Kann die Schule als Ort politischer Bildung Rechtsextremismus-Prävention leisten?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhtaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ansatzpunkte für schulische Rechtsextremisprävention

3. Dimensionen politischer Bildung an Schulen

4. Schulische Rechtsextremismusprävention in der Praxis
4.1 Inhaltiche Schwerpunkte
4.1.1 Gewaltprävention
4.1.2 Historisch-politische Bildung
4.1.3 Interkulturelle Bildung

5. Strukturelle Defizite und Kritik

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Studien und Beobachtungen zeigen immer wieder auf, dass das Schulleben in seiner konkreten Ausgestaltung einen direkten Einfluss auf die Entwicklung rechtsextremer Tendenzen haben kann (vgl. Rheinhardt/Tillmann, 2002, S. 46). Das Erlernen von „Demokratiefähigkeit“ ist zum Schlagbegriff politischer Bildungsarbeit geworden und wird als gesellschaftlicher Auftrag an die Institution Schule heran getragen. Umso mehr, seit Phänomene wie Xenophobie und Antisemitismus bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen sind.

Als Grundlage für die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus gilt der gesamtpolitische Bildungsauftrag der Schule. Dieser lässt sich in mehrere Dimensionen aufteilen und kann in einem Spannungsverhältnis zu anderen gesellschaftlichen Funktionen der Schule stehen. Als Instanz politischer Sozialisation steht die Institution Schule nicht nur den vorhandenen Formen des Rechtsextremismus gegenüber, sondern sieht sich auch mit dem Feld der Prävention konfrontiert (vgl. Kirschnick, 2001, S. 131-132).

Im folgenden möchte ich mich mit dem politischen Bildungsauftrag von Schulen und der damit einhergehenden Verantwortung gegenüber dem Problem des Rechtsextremismus auseinandersetzen.

Des weiteren soll ein kurzer Einblick in die schulische Praxis zur Rechtsextremismusprävention, seinen inhaltlichen Schwerpunkten und Ansätzen erfolgen.

2. Ansatzpunkte für schulische Rechtsextremismusprävention

Die Institution Schule ist dazu verpflichtet, die politische Sozialisation von Jugendlichen vorzunehmen. Dazu gehört die Vermittlung demokratischer Werte sowie des Erlernen von Demokratiefähigkeit. Dies findet sich in ihrem gesetzlich verankerten „menschenrechtlich-demokratischen Bildungsauftrages“ (vgl. Rippl, 2008, S. 449). Die politische Bildung, also alle Formen absichtsvollen pädagogischen Einwirkens auf die politische Sozialisation eines Menschen, gehört zum Bildungsauftrag der Schule (vgl. Sander, 2009, S. 9-10). Zudem ist Schule zu Funktionen der Integration und Legitimation verpflichtet. Sie soll Kinder und Jugendliche unter pädagogischer Begleitung in die jeweilige Gesellschaft integrieren. Hierbei sollen Werte und Normen vermittelt werden, die mit einer menschrechtlich-demokratischen Weltanschauung vereinbar sind und die demokratischen Verhältnisse dieses Systems stabilisieren. Neben diesen Faktoren des Eingliederns in ein demokratisches System, soll Schule durch politische Bildung aber auch zur politischen Teilhabe und der Entwicklung einer sozialen Identität verhelfen (vgl. Fend, 2006, S. 50-17 und vgl. Sandfuchs, 2001, S. 16-17).

Dieses Ziel des mündigen Bürgers der am politischen Geschehen einer Gesellschaft teilnimmt kann jedoch in einem Spannungsverhältnis zum Bildungsziel der Anerkennung des jeweiligen Systems (in Deutschland einem demokratischen System) stehen. Kritiker sprechen hier sogar von einer gewollten Herstellung von Loyalität gegenüber politischer Herrschaftssysteme (vgl. Fend, 1991, S 136-138).

Das Demokratieverständnis, dass die Institution Schule vermitteln soll bezieht sich vor allem auf die im Grundgesetz verankerten Grund- und Menschenrechte. Insbesondere auf das Gleichheitsgebot und die Wahrung der Menschenwürde, Art. 3 GG. Aus diesem Bildungsauftrag lassen sich Ansatzpunkte für die Auseinandersetzung mit der Problematik des Rechtsextremismus ableiten. Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus die sich in der Extremen Rechten vereinen, widersprechen dem Gleichheitsgebot und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der BRD. Des weiteren richtet sich die Ideologie der Extremen Rechten ganz konkret gegen demokratische Strukturen und strebt einen radikalen Autoritarismus an. Hier wird die Verpflichtung der Schule deutlich, bei Auftreten dieser Problematik, aber auch präventiv zu intervenieren (vgl. Oepke, 2005, S. 44-51).

Die Schule soll an dieser Stelle mit Hilfe demokratischer Entscheidungs- und Mitbestimmungsstrukturen als Modell fungieren.

Hierbei kann die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und dessen Prävention auf zwei Ebenen erfolgen. Zum einen auf der individuellen Ebene. Der Jugendliche soll demokratische Handlungskompetenz, Demokratieverständnis und Empathiefähigkeit erlernen. Es soll ein Gefühl der Partizipation sowie politisches, historisches und kulturelles Wissen vermittelt werden. Auf der anderen Ebene steht die Schulstruktur. Die Schule hat die Aufgabe durch eine demokratische Schulstruktur Erfahrungsraum für demokratische Prozesse zu sein. Jugendliche sollen nicht in Demokratieverdrossenheit verfallen, sondern das Gefühl vermittelt bekommen aktiv am Schulgeschehen mitwirken zu können. Politische Bildung kann nicht nur über theoretischen Unterrichtsstoff vermittelt werden. Diese zweite Ebene wird jedoch gerne übergangen, da sie die Institution Schule in die Verantwortung nimmt, ein Mitwirken der Schüler zuzulassen (vgl. Elverich, 2011, S. 47).

Als genauere Grundlage für eine politische Bildung die an einer menschenrechtlich-demokratischen Grundordnung orientiert ist dienen die Schulgesetze der Bundesländer. Da das Bildungssystem der BRD föderal organisiert ist, beschreibt jedes Bundesland seine eigenen, unterschiedlichen Schwerpunkte für die Demokratieerziehung (vgl. Himmelmann, 2006, S. 63-64). Gemeinsam haben aber alle Bundesländer den Auftrag, Schülern Verständnis politischer Prozesse und Demokratiefähigkeit nahe zu bringen. Der Jugendliche soll zu einen mündigen Bürger der zu politischer und gesellschaftlicher Teilhabe fähig ist werden. Die Schule fungiert als Bindeglied zwischen Person und Gesellschaft. Ebenso ist in jedem Schulgesetz die Auseinandersetzung mit der Zeit des deutschen Nationalsozialismus verankert. Ziel ist also die Vermittlung demokratischer Kultur und somit eine Vorbeugung rechtsextremer Tendenzen (vgl. Elverich, 2011, S. 48-49).

3. Dimensionen politischer Bildung an Schulen

Die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus ist eine Querschnittsaufgabe politischer Bildung. Das Instrument politische Bildung mit dem die Schule ihre gesellschaftlichen Bildungsauftrag erfüllen will ist einerseits als Unterrichtsfach anzutreffen, andererseits als fächerübergreifendes Grundprinzip.

Die Dimensionen politischer Schulbildung kann man in Politikunterricht, die politische Bildung als Teilbereich anderer Fächer, themenbezogene Projekte und den Schulalltag als ganzes (z.B. demokratische Strukturen innerhalb der Schule) einteilen.

Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer konkretisieren diese Dimensionen. Was auf abstrakter Ebene als „politische Bildung“ bezeichnet wird und in der Dimensionseinteilung unter den Politikunterricht fällt, findet hier seine konkreten Schwerpunkte der Lehrinhalte sowie die vorgeschriebene Anzahl an Wochenstunden.

Die politische Bildung als Teilbereich anderer Fächer verfestigt sich dadurch, dass viele Bundesländer in die Rahmenlehrpläne für die Sekundarstufe I aufgenommen haben, dass politische Bildung fächerübergreifend zu geschehen hat. Die Erlernen demokratischer und interkultureller Kompetenzen kann und soll sich nicht alleine auf den Politikunterricht beschränken.

Durch Projekte soll Demokratie im Schulalltag erfahrbar gemacht werden um so ein Gefühl der Partizipation, der Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu erzeugen. Die Institution Schule soll hier als „Mikro-Kosmos“ fungieren, der das Erleben von Demokratie ermöglicht (vgl. Elverich, 2011, S. 49-52).

Hinderlich ist, dass der politische Bildungsauftrag der Schule anderen Funktionen des Bildungswesen widersprechen kann. Sie sieht sich in einer Doppelfunktion, in der sie zum einen durch Mittel der Qualifikation und Selektion zur Reproduktion der Gesellschaft beitragen soll. Andererseits verfolgt sie das Ziel die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen zu begleiten und sie zu mündigen Bürgern zu erziehen. Hierbei ist sie insbesondere die Selektionsfunktion der Schule kritisch zu werten, da sie zwangsläufig zur Konkurrenz unter den Schülern führt. Ein von Wettbewerb, Misserfolgen und Leistungsdruck geprägter Schulalltag ist nur schwer mit den Werten der Solidarität und Empathie vereinbar. Viel eher bildet sich hier die sog. Ellenbogengesellschaft heraus, in der Schwächere zurück bleiben. Viele Schüler erleben Schule als einen Ort von Ungleichheitserfahrungen und nicht als Modell als erstrebenswerten, demokratischen Systems (vgl. Görisch, 1995, S. 304-305).

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Kann die Schule als Ort politischer Bildung Rechtsextremismus-Prävention leisten?
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V188811
ISBN (eBook)
9783656125624
ISBN (Buch)
9783656125846
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsexremismus, Prävention, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Rechtsradikal
Arbeit zitieren
Britt Fender (Autor), 2012, Kann die Schule als Ort politischer Bildung Rechtsextremismus-Prävention leisten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188811

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