Das Mittelfeld im Deutschen hat einen hohen Grad an Variation in der Konstituentenabfolge. Die Erfassung dieses Phänomens stellt für viele Grammatiken eine Schwierigkeit dar. Grammatiken sind gefordert, sowohl die Flexibilität der Konstituentenabfolge zu erfassen, als auch ungrammatische Abfolgen auszuschließen. Diesen Anforderungen versucht die Performance Grammar aus einer psycholinguistischen Perspektive zu entsprechen. Durch die Implementierung der Prinzipien der Inkrementalität und der Late Linearisierung kann die Performance Grammar das Phänomen des Scramblings adäquat erfassen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. SCRAMBLING ALS ALLGEMEINES WORTSTELLUNGSPHÄNOMEN
2.1. WAS IST SCRAMBLING?
2.2. SCRAMBLING IN ANSÄTZEN UND THEORIEN
2.3. ZWISCHENFAZIT
3. WORTSTELLUNGSVARIATIONEN IM DEUTSCHEN MITTELFELD
3.1. DEFINITION DES SCRAMBLING IM DEUTSCHEN
3.2. ABFOLGEN IM DEUTSCHEN MITTELFELD
3.2.1. SYNTAKTISCHE KRITERIEN
3.2.2. NICHT-SYNTAKTISCHE KRITERIEN
3.3. ZWISCHENFAZIT
4. PERFORMANCE GRAMMAR
4.1. GRUNDLAGEN DER PERFORMANCE GRAMMAR
4.1.1. Hierarchie
4.1.2. Linearisierung
4.2. PERFORMANCE GRAMMAR UND SCRAMBLING
4.3. ZWISCHENFAZIT
5. IMPLEMENTIERUNG VON PSYCHOLINGUISTISCHEN PRINZIPIEN IN DER PERFORMANCE GRAMMAR
5.1. PRINZIP DER INKREMENTALITÄT
5.2. PRINZIP DER LATE LINEARISIERUNG
6. DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Scramblings im deutschen Mittelfeld aus einer psycholinguistischen Perspektive. Ziel ist es zu zeigen, dass die Performance Grammar (Kempen & Harbusch, 2002) durch ihre Zwei-Ebenen-Architektur und die Anwendung psycholinguistischer Prinzipien in der Lage ist, die Wortstellungsflexibilität des Deutschen adäquat zu erfassen und als Evidenz für eine inkrementelle Satzproduktion zu dienen.
- Grundlagen des Scramblings als universelles Sprachphänomen
- Analyse der Wortstellungsregularitäten im deutschen Mittelfeld
- Funktionsweise der Performance Grammar (Hierarchisierung und Linearisierung)
- Einbettung der Prinzipien Inkrementalität und Late Linearisierung
- Diskussion der psycholinguistischen Plausibilität des Modells
Auszug aus dem Buch
4.1.2. Linearisierung
Die zweite Ebene der Performance Grammar ist die Linearisierung. In dieser ist mit jedem lexikalischen Rahmen ist eine Topologie assoziiert, die eine feste Anzahl an Positionen für die Konstituenten spezifiziert (Harbusch & Kempen, 2006, S.10; Harbusch & Kempen, 2002, S. 5; Kempen & Harbusch, 2002b; S.2, Kempen & Harbusch, 2002c, S.6). In diese Positionen werden die Äste der lexikalischen Rahmen von links nach rechts zugewiesen (Kempen & Harbusch, 2002b, S.4; Harbusch & Kempen, 2006, S.10). Diese Zuweisung erfolgt mittels Linearisierungslinks zwischen den kategorialen Knoten in der Hierarchie und den Positionen in der Topologie (Kempen & Harbusch, 2002a, S.5).
Eine Topologie liefert Platz für alle grammatischen Funktionen, die durch Konstituenten gefüllt werden können (Kempen & Harbusch, 2002b, S.5; Kempen & Harbusch, 2002c, S.7). Dabei hat jede Konstituente eine kleine Anzahl von Landemöglichkeiten, den Slots (Harbusch & Kempen, 2006, S.10). Die Wahl des Slots ist, abgesehen von der grammatischen Funktion, auch abhängig von der Form der Konstituente (Harbusch & Kempen, 2006, S.1; Kempen & Harbusch, 2002a, S.5; Kempen & Harbusch, 2002b, S.5; Kempen & Harbusch, 2002c, S.7).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Phänomen Scrambling, die Problematik freier Wortstellung für Syntaxtheorien und die Zielsetzung der Arbeit.
2. SCRAMBLING ALS ALLGEMEINES WORTSTELLUNGSPHÄNOMEN: Definition von Scrambling als universelles Phänomen und Erörterung verschiedener Ansätze wie Bewegungs- und basisgenerierte Theorien.
3. WORTSTELLUNGSVARIATIONEN IM DEUTSCHEN MITTELFELD: Spezifizierung des Scramblings für das Deutsche und Darstellung syntaktischer sowie nicht-syntaktischer Abfolgetendenzen.
4. PERFORMANCE GRAMMAR: Vorstellung des Grammatikformalismus von Kempen & Harbusch, unterteilt in Hierarchisierung und Linearisierung.
5. IMPLEMENTIERUNG VON PSYCHOLINGUISTISCHEN PRINZIPIEN IN DER PERFORMANCE GRAMMAR: Diskussion der Rolle von Inkrementalität und Late Linearisierung für die psycholinguistische Plausibilität.
6. DISKUSSION: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Zusammenfassung des Beitrags der Performance Grammar zur Erfassung des deutschen Scramblings.
Schlüsselwörter
Scrambling, Mittelfeld, Performance Grammar, psycholinguistische Prinzipien, Inkrementalität, Late Linearisierung, Wortstellung, Konstituentenabfolge, Satzproduktion, Syntax, Grammatikformalismus, Basisabfolge, Flexibilität, Mobilés, Topologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Herausforderung, die freie Wortstellung (Scrambling) im deutschen Mittelfeld linguistisch zu beschreiben und zu formalisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse von Wortstellungsregularitäten, der Aufbau der Performance Grammar und die Einbindung psycholinguistischer Prozesse in die Grammatiktheorie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Performance Grammar durch ihre zwei Ebenen – Hierarchisierung und Linearisierung – das Scrambling effizient erfassen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein modelltheoretischer Ansatz gewählt, der die Performance Grammar auf Basis psycholinguistischer Annahmen wie der inkrementellen Verarbeitung und Late Linearisierung evaluiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Scramblings im Deutschen, die detaillierte Beschreibung der Performance Grammar sowie die Diskussion der darin implementierten Prinzipien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Scrambling, Performance Grammar, Inkrementalität, Late Linearisierung und deutsche Satzstruktur.
Was versteht man unter dem "Mobilé" in der Performance Grammar?
Ein Mobilé ist ein ungeordneter Strukturbaum, der die hierarchischen Beziehungen zwischen Konstituenten abbildet, ohne sie bereits linear zu positionieren, was für die spätere Flexibilität essenziell ist.
Warum ist das "First-in-first-out"-Prinzip wichtig für das Modell?
Es erklärt, warum bestimmte Satzglieder schneller linearisiert werden als andere, was als Auslöser für die Variationen im Mittelfeld fungiert und syntaktische Sonderregeln teilweise überflüssig macht.
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- Master of Arts Stefanie Heberling (Author), 2010, Performance Grammar - Zur Erfassung des Scramblings im deutschen Mittelfeld durch psycholinguistische Prinzipien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188025