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Rationierte Gesundheit

Eine gerechtigkeitsorientierte Betrachtung der Allokation knapper Gesundheitsgüter im deutschen Gesundheitssystem

Titel: Rationierte Gesundheit

Bachelorarbeit , 2011 , 85 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Dominik Fischer (Autor:in)

VWL - Gesundheitsökonomie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ausgehend von der in Expertenkreisen vielfach geteilten Meinung, dass in Zukunft das medizinisch und das finanziell Machbare zunehmend divergieren und damit Leistungsbegrenzungen in der Gesundheitsversorgung mittelfristig unumgänglich sind, stellt sich die Frage nach dem ‚Wie‘ einer Allokation knapper Gesundheitsgüter, insbesondere in Hinblick auf die Erfüllung moralischer Gerechtigkeitserwartungen und –anforderungen. Die in diesem Zusammenhang häufig genannten zentralen Begriffe Rationierung und Priorisierung beschreiben die Methoden, mit denen eine Versorgung unter Knappheit gestaltet werden kann.
Die Analyse gerechtigkeitsrelevanter ethischer Denkansätze zeigt klar, dass keine dieser Theorien für die Bewältigung komplexer realer Allokationsprobleme geeignet ist, jedoch lassen sich relevante Prinzipien einer gerechten Gesundheitsversorgung identifizieren. Alles überragend stellt sich die Gleichheit als grundlegendes Element von sozialer Verteilungsgerechtigkeit heraus, verbunden mit dem Prinzip der Lebenswertindifferenz und der unbedingt einzuhaltenden Vorrangigkeit von Bedürftigkeitskriterien vor Aspekten der Effizienz, was auch die besondere Behandlung der am schlechtesten gestellten Gesellschaftsmitglieder umfasst. Hervorstechend ist die Forderung nach der expliziten Umsetzung von Leistungsbegrenzungen, die grundlegend für die gesellschaftliche Akzeptanz derselben erscheint und auf den Prinzipien der Transparenz und Konsistenz basiert. Um die für Kriterienentwicklung und –anwendung Zuständigen moralisch zu entlasten, sollten diese so weit wie möglich anonym-abstrakt auf patientenfernen Entscheidungsebenen und unter Partizipation von potentiell Betroffenen vorgenommen werden. Als elementare Hemmnisse jeglicher Rationierungsvorhaben stellt sich die Unmöglichkeit einer objektiven Quantifizierung und Grenzziehung bezüglich menschlicher Werte und Bedürfnisse dar, die für die konsistente Anwendung expliziter Rationierungskriterien oftmals erforderlich wäre, ebenso wie die ethische Verwerflichkeit und damit Nichtanwendbarkeit einer monetären Bewertung konkreten menschlichen Lebens. Daraus folgernd lässt sich festhalten, dass speziell soziale Rationierungskriterien nicht mit moralischen Gerechtigkeitsvorstellungen vereinbar sind.





Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Thema und Fragestellung

1.2 Aufbau der Arbeit

1.3 Untersuchungsmethodik und –materialien

2. Grundlegende Betrachtungen

2.1 Das besondere Gut Gesundheit

2.2 Rationierung

2.3 Priorisierung

3. Das Entstehen von Knappheit an Gesundheitsgütern

3.1 Die Systemfrage

3.2 Knappheit im öffentlichen Gesundheitssystem

3.3 Die Verschärfung der Knappheitssituation

4. Ethische Grundpositionen – Was ist Gerechtigkeit

4.1 Soziale Gerechtigkeit in Zusammenhang mit Egalitarismus und Liberalismus

4.2 Gerechtigkeit – utilitaristische Gesichtspunkte

4.3 Zwischenfazit

5. Konzeptionelle Aspekte von Rationierung und Priorisierung

5.1 Ebenen der Rationierung

5.1.1 Makroebene I

5.1.2 Makroebene II

5.1.3 Mikroebene I

5.1.4 Mikroebene II

5.2 Formen der Rationierung

5.2.1 Explizite versus implizite Rationierung

5.2.2 Harte versus weiche Rationierung

5.2.3 Direkte versus indirekte Rationierung

5.2.4 Primäre und sekundäre Rationierung

5.3 Verfahrensprinzipien

5.3.1 Transparenz

5.3.2 Partizipation

5.3.3 Beachtung rechtsstaatlicher Aspekte

5.3.4 Einheitlichkeit

5.3.5 Nachvollziehbarkeit, Begründbarkeit

5.3.6 Revisionsoffenheit

5.3.7 Valide Datenbasis

6. Inhaltliche Rationierungskriterien

6.1 Bedürftigkeit

6.2 Effektivität

6.3 Kosteneffektivität - Effizienz

6.4 Lebensalter

6.5 Soziale Rolle, sozialer Wert

6.6 Selbstverschulden

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das gesundheitsökonomische und ethische Dilemma der Ressourcenknappheit im deutschen Gesundheitssystem. Ziel ist die Identifizierung von Rationierungsformen, -kriterien und Verfahrensprinzipien, die eine gerechte Allokation unter Berücksichtigung von Moral und Verfassung ermöglichen.

  • Grundlagen der Rationierung und Priorisierung im Gesundheitswesen.
  • Ethische Theorien zur Gerechtigkeit (Egalitarismus vs. Utilitarismus).
  • Konzeptionelle Ebenen der Rationierung von der Makro- zur Mikroebene.
  • Analyse inhaltlicher Rationierungskriterien wie Bedürftigkeit, Effizienz und Lebensalter.
  • Verfahrensprinzipien für eine transparente und akzeptable Mittelverteilung.

Auszug aus dem Buch

2.1 Das besondere Gut Gesundheit

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.

Die weite Verbreitung dieses Aphorismus gibt einen deutlichen Hinweis darauf, dass Gesundheit einen bedeutsamen Stellenwert in unser aller Leben besitzt. Gesundheit gilt als ein konditional-transzendentales Gut, d.h. sie besitzt Ermöglichungscharakter und stellt damit die Voraussetzung für die Umsetzung individueller Lebensprojekte dar (vgl. Kersting 2002, S. 42). Beeinträchtigungen dieses Gutes können schnell existenzielle Ausmaße annehmen. Das Fehlen von Gesundheit als transzendentalem Gut, beispielsweise neben dem Leben, der Freiheit und der Sicherheit, stellt eine gravierende Einschränkung für das Erlangen, das Schaffen bzw. die Nutzung oder Teilhabe an privaten und öffentlichen Gütern dar (vgl. Körtner 2006, S. 53). Aus diesen Merkmalen lässt sich ein objektiver und lebenslanger Bedarf nach dem Erhalt der Gesundheit ableiten und darüber hinaus, in einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive, auch ein Recht auf Gesundheitsversorgung und die staatliche Pflicht dafür begründen, da die Fähigkeit eines Individuums, seinen Beitrag bzw. seine Aufgabe in einer Gesellschaft zu erfüllen, mit dessen gesundheitsabhängiger Leistungsfähigkeit korreliert (vgl. Honnefelder 2007, S. 34).

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Ressourcenknappheit im deutschen Gesundheitssystem ein und definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit.

Kapitel 2 Grundlegende Betrachtungen: Hier werden zentrale Begriffe wie Gesundheit, Rationierung und Priorisierung theoretisch erörtert und abgegrenzt.

Kapitel 3 Das Entstehen von Knappheit an Gesundheitsgütern: Dieses Kapitel beleuchtet die systembedingten Ursachen der Knappheit in einem solidarisch finanzierten Gesundheitssystem.

Kapitel 4 Ethische Grundpositionen – Was ist Gerechtigkeit: Es erfolgt eine Gegenüberstellung egalitaristischer und utilitaristischer Gerechtigkeitstheorien als ethische Basis für Rationierungsentscheidungen.

Kapitel 5 Konzeptionelle Aspekte von Rationierung und Priorisierung: Untersuchung der verschiedenen institutionellen Rationierungsebenen und Verfahrensprinzipien.

Kapitel 6 Inhaltliche Rationierungskriterien: Analyse konkreter Kriterien wie Bedürftigkeit, Effektivität, Alter und Selbstverschulden hinsichtlich ihrer ethischen und juristischen Anwendbarkeit.

Kapitel 7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Erkenntnisse und der Notwendigkeit einer expliziten, transparenten Rationierungssystematik.

Schlüsselwörter

Gesundheitsökonomie, Rationierung, Priorisierung, Ressourcenknappheit, Gerechtigkeit, Egalitarismus, Utilitarismus, Gesetzliche Krankenversicherung, Gesundheit, Medizinethik, Leistungsausschluss, Verfahrensgerechtigkeit, Bedürftigkeit, Effizienz, Transparenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Bachelor-Thesis befasst sich mit der gerechten Allokation knapper Gesundheitsgüter im deutschen Gesundheitssystem, insbesondere im Hinblick auf ethische Anforderungen an Rationierung und Priorisierung.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit fokussiert auf ethische Theorien, die verschiedenen Ebenen und Formen der Rationierung sowie die methodischen Kriterien der Leistungsbegrenzung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Definition einer gerechten Rationierungssystematik, die sowohl ökonomisch sinnvoll als auch ethisch und rechtlich legitimierbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer ausführlichen und systematischen Literaturrecherche von Fachartikeln und wissenschaftlichen Sammelwerken.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretische Hintergründe, die Entstehung von Knappheit, ethische Gerechtigkeitskriterien sowie konkrete Anwendungsformen der Rationierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rationierung, Priorisierung, Gerechtigkeit, Gesundheitsökonomie und ethische Allokationskriterien geprägt.

Warum ist das "dritte Kapitel" zur Entstehung von Knappheit wichtig?

Es verdeutlicht, warum im solidarisch finanzierten System der GKV überhaupt Knappheit und damit der Bedarf an Leistungsbegrenzungen entsteht.

Welche Rolle spielt das "Kriterium der Bedürftigkeit"?

Bedürftigkeit wird als das elementare Kriterium identifiziert, das aufgrund egalitaristischer Prinzipien an der Spitze einer ethischen Rationierungskaskade stehen muss.

Warum ist eine "explizite Rationierung" der impliziten vorzuziehen?

Explizite Rationierung bietet durch ihre Transparenz und Standardisierung Rechtssicherheit und ermöglicht eine öffentliche ethische Legitimation, während implizite Rationierung oft willkürlich und verdeckt abläuft.

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Details

Titel
Rationierte Gesundheit
Untertitel
Eine gerechtigkeitsorientierte Betrachtung der Allokation knapper Gesundheitsgüter im deutschen Gesundheitssystem
Hochschule
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen
Note
2,3
Autor
Dominik Fischer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
85
Katalognummer
V188245
ISBN (eBook)
9783656120292
ISBN (Buch)
9783656119975
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rationierte gesundheit eine betrachtung allokation gesundheitsgüter gesundheitssystem
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dominik Fischer (Autor:in), 2011, Rationierte Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188245
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Leseprobe aus  85  Seiten
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