Das Menschenbild bei Sigmund Freud - mit besonderem Fokus auf das Geschlechterverständnis


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einführung
1.1 Darstellung des Hausarbeitsthemas
1.2 Biographische Daten Sigmund Freuds

2 Das Geschlechterverständnis Sigmund Freuds
2.1 Verständnis der Bergriffe „männlich“ - „weiblich“
2.2 Das Konzept der Bisexualität
2.3 Die Männlichkeit
2.3.1 Die Geschlechtsidentitätsentwicklung beim Jungen
2.3.2 Das männliche Über-Ich
2.4 Die Weiblichkeit
2.4.1 Die Geschlechtsidentitätsentwicklung beim Mädchen
2.4.2 Das weibliche Über-Ich

3 Geschlechterdifferenzen
3.1 Die Gemeinsamkeiten zwischen Männern und Frauen
3.2 Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen

4 Feministische Kritik am Phallozentrismus

5 Abschließende Gedanken

1 Einführung

Das Menschenbild bildet die Grundlage eines jeden pädagogischen Handelns. Dieses Menschenbild leitet das erzieherische Wirken, es muss dem Handelnden dabei jedoch nicht bewusst sein. Die Erziehung orientiert sich, je nach dem zugrundeliegenden Men- schenbild, an unterschiedlichen Prinzipien und Maximen. (vgl. Gudjons 1997, S.177) Wer das Kind beispielsweise auf Basis von Sigmund Freuds Psychoanalyse erziehen will, sieht es als triebgesteuertes Wesen, in dessen Innerem verborgene, psychische Vorgänge ablaufen. Eine derart orientierte Erziehung wird also anders ablaufen, als bei- spielsweise eine die am Behaviorismus ausgerichtet ist. Denn diese verstehen das Kind (ebenso wie den Erwachsenen) als „black-box“, die nur auf äußere Reize reagiert.

1.1 Darstellung des Hausarbeitsthemas

Sigmund Freud zählt zu einem der umstrittensten und gleichzeitig der hochbejubeltsten Theoretiker und Denker des vergangenen 20sten Jahrhunderts. Er ist der Begründer der Psychoanalyse, einer Richtung der Psychologie, die sich auf die Erforschung un- bewusster psychischer Abläufe konzentriert. Allerdings wurde die Psychoanalyse häufig auf Grund ihrer Ausrichtung der Geschlechtsentwicklung auf das männliche Geschlecht, der sogenannte „phallische Monismus“, damals wie heute kritisiert. (vgl. Quindeau 2008, S.43),

In dieser Hausarbeit möchte ich mich eingehender mit der Frage beschäftigen, wie sich für Sigmund Freud Männlichkeit und Weiblichkeit darstellt, was sie voneinander unterscheidet und was ihnen gemeinsam ist.

Beginnen möchte ich mit einer Darstellung der Begrifflichkeiten „männlich“ und „weib- lich“. Anschließend werde ich Freuds Konzept der Bisexualität und sein Ver-ständnis sowie die Entwicklung von Männlichkeit und Weiblichkeit ausführen. Abrunden werde ich das Thema durch eine Darlegung der Differenzen zwischen den Geschlechtern und einen kurzen Ausblick auf die geschlechterspezifische Theorie-entwicklung jenseits von Freud.

Entschieden habe ich mich für diesen Aspekt des Menschenbildes um für mich und den geneigten Leser darzulegen, ob die vor allem feministische Kritik am Freudschen „Phallozentrismus“ nachvollziehbar und sinnvoll ist.

1.2 Biographische Daten Sigmund Freuds

Am 6. Mai 1856 wird Sigismund Freud in Freiberg in Tschechien als Sohn des jüdi- schen Textilkaufmanns Jacob Freud und dessen Frau Amalia geboren. Seine Familie zieht bald darauf nach Wien um. Im Jahr 1873 beginnt er dort an der Universität ein Studium der Medizin und promoviert in diesem Fach 1881. Im Jahr 1885 habilitiert er ebenfalls in Wien im Fach Neuropathologie. Neben einigen Jahren der Tätigkeit als Dozent an eben dieser Universität, beobachtet Freud die Behandlung von Frauen die unter sogenannter Hysterie leiden. Durch Jean-Martin Charcot an der Pariser Nerven- klinik Salpêtrière macht Freud die Ergebnisse dieser Behandlungen dem deutsch- sprachigen Raum zugänglich. Im Jahr 1900 erscheint Freuds Werk die „Traumdeutung“, in dem er grundlegende Begriffe der Psychoanalyse einführt. Zu seinen Hauptschriften zählen das 1905 erschienene Buch „Drei Abhandlungen der Sexualtheorie“, 1913 „To- tem und Tabu“ und 1920 „Jenseits des Lustprinzips“. 1938 wird Freud auf Grund des um sich greifenden Nationalsozialismus nach Großbritannien ins Exil verbannt, wo er dann am 23. September 1939 in Folge eines langen Krebsleidens in London verstirbt. (vgl. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/FreudSigmund/index.html)

2 Das Geschlechterverständnis Sigmund Freuds

Freud’s Theoriebildung ist dadurch charakterisiert, dass er die soziologischen Begriffe Mann und Frau praktisch kaum verwendet und an ihrer Stelle die Begrifflichkeiten von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ setzt. Dabei beschreiben diese Begriffe Persönlich- keitsanteile, die in bestimmten Mischverhältnissen bei jedem Einzelnen vorhanden sind. Die letztendliche Differenzierung zwischen Mann und Frau setzt für Freud erst mit der Pubertät ein, weshalb er es auch lange Zeit nicht für notwendig erachtete, sein Konzept von der Entwicklung geschlechtsspezifisch zu differenzieren. (vgl. Quindeau 2008, S.42)

Jedoch sieht Freud die männliche bzw. weibliche Anlage schon beim Kind vorhanden. Die Pubertät stellt für ihn schließlich die Zeit der scharfen Trennung des männlichen und weiblichen Charakters dar, der die weitere Lebensgestaltung jedes einzelnen Individuums prägt. (vgl. Freud 1972, S.123)

2.1 Verständnis der Bergriffe „männlich“ - „weiblich“

Für Sigmund Freud stellen sich die Bergriffe männlich und weiblich als in der Wissen- schaft sehr verworren dar, weshalb er sie für ein besseres Verständnis in drei Teilaspek- te zerlegte. Der erste Aspekt ist der, der Aktivität und Passivität, welcher für Freud und damit auch die Psychoanalyse den wesentlichen Gesichtspunkt repräsentiert. Das Männ- liche wird dabei als das Aktive, das Weibliche als das Passive angesehen. Den zweiten Gesichtspunkt stellt für ihn der Biologische dar, der sich durch die „Anwesenheit der Samen-, respektive[n] Eizelle und durch die von ihnen ausgehenden Funktionen charak- terisiert“(Freud 1905, zit. n. Quindeau 2008, S.43). Die dritte und letzte Facette der Begrifflichkeiten bildet die Soziologische, die die Wahrnehmung der real existierenden männlichen und weiblichen Individuen einschließt. (vgl. Quindeau 2008, S.43)

2.2 Das Konzept der Bisexualität

Freud verweist im Zusammenhang des soziologischen Aspekts der Begriffe männlich und weiblich darauf, dass eine reine Männlichkeit oder Weiblichkeit im psycho- logischen oder biologischen Sinn nicht besteht, sondern dass es vielmehr zu einer Ver- mischung von „männlichen und weiblichen Zügen im Individuum“ (Quindeau 2008, S.44) kommt. Er übt demnach Kritik an der Vorstellung, dass es eine klare Unter- scheidung zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen gibt und formuliert eine Lehre von der Bisexualität.

Die Kernaussage dieser Lehre ist, dass jedes Individuum Sexualwünsche hegt und dem- entsprechende Verhaltensweisen zeigt, die eigentlich dem Gegengeschlecht zuge- wiesen sind. Außerdem unterstellt Freud in diesem Rahmen, dass jede Person, wenn auch teilweise nur unbewusst, nicht nur heterosexuelle, sondern auch homosexuelle Objekte zur Triebbefriedigung auswählt. Freud geht sogar soweit, dass er eine bei jedem Menschen vorhandene anatomische Bisexualität proklamiert, die sich in rudimentären Überbleibseln des jeweils anderen Geschlechts an jedem Körper ausmachen lässt. Er nimmt also eine ursprünglich bisexuelle Veranlagung an, aus der sich im Verlauf der Entwicklung die Monosexualität erst herauskristallisiert hat. (vgl. Köhler 1993, S.59) Für die Entwicklungstheorie in der Psychoanalyse bedeutet dies, dass Freud von einer „konstitutionellen Bisexualität“ jedes Menschen bei der Geburt ausgeht. Damit ist ge- meint, dass das neugeborene Kind psychisch zunächst beide Geschlechtsanlagen besitzt und erst im Verlauf seiner Genese, durch Verdrängung der gegenge-schlechtlichen An- teile, seine jeweilige eindeutige Geschlechtsidentität erwirbt. (vgl. Quindeau 2008, S.45)

Freud sieht das Konzept der Bisexualität als etwas Grundlegendes, um die Geschlechtsäußerungen von Mann und Frau verstehen zu können. (vgl. Freud 1972, S.124)

2.3 Die Männlichkeit

Die Männlichkeit ist für Freud gleichbedeutend mit dem Begriff der Aktivität. Sie wird repräsentiert durch den Penis als sichtbares Geschlechtsmerkmal. Der Mann stellt sich als Penisbesitzender und damit gegenüber der Frau als penisloses Wesen überlegen dar. Er beherrscht und besitzt die Frau, begehrt und liebt sie. (vgl. Rohde-Dachser 1996, S.123)

Seine Rolle in der Gesellschaft ist durch Männlichkeit charakterisiert und folgt dem männlichen Ideal des unpersönlichen, unerbittlichen Bürgers, der sich stets den Not- wendigkeiten des Lebens unterwirft. (vgl. Freud 1972, S.266) Allerdings räumte schon Freud seiner Zeit ein, dass „auch die Mehrzahl der Männer hinter dem männlichen Ideal zurückbleibt […] und daß [sic!] die reine Männlichkeit und Weiblichkeit theoretische Konstruktionen […] mit ungesichertem Inhalt“ (Freud 1972, S.266) seien.

2.3.1 Die Geschlechtsidentitätsentwicklung beim Jungen

Den Ausgangspunkt der Entwicklungslinie der Geschlechtsidentität1 bildet beim Jungen und beim Mädchen die gleiche Situation: beide sind Bestandteil einer Zwei- Generationen -Familie, bestehend aus Vater, Mutter und eventuell noch anderen Ge- schwistern. Für Freud ist diese Gegebenheit in jedem Fall selbstverständlich. Außerdem erfährt das Kind auf dieser Entwicklungsstufe höchsten Lustgewinn durch Berührung und Spiel an seinen Genitalien, weshalb diese Phase auch genitale Phase genannt wird. (vgl. Tillmann 2004, S.65)

Der Junge, der zu dieser Zeit durch die manuelle Beschäftigung mit seinem Penis Triebbefriedigung erfährt, tritt mit der Mutter als begehrtes Liebesobjekt und dem Wunsch mit ihr sexuell in Kontakt zu treten, in die anschließende ödipale Situation ein.2 Die klassische ödipale Situation stellt sich beim Jungen folgendermaßen dar, der Vater verkörpert einerseits einen Nebenbuhler um die Gunst der Mutter, andererseits ein Lie- besobjekt, wobei nun die Mutter im Weg ist. Bald jedoch macht das männliche Kind die Erfahrung, dass die Erwachsenen mit diesem genitalen Spiel nicht einverstanden sind und ihm bei andauernder Betätigung mit Kastration drohen.

[...]


1 Geschlechtsidentität ist der Oberbegriff der Kategorien „Kern-Geschlechtsidentität“, d.h. die Selbstbestimmung des Individuums über seine biologische Männlichkeit oder Weiblichkeit, und „Geschlechtsrollenidentität“, d.h. die Selbsteinschätzung des Einzelnen bezüglich seiner Psychischen Männlichkeit oder Weiblichkeit. (vgl. Quindeau 2008, S.46)

2 Der Übergang von genitaler zu ödipaler Phase ist nicht eindeutig. Vielmehr ist es so, dass zum Ende der genitalen Phase (2.-5. Lebensjahr) die ödipale Situation und der Ödipuskomplex durch das Kind bewältigt werden muss. (vgl. Tillmann 2004, S.65)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Menschenbild bei Sigmund Freud - mit besonderem Fokus auf das Geschlechterverständnis
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V188047
ISBN (eBook)
9783656117322
ISBN (Buch)
9783656132509
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sigmund Freud, Menschenbild, Geschlechterverständnis
Arbeit zitieren
Julia Erdmann (Autor:in), 2009, Das Menschenbild bei Sigmund Freud - mit besonderem Fokus auf das Geschlechterverständnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188047

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