Eine Abhandlung über den Bedeutungswandel des Ibejikultes der Youruba Nigerias durch Sklavenhandel und Zwangschristianisierung in Brasilien und das daraus entstandene synkretistische Candomblé.
Inhaltsverzeichnis
1 Von „Zweien, die eines sind“
2 Bedeutungswandel des Ibejikultes
2.1 Ibeji bei den Yoruba
2.2 Der Zwillingskult der Yoruba
2.2.1 Entstehung
2.2.2 Das Zwillingssystem
2.2.3 Ere Ibeji
2.3 Von Freiheit und Versklavung
2.4 Ibeji im Candomblée
2.4.1 Entstehung und Synkretismus des Candomblée
2.4.2 Rituale des Candomblée
2.4.3 Ibeji als Candomblée-Orisha
2.4.4 Candomblée heute
2.5 Resümee
3 Von der Sklavenreligion mit Exklusivitätsanspruch
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Bedeutungswandel des Ibeji-Kultes der Yoruba ausgehend von seinem afrikanischen Ursprung bis hin zu seiner Transformation im brasilianischen Candomblée unter dem Einfluss der Sklavengeschichte.
- Kulturelle Bedeutung von Zwillingen bei den Yoruba
- Struktur des traditionellen Zwillingskultes und des Ibeji-Glaubens
- Auswirkungen der transatlantischen Sklavenverschleppung auf religiöse Praktiken
- Synkretismus und religiöse Transformation im brasilianischen Candomblée
- Soziokulturelle Integration und heutige Relevanz von Ibeji
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Entstehung
Obwohl einige Autoren davon ausgehen, dass eine große Anzahl an Kindern bei den Yoruba sehr begehrenswert war, waren Mehrlingsgeburten gefürchtet, da diese vor allem im Tierreich vorkamen. Aus diesem Grund wurden gleichgeschlechtliche Zwillinge oft im Busch ausgesetzt oder sogar zusammen mit der Zwillingsmutter umgebracht. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich diese Praxis und die damit verbundene Ablehnung von Mehrlingsgeburten. Der Kult veränderte sich ins Gegenteil und die Angst wich einer Faszination. Dies führte zu einer Verehrung von Zwillingen und diversen Versuchen sich deren Gunst zu sichern. In anderen Regionen, wie etwa den benachbarten Ibos kam es nicht zu derartigen Entwicklungen. Fichte geht sogar davon aus, dass es immer noch zu Fällen von Infantizid bei Mehrlingsgeburten kommt.
Zwillinge werden bei vielen Yoruba in Verbindung mit dem Affengott Colobus gesehen. Zwillinge verhandeln bereits im Mutterleib mit Colobus, um als Mensch anstatt als Affe geboren zu werden. Außerdem wird ihnen eine außergewöhnliche Eigenschaft zugesprochen: Wie Affen, die bei drohender Gefahr nach oben in die Bäume flüchten, haben Zwillinge die Möglichkeit willentlich nach oben zu fliehen, das heißt, willentlich zu sterben. Daher werden Zwillinge oft „Kinder des Affen“ bezeichnet. Dies ist auch der Grund, weshalb in Zwillingshausalten Affen oft besondere Verehrung zukommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Von „Zweien, die eines sind“: Einführung in die Bedeutung der Zwillinge für die Yoruba anhand eines traditionellen Lobpreises und Abriss über den historischen Wandel des Kultes durch Migration und Sklaverei.
2 Bedeutungswandel des Ibejikultes: Detaillierte Betrachtung der yorubischen Kosmologie, der Riten rund um die Geburt von Zwillingen und der Transformation dieser Glaubensinhalte durch die Sklavengeschichte in Brasilien.
3 Von der Sklavenreligion mit Exklusivitätsanspruch: Reflexion über die heutige Rezeption alter afrikanischer Traditionen in der westlichen Welt und die Ironie des historischen Wandels.
Schlüsselwörter
Ibeji, Yoruba, Zwillingskult, Candomblée, Sklaverei, Synkretismus, Orisha, Nigeria, Brasilien, Kolonialismus, Religion, Kulturwandel, Ere Ibeji, Transatlantischer Sklavenhandel, Afrikanische Spiritualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kulturellen und religiösen Entwicklung des Ibeji-Kultes bei den Yoruba und wie sich diese Tradition durch die Auswirkungen der Sklaverei im brasilianischen Candomblée verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der traditionelle Zwillingskult der Yoruba, die Einflüsse der Kolonialzeit und des Sklavenhandels auf afrikanische Religionen sowie der Prozess des religiösen Synkretismus.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Bedeutungswandel des Kultes nachzuzeichnen, von einer ursprünglichen, teils von Ängsten geprägten Verehrung bis hin zur spirituellen Integration als Schutzgottheit im Candomblée.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine ethnologische Literaturarbeit, die historische Quellen, mündliche Überlieferungen wie Lobpreislieder (Orikis) und soziokulturelle Analysen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der yorubischen Kosmologie, die spezifischen Rituale für Zwillinge, die historischen Hintergründe der Sklavenverschleppung und die Entstehung sowie Praxis des Candomblée.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Ibeji, Yoruba, Candomblée, Sklaverei, Synkretismus, Orisha, Zwillingskult.
Warum gelten Zwillinge bei den Yoruba als besonders?
Zwillingen werden übernatürliche Fähigkeiten und eine Verbindung zu einer „Doppel-Seele“ zugeschrieben; sie gelten als Mittler und ihre Verehrung dient dazu, Glück und Wohlstand für die Familie zu sichern.
Welche Bedeutung haben die „Ere Ibeji“ Figuren?
Ere Ibeji sind hölzerne Figuren, die im Falle des Todes eines Zwillings als Aufbewahrungsort für dessen Seele dienen und von der Mutter wie ein lebendiges Kind gepflegt werden.
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- Sabine Bauer (Autor), 2008, Ibeji - Zum Bedeutungswandel eines Kultes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189044