Die spanische Kolonisation Lateinamerikas


Hausarbeit, 2003

20 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte

3. Das Kolonialreich
3.1 Aufbau der Kolonie
3.1.1 Organisation der Neuen Welt
3.1.2 Städtegründungen und - verwaltung
3.1.3 Bevölkerungsveränderung
3.2 Epoche der Stagnation
3.2.1 Verwaltung und Wirtschaft
3.2.2 Binnenwirtschaft der Kolonie
3.3 Das bourbonische Reformzeitalter
3.3.1 Die Reformpolitik Karl III.
3.3.2 Reaktionen auf die Reformen
3.4 Niedergang der spanischen
Kolonialgewalt in Lateinamerika

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

In diese Hausarbeit „Die spanische Kolonisation Lateinamerikas“ werde ich versuchen den gesamten Verlauf der Kolonisierung, dass heißt von der Entdeckung durch Kolumbus im Jahre 1492, bis ins 19. Jh. hinein, als Spanien 1836 die Unabhängigkeit der Kolonie anerkennt, zu skizzieren.

In diesem Zusammenhang werde ich nicht nur auf die Sklavenfrage, die Exportgüter der Kolonie, die Landwirtschaft und die sozialen Unterschiede der Bevölkerung innerhalb der Ansiedlung eingehen, sondern auch kurz den Charakter der Conquista, als Nachfolger der Reconquista, und die langsame, aber recht stetige Schwächung des Einflusses der Krone über ihre Kolonie, beschreiben.

Ein weiter wichtiger Punkt beim Betrachten der Kolonialtätigkeit der Spanier ist die Organisierung des Verwaltungsapparates und deren Reformierung im Laufe der knapp 300jährigen Herrschaftszeit der Spanier.

Welche Auswirkungen die Organisierung der Neuen Welt und das anschließende Reformzeitalter für Auswirkungen auf die Kreolen, die in der Kolonie geborenen Spanier, und auch auf die Indianer, die Ureinwohner Lateinamerikas, hatten, wird ebenfalls, wie auch die Auswirkungen der hohen Gewinneinnahmen der spanischen Krone durch ihre Kolonie, ohne die sie nie in der Lage gewesen wäre ihre Vormachtsstellung in Europa auszubauen, beschrieben werden.

Einige der wichtigsten Gründe für den Niedergang der spanischen Herrschaft werde ich dann am Ende dieser Hausarbeit noch einmal aufzählen und zusammenfassen.

So wird sich hoffentlich ein Gesamtbild der kolonialen Herrschaft in Lateinamerika ergeben. Zwar werde ich nicht alle Punkte so ausführlich behandeln können, wie es ihrer Bedeutung nach zustehen würde, dies ist aber in Form einer solchen Hausarbeit leider nicht möglich.

Beginnen werde ich mit einer kurzen Darstellung der geschichtlichen Ereignisse der 300jährige Kolonialherrschaft der Spanier.

2. Vorgeschichte

Betrachtet man die spanische Geschichte vor der Entdeckung der Neuen Welt, so findet man schnell heraus, dass diese nicht nur komplex ist, sondern durch die unterschiedlichen Königreiche innerhalb Spaniens auch parallel, teilweise mit Überschneidungen, verläuft. Somit möchte ich in diesem Abschnitt nicht auf die gesamte Geschichte Spaniens eingehen, sondern nur Teile herausgreifen, die im Zusammenhang mit meinem Thema „Die spanische Kolonisation Lateinamerikas“ stehen.

Die Reconquista, d.h. das Bestreben der Spanier die Araber von der iberischen Halbinsel zu vertreiben, ist einer dieser Teile der Geschichte, welche die Kolonisation geprägt hat. Deren Anfänge lassen sich schon im 8. Jh. durch lokale Aufstands- und Widerstandsbewegungen erkennen. Erste größere Erfolge lassen sich im 13. Jh. durch die Rückeroberung Córdobas, Sevillas und Cádiz erkennen. So blieb den Arabern nur noch Granada. Die Reconquista fand mit der Rückeroberung Granadas 1492 ihren Höhepunkt und 1502 mit der Vertreibung der Mauren aus Spanien ihr Ende.

1492 war nicht nur das Jahr in dem Granada erobert wurde, sondern auch das Jahr in dem Christoph Kolumbus am 12. Oktober Amerika entdeckte. Beauftragt durch das am 17. April von König Ferdinand von Aragón und Königin Isabella von Kastilien unterzeichnete Capitulaciones von Santa Fe Ostasien zu suchen. Die Unterzeichner des Capitulaciones, König Ferdinand und Königin Isabella, die später vom Papst den Ehrentitel „Katholische Könige“[1] erhielten, einten, nach dem kastilischen Erbfolgekrieg, durch ihre Ehe ihre beiden Königreiche und schufen so 1479 einen spanischen Nationalstaat, aus dem das Königreich Portugal herauszunehmen ist.[2]

Nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus wurden die Inseln Haiti, Jamaika, Puerto Rico und Kuba erobert und so war 1511 das spanisch-westindische Reich begründet. Im weiteren Verlauf wurde das amerikanische Festland erkundet und erobert. Sogleich setzte eine Abwanderung von den Inseln auf das Festland ein. In der Folge der Entdeckung und Eroberung der Neuen Welt, zwei Teile der sogenannten Trias[3] - auf den Dritten Teil, die Neubegründung, werde ich im weiteren Verlauf noch eingehen - wurden zahlreiche Volksgruppen besiegt und wie der weiter Verlauf der Geschichte zeigt, auch unterdrückt.[4] Hier wären die Azteken, die Mayaindianer und das Volk der Inka, um nur einige aufzuzählen, zu nennen.

Anreiz für diese Eroberungen war immer die Gier nach Reichtum, die die Eroberer zu einem Vorgehen mit aller Härte zwangen. Dieses Vorgehen wurde allerdings durch den Gedanken der Missionierung gerechtfertigt.[5] Somit standen alle Taten der Conquisatoren unter dem Deckmantel der Kirche.

Betrachtet man das Verhalten der Eroberer, ihre Grausamkeit, ihre Verachtung fremder Rassen, ihre Rohheit und ihre Beutegier,[6] so kann man sich der Meinung von F. Edelmeyer nur anschließen, der sagt, dass „... die Idee der Reconquista ihre Fortführung in der Conquista der neuen Länder im Westen [fand].“[7] Der Leitspruch der Conquisatoren: „Gott ist im Himmel, der König in Kastilien und ich bin hier“, symbolisiert ihr Verhalten bei der Unterwerfung weiter Teile der Neuen Welt innerhalb kürzester Zeit. Die Männer, meist aus dem Niederadel stammend, erhofften sich in der Neuen Welt reich zu werden. Da dies nicht immer gelang, wurde ihr Vorgehen meist noch brutaler. Unterstützend hierbei wirkte der Glaube, dass die Einwohner der Neuen Welt überhaupt Menschen wären.

Dieses Verhalten zieht sich durch die gesamte Geschichte der Kolonialzeit, auch wenn es Versuche gab, die Ureinwohner Amerikas zu schützen.

3. Das Kolonialreich

Die Kolonialzeit in Amerika lässt sich, nach der von mir schon beschriebenen Conquista, in drei Teile untergliedern: Den Aufbau der Kolonie, die Epoche der Stagnation und das anschließende Reformzeitalter unter bourbonischer Herrschaft. Diese Dreiteilung der Geschichte liegt meiner Hausarbeit zugrunde.

3.1 Aufbau der Kolonie

Nun komme ich zu dem dritten Punkt der bereits von mir erwähnten Trias, der Neubegründung.

3.1.1 Organisation der Neuen Welt

Es scheint überraschend wie schnell, trotz der Eigenmächtigkeit der Conquisatoren, eine feste und funktionierende Verwaltung in den eroberten Gebieten aufgebaut werden konnte. In den Anfangsjahren war dies noch eine sehr einfache. Ihre oberste Instanz war Kolumbus als Vizekönig, somit also Vertreter der spanischen Krone. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Amt des Vizekönigs als feste Instanz für Kastilien eigentlich völlig unbekannt. Es existierte nur sporadisch um den König in dessen Abwesenheit zu vertreten.

Nach der Absetzung Kolumbus im Jahre 1500 kam dieses Amt bis zur Eroberung Mexikos nicht mehr vor. Nun wurden von der Krone in den neugeschaffenen Provinzen Gouverneure eingesetzt. Diese hatten neben ihren richterlichen und administrativen Rechten, insofern ihre Provinz an einer gefährdeten Grenze des Kolonialreichs lag, auch den militärischen Oberbefehl.

Mit der erneuten Schaffung des Vizekönigtums in Amerika, behielten diese Randgebiete zwar ihre militärischen Befugnisse, unterstanden jetzt aber dem Vertreter der Krone. 1535 in Neuspanien und dann 1543 in Peru wurden die Ämter der Vizekönige wieder hergestellt, da die Entfernung zum Heimatland zu groß und damit der Einfluss der Krone zu gering war.

Einzelne Provinzen wurden zu Vizekönigtümern zusammengeschlossen. Aufgabe der Vizekönige war es die Interessen der Krone zu wahren. Um dies zu gewährleisten war ihre Amtszeit begrenzt. Sie mussten einen Bericht über ihre Amtszeit anfertigen,[8] um Missbräuchen vorzubeugen. Der militärische Oberbefehl lag in ihren Händen, ebenso wie die Verwaltung und das Militär.[9] Weiter hatten sie den Vorsitz in den sogenannten Audiencias.

Schon sehr früh wurden in der Neuen Welt die Audiencias, Appellations-gerichtshöfe, geschaffen, die Streitigkeiten in zweiter Instanz entschieden. Diese „... Gerichtshöfe wurden zu einem staatlichen Kontrollorgan für die koloniale Bürokratie und hatte gegen Unregelmäßigkeiten und Ausschreitungen in der

Ausübung der Amtsgewalt einzugreifen.“[10] Am Anfang war der Sitz dieser noch in Spanien, wurde dann aber auch in der Neue Welt eingeführt. Die erste Audiencia befand sich bereits 1511 in Santo Domingo. Ihr folgten im Laufe der Zeit noch weitere. Im Vizekönigreich Neuspanien entstanden zwischen 1511 und 1548 insgesamt vier und im Vizekönigreich Peru zwischen 1538 und 1573 sechs dieser Gerichtshöfe. Peru steigerte die Zahl bis in das 18. Jh. auf insgesamt neun.[11]

Um die absolute Integrität der gerichtlichen Beamten zu wahren, durften diese sich weder in ihrem Amtsbereich verheiraten, noch einen persönlichen Wohnbesitz errichten, sie hatten in den Amtsgebäuden zu leben. Weiterhin war es ihnen untersagt Geschenke anzunehmen oder Handel zu betreiben. Um die Beamten Bestechungsversuchen gegenüber so unanfällig wie möglich zu machen, war deren Gehalt sehr hoch.[12]

Die Behörden in der Neuen Welt kommunizierten nicht direkt mit der Krone. Sie unterstanden der 1503 gegründeten Casa de la Constatación, einer „... Art Handelskammer oder Handelsorganisation der Krone ...“[13], mit Sitz in Sevilla. Diese Behörde regelte die Ein- und Auswanderung der Kolonie, organisierte den Warenhandel und trieb die der Krone zustehenden Anteile der Händlereinkünfte ein. Sie verwaltete somit den kompletten Personen-, Schiffs-, Waren- und Geldverkehr mit der Neuen Welt. Im Jahre 1717 wurde ihr Standort nach Cádiz verlegt, da der Zufahrtfluss nach Sevilla versandet und somit für große Schiffe nicht mehr zu passieren war.

[...]


[1] Edelmeyer, F.: Die Neue Welt. Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche,

Wien 2001, S. 62;

[2] Bernecker, W. L./Pietschmann, H.: Geschichte Spaniens. Von der frühen Neuzeit

Bis zur Gegenwart, Stuttgart 19933 und Heine, H.: Geschichte Spaniens in der frühen Neuzeit 1400-1800, München 1984;

[3] Edelmeyer, F.: Die Neue Welt, S. 64;

[4] Sieber, E.: Kolonialgeschichte der Neuzeit, Bern 1949, S. 26ff;

[5] Edelmeyer, F.: Die Neue Welt, S. 64;

[6] Sieber, E.: Kolonialgeschichte der Neuzeit, S. 39;

[7] Edelmeyer, F.: Die Neue Welt, S. 63;

[8] Diese stellen heute die wichtigsten Quellen über die spanische Herrschaft in Amerika dar.

[9] Reinhard, W.: Geschichte der europäischen Expansion, Bd. 2, Mainz 1985, S. 74;

[10] Weltgeschichte. Süd- und Mittelamerika I. Die Indianerkulturen Altamerikas und

die spanisch-portugiesische Kolonialherrschaft, Bd. 22, Hrsg.: Konetzke,

R., Frankfurt 2000, S. 133;

[11] Ebd. S. 132 ff;

[12] Edelmeyer, F.: Die Neue Welt, S. 68 f;

[13] Ebd. S. 69;

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die spanische Kolonisation Lateinamerikas
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Geschichte)
Veranstaltung
europ. Expansion v. 1500-1800
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V18870
ISBN (eBook)
9783638231275
ISBN (Buch)
9783640866946
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kolonistaion, Lateinamerikas, Expansion
Arbeit zitieren
Sebastian Gottschalch (Autor), 2003, Die spanische Kolonisation Lateinamerikas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18870

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