"Wie ein Streit eskalieren kann"


Hausarbeit, 2011

39 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhalt

1. Theorie
1.1 Was ist ein Streit?
1.1.1 Medien
1.1.2 Akteure
1.1.3 Ergebnis
1.2 Imagearbeit

2. Transkript

3. Analyse
3.1 Rahmenbedingungen
3.2 Paraphrase
3.3 Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik
3.3.1 Äußerungsgestaltung
3.3.2 Formulierungsdynamik
3.3.3 Imagearbeit
3.4 Timing
3.5 Kontextanalyse
3.6 Folgeerwartungen
3.7 Interaktive Konsequenzen

4. Schlusswort

5. Quellen

1. Theorie

1.1 Was ist ein Streit?

Ein Streit zeichnet sich durch Folgendes aus: mindestens zwei Akteure/soziale Gruppen setzen sich, vornehmlich mithilfe verbaler Mittel, auseinander. Das Ziel ist, die Gegenpartei zu überzeugen, in eine präzise Richtung zu bewegen oder sie zum Schweigen zu bringen.[1]

In der Wissenschaft wird der Begriff ‚Streit’ durch Bezeichnungen wie „Unvereinbarkeit“, „Nichtübereinstimmung“, „Gegensatz“, „Diskrepanz“, „Beeinträchtigung von Handlungsplänen“[2] etc. definiert. Auf allgemeiner Ebene kann ein Streit auch als Auseinandersetzung beschrieben werden.

Streitgespräche erscheinen auf vielfältige Art und Weise. Vorausgesetzt werden „psychische, beziehungshafte, soziale und andere Diskrepanzen“[3], die dann zur Deutung verbaler Prozesse dienen.

Laut Gruber verläuft ein Streit in drei Phasen. Die sprachliche Manifestation eines Streits bezeichnet er als dessen Einleitung. Hierbei muss man zwischen dem eigentlichen Konflikt und dessen sprachlicher Bearbeitung unterscheiden. Nur wenn man den Konflikt nicht unterdrückt und der ‚Gegner‘ zu einer konfrontativen Reaktion bereit ist, kann es zu einem Streit kommen. In der folgenden Phase werden die unterschiedlichen Positionen dargelegt, die konträren Standpunkte formuliert. Zu diesem Zeitpunkt kann es zu einer Eskalation des Streitens kommen oder auch zu einlenkenden Schritten, die, laut Gruber, die letzte Phase einleiten würden. Kommt es zu keiner Einigung, wird der Streit also ergebnislos beendet oder gar keine Konfliktlösung angestrebt, kann diese letzte Phase entfallen.[4]

Im Folgenden werden wichtige Kategorien und Bestandteile des Streits beschrieben.

1.1.1 Medien

Es gibt unterschiedliche Formen des Streits, die in verschiedenen Medien geführt werden können. Das entscheidende Mittel hierbei ist die Sprache, „[e]rst durch die Sprache wird eine Auseinandersetzung zum Streit“[5].

Durch Expressiva wie ‚Vorwerfen‘, ‚Diskreditieren‘, ‚Rechtfertigen‘, ‚Entschuldigen‘, etc.[6] wird ein Streit auch für außenstehende Beobachter als Streit wahrnehmbar. Relevante sprachliche Mittel zur Intensivierung gibt es in großer Anzahl. Modalitätsadverbien (z.B. wirklich), drastische Lexik (z.B. „Quatsch“), Allquantoren (z.B. „das machst du nie“), Übertreibungen, Formeln (z.B. „verdammt noch mal“), Interjektionen (z.B. „Mensch“) und die Prosodie der Erregtheit sind einige davon. Ebenso werden auch Formen der Abschwächung eingesetzt (z.B. „das ist kein Vorwurf, sondern eigentlich eine Erklärung“), Relevanzabschwächungen (z.B. „ich mein ja nur“), Heckenausdrücke (z.B. „irgendwie“), Fragesätze, Vermeiden von Adressierung, Scherzhaftigkeit und stockendes Sprechen.[7] Man kann Vorwürfe sowohl in kurzen Äußerungen als auch in ‚narrativen Szenen‘ vorbringen.

Auch existieren initiierende Kategorien, die beispielsweise dem Adressaten negative Eigenschaften als dauerhafte zuweisen (z.B. „Sie sind vielleicht verlogen“), ebenso Beleidigungen, Beschimpfungen, Spott, Drohung, soziales Ausgrenzen und viele weitere[8].

Jedoch ist die Sprache nicht das einzige Medium, in dem ein Streit stattfinden kann. In der italienischen Kunstepoche ‚Cinquecento‘ beispielweise, sind Streits häufig durch Bildmedien, vor allem Bilder und Skulpturen ausgetragen worden. Dennoch spielte auch hierbei die Sprache eine Rolle, nämlich die, den Streit zwischen Malerei und Bildhauerei auf Streitschriften und Abhandlungen aufzunehmen und voranzutreiben.

Um einen Streit auszutragen, anzutreiben oder ihn in geordnete Bahnen zu lenken gibt es weitere Medien, beispielsweise das Kommunikationsmedium ‚Recht‘ bei einem Rechtsstreit, das man, wie auch die ‚Macht‘, als ‚Erfolgsmedium‘ betrachtet. Diese sind dazu da, Streits zu klären und zu regulieren. Wenn ein sogenanntes ‚Machtwort‘ gesprochen wird, ist dennoch nicht gesagt, dass der Streit dadurch beendet ist. Andererseits existieren aber auch symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, wie Geld, Liebe und Ansehen, bei denen allerdings nicht gewiss ist, ob sie zur Lösung eines Streits beitragen oder ihn verschlimmern[9].

Das einzige, das bei einem Streit total ausgeschlossen ist, ist Gewalt. Das heißt nicht, dass ein Streit keinesfalls zu gewaltsamem Handeln führen kann, jedoch endet das dann in einer anderen Form der Konfrontation. „Wo Streit in Gewalt mündet, hat der Streit aufgehört, Streit zu sein.“[10] Begründet wird dies durch das ‚Kriterium der Reversibilität‘, das besagt, dass das Ergebnis eines Streits revidierbar bleibt. Kommt es zu Gewalt, eventuell sogar zum Tod, ist diese Bedingung nicht mehr einzuhalten. Letztendlich bleibt, trotz einer großen Auswahl von Medien, die Sprache, wie anfangs erwähnt, der zentrale Punkt beim Austragen von Streits[11].

1.1.2 Akteure

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Frage, welche Akteure in eine Auseinandersetzung einbezogen sind und wie sie interagieren. „Streit […] könnte man als überwiegend personalisierte Form der Auseinandersetzung fassen.“[12] Es muss immer mindestens zwei Akteure geben, seien es auch kollektive Akteure wie z.B. Künstlergruppen. Wichtig ist, dass die Möglichkeit besteht, den Gegner sprachlich-kommunikativ auszumachen und zu adressieren. Adressieren bedeutet, dass der derjenige sich selbst als Adressat begreifen und somit aktiv an der Auseinandersetzung teilhaben muss.

Die Grundlage dabei bilden Vorwürfe und Anschuldigungen, die die Verantwortlichkeit des Adressaten, die Schädigung einer Person und die Verletzung von Normen mit einbeziehen und im Schweregrad des Vorwurfs variieren können.[13] Um eine Aussage als Vorwurf geltend zu machen, reicht es bereits aus, ein Objekt, für das der Adressat verantwortlich ist, zu nennen. Oftmals werden Vorwürfe zurückliegender Handlungen auf das Geschehen projiziert (z.B. ‚jetzt schrei doch nicht so‘).

Kommunikation kann dabei die Personalisierung verstärken, häufig sind aber Dritte, also Beobachter, maßgebend für Personalisierungen in Streitgesprächen. Einerseits in größeren Dimensionen, wie den Massenmedien, andererseits auch in alltäglichen Situationen.

Da Streits auch über längere Zeiträume geführt werden können, ist es ebenso möglich, dass die Akteurskonstellationen sich verschieben. Das heißt, dass sich eventuell neue Akteure am Streit beteiligen und Partei ergreifen und vorherige Wortführer abgelöst werden oder in den Hintergrund treten.

1.1.3 Ergebnis

Bei einem Streit stellt man sich natürlich auch die Frage nach potenziellen Ausgängen oder Ergebnissen der Auseinandersetzung. „Streit hat nicht nur Ursachen, Auslöser, einen Verlauf, sondern er läuft auch auf etwas zu: Streit hat ein Ende.“[14]

Es gibt unterschiedliche Formen des Endes und auch der Ausgang ist relativ offen, was den Streit von anderen Arten der Auseinandersetzung unterscheidet.

Man kann die Beendigungsformen in Bezug auf ihre temporäre Stabilität oder Fragilität differenzieren. So kann ein Streit in Übereinstimmung (Konsens) enden, was bedeutet, dass eine der beiden Parteien durch die andere überzeugt wird oder sie sich auf eine gemeinsame Position einigen. Dies ist eine Möglichkeit einen Streit dauerhaft zu beenden.

Schließt man hingegen einen Kompromiss, bewegt man den Streit in Richtung einer Verhandlung, bei der man es mit Geben und Nehmen zu tun hat. Es kommt zu keiner absoluten Einigung. Konkret bedeutet das, dass sich bei dieser Beilegung eines Streits zwar beide Parteien mit der Lösung arrangieren können, dennoch eine, oder auch beide, unbefriedigt bzw. benachteiligt bleiben. Ein Kompromiss ist ein „Mechanismus der temporären Aussetzung eines Streits“[15], somit besteht die Option einer Wiederaufnahme.

Ebenso kann ein Streit in einer Nichtübereinstimmung (Dissens) enden, was eine totale Unversöhnlichkeit der Positionen bedeutet. Oft entwickeln sich unvereinbare Standpunkte erst während des Streits. Auf der anderen Seite können sich aber auch gegensätzliche (antagonistische) in alternative Positionen umwandeln. Wenn ein Streit sich dem Ende neigt, kommen typische Anschlusshandlungen wie Eingeständnisse (z.B. Ich habe Mist gebaut), Sich-Entschuldigen, (teilweises) Zurückweisen/Bestreiten, Erklären und Sich-Rechtfertigen zum Einsatz.[16]

1.2 Imagearbeit

Jeder kennt die Redewendungen „sein Gesicht wahren“ und „sein Gesicht verlieren“. Diese Deutung von ‚Gesicht‘ nahm der Soziologe Erving Goffman als Grundlage seines Konzepts des ‚Face Work‘, das auf Deutsch als ‚Imagearbeit‘ übersetzt wird.[17]

Goffman definiert den Ausdruck ‚Image‘ wie folgt:

„Der Terminus Image kann als der positive soziale Wert definiert werden, den man für sich durch die Verhaltensstrategie erwirbt, von der die anderen annehmen, man verfolge sie in einer bestimmten Interaktion. Image ist ein Termini sozial anerkannter Eigenschaften umschriebenes Selbstbild, - ein Bild, das die anderen übernehmen können.“[18]

So lässt sich sagen, dass ein ‚Image‘ einerseits ein Selbstbild und andererseits ein Fremdbild, das andere von einem haben, ist. Diese beiden Erscheinungen sollten möglichst in Einklang miteinander stehen bzw. gebracht werden um Konflikte zu vermeiden.

Goffman unterscheidet zwischen ‚positivem‘ Image, das Bemühungen um Bestätigung und Lob bedeutet und ‚negativem‘ Image, das Handlungsfreiheit und Selbständigkeit bedeutet.

Besonders in der Eröffnungs- und Beendigungsphase jeder verbalen Kommunikation ist Imagearbeit relevant. So kommt es beispielsweise in Streitgesprächen zu ‚Imageverletzungen‘, indem der Kontrahent durch Beleidigungen und andere negative Kritik abgewertet wird. Aber man unterscheidet dabei auch andere Phänomene wie Sprecherwechsel (häufiges Unterbrechen), Redezeitanteile (jemanden nicht zu Wort kommen lassen), Hörersignale (unhöfliches Desinteresse bei Ausbleiben) oder Gestik.[19]

2. Transkript

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Gunther Gebhardt, Oliver Geisler, Steffen Schröter (2008): Streitkulturen – Polemische und antagonistische Konstellationen in Geschichte und Gegenwart, Bielefeld: transcript, S. 12 f.

[2] Vgl. Klaus Brinker, Gerd Antos, Wolfgang Heinemann, Sven Sager (2001): Text- und Gesprächslinguistik/ Linguistics of Text and Conversation 2. Halbband/ Volume 2, Berlin: Walter de Gruyter, S.1374

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. https://www.tu-chemnitz.de/phil/ifgk/germanistik/gf/ (Stand 26.03.2011, 12.14 Uhr)

[5] Vgl. Gunther Gebhardt, Oliver Geisler, Steffen Schröter (2008): Streitkulturen – Polemische und antagonistische Konstellationen in Geschichte und Gegenwart, Bielefeld: transcript, S. 15

[6] Vgl. Klaus Brinker, Gerd Antos, Wolfgang Heinemann, Sven Sager (2001): Text- und Gesprächslinguistik/ Linguistics of Text and Conversation 2. Halbband/ Volume 2, Berlin: Walter de Gruyter, S.1375

[7] Vgl. ebd, S.1377

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. Gunther Gebhardt, Oliver Geisler, Steffen Schröter (2008): Streitkulturen – Polemische und antagonistische Konstellationen in Geschichte und Gegenwart, Bielefeld: transcript, S. 17

[10] Vgl. ebd., S. 15

[11] Vgl. ebd., S. 17

[12] Vgl. ebd., S. 18

[13] Vgl. Klaus Brinker, Gerd Antos, Wolfgang Heinemann, Sven Sager (2001): Text- und Gesprächslinguistik/ Linguistics of Text and Conversation 2. Halbband/ Volume 2, Berlin: Walter de Gruyter, S.1377

[14] Vgl Gunther Gebhardt, Oliver Geisler, Steffen Schröter (2008): Streitkulturen – Polemische und antagonistische Konstellationen in Geschichte und Gegenwart, Bielefeld: transcript, S. 19

[15] Vgl Gunther Gebhardt, Oliver Geisler, Steffen Schröter (2008): Streitkulturen – Polemische und antagonistische Konstellationen in Geschichte und Gegenwart, Bielefeld: transcript, S.20

[16] Vgl. Klaus Brinker, Gerd Antos, Wolfgang Heinemann, Sven Sager (2001): Text- und Gesprächslinguistik/ Linguistics of Text and Conversation 2. Halbband/ Volume 2, Berlin: Walter de Gruyter, S.1377

[17] Vgl. https://www.tu-chemnitz.de/phil/ifgk/germanistik/gf/ (Stand: 12.03.2011, 14.15 Uhr)

[18] Vgl. Erving Goffman (1986): Interaktionsrituale, Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Verlag, S.10

[19] Vgl. https://www.tu-chemnitz.de/phil/ifgk/germanistik/gf/ (Stand: 26.03.2011, 12.30 Uhr)

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
"Wie ein Streit eskalieren kann"
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Veranstaltung
Deutsch - Gesprächsanalyse
Note
2,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
39
Katalognummer
V188754
ISBN (eBook)
9783656125747
ISBN (Buch)
9783656126935
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gesprächsanalyse anhand eines Ausschnitts einer Episode der US-Sitcom Friends.
Schlagworte
Streit, Gesprächsanalyse
Arbeit zitieren
Luisa Viehe (Autor), 2011, "Wie ein Streit eskalieren kann", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188754

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