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Die Staatsschuldenkrise als Vertrauenskrise?

Eine vergleichende Untersuchung der Sozialkapitalentwicklung im Verlauf der Staatsschuldenkrise anhand ausgewählter Eurostaaten

Titel: Die Staatsschuldenkrise als Vertrauenskrise?

Bachelorarbeit , 2011 , 70 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Florian Philipp Ott (Autor:in)

Politik - Thema: Europäische Union
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Investmentbank „Lehmann Brothers“ befindet sich ein Großteil der europäischen Volkswirtschaften im permanenten Krisenzustand. Waren jedoch von der weltweiten Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 beinahe alle Staaten der Eurozone betroffen, so traf der darauf folgende ökonomische Abschwung einige Staaten härter als andere. Von der aktuellen Staatsschuldenkrise sind noch weniger Länder betroffen.

Trotz dieser Uneinheitlichkeit in der direkten Krisenbetroffenheit scheint sich die europäische Bevölkerung wenigstens in einem Punkt einig zu sein: Die Schuld für den anhaltenden Krisenzustand schreibt sie der Politik zu – zumindest wenn man zahlreichen Beiträgen in der öffentlichen Diskussion glauben darf. Doch ist dem tatsächlich so? Lässt sich im Verlauf der verschiedenen Krisen seit 2007 ein länderübergreifender Rückgang des Vertrauens der Bevölkerung in die politischen Institutionen feststellen? Und wenn ja, welche Rückwirkungen hat dies in die betroffenen Gesellschaften hinein? Unterscheiden sich diese Rückwirkungen vielleicht sogar je nach Art und Weise der Betroffenheit einer Gesellschaft von der Krise?

Diesen Fragen widmet sich die vorliegende Bachelorarbeit. Sie orientiert sich dabei an der Sozialkapitaltheorie des Amerikaners Robert Putnam. Danach besteht zwischen dem Vertrauen, das ein politisches System innerhalb der eigenen Bevölkerung genießt, und dem Sozialkapital, das innerhalb der Gesellschaft vorhanden ist, ein kausaler Zusammenhang. Sozialkapital wird nach Putnam insbesondere in sozialen Netzwerken produziert und sorgt für die Entstehung generalisierten Vertrauens, welches sich wiederum auf das politische System überträgt. Putnam geht hier von einem kausalen Zusammenhang aus.

Sollte nun jedoch der anhaltende ökonomische Krisenzustand tatsächlich (also empirisch messbar) mit einer Krise des Vertrauens in das politische System einhergehen, stellt sich die Frage, ob mit der Krise Vertrauens in das politische System auch ein Rückgang des Sozialkapitals verbunden ist. Sollte Putnams These des durch Sozialkapital produzierten generalisierten Vertrauens zutreffen, müsste ein solcher Zusammenhang bestehen. Konkret müsste sich also die Zahl der sozialen Netzwerke, der Freundschaften und der Stellenwert der Familie innerhalb der betroffenen Gesellschaften verändern. Dies zu überprüfen ist zentrale Aufgabe der vorliegenden Arbeit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie vom sozialen Kapital

2.1 Begriffsentwicklung und theoretischer Ursprung

2.2 Putnams Konzept vom Sozialkapital

2.2.1 Die Bildung sozialen Kapitals

2.2.2 Die Wirkung sozialen Kapitals

2.3 Dimensionen des Sozialkapitals

2.3.1 Formelles und informelles Sozialkapital

2.3.2 Sozialkapital mit hoher oder geringer Dichte

2.3.3 Innenorientiertes und außenorientiertes Sozialkapital

2.3.4 Brückenbildendes und bindendes Sozialkapital

2.4 Kritik an Putnams Sozialkapitalkonzept

3. Das Untersuchungsdesign

3.1 Fragestellungen und Vergleichsobjekte

3.2 Zusammenhangshypothesen

3.3 Fallkonstruktion und Fallauswahl

3.4 Datengrundlage

3.5 Operationalisierungen

3.5.1 Staatsschuldenkrise

3.5.1 Betroffenheit von der Staatsschuldenkrise

3.5.2 Vertrauen in das politische System

3.5.4 Soziales Kapital

3.6 Anmerkungen zum explorativen Charakter

4. Politisches Vertrauen und Staatsschuldenkrise

4.1 Politisches Vertrauen im Verlauf der Staatsschuldenkrise

4.2 Politisches Vertrauen und Art der Krisenbetroffenheit

4.3 Politisches Vertrauen und Stärke der Krisenbetroffenheit

4.4 Zwischenbetrachtung

5. Politisches Vertrauen und soziales Kapital

5.1 Generalisiertes Vertrauen und politisches Vertrauen

5.2 Soziale Netzwerke und politisches Vertrauen

5.2.1 Einbindung in informelle Netzwerke

5.2.2 Einbindung in formelle horizontale Netzwerke

5.2.1 Einbindung in formelle vertikale Netzwerke

5.3 Zwischenbetrachtung

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht im Rahmen einer vergleichenden Studie, ob die Staatsschuldenkrise zu einem Rückgang des Vertrauens in das politische System sowie zu Veränderungen bei den Sozialkapitalbeständen in ausgewählten Eurostaaten geführt hat. Dabei wird analysiert, ob eine Korrelation zwischen der Betroffenheit eines Staates von der Krise und dem Vertrauensverlust besteht.

  • Entwicklung des politischen Vertrauens während der Staatsschuldenkrise
  • Einfluss der Krisenbetroffenheit (Art und Stärke) auf das Systemvertrauen
  • Zusammenhang zwischen politischem Vertrauen und Sozialkapital
  • Sozialkapital als Ressource demokratischer Systeme nach Robert D. Putnam
  • Vergleichende Analyse von PIIGS-Staaten und Triple-A-Staaten

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Die Bildung sozialen Kapitals

Anknüpfend an Coleman, liegt der Ursprung sozialen Kapitals für Putnam in privaten Assoziationen, in die Akteure aus rationalem Nutzenkalkül eintreten. Mit Hilfe anderer möchten sie dadurch Ziele erreichen, die ohne derartige Beziehungsstrukturen gar nicht oder nur schwer erreichbar wären. Damit ein Akteur jedoch auf die Unterstützung eines anderen Akteurs zurückgreifen kann, muss in der Regel einer der beiden in Vorleistung treten. Im Sinne der Reziprozität verpflichtet eine solche Vorleistung den anderen Akteur idealer Weise zu einer ausgleichenden Gegenleistung. Die kann häufig jedoch erst im Nachhinein erbracht werden. Deshalb ist das Erbringen einer Vorleistung individuell nur rational, wenn sich die Akteure sicher sein können, für ihre Leistungen später auch entsprechende Gegenleistungen zu erhalten.27

Wie die Spieltheorie vielfach gezeigt hat, ist derartige Sicherheit für Akteure innerhalb einmaliger dyadischer Beziehungen jedoch ausgeschlossen. Schließlich wäre es für jeden Akteur individuell rational, eine Vorleistung zu erhalten, ohne selbst eine Gegenleistung dafür zu erbringen. Gleichzeitig schadet es jedoch allen Akteuren, wenn es aufgrund solcher Unsicherheiten gar nicht erst zu Kooperationen kommt. Die Reduktion von Unsicherheit ist für Putnam daher der große Mehrwert sozialer Netzwerke. Durch die regelmäßige Interaktion und Kommunikation zwischen den Netzwerkmitgliedern, werden Informationen über die Vertrauenswürdigkeit von Personen ausgetauscht. Dadurch steigen einerseits die Kosten für all jene Akteure, die eine erhaltene Vorleistung nicht mit einer entsprechenden Gegenleistung ausgleichen wollen. Sie werden durch die Netzwerkmitglieder entweder dazu gebracht die Reziprozitätsnormen einzuhalten oder aber aus dem Netzwerk ausgeschlossen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Übergang der Finanzkrise zur Staatsschuldenkrise und leitet die wissenschaftliche Fragestellung bezüglich des Vertrauensverlusts in die Politik und der Rolle des Sozialkapitals her.

2. Die Theorie vom sozialen Kapital: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Sozialkapitals, insbesondere basierend auf dem Konzept von Robert D. Putnam, und beleuchtet dessen theoretische Grundlagen, Dimensionen sowie akademische Kritikpunkte.

3. Das Untersuchungsdesign: Hier wird der methodische Rahmen der Arbeit abgesteckt, inklusive der Fallauswahl (PIIGS- vs. Triple-A-Staaten), der Operationalisierung zentraler Begriffe und der Datengrundlage basierend auf dem Eurobarometer.

4. Politisches Vertrauen und Staatsschuldenkrise: Der Hauptteil analysiert empirisch, wie das politische Vertrauen in den untersuchten Ländern im Zeitverlauf abgenommen hat und setzt dies in Beziehung zur Art und Stärke der jeweiligen Krisenbetroffenheit.

5. Politisches Vertrauen und soziales Kapital: Dieses Kapitel prüft den theoretisch postulierten Zusammenhang zwischen der Einbindung in soziale Netzwerke (informell, formell horizontal, formell vertikal) und dem Vertrauen in das politische System.

6. Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen, hinterfragt die theoretischen Annahmen kritisch und diskutiert die Grenzen der Aussagekraft der Studie aufgrund der Datenlage.

Schlüsselwörter

Staatsschuldenkrise, Sozialkapital, politisches Vertrauen, Robert D. Putnam, Eurobarometer, Krisenbetroffenheit, PIIGS-Staaten, Triple-A-Staaten, Netzwerke, Demokratieforschung, institutionelles Vertrauen, Reziprozität, empirische Analyse, politische Kultur, Finanzkrise

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, inwiefern sich die Staatsschuldenkrise auf das Vertrauen der Bürger in ihre nationalen politischen Systeme ausgewirkt hat und ob dieser Prozess mit einem Rückgang von Sozialkapital korreliert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Politikwissenschaft, der Demokratietheorie, der Sozialkapitalforschung und der vergleichenden Analyse von europäischen Krisenstaaten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob die Staatsschuldenkrise zu einem messbaren Vertrauensverlust in das politische System geführt hat und ob dies nach der Theorie von Robert Putnam mit einer Veränderung der gesellschaftlichen Netzwerkstrukturen einhergeht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt ein Most-Similar-Systems-Design für die Fallauswahl und führt eine quantitative Sekundärdatenanalyse basierend auf Eurobarometer-Umfragen und Kredit-Ratings von Fitch Ratings durch.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst der Vertrauensverlust der Bevölkerung im Verlauf der Krise und danach die empirischen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Dimensionen sozialen Kapitals und dem politischen Vertrauen untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Staatsschuldenkrise, Sozialkapital, politisches Vertrauen, Krisenbetroffenheit und Demokratieforschung.

Wie unterscheidet der Autor die betroffenen Ländergruppen?

Der Autor unterscheidet zwischen den sogenannten PIIGS-Staaten (direkt und stark betroffen) und den Triple-A-Staaten (indirekt und schwächer betroffen), basierend auf deren Kredit-Ratings durch Fitch Ratings.

Was war ein überraschendes Ergebnis der Studie?

Ein unerwartetes Ergebnis war, dass sich die theoretische Annahme Putnams, wonach ein Vertrauensverlust zwangsläufig mit einem Rückgang an Sozialkapital einhergehen muss, empirisch in dieser Form nicht durchgängig belegen ließ.

Warum spielt die Datenlage eine wichtige Rolle bei den Ergebnissen?

Der Autor weist darauf hin, dass die eingeschränkte Verfügbarkeit valider Daten zu Sozialkapitalindikatoren im Eurobarometer die Aussagekraft der Studie auf einen explorativen Charakter begrenzt.

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Details

Titel
Die Staatsschuldenkrise als Vertrauenskrise?
Untertitel
Eine vergleichende Untersuchung der Sozialkapitalentwicklung im Verlauf der Staatsschuldenkrise anhand ausgewählter Eurostaaten
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Florian Philipp Ott (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
70
Katalognummer
V188847
ISBN (eBook)
9783656125877
ISBN (Buch)
9783656127208
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Putnam Tocqueville Sozialkapital Euro Staatsschulden Krise Vertrauen Politisches System PIIGS-Staaten PIIGS-Länder Triple-A Portugal Italien Irland Griechenland Spanien Deutschland Frankreich Österreich Niederlande Finnland Luxemburg Wirtschaftskrise Most-Similar-Systems Rating Ratingagentur Soziales Kapital politisches Vertrauen Eurobarometer Eurozone Krisenbetroffenheit generalisiertes Vertrauen soziale Netzwerke informelle Netzwerke formelle Netzwerke Sozialkapitalbestand Hanfian Bourdieu Making Democracy Work Bowling Alone brückenbildend bindend Dichte
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Arbeit zitieren
Florian Philipp Ott (Autor:in), 2011, Die Staatsschuldenkrise als Vertrauenskrise?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188847
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Leseprobe aus  70  Seiten
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