Identische Begriffe für das Gleiche? Sind Männlichkeiten gemachte, moderne Erscheinungen oder sind sie eine Entwicklung der Zeit?

Zu: Robert W. Connels „Der gemachte Mann“


Essay, 2009
5 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

In Robert W. Connels „Der gemachte Mann“ ist nicht von Männern oder Männlichkeit die Rede, sondern von Männlichkeiten. Damit spezifiziert er Männer und Männlichkeiten, da Männlichkeit selbst sich nicht mehr als gesellschaftlich konstruierte Kategorie definieren lässt, so dass es zu dieser neuen der Männlichkeiten kommt.

Männlichkeit bzw. Männlichkeiten ist/ sind kein kohärenter Zustand oder Gegenstand, an dem man eine generalisierende Wissenschaft entwickeln konnte, sondern vielmehr ein Aspekt einer umfassenden Struktur. Damit man die Position der Männlichkeiten darin entschlüsseln kann, muss man diese Struktur aufschlüsseln. Grundsätzlich aber betont Connell, dass es keine echte ursprüngliche Männlichkeit gibt und Männlichkeiten daher historisch und kulturell unterschiedlich ist. Männlichkeiten existierten nur innerhalb eines komplexen Geschlechterverhältnisses, so dass es auch Kulturen gibt, die kein westliches vergleichbares Männlichkeitskonzept haben. Wenn man von Männlichkeiten spricht, stellt man zugleich auf kulturelle und spezifische Weise auch die Begriffe Weiblichkeit und Geschlecht her. Connell verfolgt mit seinen Forschungen einen emanzipatorischen Ansatz und möchte zu einem Wandel der hegemonialen Männlichkeit und des nach wie vor hierarchischen Geschlechterverhältnisses beitragen. Die heutigen Männlichkeitskonzepte reichten zurück in die Zeit der Reformation und des frühen Kolonialismus und sind durch vier maßgebliche Faktoren geprägt: 1. Das Zurückdrängen des Katholizismus, wodurch das Askese-Ideal durch ein Ehe-Ideal ersetzt und Individualität und damit die Vorstellung des autonomen Subjekts forciert worden sei. 2. Das Entstehen von Kolonialreichen, in die zunächst Männer auswanderten. 3. Das Anwachsen der Städte und das Entstehen von Handelszentren, die durch radikale Individualität und berechnende Rationalität als Grundlage des "Geist des Kapitalismus" geprägt sind. 4. Ein "großangelegter europäischer Bürgerkrieg".

Unabhängig davon spricht man aber erst seit kurzem von Männlichkeit. Bis in das 18. Jahrhundert wurde nur von Männern und Frauen gesprochen. Grundannahme bei der Theorie von Männlichkeiten ist, dass in einem Land bzw. einer Kultur immer mehrere Arten der Männlichkeit vorhanden sind. Die Konzepte von Männlichkeit sind nicht statisch, sondern unterliegen einem permanenten Konstruktionsprozess. Das Modell des Patriarchat ist nach Connell Legitimation für "hegemoniale Männlichkeit". Hegemonie ist aber nicht gleichzusetzen mit absoluter Kontrolle oder Macht. Hegemoniale Männlichkeit gibt den Anspruch auf Autorität, aber nicht auf direkte Gewalt bzw. Herrschaft. Die gegenwärtige hegemoniale Männlichkeit ist durch technisches Know-how oder Befehlsgewalt, die auch zusammen wirkten, bestimmt. Daneben gibt es untergeordnete, komplizenhafte und marginalisierte Männlichkeiten. Zu diesen untergeordneten Männlichkeiten zählt Connell insbesondere die homosexuellen Männlichkeiten, da diese Jungen und Männer oftmals durch Worte ausgegrenzt werden, so dass sie zu den untergeordneten Männlichkeiten zählen.

Neben diversen Konzepten der Männlichkeiten gibt es für diese auch verschiedene Definitionen. Dazu gehört die Definition der positivistischen Sozialwissenschaftler, die sagen, dass männlich all das ist, was Männern entspreche. Bei der normativen Definition erkennt man die Unterschiede und bietet einen normativ geltenden Standard. Männlichkeit ist, wie Männer sein sollen. Des Weiteren wird Männlichkeit bei den semiotischen Ansätzen als all das, was nicht weiblich idz, definiert. All diese Definitionen treffen Männlichkeiten aber nur sehr ungenau. Man sollte daher beachten Männer und auch Frauen ein vergeschlechtlichtes Leben führen zu lassen. Im Speziellen bedeutet dies, dass Männlichkeit eine Position im Geschlechterverhältnis ist, in dem Männer und Frauen dabei verschiedenen Praktiken einnehmen, die wiederum diverse Auswirkungen auf die körperliche Erfahrung, Persönlichkeit und Kultur haben. Beiden Geschlechtern, Männlichkeit und Weiblichkeit, liegt das soziale Geschlecht zugrunde. Dieses ist durch eine Art und Weise definiert, in der die soziale Praxis geordnet sei. Das bedeute, dass körperliche Strukturen und menschliche Reproduktionsprozesse definiert sind, wozu man unter anderem auch sexuelle Erregung und Geschlechtsverkehr sowie Geschlechtlichkeit selbst zähle. Geschlechtlichkeit bezieht sich dabei allerdings dauerhaft auf den Körper.

Bei der Struktur des sozialen Geschlechts, das die gesamte soziale Praxis mit dem sozialen Geschlecht verknüpft, trifft man auf innere Widersprüche und historische Brüche. Die Folge dessen ist, dass es diverse Unterteilungen geben muss, die man als Machtbeziehungen, Produktionsbeziehungen und Kathexis unterscheiden muss. Diese bieten wiederum Ansatzpunkte für die Analyse von Männlichkeiten. So zählt man zu den Machtbeziehungen zum Beispiel die Dominanz von Männern und die Unterordnung von Frauen, trotz Beständiger Widerstände des Feminismus. Zu den Produktionsbeziehungen zählt man die geschlechtlichen Arbeitsteilungen als vertraute Form der Aufgabenzuweisung, aber ebenso das kapitalistische Wirtschaftssystem, das aufgrund geschlechtlicher Arbeitsteilung funktioniert, somit aber auch einen geschlechtsbezogenen Akkumulationsprozess mit sich bringt. Weiter folgt die Kathexis bzw. emotionale Bindungsstruktur, zu der das sexuelle Begehren sowie die Praktiken, die dieses innerhalb der Geschlechterordnung formen und realisieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Identische Begriffe für das Gleiche? Sind Männlichkeiten gemachte, moderne Erscheinungen oder sind sie eine Entwicklung der Zeit?
Untertitel
Zu: Robert W. Connels „Der gemachte Mann“
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
5
Katalognummer
V188073
ISBN (eBook)
9783656116011
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
identische, begriffe, gleiche, sind, männlichkeiten, erscheinungen, entwicklung, zeit, robert, connels, mann
Arbeit zitieren
Janina Bolz (Autor), 2009, Identische Begriffe für das Gleiche? Sind Männlichkeiten gemachte, moderne Erscheinungen oder sind sie eine Entwicklung der Zeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188073

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Identische Begriffe für das Gleiche? Sind Männlichkeiten gemachte, moderne Erscheinungen oder sind sie eine Entwicklung der Zeit?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden