Um erfolgreiche unternehmerische Entscheidungen treffen zu können, sind prägnante und komprimierte Informationen für Manager wie Investoren unverzichtbar. Kennzahlen und Kennzahlensysteme tragen diesem Bedürfnis Rechnung und stellen in vielen Bereichen wichtige Entscheidungshilfen dar. Man unterscheidet i.d.R. traditionelle und
wertorientierte Kennzahlen. Während traditionelle Kennzahlen aus dem Jahresabschluss aufbereitete Informationen darstellen, sollen wertorientierte Größen ergänzende oder sogar ersetzende Angaben über die aktuelle wie künftige Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage eines Unternehmens liefern. Unter dem Konzept der Wertorientierung versteht man die Ausrichtung der Unternehmensführung auf Maximierung des Unternehmenswertes. Die zugehörigen Kennzahlen basieren v.a. auf Cash Flow- oder Residualgewinngrößen.
Firmen wie Finanzmärkte fokussierten zur Beurteilung der unternehmerischen Ertragskraft vornehmlich traditionelle Größen wie den Return on Investment oder Earnings per Share. Da traditionelle Kennzahlen jedoch bspw. den Zeitwert des Geldes vernachlässigen oder den für das unternehmerische Risiko übernommenen Zuschlag ignorieren, standen sie wiederholt in der Kritik. Um die ihnen anhaftenden Mängel zu überwinden und bessere Maßstäbe zur Beurteilung zu liefern, wurden zahlreiche wertorientierte Kennzahlen wie der Economic Value Added oder der Cash Value Added konzipiert. Diese Entwicklungen waren Auslöser für viele kontroverse Diskussionen, die noch bis heute anhalten. Etliche Analysen und Studien belegen divergente Meinungen über die Sinnhaftigkeit von Wertkennzahlen und ihrer Anwendung, so dass sich die Frage stellt: Welche tatsächliche Bedeutung haben wertorientierte Kennzahlen als Steuerungsgrößen in Organisationen als auch bei der Bewertung von Unternehmen auf theoretischer wie praktischer Ebene?
Zur Beantwortung dieser Frage wird in maßgeblichen Wirtschaftsjournals eine systematische Literaturanalyse durchgeführt. Anhand dieser werden sowohl theoretische als auch empirische Studien zusammengetragen, eine kategorisierte Übersicht erstellt sowie ausgewählte Arbeiten kritisch verglichen und bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung und methodisches Vorgehen
2 Grundlagen wertorientierter Kennzahlen
2.1 Historische Entwicklung wertorientierter Kennzahlen
2.2 Definition und Vorstellung ausgewählter Konzepte
2.2.1 Residualgewinn-Modell
2.2.2 Economic Value Added nach Stern/Stewart
2.2.3 Cash Value Added nach Lewis
2.3 Beurteilung der Konzepte und Vergleich zu traditionellen Kennzahlen
3 Relevanz wertorientierter Kennzahlen in der Unternehmenssteuerung
3.1 Funktion und Problematik der Unternehmenssteuerung
3.2 Einteilung theoretischer Arbeiten und kritische Würdigung
3.3 Relevanz in aktuellen empirischen Studien
3.3.1 Übersicht und Einteilung der Literatur
3.3.2 Bedeutung auf dem US-amerikanischen Markt
3.3.3 Bedeutung auf anderen Märkten
3.3.4 Kritische Würdigung
4 Relevanz wertorientierter Kennzahlen in der Unternehmensbewertung
4.1 Funktion und Problematik der Unternehmensbewertung
4.2 Einteilung theoretischer Arbeiten und kritische Würdigung
4.3 Relevanz in aktuellen empirischen Studien
4.3.1 Übersicht und Einteilung der Literatur
4.3.2 Bedeutung auf dem US-amerikanischen Markt
4.3.3 Bedeutung auf anderen Märkten
4.3.4 Kritische Würdigung
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der tatsächlichen Bedeutung wertorientierter Kennzahlen als Steuerungsgrößen in Organisationen sowie bei der Unternehmensbewertung, sowohl auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene. Die zentrale Forschungsfrage adressiert dabei die Sinnhaftigkeit und Relevanz dieser Kennzahlen unter Berücksichtigung divergierender wissenschaftlicher und empirischer Erkenntnisse.
- Historische Grundlagen und Konzepte wertorientierter Kennzahlen (Residualgewinn, EVA, CVA).
- Die Rolle von Kennzahlen in der Agency-Theorie und Unternehmenssteuerung.
- Systematische Analyse und Kategorisierung aktueller theoretischer und empirischer Wirtschaftsstudien.
- Kritischer Vergleich zwischen wertorientierten und traditionellen Kennzahlen.
- Untersuchung der Anwendbarkeit und Verbreitung wertorientierter Ansätze in verschiedenen Märkten.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Residualgewinn-Modell
Als RG bezeichnet man allgemein den Überschuss, der nach Abzug der Kapitalkosten vom betrieblichen Ergebnis verbleibt und nachstehender Definition entspricht:
Er ergibt sich folglich aus einer Gewinngröße G abzüglich einer geforderten Mindestrendite r, bezogen auf das zu Periodenbeginn investierte Kapital K. Gewinn und Kapital werden üblicherweise aus dem Jahresabschluss abgeleitet und an allgemeine wie unternehmensindividuelle Gegebenheiten angepasst. Als Mindestrendite wird meist der Weighted Average Cost of Capital (WACC) herangezogen - ein gewogenes arithmetisches Mittel aus den Kostensätzen für EK und FK, wobei unterschiedliche Ermittlungsverfahren möglich sind. Eine Investition ist wertschaffend, wenn die erwartete Rendite den WACC, der auch als entgangene Rendite alternativer Anlagen mit ähnlichem Risiko verstanden werden kann, übersteigt. Das Opportunitätskostenprinzip bietet den Vorteil, eine risikoadjustierte Mindestrendite zu verkörpern, die auch als Diskontfaktor eingesetzt werden kann.
Beide Kostensätze werden mit dem Anteil der jeweiligen Kapitalgröße am Gesamtkapital (GK) gewichtet. Als Basisgröße zur Ermittlung der FK-Kosten kann der langfristige Kreditzinssatz, relativiert um den Steuervorteil (Tax Shield), verwendet werden. Zur Schätzung des EK-Kostensatzes wird vorwiegend das Capital Asset Pricing-Modell (CAPM) verwendet, welches einen Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite einer Kapitalanlage herstellt, um risikobehaftete Investitionen zu bewerten. Dabei dient der Zinssatz für öffentliche Finanztitel bester Bonität als Grundlage. Zur Berücksichtigung des firmenspezifischen Risikos wird dieser risikolosen Rate noch eine individuelle Risikoprämie aufgeschlagen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung und methodisches Vorgehen: Einleitung in die Bedeutung von Kennzahlen und Vorstellung der systematischen Literaturanalyse als methodischer Rahmen der Arbeit.
2 Grundlagen wertorientierter Kennzahlen: Historische Herleitung und detaillierte Vorstellung der Konzepte Residualgewinn, Economic Value Added (EVA) und Cash Value Added (CVA).
3 Relevanz wertorientierter Kennzahlen in der Unternehmenssteuerung: Untersuchung der internen Steuerungsfunktion, agency-theoretischer Problematiken und Darstellung relevanter empirischer Studienergebnisse.
4 Relevanz wertorientierter Kennzahlen in der Unternehmensbewertung: Analyse der externen Bewertungspraxis, theoretischer Modelle und empirischer Markteinschätzungen wertorientierter Kennziffern.
5 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende kritische Würdigung der Ergebnisse und Identifikation von Forschungsbedarf für die künftige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit wertorientierter Steuerung und Bewertung.
Schlüsselwörter
Wertorientierte Kennzahlen, Unternehmenssteuerung, Unternehmensbewertung, Residualgewinn, Economic Value Added, EVA, Cash Value Added, CVA, Shareholder Value, Agency-Problematik, Kapitalkosten, WACC, Performance-Messung, Kapitalallokation, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht kritisch die Bedeutung und den Nutzwert wertorientierter Kennzahlen sowohl in der internen Unternehmenssteuerung als auch in der externen Unternehmensbewertung auf Basis wissenschaftlicher Literatur.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Der Fokus liegt auf historischen Grundlagen, verschiedenen Kennzahlenkonzepten wie EVA und CVA, agency-theoretischen Steuerungsansätzen sowie der empirischen Relevanz dieser Instrumente in verschiedenen Märkten.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwieweit wertorientierte Kennzahlen tatsächlich eine Verbesserung gegenüber traditionellen Größen zur Steuerung und Bewertung darstellen und ob sie ihre theoretisch zugeschriebene Wirkung in der Praxis entfalten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die theoretische und empirische Studien aus zehn maßgeblichen Wirtschaftsjournals der letzten 15 Jahre kategorisiert, zusammenfasst und vergleichend bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung sowie eine umfassende Literaturübersicht zu Steuerung und Bewertung, wobei jeweils eine Trennung nach theoretischen und empirischen Beiträgen vorgenommen wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wertorientierung, Residualgewinn, EVA, CVA, Agency-Theorie und Performance-Messung präzise beschreiben.
Warum wird das Residualgewinn-Modell so stark hervorgehoben?
Das Modell wird als fundamentale Basis vieler moderner wertorientierter Kennzahlen betrachtet, da es den Residualgewinn als Differenz aus erzieltem Ergebnis und Kapitalkosten als zentrales Wertmaß definiert.
Welche Rolle spielt die Agency-Problematik bei der Steuerung?
Sie ist entscheidend für das Verständnis der Anreizgestaltung, da wertorientierte Kennzahlen dazu dienen sollen, Manager als Agenten der Anteilseigner zu zielkonformem Handeln im Sinne einer Unternehmenswertmaximierung zu bewegen.
Wie bewertet der Autor die Verbreitung wertorientierter Kennzahlen in der Praxis?
Die empirischen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bedeutung in der Praxis oft geringer eingeschätzt wird als in der Theorie behauptet, wobei eine große Diskrepanz zwischen verschiedenen Märkten und Unternehmensstrategien besteht.
- Citation du texte
- Susan Hoffmann (Auteur), 2011, Die Bedeutung wertorientierter Kennzahlen in der Unternehmenssteuerung und -bewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188332