Bereits zu Anfang des 21. Jahrhunderts konnte in Deutschland festgestellt werden, dass im tertiären Sektor immer mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden und der Anteil von Dienstleistungen am Bruttosozialprodukt beständig steigt. In der Industrie sind Arbeitsplätze abgebaut worden und mehr Bürger finden eine Erwerbstätigkeit im tertiären Sektor (vgl. Bosch et. al., S. 11). Ebenso lässt sich dieser Trend in anderen Industrieländern feststellen. In ehemaligen Zentren der Industrie wie z.B. dem Ruhrgebiet oder in Mittelengland stehen Fabrikhallen leer. Anstelle der Industriehallen entstehen Bürokomplexe mit Dienstleistern und Dienstleistungsangeboten in hoher Anzahl. Dementsprechend kommt dem Dienstleistungssektor und den Dienstleistungen an sich ein immer höherer Stellenwert hinzu. Mit dem Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft gehen auch Veränderungen sozialer Art einher (vgl. Häußermann/Siebel 1995, S. 9 ff.). Ebenso wirkt sich dieser Prozess auf Professionen und deren Bedeutung aus. Galten sie noch in den 1970er Jahren als Motor der Modernisierung, sprechen viele Autoren über die immer problematischere Lage von Professionen. Die Problemlösungskapazitäten von Professionen sind nach der Jahrtausendwende nicht mehr im selben Maße vorhanden wie davor. Häufig wird die Fehleranfälligkeit professioneller Leistung kritisiert und das Wissen des Professionellen wird durch das World Wide Web immer leichter zugänglicher. Das hat natürlich auch Konsequenzen für die Professionen. Aufgrund dieser Tatsachen lässt sich festhalten, dass das Thema rund um Professionen sehr aktuell ist, auch wenn sie sich scheinbar in einer Krise befinden (vgl. Demszky/Voß 2010, S. 773).
Die zentrale Fragestellung, die dieser Hausarbeit zugrunde liegt, lautet wie folgt „Droht den Professionen die Proletarisierung in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft?“.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
2.1 Profession
2.2 Proletarisierung
3 Vorstellung machttheoretischer Ansatz
4 Dienstleistungsgesellschaft
4.1 Dienstleistung
4.2 Theorien zur Dienstleistungsgesellschaft
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Hausarbeit untersucht die zentrale Fragestellung, ob Professionen in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft eine Proletarisierung droht, indem sie diese durch die Linse des machttheoretischen Ansatzes analysiert.
- Grundlagen und Definitionen von Professionen und Proletarisierung
- Analyse der machttheoretischen Perspektive auf Professionen
- Untersuchung der Dienstleistungsgesellschaft als moderne Gesellschaftsform
- Soziale Konsequenzen des Wandels von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft
- Diskussion über Machtverhältnisse und bürokratische Strukturen
Auszug aus dem Buch
2.1 Profession
Der Begriff der Profession ist ein schwer greifbarer und nicht einfach zu definierender Terminus. Um jedoch einen Bezug zu dem zu erforschendem Gegenstand im wissenschaftlichen Prozess herzustellen, wird ein gewisses Grundverständnis benötigt (vgl. Mieg 2003, S. 15). Ohnehin gibt es nicht die eine Definition, sondern das Verständnis des Begriffs hängt von dem jeweiligen Ansatz und der Betrachtungsweise ab. Nichtsdestotrotz werden im Folgenden einige zentrale Aspekte des Professionsbegriffs und Merkmale dessen festgehalten.
Zuvor wird jedoch der Begriff der Profession aus geschichtlicher Perspektive kurz betrachtet. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sind die Professionen zum Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Forschung herangewachsen. Allerdings sind Professionen eine ältere Erscheinung, die bis auf die sogenannten aus England stammenden „Inns of Courts“ zurückzuführen sind. Zusammen mit den Königlichen Kollegien der Ärzte sind die „Inns of Courts“ der historische Ausgangspunkt für die Entstehung der selbst verwalteten Professionen im anglo-amerikanischen Sprachraum des 15. Und 16. Jahrhunderts. Ein weiterer entscheidender Meilenstein für die klassischen Professionen der Mediziner und Juristen vollzog sich seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Infolgedessen wurde eine deutliche Zunahme dieser professionellen Berufsgruppen diagnostiziert (vgl. Kurtz 2002, S. 47). In diesem Sinne kann festgehalten werden, dass „Professionen ein Phänomen des Übergangs von der ständischen Gesellschaft des alten Europas zur funktional differenzierten Gesellschaft der Moderne sind und daß sie vor allem darin ihre gesellschaftsgeschichtliche Bedeutung haben“ (Zitiert nach Stichweh in Combe/Helsper 1996, S. 50). Demnach sind Professionen ein Produkt des Wandels zur Moderne und erfahren durch diese gleichsam ihre Legitimation. Jedoch gilt es an dieser Stelle zu erwähnen, dass es keine generelle Übereinstimmung der Professionalisierungsprozesse in allen Teilen der Welt gibt. Demzufolge muss die Entwicklung von Professionen zwischen verschiedenen Regionen der Welt wie z.B. zwischen Kontinentaleuropa und dem Anglo-Amerikanischem Raum unterschieden werden (vgl. Kurtz 2002, S. 47).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft und die zentrale Forschungsfrage nach der Proletarisierung von Professionen.
2 Begriffsklärung: Definition der zentralen Termini Profession und Proletarisierung unter Berücksichtigung historischer und soziologischer Ansätze.
3 Vorstellung machttheoretischer Ansatz: Erläuterung der machttheoretischen Perspektive in der Professionssoziologie und deren Sicht auf Professionen als Machtträger.
4 Dienstleistungsgesellschaft: Analyse des Dienstleistungsbegriffs sowie theoretische Einordnung der Dienstleistungsgesellschaft, insbesondere anhand von Daniel Bell.
5 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage unter Einbeziehung der untersuchten Ansätze und Kritik an der Eindeutigkeit des Proletarisierungstrends.
Schlüsselwörter
Dienstleistungsgesellschaft, Profession, Proletarisierung, Machttheoretischer Ansatz, Professionssoziologie, Dienstleistung, Industriegesellschaft, soziale Schließung, Akademisierung, Wissensgesellschaft, Machtverhältnisse, soziologische Analyse, Strukturwandel, Klassenlehre, Professionalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung, ob für professionelle Berufsgruppen in der modernen Dienstleistungsgesellschaft ein Prozess der Proletarisierung zu befürchten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition von Professionen, die Analyse der Dienstleistungsgesellschaft sowie die machttheoretische Betrachtung professioneller Handlungsspielräume und Machtstrukturen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der zentralen Frage nach: „Droht den Professionen die Proletarisierung in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft?“.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse unter Anwendung des machttheoretischen Ansatzes der Professionssoziologie durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, die Vorstellung machttheoretischer Ansätze zur Professionssoziologie und eine theoretische Fundierung zur Dienstleistungsgesellschaft inklusive der Theorien von Daniel Bell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Proletarisierung, Profession, Dienstleistungsgesellschaft, Machtverhältnisse und Soziologie charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst der machttheoretische Ansatz die Betrachtung von Professionen?
Dieser Ansatz betrachtet Professionen primär als Machtträger, die durch Kontrolle ihrer Märkte versuchen, Privilegien, Status und Einkommen zu sichern, wodurch ein Abhängigkeitsverhältnis zum Klienten entsteht.
Warum ist eine eindeutige Beantwortung der Forschungsfrage im Fazit schwierig?
Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass der machttheoretische Ansatz allein nicht ausreicht und eine klare Proletarisierung schwer festzumachen ist, da zwar Anzeichen bestehen, aber keine allgemeingültige Bestätigung gefunden werden kann.
- Citar trabajo
- Lars Rosenbaum (Autor), 2011, Proletarisierung der Professionen - Die Dienstleistungsgesellschaft und ihre Folgen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188841