Der Gegenstand dieser Studie bezieht sich auf den Selbstwert, die emotionale Komponente des Selbstkonzepts. Er stellt einen sensiblen Bereich dar, die Bewertung der eigenen Person. Der Selbstwert wird allgemein aus unterschiedlichen Quellen gespeist. Man kann z.B. zwischen Kompetenz- und Beziehungsebene (Brennan & Bosson, 1998) unterscheiden. Besonders bei Personen in der Adoleszenz unterliegt der Selbstwert noch großen Schwankungen. Sie sind in ihrem Selbstkonzept unsicher und können noch nicht auf viel Kompetenzerfahrung zurückgreifen. Deshalb sollte in diesem Alter der Selbstwert stark von den interpersonalen Erfahrungen, besonders mi dem gegengeschlechtlichen Peers, abhängig sein. Ein Experiment mit der Anwendung der Verfügbarkeitsheuristik soll Aufschluss geben, ob die gemachten Erfahrungen auf der Beziehungsebene eine wichtige Quelle des Selbstwertes Jugendlicher darstellt. Zu diesem Zweck wurden 134 Personen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren beiderlei Geschlechts an ihren Schulen befragt. Es zeigte sich eine 3-fach Wechselwirkung, jeweils signifikant, zwischen Geschlecht, Art der Erfahrung (positiv oder negativ) und der Anzahl der Erfahrungen (leichte vs schwere Bedingung). Die männlichen Probanden wandten im Gegensatz zu den weiblichen die Verfügbarkeitsheuristik an. Es wird diskutiert, ob dieser erfasste Unterschied auf tatsächliche Unterschiede im Selbstkonzept der Geschlechter zurückgeht.
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung
1. Selbstwert der Jugendlichen: Eine Anwendung der Verfügbarkeitsheuristik
1.1 Adoleszenz
1.2 Das Selbstkonzept
1.3 Selbstwert
1.4 Einfluss interpersonaler Beziehungen
1.5 Stabil oder manipulierbar?
1.6 Verfügbarkeitsheuristik
1.7 Schlussfolgerung und Hypothese
2. Methode
2.1 Stichprobe
2.2 Ablauf
2.3 Versuchsplan
2.4 Fragebogen und Messungen
2.4.1 Messung der Relevanz (Vorerfahrung/Involviertheit)
2.4.2 Messung der Attraktivität
2.4.3 Messung des Autonomiebedürfnisses
2.4.4 Manipulation
2.4.5 Manipulations-Check
2.4.6 Messung der Selbstwirksamkeit
2.4.7 Messung des momentanen Selbstwerts
2.5 Resultate
2.5.1 Manipulations-Check
2.5.2 Kontrollvariable Relevanz
2.5.3 Selbstwert
2.5.4 Korrelationen mit Selbstwert
3. Diskussion
4. Zusammenfassung
5. Literaturverzeichnis
Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht den Einfluss interpersonaler Beziehungserfahrungen mit dem anderen Geschlecht auf den Selbstwert von Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren unter Anwendung der Verfügbarkeitsheuristik.
- Entwicklung des Selbstkonzepts und der Identität in der Adoleszenz
- Theorie der Verfügbarkeitsheuristik als kognitiver Mechanismus zur Selbstwertregulation
- Experimentelle Manipulation der Leichtigkeit des Abrufs von Beziehungserfahrungen
- Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Konstruktion des Selbstwerts
Auszug aus dem Buch
1.6. Verfügbarkeitsheuristik
Eine klassische Aufgabe von Tversky und Kahnemann (1973) lautete: Gibt es im Englischen mehr Wörter a) mit „k“ als erstem Buchstaben oder b) mit „k“ als drittem Buchstaben? Als Ergebnis entschieden sich die meisten Probanden für die Alternative a), obwohl b) objektiv zutrifft. Dieses Resultat wurde von Tversky und Kahnemann mit einer Heuristik erklärt, die mit der Verfügbarkeit, eigentlich „Zugänglichkeit“, von Information arbeitet.
Zwei Aspekte davon, der Prozess der Abrufbarkeit im Gedächtnis sowie dessen Inhalt, sollen zusammen das Urteil bestimmen. Bei obiger Aufgabe konnten die Probanden leichter und häufiger Wörter aus dem Gedächtnis abrufen, die mit „k“ beginnen, weshalb sie sich beim Abzählen derselben erinnerten Wörter schlussfolgernd für mehr Wörter mit „k“ am Anfang entschieden. Wörter mit „k“ in der Mitte sind nicht so gut abrufbar und als Folge davon erinnert man sich auch nur mit einiger Schwierigkeit an wenige.
Nach der Verfügbarkeitsheuristik (Tversky und Kahnemann, 1973) urteilt eine Person nach ihrer Einschätzung der Verfügbarkeit der relevanten Informationen in ihrem Gedächtnis. Die Aufmerksamkeit wird auf sie selbst gerichtet, auf das, was momentan in ihrem Kopf verfügbar, d.h. abrufbar ist. Abhängig davon, wie leicht und wie viel von der gefragten Information in den Sinn kommt, wird die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses beurteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Selbstwert der Jugendlichen: Eine Anwendung der Verfügbarkeitsheuristik: Einführung in die Thematik der Selbstwertentwicklung in der Adoleszenz und theoretische Herleitung der Verfügbarkeitsheuristik als Modulator.
2. Methode: Darstellung des 2x2-Forschungsdesigns, der Stichprobenzusammensetzung von 134 Jugendlichen sowie der eingesetzten Messinstrumente und Manipulationstechniken.
3. Diskussion: Interpretation der Ergebnisse unter Berücksichtigung der gefundenen Geschlechterunterschiede und der Relevanz für das Selbstkonzept.
4. Zusammenfassung: Kompakte Wiederholung der theoretischen Grundlagen, des experimentellen Aufbaus und der zentralen Befunde der Studie.
Schlüsselwörter
Selbstwert, Adoleszenz, Verfügbarkeitsheuristik, Selbstkonzept, interpersonale Beziehungen, Geschlechterunterschiede, Identitätsfindung, Experiment, Selbstwirksamkeit, soziale Kognition, Peerbeziehungen, Urteilsbildung, Psychologie, Jugendalter, Verfügbarkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie Jugendliche ihren Selbstwert situativ bewerten und ob interpersonale Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht hierbei eine regulierende Rolle spielen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Arbeit verknüpft Entwicklungspsychologie, speziell die Phase der Adoleszenz und Identitätsbildung, mit sozialpsychologischen Konzepten wie dem Selbstkonzept und kognitiven Heuristiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu belegen, dass der momentane Selbstwert von Jugendlichen durch die Leichtigkeit, mit der sie positive oder negative Beziehungserfahrungen abrufen können, beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein experimentelles 2x2-Design angewandt, bei dem durch gezielte Instruktionen die Abrufbarkeit von Erfahrungen (leicht vs. schwer) und deren Valenz (positiv vs. negativ) manipuliert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die detaillierte Beschreibung der methodischen Durchführung, die statistische Auswertung der Daten sowie die anschließende Diskussion der Ergebnisse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Verfügbarkeitsheuristik, Selbstwert, Adoleszenz, interpersonale Beziehungen und die Geschlechterdifferenz bei der Informationsverarbeitung.
Warum zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede in den Ergebnissen?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Mädchen Informationen systematischer und unter höherer Involviertheit verarbeiten, während Jungen stärker auf heuristische Abkürzungen zur Selbstwertschätzung zurückgreifen.
Welche Rolle spielt die "Relevanz" als Kontrollvariable?
Die Relevanz diente als Kovariate in der statistischen Auswertung, da die Teilnehmer unterschiedliche Grade an persönlichem Interesse am Thema aufwiesen, was die Ergebnisse beeinflussen konnte.
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- Diplom-Psychologin Elvira Kröhnert (Autor), 2003, Selbstwert bei Jugendlichen: Eine Anwendung der Verfügbarkeitsheuristik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188891