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Gustav Radbruch in der Diskussion zwischen Naturrecht und Positivismus

Title: Gustav Radbruch in der Diskussion zwischen Naturrecht und Positivismus

Seminar Paper , 1998 , 26 Pages , Grade: gut (-)

Autor:in: M.A. Martina Merten (Author)

Law - Philosophy, History and Sociology of Law
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Radbruchs Rechtsphilosophie entstammt dem Neukantianismus, der davon ausgeht, dass eine kategoriale Kluft zwischen Sein und Sollen besteht. Aus einem Sein kann, nach dieser Auffassung, niemals ein Sollen abgeleitet werden (so genannter „naturalistischer Trugschluss“). Kennzeichnend für den Heidelberger Neukantianismus, dem Radbruch anhing, war es, dass er zwischen die erklärenden Wissenschaften (Sein) und die philosophischen Wertlehren (Sollen) die wertbezogenen Kulturwissenschaften einschiebt.

Bezogen auf das Recht zeigt sich dieser Trialismus in den Teilbereichen Rechtssoziologie, Rechtsphilosophie und Rechtsdogmatik. Die Rechtsdogmatik nimmt dabei eine Zwischenstellung ein. Gegenständlich richtet sie sich auf das positive Recht, wie es sich in der sozialen Realität darstellt und methodologisch auf den objektiv gesollten Sinn des Rechts, der sich durch wertbezogene Interpretation erschließt.

Kernstücke der Rechtsphilosophie Radbruchs sind auch seine Lehren vom Rechtsbegriff und von der Rechtsidee. Die Rechtsidee ist durch eine Trias von Gerechtigkeit, Zweckmäßigkeit und Rechtssicherheit definiert. Radbruch lässt dabei die Idee der Zweckmäßigkeit aus einer Analyse der Idee der Gerechtigkeit hervorgehen. Auf dieser Vorstellung basiert die Radbruchsche Formel, die bis heute heftig diskutiert wird. Der Rechtsbegriff ist für Radbruch nichts anderes als „die Gegebenheit, die den Sinn hat, der Rechtsidee zu dienen“.

Äußerst umstritten ist die Frage, ob Radbruch vor 1933 Rechtspositivist war und sich in seinem Denken, unter dem Eindruck des Nationalsozialismus, eine innere Wende vollzog oder ob er lediglich unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Verbrechen die von ihm vor 1933 vertretene relativistische Wertlehre fortentwickelte.

Das Problem der Kontroverse zwischen Form und Inhalt der Gesetze ist in Deutschland durch die Mauerschützenprozesse (Befehlsnotstand) wieder in das Bewusstsein der Menschen gerückt. In diesem Zusammenhang wurden Radbruchs Theorien gegen die von Hans Kelsen und teilweise auch von Georg Jellinek vertretene rechtspositivistische Reine Rechtslehre ins Feld geführt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Gustav Radbruch: Das Konzept seiner Rechtsidee

1. Rechtswirklichkeit und Rechtsidee

2. Die Prinzipien der Rechtsidee

a) Das Prinzip der Zweckmäßigkeit

b) Der Prinzip der Gerechtigkeit

c) Das Prinzip der Rechtssicherheit

3. Unbedingte Rechtssicherheit - Die Radbruchsche Auffassung bis 1933

a) Die Macht der Gesetze durch die Rechtssicherheit

b) Die Schwäche der Zweckmäßigkeit

c) Die Rolle der Gerechtigkeit

d) Die Bedingung und Antinomie der Rechtsidee

4. Eine Formel gegen gesetzliches Unrecht (nach 1933)

a) Die Forderung nach Gerechtigkeit

b) Der Rücktritt der Zweckmäßigkeit

c) Der Erhalt der Rechtssicherheit

5. Natur der Sache zur Bestimmung der Idee (1947)

6. Die verborgene Religiösität (Kontinuität zur Sache)

II. Radbruch in der Diskussion zwischen Naturrecht und Positivismus

1. Philosophie und Positivismuskontroverse

2. Vom Naturrecht zum Positivismus

a) Die Definition des Naturrechtsbegriffs

b) Zum Begriff des Positivismus

3. Einflüsse auf Radbruchs Rechtsphilsophie (vor 1933)

4. Jurisprudenz 1933 - ethische Perversion durch „legitime“ Gesetze

5. Rechtsmoralismus - „Radbruchsche Formel“ (nach 1945)

a) Rechtsmoralismus zur Prävention vor gesetzlichem Unrecht

b) Radbruch als Vertreter des „dritten Weges“

6. Die Fortsetzung der Diskussion seit den fünfziger Jahren

7. Berücksichtigung von „Grundwerten“ in Entscheidungen der BRD

8. Naturrechts-/Positivismusdiskussion - persönliche Konklusion

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen Naturrecht und Rechtspositivismus im Denken von Gustav Radbruch. Ziel ist es, seine Rechtsphilosophie, insbesondere die Entwicklung seiner Rechtsidee von der Zeit vor 1933 bis zu seiner berühmten Formel nach 1945, kritisch zu analysieren und deren Bedeutung für die moderne juristische Diskussion in der Bundesrepublik Deutschland herauszuarbeiten.

  • Analyse der drei Prinzipien der Radbruchschen Rechtsidee: Gerechtigkeit, Zweckmäßigkeit und Rechtssicherheit.
  • Untersuchung der Radbruchschen "Formel gegen gesetzliches Unrecht" und deren Bedeutung nach der NS-Diktatur.
  • Diskussion der historischen Kontroverse zwischen Naturrecht und Rechtspositivismus.
  • Betrachtung der Einflüsse auf Radbruchs Rechtsphilosophie und seiner Rolle als Vertreter eines "dritten Weges".
  • Aktuelle Bezüge: Anwendung der Radbruchschen Erkenntnisse auf heutige Rechtsfragen, wie etwa die Mauerschützenprozesse.

Auszug aus dem Buch

3. Unbedingte Rechtssicherheit - die Radbruchsche Auffassung bis 1933

Um eine einseitige, autoritativ-willkürliche Zwecksetzung des Rechts (Polizeistaat) oder die Gefahr der Ineinssetzung von formaler Gerechtigkeit und zweckmäßigem Rechtsinhalt (Naturrecht) zu vermeiden, fordert Radbruch den Vorrang der Rechtssicherheit durch eine positive Gesetzgebung der Justiz („normativ-praktische Konsequenz“). Daß damit nur die jeweilige Weltanschauung des Gesetzgebers verwirklicht, verabsolutiert und somit der Relativismus der verschiedenen Werte aufgehoben wird, nimmt Radbruch in Kauf.

Eine Zweckidee muß nicht absolut sein, vielmehr kann die Zwecksetzung von einem egoistischen Gedanken getragen sein, denn in der Anwendung erreicht diese allgemeingültigen Charakter („ List der Vernunft“,G.F.W. Hegel[1770-1831]). Radbruch versucht durch den Vorrang der Rechtssicherheit eine gesetzte Gegenkraft zum Wertrelativismus der Zweckidee zu schaffen. Hinter diesem Relativismus verbirgt sich das Ethos der Freiheit, der Toleranz und der Demokratie. Dadurch, daß er eine Satzung fordert, die gleich welchen Inhalts unabdingbar gelten soll („...denn wenn nicht festgestellt werden kann was gerecht ist, so muß festgesetzt werden, was rechtens sein soll“), gibt er dem Gesetzgeber uneingeschränkte, funktionale Autorität. Der Dualismus von Machtideal (Wert) und Recht (Wirklichkeit) wird durch die „Transformation der Macht zu Recht“ widerspüchlich. Einschränkend betont Radbruch die Geltung des gesetzten Rechts nicht durch politische Macht, sondern zur Wahrung der Rechtssicherheit - die jedoch durch die gesetzte Willkür selbst unsicher wird.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Gustav Radbruch: Das Konzept seiner Rechtsidee: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen von Radbruchs Philosophie dar, wobei die Prinzipien Gerechtigkeit, Zweckmäßigkeit und Rechtssicherheit und deren Antinomien analysiert werden.

II. Radbruch in der Diskussion zwischen Naturrecht und Positivismus: Hier wird die historische Entwicklung und die intellektuelle Einordnung Radbruchs zwischen den beiden großen rechtstheoretischen Strömungen sowie die Rezeption seiner Formel bis in die heutige Zeit behandelt.

Schlüsselwörter

Gustav Radbruch, Rechtsphilosophie, Naturrecht, Rechtspositivismus, Radbruchsche Formel, Rechtsidee, Gerechtigkeit, Rechtssicherheit, Zweckmäßigkeit, gesetzliches Unrecht, Rechtsmoralismus, Natur der Sache, Werterelativismus, Methodenlehre.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rechtsphilosophie von Gustav Radbruch und dem Spannungsfeld zwischen den gegensätzlichen Ansätzen von Naturrecht und Rechtspositivismus.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen Radbruchs Rechtsidee, seine Formel gegen gesetzliches Unrecht, der Einfluss seiner Philosophie auf die deutsche Rechtsprechung nach 1945 sowie die kritische Reflexion über das "richtige Recht".

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu verstehen, wie Radbruch den Konflikt zwischen gesetzlicher Rechtssicherheit und materieller Gerechtigkeit gelöst hat und welche Bedeutung dieser Mittelweg für den modernen Rechtsstaat hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechtsphilosophische und historische Analyse von Radbruchs Schriften sowie den Vergleich mit zeitgenössischen Strömungen und Rechtsdiskursen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Radbruchs Konzept der Rechtsidee vor 1933 und die nach 1945 erfolgte Weiterentwicklung zu seiner berühmten Formel, gefolgt von einer tiefgehenden Diskussion seiner Rolle als Vermittler zwischen den Ideologien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind Radbruchsche Formel, Naturrecht, Rechtspositivismus, Rechtsidee und gesetzliches Unrecht.

Wie bewertet Radbruch den "Gesetzesgehorsam" nach 1945?

Er lehnt den blinden Gehorsam nach der Devise "Befehl ist Befehl" strikt ab und fordert Juristen dazu auf, bei unverhältnismäßigem Unrecht dem Gesetzestreue-Prinzip entgegenzutreten.

Welche Rolle spielt die "Natur der Sache" in Radbruchs Spätwerk?

Gegen Ende seines Lebens nutzte er die "Natur der Sache" als Denkform, um Richtern eine Orientierung bei Unklarheit oder Lückenhaftigkeit von Gesetzen am konkreten Lebenssachverhalt zu ermöglichen.

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Details

Title
Gustav Radbruch in der Diskussion zwischen Naturrecht und Positivismus
College
University of Frankfurt (Main)  (Fachbereich Rechtswissenschaften)
Grade
gut (-)
Author
M.A. Martina Merten (Author)
Publication Year
1998
Pages
26
Catalog Number
V1886
ISBN (eBook)
9783638111546
ISBN (Book)
9783638637510
Language
German
Tags
Gustav Radbruch Diskussion Naturrecht Positivismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Martina Merten (Author), 1998, Gustav Radbruch in der Diskussion zwischen Naturrecht und Positivismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1886
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