Während der Laufbahn vieler Schüler treten hin und wieder kleinere und größere schulische, private oder andere Probleme auf, bei denen sie Hilfe und Unterstützung zur Lösung brauchen. Neben den Eltern und Freunden sind auch die Lehrer gefragt, diese Aufgabe zu übernehmen.
Doch nicht nur Schüler brauchen gelegentlich Beratung, sondern auch Eltern oder Kollegen und so ist es für die Lehrkraft von essentieller Bedeutung, sich klarzumachen, dass eine umfangreiche Beratungskompetenz wichtig für ihren Beruf ist.
„Beratung ist eine freiwillige, kurzfristige, oft nur situative, soziale Interaktion zwischen Ratsuchenden (Kindern) und Berater mit dem Ziel, im Beratungsprozess eine Entscheidungshilfe zur Bewältigung eines von dem Klienten vorgetragenenaktuellen Problems durch Vermittlung von Informationen und/oder Einüben von Fertigkeiten gemeinsam zu erarbeiten“
Diese kurze Definition von Beratung an sich ist ziemlich treffend, doch oft findet man sich mit Problemen konfrontiert, die nicht situativ bzw. kurzfristig gelöst werden können. Es bedarf vielmehr einer längeren Auseinandersetzung und verschiedenen Ansätzen um ein Problem zu lösen.
Eine im schulischen Kontext relativ neue Form der Beratung stellt das so genannte Coaching dar. Es basiert auf einem prozessorientierten, psychodynamischen Ansatz, bei dem das Ziel ist, dass der zu coachende (im folgenden Coachee genannt) unter der Beratung des Coaches eigene Kompetenzen zur Problembewältigung aufbaut. Im Folgenden soll die Funktionsweise dieses Ansatzes, die Ansprüche an den Coach und die Aufgaben und Ziele der Methode näher beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Coaching – Ein Definitionsversuch
3. Abgrenzung des Coachings zu anderen Formen der Beratung
4. Der Lehrer als Coach
a. Voraussetzungen
b. Coachinglernen
c. Phasen des Coachings
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die Anwendungsmöglichkeiten von Coaching als prozessorientierte Beratungsmethode im schulischen Kontext, um Lehrkräften Kompetenzen für eine nachhaltige Problembewältigung bei Schülern zu vermitteln.
- Historische Herleitung und Definition von Coaching.
- Differenzierung des Coachings gegenüber klassischen Beratungsformaten wie Mediation und Mentoring.
- Anforderungsprofil an die Lehrkraft in der Rolle als Coach.
- Strukturmodell der Coaching-Phasen im schulischen Umfeld.
- Bedeutung von Coachinglernen als fortlaufender Qualifizierungsprozess.
Auszug aus dem Buch
4. Der Lehrer als Coach
Es sollte jedem klar sein, dass man als Coach nicht geboren wird. Natürlich gibt es Menschen, die durch ihre Persönlichkeit eher dafür geeignet sind, ein erfolgreicher Berater zu werden als Andere, doch Coaching muss auch erlernt werden. In ihrem Buch „Coaching mit System“ zitieren die Autoren mehrere Kompetenzen, die Christoph Rauen in seiner Literatur beschreibt.
Gute Coaches sind demnach kontakt- und begegnungsfreudig. Ein Coach der sich gegenüber anderen verschließt, kann definitiv nicht erfolgreich sein, da er genau diese Eigenschaft auch von dem Coachee verlangt und verlangen muss.
Ein Coach muss sich rollenklar als echtes Gegenüber zur Verfügung stellen, was ein sehr hohes Maß an Empathiefähigkeit voraussetzt. Er darf sich dabei nicht verstellen und sich in die Rolle als Coach hineinzwingen, ansonsten kann er den Menschen, den er begleitet und sein Problem nie verstehen und der Coachingprozess wird scheitern.
Flexibilität und situationsbedingte Anpassungsfähigkeit ist für einen Coach essenziell, da nur so neue Sichtweisen und Wege für den Prozess der Problembewältigung erkannt und eröffnet werden können. Da dies auch ein Punkt in der Definition von Coaching ist, darf ein Coach sich nicht auf von ihm oder Anderen vorgefertigte Modelle und Programme berufen und diese nur reproduzieren und abspielen. Er kann sie als Grundlagen und Hintergrundwissen für sich nutzen, doch werden diese im Laufe der Zeit immer weiter modifiziert und angepasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz von Beratungskompetenzen im Lehrerberuf und Vorstellung von Coaching als prozessorientiertem Ansatz.
2. Coaching – Ein Definitionsversuch: Herleitung des Begriffs aus historischer Sicht und Eingrenzung des Coachings als Hilfe zur Selbsthilfe unter klientenzentrierter Perspektive.
3. Abgrenzung des Coachings zu anderen Formen der Beratung: Vergleich von Coaching mit Mediation, Mentoring und Kurzberatung zur Verdeutlichung der spezifischen prozessorientierten Ausrichtung.
4. Der Lehrer als Coach: Detaillierte Analyse der notwendigen Coach-Kompetenzen, der Lernwege für angehende Coaches sowie der phasenweisen Strukturierung eines Coaching-Prozesses in der Schule.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale und Herausforderungen von Coaching im Schulumfeld sowie Plädoyer für eine fundierte Ausbildung von Lehrkräften.
Schlüsselwörter
Coaching, Schule, Beratungskompetenz, Prozessorientierung, Selbstreflexion, Lehrerrolle, Coachee, Hilfe zur Selbsthilfe, Interventionsmethoden, Personalentwicklung, Schulentwicklung, Problemlösung, Kommunikation, Empathiefähigkeit, Coachingphasen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Implementierung und Bedeutung von Coaching als Beratungsform im Kontext des Schulalltags.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Definition von Coaching, die Abgrenzung zu anderen Beratungsformen sowie die notwendigen persönlichen und methodischen Voraussetzungen für Lehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrer durch Coaching-Methoden Schüler bei der eigenverantwortlichen Problemlösung unterstützen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Fachliteratur und gängigen Coaching-Modellen, um deren Übertragbarkeit auf die Schule zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Rolle des Lehrers als Coach, beleuchtet das sogenannte Coachinglernen und erläutert die verschiedenen Phasen eines Coaching-Prozesses.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Prozessorientierung, Selbsthilfe, Rollenklarheit, Empathiefähigkeit und Schulentwicklung.
Warum wird Coaching als "Hilfe zur Selbsthilfe" bezeichnet?
Weil der Coach nicht die Problemlösung vorgibt, sondern den Coachee dazu anregt, eigene Kompetenzen zur Bewältigung der Situation zu entwickeln.
Welche Rolle spielt die Freiwilligkeit im Coaching-Prozess?
Freiwilligkeit ist essenziell; da Coaching auf Eigenmotivation basiert, kann und darf es nicht erzwungen werden, um den Erfolg der Intervention nicht zu gefährden.
Was zeichnet die Phasen des Coachings nach dem vorgestellten Modell aus?
Das Modell umfasst Schritte von der Kontaktaufnahme bis zur Evaluation, wobei jeder Schritt spezifische Anforderungen an die Kommunikation und Strukturierung stellt.
- Citation du texte
- Michael Böhmländer (Auteur), 2011, Coaching im Kontext Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188345