Ludwig Wittgenstein veröffentlichte viele Werke, die zu Grundsteinen der Philosophie und der Sprachwissenschaft wurden. In den Philosophischen Untersuchungen und in Über Gewißheit, zwei seiner Hauptwerke, stellt er Thesen zu Sprache, Weltbild und Lebensform auf. Mit diesen soll sich diese Arbeit beschäftigen. Die Sprache ist ein zentraler Ausgangspunkt für L. Wittgensteins Weltbild. Sie ist Mittel und sozialer Aspekt in der Lebensform und notwendig, um in einer Gemeinschaft leben zu können. In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die beiden wichtigsten Werke im Bezug auf L. Wittgensteins Thesen zu Sprache und Sprachspielen vorgestellt und danach die zentralen Begriffe erläutern. Im Anschluss sollen die Thesen L. Wittgensteins mit denen Charles Taylors verglichen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Ludwig Wittgenstein
2. Philosophische Untersuchungen und Über Gewißheit
2.1. Die Werke
2.2. Zentrale Begriffe
2.2.1. Sprachspiel und Lebensform
2.2.2. Weltbild und Mythologie
2.2.3. Familienähnlichkeit und Privatsprache
3. Vergleich mit Taylors Thesen
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Verhältnis von Sprache, Weltbild und Lebensform im Denken von Ludwig Wittgenstein und setzt seine Thesen in einen vergleichenden Kontext zu den philosophischen Ansätzen von Charles Taylor.
- Analyse der zentralen Wittgensteinschen Begriffe: Sprachspiel, Lebensform und Weltbild.
- Untersuchung der Bedeutung der Praxis für die Sprachphilosophie.
- Vergleich der Konzepte von Wittgenstein und Taylor hinsichtlich moralischer Wertungen und Identität.
- Beleuchtung der Rolle von Sprache als Fundament sozialen Handelns.
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Sprachspiel und Lebensform
Zwei der zentralsten Begriffe in Wittgensteins Werken sind die des Sprachspiels und der Lebensform. L. Wittgenstein definiert Wörter als Werkzeuge: so wie in einem Werkzeugkasten verschiedene Materialien zu finden sind, die sich in gewisser Weise ähneln, sind auch in der Sprache verschiedene Worte zu finden, die alle einem Zweck dienen. Die Namensgebung der verschiedenen Dinge findet durch Bezeichnung und Benennung statt. Die Sprache selbst besteht nur aus Befehlen und man kann sie als Stadt ansehen. „Sie ist ein Gewinkel von Gäßchen und Plätzen, alten und neuen Häusern, und Häusern mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten; und dies umgeben von einer Menge neuer Vororte mit geraden und regelmäßigen Straßen und mit einförmigen Häusern.“
Der Begriff Sprachspiel beschreibt die vielen, verschiedenen Arten des Zeichen-, Wort- und Satzgebrauchs. L. Wittgenstein „will diese Spiele Sprachspiele nennen, und von einer primitiven Sprache manchmal als einem Sprachspiel reden.“ Sprachliche Äußerungen können von kleinen Lauten wie „Aua“ oder „Platte!“ bis zu komplexen Sätzen oder gar kompletten sprachlichen Systemen reichen. Dabei ist jede sprachliche Äußerung in die Praxis, also das Handeln eingebettet. Die Bedeutung der Sprache ist also abhängig davon, welche Handlung man mit Wörtern, Begriffen oder Sätzen ausführt und in welcher Situation man sich äußert. „Das Wort Sprachspiel soll hier hervorheben, daß das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform.“ Sprache und Tätigkeit sind für Wittgenstein also nicht separat denkbar.
Stimmen die Menschen in einer Sprache überein, dann stimmen sie auch in einer Lebensform überein, denn „[…] eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen.“ Sprachspiel und Lebensform unterstreichen beide die Bedeutung des Aktiven und der Praxis. Sprachliches und Nicht-sprachliches bedingen einander und sind Elemente von Handlungsweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Ludwig Wittgenstein: Die Einleitung skizziert die biographischen Hintergründe Wittgensteins und führt in die zentralen Themen der Arbeit ein, insbesondere die Bedeutung von Sprache und Lebensform.
2. Philosophische Untersuchungen und Über Gewißheit: Dieses Kapitel stellt die zwei Hauptwerke Wittgensteins vor und erläutert deren Bedeutung für sein Spätwerk.
2.1. Die Werke: Hier wird der methodische Übergang in Wittgensteins Philosophie beschrieben, vom frühen zeichentheoretischen Ansatz hin zum Konzept der Sprache als Werkzeuggebrauch in Sprachspielen.
2.2. Zentrale Begriffe: Das Kapitel führt die grundlegenden Konzepte ein, die für das Verständnis von Wittgensteins Sichtweise auf das Zusammenleben und die Welt nötig sind.
2.2.1. Sprachspiel und Lebensform: Erläuterung der Verwobenheit von Sprache, Handeln und menschlicher Tätigkeit, wobei Sprachspiele als eingebettete Bestandteile einer Lebensform definiert werden.
2.2.2. Weltbild und Mythologie: Analyse des Weltbildes als festes Fundament („Flussbett“-Metapher), auf dem unsere Unterscheidungen zwischen wahr und falsch beruhen.
2.2.3. Familienähnlichkeit und Privatsprache: Diskussion von Wittgensteins Absage an eine exakte ideale Sprache zugunsten der Familienähnlichkeit sowie Kritik an der Möglichkeit einer Privatsprache.
3. Vergleich mit Taylors Thesen: Durchführung eines Vergleichs zwischen Wittgenstein und Charles Taylor anhand von Begriffen wie Handelnder Mensch, Rahmen, Suchen und Überzeugung.
4. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei betont wird, dass Sprache das zentrale Instrument zur Beschreibung des gemeinschaftlichen Lebens und der Identität ist.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Charles Taylor, Sprachspiel, Lebensform, Weltbild, Philosophie, Sprache, Praxis, Familienähnlichkeit, Privatsprache, Identität, Flussbett-Metapher, Mythologie, Handeln, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Wittgensteins Auffassung von Weltbild und Lebensform unter dem speziellen Aspekt der Sprache und vergleicht diese Konzepte mit denen von Charles Taylor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Sprachphilosophie, die Theorie des Sprachspiels, das Verständnis von menschlichem Handeln und die gesellschaftliche Einbettung von Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Sprache, Weltbild und Lebensform herauszuarbeiten und durch einen Vergleich mit Taylor die Relevanz dieser Themen für menschliches Handeln aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Analyse und komparative Methode, wobei Wittgensteins Spätwerk zentralen Primärquellen gegenübergestellt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Werke Wittgensteins, die Erläuterung von Schlüsselbegriffen (wie Sprachspiel und Familienähnlichkeit) sowie einen Vergleich mit Taylors Thesen zu Identität und moralischen Wertungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Sprachspiel, Lebensform, Weltbild, Privatsprache und Handeln.
Was bedeutet die Metapher des „Flussbetts“ bei Wittgenstein?
Das Flussbett dient als Metapher für unser Weltbild: Ein festes, nicht leicht zu veränderndes Fundament, welches unsere Gedanken und Ansichten leitet, aber gleichzeitig durch veränderbare Erfahrungssätze ergänzt wird.
Wie unterscheidet sich die Auffassung der Suche bei Wittgenstein und Taylor?
Bei Taylor kann die Suche eines Menschen fehlschlagen, während bei Wittgenstein der Suchende schließlich in der Lebensform zur Ruhe kommt, da er akzeptiert, dass bestimmte grundlegende Dinge nicht sinnvoll bezweifelt werden können.
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- Katrin Dietrich (Autor), 2009, Weltbild und Lebensform bei Ludwig Wittgenstein unter dem Aspekt der Sprache, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188154