Möglichkeiten und Grenzen der exportorientierten Entwicklung Kambodschas im 21. Jahrhundert


Hausarbeit, 2011
19 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Exportorientiertes Entwicklungsmodell

3. Möglichkeiten der exportorientierten Entwicklung in Kambodscha
3.1 Rohstofferschließung
3.2 Diversifizierung der Exportgüter
3.3 Börse und Aktienmarkt

4. Grenzen der exportorientierten Entwicklung in Kambodscha
4.1 Abhängigkeiten
4.2 Konflikte
4.3 Korruption und Bürokratie
4.4 Demografie

5. Verbindung des Themas mit der theoretischen Grundlage

6. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Kambodscha ist eines der ärmsten Länder der Welt und somit auch im südostasiatischen Raum. Das in den letzten Jahrzehnten stark durch in- und ausländische Krisen gebeutelte Land erfährt seit einigen Jahren jedoch einen Wandel. Innenpolitische Befriedung und Stabilisierung und ein stetig hohes Wirtschaftswachstum zeugen von einer positiven Veränderung in dem Entwicklungsland. So erreichten die Wachstumsraten vor der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise zweistellige Prozentbereiche (2004: 10,0%, 2005: 13,5%, 2006: 10.6%, 2007: 10,2%) und selbst während und nach der Krise stagnierte das Wachstum nicht.1 Nichtsdestotrotz gibt es in Kambodscha zahlreiche Aspekte, die diese Entwicklung behindern. Es entsteht oftmals der Eindruck, dass sich das Land mitunter selbst seinem Fortschritt im Wege steht. Welche Möglichkeiten für eine weiterhin positive Entwicklung Kambodschas und seiner Wirtschaft bestehen und welche Faktoren nach wie vor hemmend wirken, soll in dieser Arbeit geklärt werden. Dabei können aus Platzgründen allerdings nur die wichtigsten Aspekte behandelt werden. Außerdem ist es schwierig, die einzelnen Punkte klar voneinander zu trennen, denn viele Faktoren, denen hier ein extra Unterkapitel gewidmet ist, greifen doch ineinander und beeinflussen sich zuweilen gegenseitig.

Zunächst soll jedoch im Kapitel 2 ein theoretischer Rahmen geschaffen werden. Das Exportorientierte Entwicklungsmodell von Stephan Haggard und die Theorie des entwicklungslenkenden Staates von Ha-Joon Chang sollen helfen, die im dritten und vierten Kapitel behandelten Möglichkeiten und Gefahren der exportorientierten Entwicklung in Kambodscha besser einzuordnen um dann im fünften Teil die Fragestellung zu beantworten und unter sechstens ein Fazit zu ziehen.

Zusammenfassend lässt sich also die Frage formulieren: Welche Chancen und Gefahren beeinflussen die ökonomische Entwicklung des südostasiatischen Entwicklungslandes Kambodscha in der Zukunft und welche Möglichkeiten gibt es, diese Chancen positiv zu Nutzen und die Gefahren gering zu halten.

2. Exportorientierte Entwicklungsmodelle

Um eine theoretische Grundlage zu schaffen und die folgenden Kapitel besser theoretisch einordnen zu können, soll nun zunächst die Exportorientierte Entwicklungsstrategie nach Stephan Haggard erläutert werden. Haggard unterscheidet in seinem Werk ,,Pathways from the Periphery’’ zwischen drei Entwicklungsstrategien, die als drei aufeinanderfolgende Entwicklungsstufen anzusehen sind. Die Importsubstitutionierende Industrialisierung, die Exportorientierte Strategie und die Warenumschlagsstrategie.2 Auch wenn in dieser Arbeit die Exportorientierte Entwicklungsstrategie im Vordergrund steht, sollen doch alle drei Strategien kurz erläutert werden. Zunächst einmal stellen Entwicklungsstrategien Maßnahmenpakete dar, die das Ziel haben, Entwicklungsdefizite in Entwicklungsländern durch wirtschaftliche Aktivitäten zu beseitigen.

Bei der Importsubstitutionierenden Strategie, welche sich wiederum in verschiede Phasen gliedert, liegt das Hauptaugenmerk der Wirtschaft des betrachteten Landes zunächst auf der traditionellen Landwirtschaft, dem Handwerk und in sehr begrenztem Maße der Produktion. Vor allem Rohmaterialien und Nahrungsmittel werden exportiert. Im Laufe der angesprochenen Phasen ist dann ein Anstieg der Produktion in größerem Stil und die aufkommende Herstellung von Konsumgütern zu verzeichnen. Dieser Anstieg der Konsumgüterproduktion und der Herstellung von Zwischenprodukten endet letztendlich in der Ablösung der Rohstoff- und Nahrungsmittelexporte durch die Ausfuhr dieser Produkte.3

Die Exportorientierte Entwicklungsstrategie, der auch Kambodscha zugeordnet wird, gestaltet sich in einigen Punkte ähnlich der vorangegangenen Strategie. Auch hier beschränkt sich die wirtschaftliche Orientierung nach außen zunächst auf den Export von Rohstoffen und Agrarerzeugnissen, die traditionelle Landwirtschaft, Handwerk und Produktion in geringem Umfang sind charakteristisch. Im Unterschied zum Importsubstitutionierenden Modell rücken nun jedoch nicht Konsumgüter in den Vordergrund, sondern es findet ein weiterer Ausbau der (Massen-)Produktion statt. Vor allem arbeitsintensive Waren, wie in Kambodschas Fall die Textilien und die Bekleidung, werden gefördert und zu einem überwiegenden Teil exportiert. Diese Massenproduktion wird im weiteren Verlauf zunehmend industrialisiert und auf den Export ausgerichtet um diesen zu steigern.4

Das dritte Modell, die Warenumschlagsstrategie, unterscheidet sich deutlicher von den beiden anderen. Hier ist eine Spezialisierung auf das Gewerbe und finanzielle Dienstleistungen das bedeutendste Charakteristikum. Die Produktion von arbeitsintensiven Gütern ist zwar nicht gänzlich verschwunden, sie wird aber im Verlauf zunehmend durch expandierende Dienstleistungen und einen Finanzsektor überschattet und des Öfteren auch durch Spezialprodukte abgelöst.5

Man kann also sehen, dass es recht schwierig ist, ein Land eindeutig einer Strategie zuzuordnen. Kambodscha vereinigt in sich Merkmale aller drei Entwicklungsstrategien. Die traditionelle Landwirtschaft und der Rohstoffabbau (vor allem der Raubbau an Tropenholz), kennzeichnend für das Importsubstitutionierende Modell, sind stark ausgeprägt und tragen einen nennenswerten Teil zum Export bei. Die Textilindustrie, in der in zum Teil aufwändigen Arbeitsschritten nicht nur Bekleidung aller Art für den Weltmarkt in Massenproduktion hergestellt werden, ist wiederum ein deutliches Merkmal der Exportorientierten Strategie. Letztendlich deutet aber vor allem der Aufbau einer Börse beziehungsweise eines Aktienmarktes in Kambodscha (siehe Kapitel 3.3) auch auf die Warenumschlagsstrategie hin. Aufgrund des enorm hohen Stellenwertes, den die Textil- und Bekleidungsindustrie in Kambodscha hat, gepaart mit anderen Merkmalen, wie der Landwirtschaft und den Rohstoffexporten, ist Kambodscha jedoch recht eindeutig dem Exportorientierten Entwicklungsmodell zuzuordnen. Wie diese Tatsache nun im Zusammenhang mit dieser Arbeit steht, wird im weiteren Verlauf noch dargestellt.

Um eine nicht zu einseitige Theoriegrundlage zu bilden soll nun ergänzend noch eine zweite Theorie mit einfließen. Die ,,Economic Theory of the Developmental State’’ von Ha-Joon Chang lässt sich zwar nicht den exportorientierten Entwicklungsmodellen zuordnen, so wie es die Kapitelüberschrift vermuten lässt, dennoch ist sie für die Betrachtung der (wirtschaftlichen) Entwicklung Kambodschas durchaus anwendbar. Changs Theorie vom entwicklungslenkenden oder eingreifenden Staat geht davon aus, dass aller neoliberalen Strömungen zum Trotz ein Eingreifen des Staates durchaus zu einer positiven (wirtschaftlichen) Entwicklung eines Landes beitragen kann und staatliche Eingriffe beziehungsweise Lenkung keineswegs nicht mehr zeitgemäß sind.6 So sei die Abwesenheit eines solchen entwicklungslenkenden Staates auch Grund für die Unterentwicklung und Armut vieler Staaten, da in diesen keine wirtschaftliche Regulierung, Reformen und Entwicklungen angestoßen werden und das Interesse an Reformen zum Beispiel im sozialen Bereich zu gering ist. Es braucht also einen solchen aktiven Staat um eine lebhafte Beziehung von Politik und Wirtschaft zu kreieren, welche wichtig ist für die (ökonomische) Entwicklung eines Landes. Die Theorie des eingreifenden und entwicklungslenkenden Staates ist also keineswegs überflüssig und ist für Chang weiterhin wichtig und empfehlenswert.7

Ob und inwiefern Ha-Joon Changs Theorie nun Kambodscha betrifft, wird sich im Verlauf der Arbeit zeigen und im Kapitel 5 nochmals herauskristallisiert werden.

3. Möglichkeiten der exportorientierten Entwicklung in Kambodscha

In den letzten Jahren hatte Kambodscha stets Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich vorzuweisen, die im Zuge der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise jedoch stark zurückgegangen sind. Welche Faktoren zu diesem starken Wirtschaftswachstum geführt haben und welche zu einer raschen Erholung von der Wirtschafts- und Finanzkrise beitragen und die Wachstumsraten wieder steigen lassen könnten, soll in diesem Abschnitt behandelt werden.

3.1 Rohstofferschließung

Große Hoffnungen haben die Erdöl- und Erdgasfunde vor der Küste Kambodschas im Golf von Thailand hervorgerufen.8 Aufgrund deutlicher Defizite bei der Energieversorgung und der damit zusammenhängenden hohen Rohstoffpreise und Importabhängigkeiten wird auf die Erdöl- und Erdgasförderung große Hoffnungen gesetzt. Die Erschließung und der Förderbeginn sind für das Jahr 2011 angesetzt und in den Folgejahren könnte Kambodscha einerseits die hohen Rohstoffpreise und Importabhängigkeiten überwinden und andererseits durch Erdöl- und Gasexporte Milliardenbeträge in den eigenen Haushalt spülen und so einen enorm großen Beitrag zu weiteren Entwicklung des Landes leisten.9 Problematisch könnte sich in dieser Sache allerdings auswirken, dass auch Thailand die Küstengebiete mit den Rohstoffvorkommen beansprucht und die Grenzziehungen noch nicht endgültig geklärt sind. Außerdem könnten Korruption, ein schlechtes Management und eine mangelnde Gesetzgebung beziehungsweise ein unzureichendes Justizwesen die Erschließung der Ressourcen behindern und die Effektivität der Nutzung dieser verringern.10 Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass die Erschließung neuer Rohstoffe nur dann zu einer wichtigen neuen Einnahmequelle wird und zur Exportdiversifizierung beiträgt, wenn sie fern von Korruption und Missmanagement aufgebaut wird.

[...]


1 Vgl. THE ASEAN (2011): ASEAN Statistics. Table 6. Growth of the gross domestic product in ASEAN, year-on-year. Online unter: http://www.aseansec.org/stat/Table6.pdf. Abgerufen am 17.03.2011 um 15:17 Uhr.

2 Vgl. HAGGARD, Stephen (1990): Pathways from the Periphery. The Politics of Groth in the newly industrializing countries. Cornell University Press, Ithaca/ London. S. 24.

3 Vgl. HAGGARD, Stephen (1990): Pathways from the Periphery. The Politics of Groth in the newly industrializing countries. Cornell University Press, Ithaca/ London. S. 24ff.

4 Vgl. HAGGARD, Stephen (1990): Pathways from the Periphery. The Politics of Groth in the newly industrializing countries. Cornell University Press, Ithaca/ London. S. 25ff.

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. CHANG, Ha-Joon (1999): The Economic Theory of the Developmental State, in: Woo-Cumings, Meredith (Hrsg.): The Developmental State. Cornell University Press, London. S. 198.

7 Vgl. ebd. S. 182ff.

8 Vgl. MEYER, Sonja (2009): Die Wirtschaftliche Entwicklung Kambodschas in Zeiten der globalen Krise. Länderbericht Kambodscha. Konrad-Adenauer-Stiftung. S. 2.

9 Vgl. KARBAUM, Markus (2008): Kambodscha unter Hun Sen. Informelle Institutionen, Politische Kultur und Herrschaftslegitimität. LIT Verlag, Berlin. S. 222f.

10 Vgl. MEYER, Sonja (2009): Die Wirtschaftliche Entwicklung Kambodschas in Zeiten der globalen Krise. Länderbericht Kambodscha. Konrad-Adenauer-Stiftung. S. 2.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der exportorientierten Entwicklung Kambodschas im 21. Jahrhundert
Hochschule
Universität Trier
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V188988
ISBN (eBook)
9783656127819
ISBN (Buch)
9783656128205
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kambodscha, Wirtschaft, Korruption, Entwicklung, Entwicklungsland, Export, exportorientiert, Asien, Südost Asien
Arbeit zitieren
Paul Perschke (Autor), 2011, Möglichkeiten und Grenzen der exportorientierten Entwicklung Kambodschas im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188988

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