Der Journalist will seine eigene und die Neugier des Publikums befriedigen.1 Diese Neugier
ist bei Forschungsergebnissen häufig sehr hoch. Privatwirtschaftlich organisierte Forschung
und öffentliche Meinung stehen in einem wechselseitigen Verhältnis. Wir möchten den
Umgang mit daraus entstehenden Informationen zeigen, also
WER?
WARUM?
WIE?
FÜR WEN?
Informationen bereitstellt (PR). Es soll verdeutlicht werden, wie in diesem Prozess den
Medien (Journalismus) Themen und Quellen angeboten werden und diese im Gegenzug den
Unternehmen eine Plattform für ihre Forschungen bieten. „Die Quelle sucht Zugang zum
Journalisten, und der Journalist sucht Zugang zur Quelle.“2 Auch das Verhältnis zu anderen
Akteuren soll dargestellt werden, um die Notwendigkeit gesellschaftlicher Legitimation und
Partizipation im Bereich der Forschung in seiner Ganzheit zu verdeutlichen. Ein offener und
transparenter Umgang mit Informationen ist für das funktionieren demokratischer Systeme
notwendig. Bevor die Kommunikation in der privatwirtschaftlichen Forschung untersucht wird, soll zuerst
der Begriff Forschung definiert werden. Neben der Bedeutung des Begriffs geht es um die
Organisation und Finanzierung von Forschung. Dabei interessiert in erster Linie die Struktur
der deutschen Forschungslandschaft, ihre Integration in den Europäischen Forschungsraum
und vor allem die Arbeit der Forscher in der Privatwirtschaft. Mit Hilfe eines Fragebogens soll
versucht werden, den Wissenstransfer in und aus der Privatwirtschaft zu analysieren. Dabei
wurden deutsche und amerikanische Unternehmen aus der Biotech- bzw. Pharmabranche
ausgewählt und befragt. Ziel ist, Gründe und Strategien der Unternehmen für ihre
Veröffentlichungen zu ermitteln. [...]
1 s. Schneider, Wolf und Raue, Paul-Josef, Handbuch des Journalismus, Rowohlt Verlag, Hamburg, 2000, S. 23.
2 Baerns, Barbara, Öffentlichkeitsarbeit oder Journalismus? Zum Einfluss im Mediensystem, o. Verlag, Köln, 1991, Vorwort.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Welche Unternehmen berichten über ihre Forschungsergebnisse?
2.1 Forschung – Begriffsbestimmung
2.1.1 Einleitung
2.1.2 Was ist Forschung?
2.1.3 Wie ist Forschung organisiert?
2.1.4 Wie wird Forschung finanziert?
2.2 Veröffentlichung von Forschungsergebnissen der Privatwirtschaft
2.2.1 Welche Unternehmen informieren über ihre Forschungsergebnisse und warum? – eine Fragebogenaktion
2.2.2 Die SCHERING AG
3 Veröffentlichung und Geheimhaltung von Forschungsergebnissen
3.1 Gründe für die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen
3.1.1 Akzeptanz
3.1.2 Corporate Identity (CI, Unternehmensidentität)
3.1.3 Image, Prestige, Reputation
3.1.4 Börse
3.2 Geheimhaltung von Forschungsergebnissen
4 Mediaplanung
4.1 Veröffentlichungen bedürfen einer Planung
4.2 Bezugsgruppen privatwirtschaftlicher Forschung
4.2.1 Was sind Bezugsgruppen?
4.2.2 Die Gesellschaft im Allgemeinen
4.2.3 Aktionäre und Analysten
4.2.4 Wissenschaftler
4.2.5 Nicht-Regierungsorganisationen
4.2.6 Der Staat
4.2.7 Journalisten als Multiplikatoren
4.3 Kanäle zu den Bezugsgruppen
4.3.1 klassische Werbung
4.3.2 Der redaktionelle Teil der Massenmedien
4.3.3 Erreichung der Massenmedien und anderer Bezugsgruppen
5 Private Forschung im Wandel
5.1 Einleitung
5.2 Was ist Kooperation?
5.3 Gründe für Forschungskooperationen
5.3.1 Gesellschaftliche Erwartungen
5.3.2 Globalisierung und internationaler Wettbewerb
5.3.3 Spezialisierung und Interdisziplinarität
5.4 Beispiele für Forschungskooperationen
5.4.1 Das Humangenom-Projekt
5.4.2 Novartis / Neuengland
5.4.3 Die Fraunhofer Gesellschaft (FHG)
5.5 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Kommunikationsprozess privatwirtschaftlich organisierter Forschung. Ziel ist es, die Wege, Muster und Strategien zu analysieren, mit denen Unternehmen ihre Forschungsergebnisse an verschiedene Bezugsgruppen vermitteln, sowie das wechselseitige Verhältnis zwischen Unternehmen, Medien und Öffentlichkeit zu beleuchten.
- Strukturen und Finanzierung der privatwirtschaftlichen Forschung
- Gründe für die Veröffentlichung sowie Geheimhaltungsstrategien
- Mediaplanung und Kanäle zur Erreichung von Bezugsgruppen
- Interessen und Rollen der Bezugsgruppen (Aktionäre, Staat, Journalisten, NGOs)
- Wandel der Forschung durch Kooperationen und Wissenstransfer
Auszug aus dem Buch
Die SCHERING AG
Exemplarisch sollen die Ergebnisse der Befragung der Abteilung Unternehmenskommunikation der SCHERING AG Berlin vorgestellt werden44.
Unternehmensstruktur:45 Die SCHERING AG gehört zu den großen Pharmakonzernen Deutschlands mit Standorten in der ganzen Welt. Die hergestellten Produkte sind überwiegend Humanarzneimittel sowie Diagnostika und Radiopharmaka. Die SCHERING AG ist eine Aktiengesellschaft und an der Börse notiert. Der Umsatz des Konzerns betrug 2002 etwa 5 Milliarden Euro.
In der SCHERING AG Deutschland arbeiten insgesamt 8.373 Mitarbeiter46 an vier verschiedenen Standorten (Berlin-Wedding, Berlin-Charlottenburg, Velten, Bergkamen). Im Bereich F+E sind 2.304 Mitarbeiter tätig. Das sind etwa 27,5% der Gesamtbeschäftigtenzahl.
In der Unternehmenskommunikation am Hauptstandort Berlin-Wedding arbeiten derzeit 32 Mitarbeiter. Weitere Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation arbeiten in den Zweigstellen: Im Werk Bergkamen arbeiten 2 (1 Pressesprecher, 1 Mitarbeiter) und in Berlin-Charlottenburg 3 Mitarbeiter (1 Pressesprecher, 2 Mitarbeiter).
Die Mitarbeiter haben zum Teil naturwissenschaftliche Abschlüsse (Chemie, Pharmazie, Veterinärmedizin u.a.) oder sind Juristen, Volkswirte und Betriebswirtschaftler. Keiner der Öffentlichkeitsarbeiter hat zwei Abschlüsse ähnlich dem Ausbildungsprofil eines Wissenschaftsjournalisten - natur- oder geisteswissenschaftlicher Abschluss in Kombination mit einer Journalismusausbildung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert das wechselseitige Verhältnis zwischen privatwirtschaftlich organisierter Forschung und öffentlicher Meinung.
2 Welche Unternehmen berichten über ihre Forschungsergebnisse?: Dieses Kapitel definiert den Begriff Forschung, analysiert deren Organisation und Finanzierung und stellt eine Fragebogenaktion bei Unternehmen der Biotech- und Pharmabranche vor.
3 Veröffentlichung und Geheimhaltung von Forschungsergebnissen: Es werden die Motive für eine Publikation sowie die Gründe für eine strategische Geheimhaltung von Forschungsergebnissen und deren patentrechtliche Hintergründe diskutiert.
4 Mediaplanung: Dieses Kapitel widmet sich der systematischen Planung von Veröffentlichungen und der gezielten Ansprache verschiedener Bezugsgruppen über geeignete Kommunikationskanäle.
5 Private Forschung im Wandel: Hier wird die zunehmende Bedeutung von Forschungskooperationen zwischen Unternehmen, Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Erwartungen und globalen Wettbewerbs untersucht.
Schlüsselwörter
Privatwirtschaftliche Forschung, Wissenschaftskommunikation, Forschung und Entwicklung, Öffentlichkeitsarbeit, Forschungskooperation, Patentrecht, Mediaplanung, Bezugsgruppen, Wissenstransfer, Pharmaindustrie, Biotechnologie, Industrieforschung, Imagebildung, Innovationsdruck, Wissenschaftsjournalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie privatwirtschaftliche Unternehmen über ihre Forschung informieren, welche Strategien sie dabei verfolgen und wie der Austausch zwischen der Forschung, den Medien und der Öffentlichkeit funktioniert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themenfelder umfassen die Definition und Organisation von Forschung, die Gründe für Veröffentlichungen und Geheimhaltungen, die Mediaplanung zur gezielten Ansprache von Bezugsgruppen sowie den aktuellen Wandel der Forschung hin zu mehr Kooperationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Kommunikationswege der Forscher in Unternehmen zu analysieren und zu verdeutlichen, wie Medien, Unternehmen und die Gesellschaft im Bereich der Forschung in einen wechselseitigen Austausch treten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert unter anderem auf einer Fragebogenaktion, die an ausgewählte deutsche und amerikanische Unternehmen aus der Biotech- und Pharmabranche versandt wurde, ergänzt durch eine Literaturanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Unternehmensstrukturen, die Analyse von Kommunikationsgründen (Akzeptanz, Börse, Image), die Mediaplanung sowie die Untersuchung von Forschungskooperationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Privatwirtschaftliche Forschung, Wissenschaftskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Forschungskooperation, Patentrecht und Mediaplanung.
Warum ist der Wissenstransfer für die SCHERING AG wichtig?
Für die SCHERING AG dient der Wissenstransfer der wissenschaftlichen Reputation der Forscher sowie dem Image des Unternehmens, wobei er in enger Abstimmung mit dem Management gesteuert wird, um Geheimhaltungsinteressen nicht zu gefährden.
Welche Rolle spielt die Geheimhaltung bei Forschungsergebnissen?
Die Geheimhaltung ist meist patentrechtlich motiviert oder dient dem Schutz vor Betriebsspionage, um den Wettbewerbsvorteil durch eigene Forschungsergebnisse und technische Entwicklungen zu sichern.
- Quote paper
- Christian Rell (Author), Barbara Urban (Author), Isabel Pasch (Author), 2003, Forschung in der Privatwirtschaft / Entstehung neuen Wissens. Wege und Muster der Kommunikation über Forschung in Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18821