Jesus und der blinde Bartimäus - Die Rolle Jesu als Arzt

Die Reduktion der Asymmetrie der zwischenmenschlichen Existenz


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2012

13 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Hinführung zur Thematik

Das Gleichnis im Wortlaut der Einheitsübersetzung

Das Wunderproblem

Die Fürsorge Jesu als eigenes Wunder

Die Asymmetrie der zwischenmenschlichen Kommunikation

Die Rolle Jesu als Arzt

Das Formulieren einer Bitte – Die größte Hürde

Literaturliste

Hinführung zur Thematik und metaphysische Vorüberlegungen

Jesus und der Blinde von Jericho. Diese Geschichte zählt wohl zu den bekanntesten Wundererzählungen aus dem Neuen Testament. In keinem Religionsbuch, in keiner religionspädagogischen Überlegung fehlt diese Geschichte und die darin enthaltene Thematik. Dabei wird gerne darauf abgehoben, um welche Art von Blindheit es sich denn beim blinden Bartimäus gehandelt haben könnte. War Bartimäus im physischen Sinne blind, konnte also seine Umwelt mit seinem Sehsinn nicht wahrnehmen? Handelte es sich bei dieser Art von Blindheit lediglich um eine Art von sozialer Blindheit? Oder handelte es sich lediglich um neurologische Störungen, welche durch die bloße Anwesenheit Jesu, vom einen auf den anderen Moment verschwanden? In unserer Überlegung wollen wir nicht unterschiedliche Facetten von Blindheit analysieren. Im Fokus soll das besondere Verhältnis Jesu zum blinden Bartimäus stehen. Wir wollen auch hier fragen, wo ist der Sitz im Leben?

Bartimäus und seine Blindheit können als Prototyp der Krankenheilungen im Neuen Testament angesehen werden. In Auffälliger Weise sind es gerade Blindenheilungen, welche auch heute noch eine ganz spezielle Art von Heilungswunder darstellen.[1] Gerade in den letzten Jahren gibt es einige Theologen die in Jesus therapeutische

Das Gleichnis im Wortlaut der Einheitsübersetzung

nach Markus 10,46-52

Die Heilung des Blinden bei Jericho

46 Sie kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. 47 Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, reif er laut: Sohn Davids, Jesus, habe Erbarmen mit mir! 48 Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab erbarmen mit mir! 49 Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur mut, steh auf, er ruft dich. 50 Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. 51 Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. 52 Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.[2]

Das Wunderproblem

Auffällig sind die Wundererzählungen der Antike. Meistens sind diese Berichte über Wundergeschehnisse immer gleich strukturiert. Hier spricht man teilweise auch von einem „dreigliedrigen Erzählschema“. Zunächst wird erwähnt, wie lange der Mensch, bei welchem dann später die Heilung eintritt, unter der Behinderung leidet und es wird geschildert, dass bis zum jetzigen Zeitpunkt alle Heilungsversuche scheiterten. In einem zweiten Schritt geschieht nun das Wunder selbst. Der so genannte „Chorschluss“ stellt den dritten Akt der Wundergeschichte dar. In diesem Schlussstück werden die Zeugen angeführt, welche die Heilung mit eigenen Augen mitverfolgt haben.[3]

Freilich können wir auch bei den Wundern des Neuen Testaments dieses dreigliedrige Wunderschemata vorfinden. Dennoch haben die Wunder des Neuen Testaments weitaus mehr zu bieten als bloße Volksbelustigung wie beispielsweise Wundergeschichten, welche man sich von Asklepios oder Appolonius von Tyane erzählt. Diese Wundergeschichten zielen auf das Prestige des Wundertäters ab.[4]

Den Wundern welche Jesus wirkte, ist dieser Charakter völlig fern.[5] Dennoch ist in den letzten Jahren ein Prozess der „Entmythologisierung“ in Gang gesetzt worden. Zahlreiche Theologen bezweifeln heutzutage, dass die Wunder welche uns im Neuen Testament geschildert werden je so statt gefunden haben. Sie werden als stilistische Mittel der Evangelisten betrachtet, um ihren Lesern zu verdeutlichen, dass es sich bei Jesus von Nazareth tatsächlich um Gottes Sohn handelt. Die Totenerweckungen[6] beispielsweise werden in der heutigen Zeit von kaum einem Theologen noch als historisch erachtet. Auch der Gang Jesu übers Wasser muss wohl als stilistisches Mittel angesehen werden. Gerade die Totenerweckungen und der Gang Jesu übers Wasser sollen deutlich machen, dass Jesu Herr über Tod, Krankheiten und die Naturgewalten ist.[7]

Die Wunderthematik hat aber mehr zu bieten. Es geht hierum nicht lediglich um dem Normalverbraucher unmöglich Erscheinendes. Es ist die schlichte menschliche Existenz, welche sich im Zusammentreffen Jesu mit den Menschen widerspiegelt. Es sind Träume von einer besseren Welt, es sind Sehnsüchte nach einem Menschen, welcher den Menschen zeigt, dass das Vergängliche und das Endliche nicht das letzte Wort in dieser Welt und in dieser Schöpfung haben. Es sind nicht lediglich bloße „Wunder“, welche sich hier abspielen. Es sind Zeichen und Machttaten Gottes, welcher den Menschen verdeutlicht, dass seine Macht, seine Liebe und seine Fürsorge schon in das Diesseits hineinreichen.

Die Fürsorge Jesu als eigenes Wunder

Jesus von Nazareth wird um das Jahr 30 n.Chr. in Palästina aufgetreten sein. Jesus nahm sich den Ausgestoßenen seiner Gesellschaft und seiner Zeit an. Krankheit galt damals als Strafe Gottes für begangene Sünden. Doch genau diesen „Sündern“ nahm sich Jesu an. Ohne Vorbehalt, ohne Vorleistung und gleich welchen Standes; Für Jesu war jeder Mensch gleich.

Die Ausgestoßenen der Gesellschaft konnten an jeder Ecke gesehen werden. Bettler, Krüppel, Krankheiten aller Art waren weit verbreitet, Geisteskranke und arme alte Menschen zogen durch die Straßen Jerusalems, Nazareth und anderen Städten Palästinas. Das durchschnittliche Lebensalter betrug ca. 45 Jahre Donald Spoto bringt die Szenerie auf den Punkt: „Viele Schwangere überlebten nicht, und junge Leute starben an Blinddarmentzündungen, an Fieber oder Paralyse. Kinder litten oft an Asthma. Die Menschen erblindeten am grauen Star und durch Sandstürme. Die Verheerungen von Skorbut und Beriberi waren allgemein verbreitet, und jedermann litt unter Vitaminmangel. Gebrochene Glieder blieben deformiert und nutzlos. Infizierte Wunden führten zu Blutvergiftung und Tod. […] Für die meisten Kranken konnte kaum etwas getan werden, Wundern wurden ausgekratzt oder ausgeschnitten[…]. Da es keine Kühlung von Lebensmitteln gab, gehörten Krankheiten und Vergiftungen zum Alltag. Das Wasser war verschmutzt, Durchfall, Dysenterie und Malaria alltäglich. […] Der Tod war der Bruder jedes Haushalts: Die meisten Kinder starben vor ihrem dritten Geburtstag. Das leben bot wenig Freuden, aber viele Laster.“[8]

In dieser grausamen Welt traf die Liebe und Fürsorge Jesu die Menschen mitten ins Herz. Ich erinnere mich noch an die Worte meine Lehrers[9], welche ich vor über zehn Jahren vernahm: „Für die Menschen damals war Jesus dasselbe, als würde man einem heutigen Aidskranken ein Fläschchen vor die Nase halten und sagen: Hier ist das Gegenmittel!“

Jesus und seine Milde, seine Fürsorge und sein Mitgefühl müssen, und das zweifelsohne, selbst schon als göttliches Wunder in dieser Zeit angesehen werden.

[...]


[1] Auch innerhalb der Lourdes-Wunder nehmen die Blindenheilungen eine besondere Stellung ein. „Nicht nur, weil sie zu den absolut unheilbaren gerechnet werden, sondern auch, weil es dabei eine Anomalie im Heilungsprozess selbst gibt: Die funktionelle Wiederherstellung geht nämlich der organischen Heilung voraus. (Vgl.: Monden, Lodewijk; Theologie des Wunders, Herder Verlag 1961, Seite 213.)

[2] Die Bibel, Einheitsübersetzung, Herder Verlag, 1980.

[3] Trutwin, Werner; Neues Forum Religion – Jesus; Patmosverlag 2010, Seite 52.

[4] Monden, Lodewijk; Theologie des Wunders, Herder Verlag 1961, Seite 112.

[5] Ebd.

[6] Jesus erweckt in den Evangelien Lazarus, die Tochter des Synagogenvorstehers Jairus und den Jüngling zu Nain auf.

[7] So zum Beispiel der evangelische Theologe Rudolf Bultmann.

[8] Spoto, Donald; Jesus der Mann aus Nazareth; Sein Leben, seine Bedeutung, seine Geheimnisse, Bechtermünz-Verlag 1999, Seite 60-61.

[9] Markus Konheiser, Religionslehrer an der Elisabeth Selbert Schule und am Fichtegymnasium Karlsruhe in den Jahren meiner Oberstufenzeit (1999-2002).

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Details

Titel
Jesus und der blinde Bartimäus - Die Rolle Jesu als Arzt
Untertitel
Die Reduktion der Asymmetrie der zwischenmenschlichen Existenz
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V189052
ISBN (eBook)
9783656129554
ISBN (Buch)
9783656129936
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Asymmetrie des Gesprächs - Jesus - Bartimäus - Blindenheilung - Heilungswunder - Kommunikation - Arzt Patienten Verhältnis
Arbeit zitieren
Dipl. Theol. Marius Schwarz (Autor), 2012, Jesus und der blinde Bartimäus - Die Rolle Jesu als Arzt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189052

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