Dmitri Schostakowitschs Klavierquintett op. 57 - Versuch einer Analyse


Hausarbeit, 2010

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Werkgeschichte und Entstehungshintergrund

2. Analyse
2.1. Überblick über die Anlage des Gesamtwerks nach Smallman
2.2. Analyse des zweiten Satzes (Fuge)
2.3. Analyse des Scherzo

3. Rezeption und Wirkung

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

„Man muß Schostakowitsch Gerechtigkeit widerfahren lassen: Dem allgemeinen Eindruck nach enthält seine Fuge unglaublich viel Neues [...]“[1]

So äußert sich der ebenfalls sowjetische Komponist Sergei Prokofjew zu einem der Sätze aus Schostakowitschs Klavierquintett g-Moll op. 57 aus dem Jahr 1940. Auch wenn die Formulierung „dem allgemeinen Eindruck nach“ etwas abfällig daherkommt scheint der Schöpfer von „Peter und der Wolf“ doch dieses Kompliment recht ernst zu meinen.

Auch über die anderen Sätze bildet sich Schostakowitschs Komponistenkollege eine Meinung. Der an zweiter Stelle erscheinende Fugensatz steche jedoch wie gesagt hervor.

Aus der bachschen Tradition heraus unternahmen die Komponisten der nachfolgenden Generationen vielerlei Versuche originelle Fugen zu schreiben und dem damit dieser traditionellen Form ein gewisses Maß an Neuartigkeit beizubringen. Im Bezug hierauf räumt Prokofjew allenfalls Hindemith das Gelingen dieses Versuchs ein, der in seinen Sonaten ebenfalls mit fugenartigen Strukturen experimentierte. (Meyer 1998, S.173)

Nicht vergessen werden darf, abgesehen von der Analyse einzelner Teilsätze des Werks auch der historische Kontext der Entstehung und Rezeption des Klavierquintetts.

Aus der Musikgeschichte heraus muss man Schostakowitsch ohnehin immer als Komponisten vor einem rumorenden politischen Hintergrund der Stalin-Ära sehen und verstehen. Man denke hierbei etwa an die beiden Sinfonien, die Salingrader und die Leningrader Sinfonie.

Ob es sich bei dem vorliegenden Werk ebenfalls um ein stark politisch konnotiertes und damit entweder revolutionäres oder traditionsbewusstes Werk handelt will die vorliegende Arbeit ergründen. Dabei erfolgt zunächst die Erörterung des Entstehungshintergrunds des Werkes und seine Rezeption um dann gefolgt von der Analyse (eines, zweier) Sätze zu einer möglichen Interpretation des Werkes zu gelangen.

1. Werkgeschichte und Entstehungshintergrund

Das Klavierquintett g-Moll op. 57 entstand im Jahre 1940, also noch vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges auf den Wunsch des eng mit Schostakowitsch befreundeten Beethoven-Quartetts hin. Für dieses schrieb der Komponist bereits sein Quartett Nr. 1, welches so großen Anklang fand, dass nun der Wunsch nach einem weiteren Werk dieser Gattung bestand. Bei der Aufführung am 23. November 1940 im Kleinen Saal des Moskauer Konservatoriums saß Schostakowitsch dann selbst am Flügel und führte das Quintett mit eben jenem Beethoven-Quartett auf. Dem Stück werden großartige stilistische Einheit, eine Meisterschaft der Form und ein Überfluss an Einfällen attestiert. Ein sehr traditionsverbundener Ausdruck, wie beispielsweise in der 6. Symphonie, verschmilzt hierbei mit den anderen Eigenschaften des musikalischen Ausdrucks von Schostakowitsch. (Meyer 1998, S. 272)

Wie die Analyse zeigen wird knüpft der Komponist in diesem Werk vor allem an die bachsche Polyphonie an und verbindet diese mit Elementen einer eher traditionsbewussten russischen Klassik.

Die bereits erwähnte Aufführung des Quintetts wurde zu einem der größten Erfolge für Dimitri Schostakowitsch. Wie auch bei der Uraufführung seiner 5. Symphonie nahmen die Ovationen kein Ende und Komponist und Ausführende mussten viele Male zurück auf die Bühne. Dieser Abend ließ den Komponisten lange nicht zur Ruhe kommen und er spazierte noch bis zum Morgengrauen nach der Aufführung durch Moskau ehe er nach Hause ging. Auch bei der Kritik fand das Werk einhelligen Zuspruch, was bei der scharfen Musikkritik dieser Zeit nicht üblich ist.[2] Ein ausführliches und kritisches Urteil über das Stück wird durch Schostakowitschs Kollegen Sergei Prokofjew abgegeben:

Prokofjew hebt vor allem die Fuge, also den zweiten Satz des Quintetts hervor und beteuert, dass es seit Bach bis in die heutige Zeit hinein immer wieder Komponisten versuchten eine originelle Fuge zu schreiben und griffen dafür zu abstrusesten Mitteln. versuchten. Allerdings bemängelt er jedoch die offensichtliche penible Abwägung jeder einzelnen Note durch den Komponisten. Dies tue man doch erst im hohen Alter.[3]

Laut Prokofjew enthält also vor allem die Fuge viel Neues und Interessantes, während die anderen Sätze des Werks eher „geringschätzig“ betrachtet werden. Hierbei hebt der Komponistenkollege den vierten Satz, das Intermezzo hervor, in dem eine „endlose Melodie über einen schreitenden händelschen Pizzicato-Bass erklingt. Erst an dem Punkt wo der Bass und damit Händel verstummt höre man den wahren Schostakowitsch. (ebd., S.273)

[...]


[1] Zitiert nach Meyer 1998, S.273.

[2] Zu denken ist hier an die starke politische Prägung sowjetischer Künstler durch das Stalin-Regime.

[3] Schostakowitsch war zu diesem Zeitpunkt 34 Jahre alt.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Dmitri Schostakowitschs Klavierquintett op. 57 - Versuch einer Analyse
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Klavierkammermusik
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V188737
ISBN (eBook)
9783656125808
ISBN (Buch)
9783656126997
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dmitri, schostakowitschs, klavierquintett, versuch, analyse
Arbeit zitieren
Michael Cyris (Autor), 2010, Dmitri Schostakowitschs Klavierquintett op. 57 - Versuch einer Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188737

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