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Der Zusammenhang von Euripides’ Tragödie und dem Hera-Akraia-Kult in Korinth

Title: Der Zusammenhang von Euripides’ Tragödie und dem Hera-Akraia-Kult in Korinth

Seminar Paper , 2009 , 12 Pages

Autor:in: Elisabeth Keppe (Author)

World History - Early and Ancient History
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Bis heute gilt Euripides wohl als einer der beliebtesten antiken Tragiker. Das Stück „Medea“ zählt zu seinen größten Werken, das auch heute noch eine besondere Faszination auf den Zuschauer ausübt.
In dieser großen psychologischen Charakterstudie einer in ihrer Seele zutiefst getroffen Frau verhallen beim Zuschauer die Worte Medeas, die sie fast am Ende des Stückes zu Jason spricht, während sie die von ihr getöteten Kinder in den Armen hält und auf einem mit Drachen bespannten Wagen steht:
„Ich möchte sie mit meiner Hand begraben, sie tragen in das Heiligtum der Göttin Hera Akraia, daß kein Feind sie schände und ihr Grab aufwühle. Und dem Land des Sisyphos will ich ein Götterfest und Opfer stiften für die Zukunft, diesem frevelhaften Mord zur Sühne.“ (V. 1378-1383)
Für den Zuschauer klingt das ziemlich abstrakt: Er weiß nicht viel mit dem genannten Heiligtum anzufangen, weil er es nicht kennt, und auch unter den angekündigten Götterfesten und Kulten kann er sich in den meisten Fällen wahrscheinlich nichts Konkretes vorstellen.
In der Antike war das anders. Hier schilderten die Worte die Umgebung der Zuschauer, vertraute Riten, wohlbekannte Schicksale. Was sie tatsächlich über die Riten gewusst haben, kann heute natürlich nicht mehr zweifelsfrei geklärt werden. Man kann jedoch mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Besucher des Stückes mit Geschichten, die etwas mit Medea zu tun hatten, nicht nur vertraut waren, sondern wohl auch die Riten kannten, die im Tempel von Hera Akraia zu Ehren der Kinder vollzogen wurden.
Folgend soll in diesen Ausführungen das oben genannte verständlich gemacht und untersucht werden, inwiefern ein schon bestehender Kult Euripides beeinflusst hat.
Versuchte Euripides, einen bestehenden Kult durch seine Erzählung zu erklären? Gibt es verschiedene Erklärungsmöglichkeiten für die Riten der Hera Akraia? Warum erwähnte Euripides überhaupt die Hera Akraia? Was brachte Euripides Neues für den Kult?
Diesen und anderen Fragen soll nun im Folgenden nachgegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Mögliche Ursprünge und Gründe der Ätiologie

2.2 Die unterschiedlichen Versionen des Kindstodes

2.3 Die Bedeutung der Hera Akraia

2.4 Das Begräbnis der Kinder

2.5 Theorie von den zwei verbundenen Medea-Bildern

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Euripides’ Tragödie „Medea“ und dem in Korinth beheimateten Hera-Akraia-Kult, um zu ergründen, inwieweit der Dichter mythische Überlieferungen für eine ätiologische Begründung des Kults nutzte.

  • Analyse der ätiologischen Ursprünge des Hera-Akraia-Kults.
  • Vergleich unterschiedlicher mythischer Versionen des Kindstodes.
  • Untersuchung der mythologischen Rolle der Göttin Hera Akraia.
  • Hinterfragung der Verknüpfung von Medeas Handeln mit den rituellen Kultpraktiken.
  • Diskussion der Theorie zweier unterschiedlicher Medea-Bilder.

Auszug aus dem Buch

2.1 Mögliche Ursprünge und Gründe der Ätiologie

Der Kult um Hera Akraia bestand schon lange vor Euripides und man kann deutlich erkennen, dass schon alte voreuripideische Überlieferungen die Beziehungen Medeas und ihrer Kinder zu Korinth und zur Hera Akraia darstellten. Euripides kannte diese Darstellungen und den Kult und nennt in der oben zitierten Stelle Medea als Gründerin dieses Kultes. Damit ist er nicht alleine. Auch andere antiken Quellen bezeichnen Medea als Gründerin des Kults von Hera Akraia und seines jährlichen Festes, das sowohl der Gottheit als auch Medeas toten Kindern gewidmet war. Dieser Widmung lässt sich die Vermutung ableiten, dass Medea eine frühere Gottheit der Korinther war, die durch Hera verdrängt worden ist. Es ist nämlich auffällig, dass Medea in diesem Kult keine Rolle spielt, sondern nur ihre Kinder und Hera Akraia. Durch die Ersetzung Medeas durch Hera kehrten sich dann Medeas Charakterzüge ins Gegenteil: Sie war nicht mehr die schützende Mutter, sondern brachte den Kindern Unheil, während Hera die Kinder schützte.

Es ist durchaus möglich, dass Medea nicht erst nachträglich durch die Ätiologie mit dem Kult in Verbindung gebracht worden ist, sondern dass diese Legende auf eine alte Kultverbindung beruhte. Wenn Medea vorher tatsächlich eine Gottheit gewesen war, konnte der Kindesmord durch Medea ursprünglich ein Kinderopfer an die ehemalige Göttin Medea gewesen sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Euripides’ „Medea“ ein und stellt die Verbindung zwischen dem Bühnenwerk und dem antiken Hera-Akraia-Kult in Korinth als Forschungsgegenstand vor.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die ätiologischen Hintergründe, verschiedene Überlieferungen des Kindstodes, die Rolle Heras sowie die Verbindung zwischen dem Bühnengeschehen und den tatsächlichen Kultriten.

2.1 Mögliche Ursprünge und Gründe der Ätiologie: Dieses Kapitel erörtert die historische Einbettung des Kults und die These, dass Medea ursprünglich selbst eine Gottheit gewesen sein könnte, bevor Hera sie im Kult verdrängte.

2.2 Die unterschiedlichen Versionen des Kindstodes: Hier werden divergierende antike Quellen zum Tod der Medea-Kinder verglichen, um Euripides' spezifische künstlerische Gestaltung der Motive hervorzuheben.

2.3 Die Bedeutung der Hera Akraia: Es wird die mythologische und kultische Rolle der Hera Akraia beleuchtet und deren Beziehung zu Medea und den Kindern untersucht.

2.4 Das Begräbnis der Kinder: Das Kapitel behandelt die Bedeutung der Grabstätte der Kinder und deren Einbindung in die kultische Sühnepraxis im Tempel der Hera Akraia.

2.5 Theorie von den zwei verbundenen Medea-Bildern: Die Analyse konzentriert sich auf die Vermischung zweier unterschiedlicher Medea-Charaktere in Euripides' Werk: der helfenden Argonauten-Gefährtin und der rachegetriebenen Kindsmörderin.

3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die genauen Ursprünge des Kults historisch kaum zu klären sind, Euripides aber durch seine geschickte ätiologische Verknüpfung dem Werk eine tiefere Realitätswirkung verlieh.

Schlüsselwörter

Euripides, Medea, Hera Akraia, Korinth, Ätiologie, Kindstod, griechische Tragödie, Kult, Mythos, Sühneritus, Kindesmord, antike Religion, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der griechischen Tragödie „Medea“ von Euripides und den realen, historischen Kultpraktiken des Hera-Akraia-Kults in Korinth.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die ätiologischen Hintergründe des Kults, die literarische Gestaltung des Kindstodes bei Euripides im Vergleich zu anderen Quellen und die mythologische Rolle der Göttin Hera.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu verstehen, warum Euripides sein Werk mit einer ätiologischen Begründung für den Hera-Akraia-Kult abschließt und welche Absicht er damit verfolgte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philologische und literaturwissenschaftliche Analyse, die antike Quellen und Sekundärliteratur auswertet, um den Bezug zwischen Mythos und historischem Kult zu klären.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Erörterung von Ursprüngen und Ätiologie, den Vergleich von Kindstod-Versionen, die Untersuchung der Hera Akraia, Fragen zum Begräbnis der Kinder und die Theorie zu den zwei Medea-Bildern.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Euripides, Hera Akraia, Ätiologie, Kindesmord, Sühneritus und Korinth definiert.

Wie unterscheidet sich die Version des Kindstodes bei Euripides von anderen Quellen?

Während andere antike Quellen den Tod der Kinder oft als Mord durch die Korinther oder als Unfall bei einem Rettungsversuch schildern, macht Euripides die Mutter Medea zur Täterin, was eine bewusste ätiologische Neugestaltung darstellt.

Warum spielt die Göttin Hera in diesem Kult eine so wichtige Rolle?

Hera ist in der Mythologie eng mit Müttern und Kindern verbunden; die Arbeit deutet darauf hin, dass sie im Kult in Korinth eine schützende Funktion einnahm, die im krassen Gegensatz zur Darstellung der Medea steht.

Was besagt die Theorie der zwei Medea-Bilder?

Die Theorie legt nahe, dass Euripides zwei unterschiedliche Medea-Traditionen miteinander verschmilzt: die der helfenden, positiven Heldin und die der rächenden Kindsmörderin.

Welche Bedeutung hat das Grab der Kinder für den Kult?

Das Grab und die damit verbundenen Zeremonien im Hera-Heiligtum dienten als Sühneritus, wobei Euripides das Begräbnis als zentralen Punkt ans Ende seines Werkes setzte, um den Kultbezug explizit zu verankern.

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Details

Title
Der Zusammenhang von Euripides’ Tragödie und dem Hera-Akraia-Kult in Korinth
College
LMU Munich
Author
Elisabeth Keppe (Author)
Publication Year
2009
Pages
12
Catalog Number
V188725
ISBN (eBook)
9783656125228
Language
German
Tags
zusammenhang euripides’ tragödie hera-akraia-kult korinth
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elisabeth Keppe (Author), 2009, Der Zusammenhang von Euripides’ Tragödie und dem Hera-Akraia-Kult in Korinth, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188725
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