Anton Szandor LaVeys Philosophie. Zur „Satanische Bibel“ und die „Elf Regeln der Erde“


Hausarbeit, 2012

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anton Szandor LaVey

3. Die satanische Philosophie nach LaVey
3.1 Die Satanische Bibel
3.1.1 Religionsbegriff bei LaVey
3.2 Die Elf Regeln der Erde

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Götter der ungerechten [sic!] sind tot. Dies ist der Morgen der magischen, unverfälschten Weisheit. Das Fleisch herrscht, und eine großartige Kirche soll errichtet und in seinem Namen [Satans; Anm. d. Verf.] geweiht werden.“1

Bereits im Prolog der „satanischen Bibel“ macht dessen Verfasser, Anton Szandor LaVey, Anspruch, Stoßrichtung und Ziel des von ihm verfassten Werkes deutlich: Die Errichtung einer „Gegenreligion zum Christentum“2, in der die „Errettung der Menschen […] nicht länger von […] Selbstverleugnung abhängig […]“3 sein soll.

Die religionswissenschaftliche Relevanz ergibt sich aus zwei Gründen:

Zum einen ist das durch christliche Weltanschauungsbeauftragte proklamierte ‚Verständnis‘, Satanismus stelle eine „Gefahr für die Gesellschaft“4 dar, unter anderem am Beispiel der satanischen Philosophie LaVeys religionswissenschaftlich-kritisch hinterfragbar, da die dort enthaltenen Gedanken und Konzepte zumindest einen der Angriffspunkte für diese fundamentale Kritik bilden.

Zum anderen ist die Beschäftigung mit einem auf den Gedanken LaVeys basierenden Sa- tanismus für die Religionswissenschaft insofern von Interesse, als die komplettierte Um- kehrung christlichen Gedankenguts hier unter anderem beinhaltet, dass eine höhere trans- zendente Entität als nicht existent gilt und sich Satanismus als ‚Religion des Diesseits‘ präsentiert.5

In diesem Sinne will diese Arbeit einen Überblick über Inhalt und Bedeutung der von La- Vey verfassten „Satanischen Bibel“ und „Elf Regeln der Erde“ geben sowie die darin ent- haltene Philosophie grob zusammenfassen. Es soll zunächst ein Abriss der Biographie La- Veys erfolgen, der als alleiniger Autor gilt. Im Anschluss folgt die Besprechung der „Neun Satanischen Aussagen“ - als Basis und ‚Wegweiser‘ der satanischen Bibel - sowie ergän- zend dazu die „Elf Regeln der Erde“ - als Verhaltensgrundlage für Satanisten und Mitglieder der ebenfalls durch LaVey ins Leben gerufenen „Church of Satan“.

Gesellschaftliche Auswirkungen der Lehren LaVeys auf „modernen Satanismus“ können in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden, einzig die literarische Grundlage wird im Folgenden abgehandelt. Ein Anspruch, die in den oben genannten ‚Werken‘ enthaltene Philosophie und Weltsicht erschöpfend zu erfassen, kann dabei nicht bestehen; die beson- dere Relevanz der beiden oben genannten Werke ergibt sich aus der Tatsache, dass die Satanische Bibel den Kern der zugrundegelegten Philosophie LaVeys bildet und die Elf Regeln der Erde die Basis der Handlungsanweisungen für Mitglieder der Church of Satan darstellt6. Diese wiederum hat den Anspruch, „die erste und einzige Kirche zu sein, deren Religion Satanismus ist“7. Im Sinne der Betrachtung der literarischen Grundlage einer or- ganisierten Form von Satanismus, der Church of Satan, bieten sich also diese beiden Wer- ke als eben solche an.

2. Anton Szandor LaVey

Die an dieser Stelle beschriebenen Eckpfeiler von LaVeys Biographie können trotz nicht gegebener Verifizierbarkeit einen für die Zwecke dieser Arbeit brauchbaren Einblick in dessen Leben geben und zum Verständnis seines Ansatzes dienen. Denn seine Fähigkeit als „skilled showman, a talent he never denied“8 9, lässt sich als Selbstdarstellung seiner Person heranziehen. Als Folge kann allerdings LaVeys so beschriebenes Leben in dieser Weise auch einzig als solches - nämlich kalkulierte Selbstdarstellung - gelten, und nicht als eine Ansammlung von Fakten. Die Zweifelhaftigkeit einiger Angaben10 wird im Übri- gen auch selbst seitens der Church of Satan nicht anders gesehen und medial dargestellt: „The authenticity of some of the events chronicled in these works has been disputed in recent years”.11

Anton Szandor LaVey (eigentlich Howard Stanton Levey) wurde 1930 in Chicago, Illinois geboren. Bereits als Kind lernte er durch seine aus Ost-Europa stammende Großmutter Geschichten über Aberglauben, Dracula und Frankenstein kennen. Ebenfalls früh schwenkte sein Interesse von derartigen Horror- und Science-Fiction-Geschichten zu „ap- plied obscure knowledge“12, wie Hypnose oder Handschriftenanalyse. Ebenfalls früh ent- wickelte LaVey eine Leidenschaft und das Talent für Musik, insbesondere mit dem Key- board verschaffte er sich als Organist in Bars, Lounges und Nightclubs erste finanzielle Quellen.

Bei diesen Gelegenheiten wurden LaVey der Einfluss und die Macht der Musik in ihrer Breite bewusst; seine musikalischen Gestaltungen reichten von „Spook Shows“ bis zur musikalischen Untermalung von verrauchten Clubs, in denen sich gescheiterte Existenzen trafen.

LaVey interessierte sich für Filme des später so bezeichneten Genres „film noir“ und auch seine ansonsten eher merkwürdig erscheinenden Interessen („applied obscure knowledge“) sowie seine provozierende, für seine Zeit ungewöhnliche Art, sich anzuziehen, machten ihn gesellschaftlich betrachtet eher zu einem Außenseiter. Seine High School-Ausbildung brach er ab, um mit dem Zirkus zu touren, in dem er für die Musik verantwortlich war. Seine immer stärker werdende zynische Weltsicht wurde maßgeblich davon ausgebildet beziehungsweise noch weiter verstärkt, dass er im Laufe dieses Abschnitts seines Lebens auf der einen Seite in obszönen, anzüglichen Shows in Nightclubs spielte und auf der anderen Seite Sonntagmorgens in einer christlichen Gemeinde: Die gleichen Männer sah er sowohl samstags als auch sonntags; ein Gegensatz, den er als eines der Grundprobleme des aus seiner Sicht heuchlerischen Christentums erkannte.

Während des Koreakrieges schrieb er sich, um nicht eingezogen zu werden, im San Francisco City College für Kriminologie ein; auch hier bekam er Abgründe des menschlichen Daseins zu Gesicht, traf jedoch auch seine erste Frau, Carole Lensing, mit der er eine Tochter, Karla Maritza, bekam. Zu dieser Zeit war LaVey bereits mit dem Werk Aleister Crowleys bekannt und davon fasziniert. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete LaVey das zweite Mal: Blanche Barton, die ihm sogar als Magistra (männl. Magus), also als Kopf der späteren Church of Satan, folgte.

In den 1950er Jahren verdiente LaVey sein Geld als „psychic investigator“, eine Tätigkeit, die ihm nicht nur wiederum Einblicke in die Abgründe des menschlichen Daseins ver- schaffte, sondern auch in Religion und wie sie in den Köpfen der Menschen und in ihrem Alltag funktioniert. Während dieser Beschäftigung entwickelte LaVey dann auf der Basis seiner Erfahrungen eine Art neue Philosophie, die einer seiner sich jetzt bereits sammeln- den Anhänger als „Basis für eine neue Religion“ bezeichnete. Daraufhin gründete LaVey in der Walpurgisnacht, also der Nacht auf den 1. Mai, der Nacht des traditionellen Hexen- sabbats, die Church of Satan. Diese Nacht war „in seinen Augen […] der perfekte Zeit- punkt“13 für die Gründung.

Im Zuge dessen erklärte er zugleich das Jahr 1966 als „Jahr 1, Anno Satanas“, also das erste Jahr im Zeichen Satans. Die Philosophie, auf der diese neue Kirche gegründet worden war, veröffentlichte LaVey 1969 als Zusammenfassung seiner bisher verfassten, nicht publizierten Einzelschriften, verschmolzen mit seinen Einflüssen wie Crowley, Nietzsche

und auch sozialdarwinistischen Werken unter dem Namen „Die satanische Bibel“. LaVey verfasste diese in einer „politisch wie gesellschaftlich unruhigen Zeit“14, in der es mehrere sogenannte Civil Rights-Bewegungen gab (insbesondere in den USA protestierte man für mehr Minderheiten-, Bürger- und Menschenrechte), die letztlich alle das Recht auf ‚Selbstverwirklichung‘ gemeinsam hatten, einen sehr zentralen Aspekt der im folgenden Kapitel beschriebenen Gedanken LaVeys.

[...]


1 LAVEY, Anton Szandor: Die satanische Bibel. 1. Aufl. Index Verlag 2007. S. 11. Im Folgenden zitiert als: LAVEY 2007.

2 Siehe http://www.paranormal.de/satanismus/fragen_antworten.html; zitiert nach FÜGMANN, Dagmar: Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland. Eine religionswissenschaftliche Untersuchung bei Mit- gliedern satanistischer Gruppierungen und gruppenunabhängigen Einzelnen: Hintergründe und Wertvor- stellungen. S. 12. Im Folgenden zitiert als: FÜGMANN 2008.

3 LAVEY 2007. S. 11.

4 FÜGMANN 2008, S. 9. Siehe dazu auch mein abschließendes Fazit.

5 Siehe dazu die Aussage PETER H. GILMORES im abschließenden Fazit.

6 Vgl. FÜGMANN 2008, S. 87.

7 FÜGMANN 2008, S. 77.

8 Aus Mangel an wissenschaftlich fundierten Quellen wird sich im Folgenden auf biographische Angaben der Church of Satan bezogen; einsehbar unter http://www.churchofsatan.com/pages/LaVeyBiography.html (zuletzt abgerufen am 06.12.2011).

9 http://www.churchofsatan.com/pages/LaVeyBiography.html (zuletzt abgerufen am 06.12.2011).

10 Eine genaue Unterteilung der Angaben, beispielweise in ‚gesichert‘, teilweise erfunden‘ und ‚definitiv frei erfunden‘, ist für die Zwecke dieser Arbeit nicht erforderlich.

11 http://www.churchofsatan.com/pages/LaVeyBiography.html (zuletzt abgerufen am 06.12.2011).

12 http://www.churchofsatan.com/pages/LaVeyBiography.html (zuletzt abgerufen am 06.12.2011).

13 FÜGMANN 2008, S. 77.

14 Fügmann 2008, S. 77.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Anton Szandor LaVeys Philosophie. Zur „Satanische Bibel“ und die „Elf Regeln der Erde“
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Allgemeine Religionswissenschaft)
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V188672
ISBN (eBook)
9783656124658
ISBN (Buch)
9783656124955
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anton, szandor, laveys, philosophie, satanische, bibel, regeln, erde
Arbeit zitieren
Sebastian Höffkes (Autor), 2012, Anton Szandor LaVeys Philosophie. Zur „Satanische Bibel“ und die „Elf Regeln der Erde“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188672

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Anton Szandor LaVeys Philosophie. Zur „Satanische Bibel“ und die „Elf Regeln der Erde“



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden