fernsehen weist folgende drei Tatsachen auf. Erstens: Sexualgewalt wird im Fernsehen nur sehr selten gezeigt. Zweitens: Frauen sind auf dem Bildschirm annähernd doppelt so oft als Opfer wie als Täterin dargestellt. Drittens: Fiktive Gewalt findet größtenteils zwischen Männern statt. (Vergl. Groebel/Gleich 1993, in Röser 2000: 93)
Diese Befunde erinnern stark an die allgemeine Einschätzung von Gewaltstrukturen, wie sie im vorigen Abschnitt angesprochen worden ist. Obwohl Frauen insbesondere in gewaltthematischen Sendungen sehr viel seltener als Männer vorkommen, haben sie als Opfer trotzdem meist eine große Bedeutsamkeit: Denn mit der Brutalität und Massivität der Gewalttat steigt gleichwohl auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Opfer eine Frau ist. Außerdem werden Frauen im Gewalt Genre – sofern sie denn überhaupt auftreten - mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit zum Opfer. (Vergl. Röser/Kroll 1995, in Röser 2000: 94)
Kapitelzusammenfassungen
1.EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die zentralen Forschungsfragen zur Gewalt in den Medien sowie deren Auswirkung auf den Zuschauer und die geschlechtsspezifische Rollenverteilung dar.
2. GEWALT ALS BEGRIFF: Dieses Kapitel erläutert den Gewaltbegriff, differenziert zwischen Aggression und Gewalt und strukturiert verschiedene Gewaltformen anhand von Begriffsdichotomien.
3. THEORETISCHE ANSÄTZE ZUR ENTWICKLUNG VON AGGRESSION: Hier werden das psychoanalytische Triebkonzept, die Frustrations-Aggressions-Hypothese und die Lerntheorie als fundamentale Erklärungsansätze für die Entstehung von Aggression vorgestellt.
4. MEDIENWIRKUNG: Das Kapitel analysiert den Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Gewaltdisposition, diskutiert Imitationseffekte sowie die Rolle von Angst bei der Rezeption gewalttätiger Medieninhalte.
5. GEWALT UND GESCHLECHT IN DEN MEDIEN: Der Hauptteil untersucht die geschlechtsspezifischen Machtstrukturen sowie die mediale Inszenierung von Frauen und Männern in Gewaltkontexten.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Sozialisationswirkung des Fernsehens sowie die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit medialen Frauen- und Männerbildern.
Schlüsselwörter
Gewalt, Aggression, Medienwirkung, Fernsehkonsum, Geschlechterrollen, Sozialisation, Fernsehgewalt, Horrorfilme, Imitationseffekt, Gewaltprävention, Psychologie, Medienrezeption, Geschlechtsunterschiede.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der medialen Darstellung von Gewalt und analysiert, welchen Einfluss diese auf das Verhalten und die Wahrnehmung der Zuschauer nimmt, insbesondere unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition von Gewalt und Aggression, theoretische Modelle zur Entstehung von Gewalt, die Wirkung von Fernsehgewalt sowie die spezifische Darstellung von Frauen und Männern in medialen Gewaltkontexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen medialer Gewaltdarstellung, individueller Gewaltaffinität und der gesellschaftlichen Konstruktion von Geschlechterrollen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse sowie die Auswertung bestehender sozialwissenschaftlicher Studien und empirischer Erkenntnisse aus der Medienforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben theoretischen Grundlagen der Aggressionsforschung insbesondere die Wirkung von Gewalt im Fernsehen sowie die geschlechtsspezifische Inszenierung von Gewaltopfern und -tätern detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Mediengewalt, Aggression, Geschlechterrollen, Sozialisation, Fernsehkonsum und Rezeptionsforschung.
Wie werden Frauen in medialen Gewaltdarstellungen typischerweise porträtiert?
Studien zeigen, dass Frauen im Fernsehen überproportional häufiger als Opfer dargestellt werden, wobei ihre Rolle oft auf die Inszenierung von Angst, Leid und Ohnmacht reduziert wird.
Was bedeutet der Begriff der "Sexualisierung" in diesem Kontext?
Jutta Röser beschreibt damit den Umstand, dass in vielen Gewaltdarstellungen die Geschlechtszugehörigkeit einer Frau zur zentralen Ausgangsbasis für den Handlungsverlauf wird, wodurch Gewalt gegen Frauen oft einen sexualisierten Kontext erhält.
- Arbeit zitieren
- Janine Thomas (Autor:in), 2003, Gewalt in den Medien unter geschlechtsspezifischem Aspekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18798