Der 'König vom Odenwald' in der Tradition der paradoxen Lobrede?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1 Autor und Werk
1.1 Autor
1.2 Überlieferung
1.2.1 Werk
1.2.2 Würzburger Liederhandschrift

2 Gedicht-Typus und historische Einordnung
2.1 Historische Einordnung
2.1.1 Zeitgenössische Literatur
2.1.2 Reimpaargedichte
2.2 Der Gedicht-Spezialtyp des Königs vom Odenwald
2.2.1 Charakteristika
2.2.2 Gedichtbeispiele
2.3 Der König vom Odenwald - Tradition oder Sonderfall?

Resümee

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einführung

In der Tradition der paradoxen Lobrede werden an Stelle von lobenswerten Din- gen augenscheinlich lästige und unlobenswert scheinende Gegenstände, Tiere und Gebrechen gelobt - Die Fliege und der Floh, die Kahlheit und die Torheit, die Gicht und die Dummheit. Es handelt sich um eine Tradition, die seit der Antike besteht und auch von Berühmtheiten ihrer Zeit, wie Hucbald von Saint-Armand (gest. 930), Erasmus von Rotterdam (gest. 1536) und Jean Paul (gest. 1825), weitergeführt wurde.

Im Mittelalter treffen wir auf einen Zeitgenossen, der auf den ersten Blick die Tradition der paradoxen Lobrede weiterführt, indem er die Kuh, das Schwein und weitere Nutztiere, sowie Alltagsgegenstände lobt. Seine Verse beschreiben durch sehr eigenwillige Argumente die Unentbehrlichkeit der gelobten Gegenstände und Tiere. Doch steht dieser Autor in der Tradition der Adoxographie? Wie lobt er und warum? Unter welchem Umständen entstanden seine Werke? Und wer ist eigentlich dieser Dichter, der sich selbst König vom Odenwald nennt?

Im Vorwort zu „König vom Odenwald - Gedichte“ weist Reinhard Olt darauf hin, dass die Gedichte des mittelalterlichen Dichters zwar in der Literaturge- schichtsschreibung Beachtung und Würdigung erhalten haben, jedoch im Laufe der Zeit immer wieder Fragen und Unstimmigkeiten in der Forschung aufwerfen1. Es handelt sich hierbei sowohl um stoffliche Fragen, die die Überlieferung be- treffen und die Suche nach weiteren Gedichten seiner Verfasserschaft, als auch um Fragen zur Person, die nur unter dem offensichtlichen Pseudonym König vom Odenwald zu fassen ist.

1 Autor und Werk

1.1 Autor

Der König vom Odenwald (künig vom Otenwalde bzw. meistens nur künig) ver- fasste seine Gedichte um 1340. Seine Identität ist bis heute ungeklärt. Aufgrund seiner Selbstbezeichnung als König vom Odenwald, wobei es sich offensichtlich um ein Pseudonym handelt, geht man davon aus, dass er aus dem Odenwald stammte. Gisela Konrumpf merkt hierbei jedoch an, dass der Odenwald aber auch literarisch besetzt ist (Siegfried stirbt dort) und es sich deshalb auch um einen willkürlich gewählten Name handeln kann2. Möglich wäre auch eine Art Famili- enname. Eine zeitlang lebte er in Würzburg im engen Umkreis des Michael de Leone und in der Gegend des (Ober-)Rheins, dies geht aus verschiedenen Quellen hervor3. Der Dialekt, in dem seine Gedichte verfasst bzw. aufgeschrieben wurden, gibt Aufschluss über seine Herkunft bzw. (s)einen Aufenthaltsort: Die Sprache der überlieferten Gedichte ist Ostfr ä nkisch (s. Abb.1), d.h. er war im mitteldeut- schen Gebiet beheimatet4 (Abb. 2). Außerdem findet sich ein „treues Abbild der Sitten und Gebräuche des Frankenlandes“ in seinen Gedichten5.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schriftdialekte in mittelhochdeutscher und mittelniederdeutscher Zeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Mitteldeutschland als sprachlicher Begriff

Ob er Berufsdichter war, worauf die sorgfältig signierten Gedichte hinweisen, von dessen Werk nur noch Teile erhalten sind, oder Gelegenheitsliterat, ist unbekannt6. Olt vermutet, „daß es sich beim KvO [König vom Odenwald] nicht um eine ‚bescheidene Lokalgröße’ [...] sondern um einen zu seiner Zeit [...] einigermaßen geachteten Dichter gehandelt haben muß“7. Aufgrund seiner Lese- und Schreibkenntnis und der Vertrautheit mit Texten der großen mittelalterlichen Dichter, ordnet man ihn dem Bildungsbürgertum zu. Vermutlich studierte er an verschiedenen europäischen Universitäten8.

Es gibt verschiedene Theorien zu seiner Identität: v. Bahder vermutet aufgrund der Selbstbezeichnung als König vom Odenwald in ihm einen „König“ der Spiel- leute im Odenwald9. Er könnte aber auch - darauf weisen die vielen Anspielungen auf Speisezubereitung in seinen Gedichten hin - der Küchenmeister des Michael de Leone gewesen sein10, in dessen Hausbuch (sog. Würzburger Liederhand- schrift) zwölf seiner (vermutlich dreizehn) Gedichte überliefert sind.

Reinhard Olt stellt eine weitere Theorie zur Identität des Königs vom Oden- wald1 auf, er vermutet hinter dem Pseudonym König vom Odenwald „eine höherstehende Persönlichkeit aus diesem Raum [gemeint ist der Odenwald] in der Umgebung Michaels de Leone“11. Dass sich dieser Dichter hinter einem Pseudonym versteckt spricht dafür, „daß er unerkannt bleiben will, zumal er [...] in seinen Gedichten nicht nur den Nutzen der Haustiere lobt, sondern in gleichem Umfang massive Ständekritik übt“12.

1.2 Überlieferung

Die Überlieferung der Gedichte vom König vom Odenwald beschränken sich hauptsächlich auf ein handschriftliches Werk aus dem 14. Jahrhundert. Urkundlich ist er nicht zu fassen und es ist schwer, ihm anonym geschriebene Gedichte nachträglich zuzuordnen.

1.2.1 Werk

Das Werk des Königs vom Odenwald umfasst mindestens zwölf Gedichte, die alle in der Würzburger Liederhandschrift enthalten sind13, es finden sich auch Überlie- ferungen in der Gothaer Sammelhandschrift (diese ist fast ein Jahrhundert nach der Würzburger Liederhandschrift entstanden) und vereinzelt auch gekürzte Fassungen und Bruchstücke (hier meist ohne Autornennung) in anderen Sammel- handschriften und Frühdrucken14. Diese Gedichte können aufgrund der Selbst- nennung des Dichters dem König vom Odenwald zugeordnet werden. Die Gedichte des Autors wurden in mehreren zeitlich getrennten Absätzen geschrieben15. Au- ßerdem macht keines der Gedichte „den Eindruck, als habe es schon mehrere Handschriften passiert, die verschiedenen Schreiber werden der Sprache, in welcher die Gedichte geschrieben sind, in annähernd gleicher Weise gerecht“16. Man kann also folglich davon ausgehen, dass sie „nicht etwa aus einer fertigen Gesamtaus- gabe kopiert, sondern dem Sammler erst nach und nach zugänglich wurden“17. Dies lässt den Schluss zu, dass der Dichter im engeren Umfeld von Michael de Leone lebte (z.B. mit ihm bekannt/ befreundet war) bzw. Michael persönlich Gönner oder Bewunderer des Königs vom Odenwald war. Olt äußert ähnliche Vermutungen und geht zudem davon aus, dass es „der Drang Michaels gewesen sein [könnte], mit der Anlage seines schriftlichen Nachlasses vor allem sich selbst und seine Umgebung darzustellen“18, bzw. von dem Dichter darstellen zu lassen.

Der König vom Odenwald verfasste hauptsächlich Reimpaargedichte, außerdem werden ihm zwei Fabeln, ein Kochbuch (auch im Umkreis des Michael de Leone) und mehrere namenlose Gedichte zugeschrieben, bei den meisten wurde die Autorschaft mittlerweile jedoch widerlegt19. Das anonym und unabhängig von seinem restlichen Werk zuerst in der Straßburger Handschrift A 94 (um 1330- 1350) überlieferte Gedicht Von dem husrate20 wird jedoch mit einiger Sicherheit dem König vom Odenwald zugeschrieben21.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 22

[...]


1 Vgl. Olt 1988, S. 9.

2 Vgl. Kornrumpf 1985, S. 78.

3 Vgl. Olt 1988, S. 16-17.

4 Vgl. v. Bahder 1878, S. 195.

5 Vgl. v. Bahder 1878, S. 213.

6 Vgl. Kornrumpf 1985, S. 78.

7 Olt 1988, S. 12.

8 Vgl. Olt 1988, S. 25.

9 Vgl. v. Bahder 1878, S. 213.

10 Vgl. Schröder 1904, S.37-34 und Keyser 1966, S. 131.

11 Olt 1988, S. 21.

12 Olt 1988, S. 21.

13 Vgl. De Boor/Newald 1987, S. 37.

14 Vgl. Olt 1988, S. 12.

15 Vgl. Schröder 1904, S. 5.

16 Schröder 1904, S. 11.

17 Schröder 1904, S. 5.

18 Olt 1988, S. 18.

19 Vgl. Kornrumpf 1985, S. 80-82.

20 Dieses Gedicht ist unter der nhd. Übersetzung Vom mangelnden Hausrat bekannt.

21 Vgl. Schröder 1934, S. 107 und De Boor/ Newald 1987, S. 39.

22 Vgl. Olt 1988.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der 'König vom Odenwald' in der Tradition der paradoxen Lobrede?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V188609
ISBN (eBook)
9783656123286
ISBN (Buch)
9783656124054
Dateigröße
968 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
König vom Odenwald, paradoxe Lobrede, Spätmittelalter
Arbeit zitieren
B.A. Cornelia Reinhardt (Autor), 2010, Der 'König vom Odenwald' in der Tradition der paradoxen Lobrede?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188609

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