Die Schuldfrage in Kleists „Der Findling“


Hausarbeit, 2010

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einblick in die Forschungsgeschichte
1.1 Die Literatur zwischen Klassik und Romantik
1.2 Kleists Methodik des Erzählens
1.3 Deutungsmuster in der Forschung

2. Das Familienmodell im Findling
2.1 Der Findling Nicolo
2.2 Die Vater-Sohn Beziehung
2.3 Elvires Beziehung zu Nicolo und Colino

3. Die Schuldfrage in Kleists „Der Findling“
3.1 Nicolo – Die Inkarnation des Bösen?
3.2 Piachi – der materialistische Unterdrücker
3.3 Elvire – Die skrupellose Verführerin?

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Am 15. und 16. August 1801, schreibt Kleist einen Brief an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge. Darin fragt er sich unter anderem ob Gott von den Menschen Verantwortlichkeit fordern kann, „wenn man seit Jahrtausenden noch zweifelt, ob es [überhaupt] ein Recht gibt“[1]. Wenn wir nicht wissen was gut oder böse ist, was heißt es dann böses zu tun?

Was heißt das auch, etwas Böses tun, der Wirkung nach ? Was ist böse? Absolut böse? Tausendfaltig verknüpft und verschlungen sind die Dinge der Welt, jede Handlung ist die Mutter von Millionen andern, und oft die schlechteste erzeugt die besten – Sage mir, wer auf dieser Erde hat schon etwas Böses getan? Etwas das böse wäre in alle Ewigkeit fort-?

Dieser Brief, behauptet Jürgen Schröder, lese sich „wie eine Quelle und ein Kommentar des gesamten Novellenwerks, vor allem aber des ‚Findlings’“[2]. Könnte dieser Brief also die Lösung sein, zu all den Fragen die die Novelle stellt? Wer ist der Böse in diesem Werk und wer trägt die Schuld an der Tragödie? Ist es Nicolo der undankbare Stiefsohn oder vielleicht doch sein Vater Piachi, der ihn in eine Rolle drängt in der er sich nicht selbst verwirklichen kann? Welche Rolle spielt dabei die Adoptivmutter Elvire? Hat sie Nicolo verführt oder ist sie doch nur ein Opfer?

Neben der Schuldfrage, wird auch die Frage danach, was Kleist uns mit dieser Novelle mitteilen und wen oder was er kritisieren wollte, thematisiert. Ziel der Hausarbeit ist es, einen Überblick über die Forschungslage, von den 1950ger Jahren bis heute, zu erhalten. Die herausgearbeiteten, dominierenden Deutungsansätze der verschiedenen Interpreten, sollen dann nach einer Interpretation dazu verhelfen, die genannten Fragen zu beantworten. Dabei wird auch die soziale Lage und die Stellung Kleists in der Gesellschaft, zur Entstehungszeit der Novelle, berücksichtigt. Auf seine Biografie wird dabei jedoch nur begrenzt eingegangen, da sie zum Einen nicht vollständig belegt ist und zum Anderen den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.

Mit Berücksichtigung der Dreieckskonstellation in Kleists Werk „der Findling“ ist auch diese Arbeit in drei Kapitel unterteilt, die sich wiederum in jeweils drei Untertitel untergliedern. Im ersten Kapitel werde ich auf die Forschungsgeschichte eingehen, indem ich zunächst die Epoche in der Kleist lebte vorstelle. Daraufhin werden einige, für Kleist typische Methoden des Erzählens aufgezählt, die besonders in der Novelle „Der Findling“ auffallen. In einem dritten Punkt werden dann die dominierenden Deutungsansätze vorgestellt.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Figuren der Novelle, die einzelnen Charaktere und ihre Beziehung zueinander.

Im letzten Kapitel werde ich schließlich die in Punkt 1.3. vorgestellten Deutungsansätze aufgreifen und Anhand von Belegen interpretieren und analysieren um dann im Schluss die gestellten Fragen beantworten zu können.

1. Einblick in die Forschungsgeschichte

1.1 Die Literatur zwischen Klassik und Romantik

Die geistige und politische Situation um 1800[3]

Das 18. Jahrhundert war das Jahrhundert der Aufklärung und dem damit verbundenen Umbruch der seit der französischen Revolution und den napoleonischen Kriegen Europa erfasste. In dieser entscheidenden Periode der deutschen Literatur, entstanden Werke verschiedener Strömungen, die sich teilweise ablösten, überlappten oder parallel verliefen. Kleist gehört neben Jean Paul und Hölderlin zu einem derjenigen, die in diese Strömungen nur schwer einzuordnen sind. Obwohl die Romantik bereits zur Zeit Kleists floriert, ist Preußen bis in das Jahr 1810 von der Spätaufklärung geprägt. War Kleist also ein Aufklärer, ein Spätaufklärer, ein moderner Aufklärer oder gar ein Romantiker? Darüber scheiden sich die Geister. Einige Theorien und Interpretationen dazu, stellen Marie Haller-Nevermann und Dieter Rehwinkel in ihrem Sammelband „Kleist – ein moderner Aufklärer“[4] zusammen. Egal ob Kleist, wie bei Anke Bernholdt-Thomsen, zu den Aufklärern gehört oder wie bei Norbert Oellers zu den Spätaufklärern, Einigkeit besteht zumindest darüber, dass Kleist seiner Zeit sehr weit voraus war und das die Themen seiner Werke bis weit ins 20. Jahrhundert reichen.

Da die preußische Aufklärung besonders durch französische Literatur und Philosophie geprägt war, war es nicht verwunderlich, das Kleist, Persönlichkeiten wie Rousseau, als literarische Vorbilder nahm[5]. Ähnlich wie bei Rousseau, sind Religion und Kirche Thema seiner Kritik, die sich laut Schmidt

gegen Intoleranz, Fanatismus und Dogmatismus, gegen Hexen- und Ketzerprozesse sowie die Verfolgung der Juden, nicht zuletzt gegen den Machtanspruch und die Privilegien der Kirche richtete.[6]

Schmidt beschreibt, dass Kleist sich sogar für längere Zeit in eine „regelrechte Rousseau-Nachfolge“[7] hinein gelebt hat und soweit ging, wie er, auf einer Insel zu leben. Diese Gesellschaftsscheu äußere sich ebenfalls in der Gesellschafts- und Zivilisationskritik die Gegenstand vieler seiner Werke ist. Doch auch die Familienstrukturen seiner Zeit, wurden kritisch durchleuchtet. Grund dafür könnte der Umbruch des Familienmodells von der ökonomischen Zweckgemeinschaft zur Gefühlsgemeinschaft sein, der sich im laufe des 18. Jahrhunderts vollzog.

Schmidt ist demnach der Auffassung, dass man Kleist nicht wie Jean Paul und Hölderlin „unter dem nichtssagenden Etikett, zwischen Klassik und Romantik [einordnen sollte]“ sondern eher unter „Aufklärung und Romantik“[8].

Das Familienverständnis in der Epoche

Wie bereits angedeutet fällt die Entstehungszeit der Texte mit der strukturellen Wandlung des Familienbegriffs zusammen. Dies wirkte sich besonders auf die Literatur der Aufklärung aus. Albert Heubi stellt in seiner Dissertation fest, dass:

„die familiären Beziehungen [in den Dramen und Erzählungen Kleists, A.C.], latent immer gefährdet [sind], wobei der Beziehung zwischen Vätern und Kindern besondere Bedeutung zukommt; die Mütter nehmen ihre randständige Position ein. In Krisensituationen, besonders wenn die Kinder die in sie gesetzten Erwartungen enttäuschen, reagieren die (Adoptiv-)Väter mit überstrengen bis gewalttätigen Handlungen. […] Darüber hinaus nehmen Väter den Tod ihrer Kinder in Kauf, bedrohen sie mit dem Tod oder töten sie tatsächlich.“[9]

Bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war der Aristotelische Familienbegriff vorherrschend. Die Familie war ein Zweckverband, der von Ökonomik geprägt war. Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert reduziert sich die Großfamilie mit ihren Sklaven und Ammen, auf Kleinfamilien, die sich von der Gesellschaft zunehmend distanzierten. Grund dafür war die wirtschaftliche Entwicklung. „Die zunehmende Industrialisierung, die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzt, erfordert auf Grund der neuen arbeitsteiligen Produktionsweisen eine Reorganisation der Arbeit.“[10]. Dies bedeutete, dass ein stärkerer familiärer Zusammenhalt gefordert war. Die Mütter gaben ihre Kinder nicht mehr bei Ammen ab und kümmerten sich zu Hause um die Bildung. Somit setzte im laufe des 18. Jahrhunderts eine Sentimentalisierung der Familie ein, die im 19. Jahrhundert erreicht wurde.

Auch die Auffassung von Ehe änderte sich allmählich. Vorher war die Liebe kein Heiratsgrund. Männer heirateten oft jüngere Frauen, da diese eine höhere Lebenserwartung beim gebären ihrer Kinder hatten. Dadurch, dass sich die Zahl der Kinder im laufe des 18. Jahrhunderts verringerte, änderte sich auch die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Vorher nahm man durch die hohe Kindersterblichkeit den Tod der Kinder in kauf. Nun wurde „das Leben des Kindes […] zunehmend sakralisiert; am Ende des Jahrhunderts ist das Kind unersetzlich geworden.“[11]. Die Vaterautorität wurde laut Guenter Blamberg[12], einmal ziviljuristisch durch die patria potestas[13] und zum zweiten naturrechtlich durch die Fürsorge des verständnisvoll liebenden Vaters konstituiert.

Die bürgerliche Kleinfamilie wie sie beispielsweise bei Lessings „Emilia Galotti“ dargestellt wurde, war kein Zweckverband, sondern eine Gefühlsgemeinschaft. Odoardo tötet seine Tochter Emilia nicht aus Rache oder Hass, sondern in der Not und indem er von seinem Recht der patria potestas gebrauch macht. Piachi geht es jedoch einzig und allein um Rache. Der Tot der Kinder dient bei Kleist nicht wie noch im bürgerlichen Trauerspiel, der Verteidigung moralischer Prinzipien, er ist „vollkommen sinnlos“[14].

Kleist als Außenseiter

Egal welche Position Kleist in seinen Werken einnimmt, er war in jedem Fall anders als die bekannten Kollegen seiner Zeit. Er war und ist eine Art Außenseiter was man bereits daran erkennen kann, dass sein Name in der Liste der wichtigen Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts, der Internetenzyklopädie Wikipedia, keine Erwähnung findet. Im Gegensatz zu seinen Kollegen wurden auch nur drei seiner Stücke zu Lebzeiten uraufgeführt, Kleist erlebte jedoch weder eine Aufführung mit, noch erhielt er irgendein Honorar dafür. „Er stand immer weit hinter Lessing, Schiller oder Goethe“[15].

Er wollte sich den gesellschaftlichen Verhältnissen nicht fügen. Mit seiner Gesellschaftskritik, machte er sich keine Freunde und fühlte sich schon sehr früh entschieden als Außenseiter. In seiner Dichtung geht es oft um „den Konflikt des einzelnen mit der Gesellschaft, in die er sich nicht zu integrieren vermag. Charakteristischerweise hat Kleist eine Vorliebe für Gestalten, die sich entweder selbst isolieren oder von der Gesellschaft in die Rolle von Außenseitern gedrängt werden.“[16]. Dies wird besonders in einem Brief an seine Schwester Ulrike am 5.2.1801 deutlich:

Die Nothwendigkeit, eine Rolle zu spielen, und ein innerer Widerwillen dagegen machen mir jede Gesellschaft lästig, u. froh kann ich nur in meiner eigenen Gesellschaft sein, weil ich da ganz wahr sein darf. Das darf man unter Menschen nicht sein, u. keiner ist es[17]

Wie bereits erwähnt passte Kleist sich nicht der Literatur seiner Zeit an. Die Themen entsprachen nicht denen, die zu seiner Zeit schicklich waren und sein Erzählstil war düsterer und pessimistischer als der seiner Kollegen.

Nach Schings ist Kleist:

ein denkbar unhöflicher, ja rücksichtsloser, ein gewaltsamer, ja gewalttätiger Erzähler […]. Er erzählt, um es in Worten zu sagen, vom Blick in die Hölle. Die unerhörten Begebenheiten, die er aus dem Weltlauf herausreißt und sich und seinen Lesern zumutet, gehorchen alle, mehr oder weniger deutlich, einer Regel: sie alle laufen unerbittlich auf einen Höllenpunkt zu, der die Figuren vernichtet oder doch zu vernichten droht.“. Sämtliche anerkannte Normen und Vorstellungen sprengt.[18].

Kleist wollte sich nicht den „anerkannten Normen und Vorstellungen“ fügen und der Preis dafür war fehlende Anerkennung und Ausschluss aus der Gesellschaft. Seine Werke wurden erst nach seinem Tod zu schätzen gelernt, was wiederum ein Zeichen dafür ist, das er der Literatur seiner Zeit sehr weit voraus war.

1.2. Kleists Methodik des Erzählens

Kleists Berichtsstil[19]

Kleists Erzählstil wird oft als objektiv und neutral beschrieben „seine Erzählungen sollen in der Form Ähnlichkeit mit Berichten aufweisen“[20]. Dies lässt sich besonders im Findling feststellen. Nach Göttler seien „die Schauplätze und Handlungen in Kleists Erzählungen […] nicht nach einer Wirklichkeit geschildert, sondern ‚konstruiert’ und im Hinblick auf ihre Funktion in der Erzählung eingesetzt.“[21]. Interessant ist sein Erzählstil ebenfalls in der Hinsicht, dass er nicht durchgängig ist. Nach Göttler, wechselt der Erzähler von der Perspektive Piachis, zu der Persepektive Nicolos um dann zum Schluss die Perspektive eines allwissenden Erzählers einzunehmen [22].

Des Weiteren, so beschreibt Göttler, handle es sich um eine apsychologische Erzählweise, da die Charaktere nie psychologisch genau beschrieben werden, die Beschreibungen also immer oberflächlich bleiben. Dies und die nicht konsequente Erzählweise, werden oft als Mangel interpretiert, so dass der Findling, von einigen Interpreten, mit einem Frühwerk Kleists in Verbindung gebracht wird. Andere Interpreten wie Conrady oder W. Hoffmeister sehen dies anders. Laut Conrady erzielt Kleist dadurch eine besonders straffe erzählerische Argumentationsführung und Hoffmeister ist der Meinung, dass

der Charakter Piachis […] bewusst nicht näher ausgeführt und indifferent gehalten [ist], so daß sich für den Leser eine Spannung ergibt, die durch die überraschende Entwicklung Piachis im letzten Teil der Erzählung aufgelöst wird.[23].

Die Erzählkommentare im Findling drängen den Leser in eine Bewertung der Akteure. So wird Nicolo beispielsweise am Anfang der Novelle als „Gottes Sohn“ (48)[24] beschrieben um ihn für den Leser positiv zu polarisieren, so dass das Handeln Piachis, ihn mit zu nehmen, verständlicher erscheint. Dem gegenüber wird er am Ende als „höllische[r] Bösewicht“ (63) beschrieben, um das Ausmaß der Untat hervorzuheben und in diesem Fall Piachi positiv zu polarisieren.

Die mathematische Exaktheit

Der Findling scheint in jedem Detail durchkomponiert zu sein. Die Namen der Figuren sind genauso durchdacht[25], wie die Erzählsituation, die Apsychologische Erzählweise oder die Erzählkommentare. Eva-Maria Anker-Mader beschreibt die Situation im Findling folgendermaßen:

Wir bemerken hier zum ersten mal, was er [Kleist] sonst unter der Gewalt seiner Sprache zu verdecken vermochte: die mathematische Exaktheit der Konzeption, die absolute Berechnung jedes Teils, das volle Bewusstsein in jeder Tat[26]

Wie gespiegelt, kehrt sich am Ende der Novelle alles um: Piachi wird in der Novelle als erster und als letzter genannt:

Antonio Piachi, ein wohlhabender Güterhändler aus Rom, war genötigt, in seinen Handelsgeschäften zuweilen große Reisen zu machen (47),

sowie:

Als man dem Papst dies meldete, befahl er, ihn [Antonio Piachi] ohne Absolution hinzurichten; kein Priester begleitete ihn, man knüpfte ihn, ganz in der Stille, auf dem Platz del popolo auf. (65).

Nicolo wird als zweiter genannt und stirbt auch als zweiter. Elvire bleibt in der Mitte „fast nur schweigende Dulderin“[27].

Laut Anker-Mader kehrt sich alles in sein Gegenteil:

Der gütige Piachi ist am Ende ein gehöngter Verbrecher, der stille Nicolo ein satanischer Wüstling, das ordnende Gesetz ist eine jämmerliche Mache. […] Liebe wird zu Rache, dem Spital entspricht das Gefängnis, der öffentlichen Affäre in Ragusa folgt eine in Rom, einer Liebestat auf offener Strasse entspricht eine Hinrichtung auf dem Gemeinplatz (piazza del popolo), dem Nicolo, der friedlich Nüsse knackt, wird einst der Kopf geknackt werden.[28]

Auch wird der Sozialisationsprozess Nicolos im Hause Piachis, in einem kurzen Abschnitt mechanisch heruntergeschrieben. Und genau so, wird die Einweisung in die Familie und die Gesellschaft gewesen sein, mechanisch und gesteuert. Von Piachi, der den Weg Nicolos von vornherein bestimmt hat.

Die Schlüsselsymbolik:

Die dominierende Erzählstrategie im Findling scheint das Fabrizieren von Geheimnissen und deren Entwirrungsversuche zu sein […]. Ständig wird hier etwas eingehüllt, um-, ent- verhüllt. Mäntel werden aus- und an-, Vorhänge auf- und zugezogen, Tücher auf- und abgehängt.

Es scheint als seien alle Türen in diesem Haus verschlossen. Derjenige der immer den Schlüssel zu den verschlossenen Türen bei sich trägt ist Piachi:

leise, da er Elviren schon schlafen glaubte, schlich er durch den Korridor heran, und da er immer den Schlüssel bei sich trug, so gelang es ihm, plötzlich, ohne das irgendein Geräusch ihn angekündigt hätte, in das Zimmer zu treten.(62)

Auch Elvire scheint immer einen Bund Schlüssel an der Hüfte zu tragen:

er riss ihr, mit verstörter Beeiferung, ein Bund Schlüssel von der Hüfte, das sie bei sich trug. (53)

Nur Nicolo bleiben die Türen verschlossen, sogar die zu seinem eigenen Zimmer:

Harmlos, ohne Elviren zu sehen, trat er an die Tür, die in sein Schlafgemach führte, und bemerkte eben mit Bestürzung, dass sie verschlossen war (52)

Die Bilder des Öffnens und Schließens konzentrieren sich besonders um Elvire selbst und ihr Schlafzimmer. Zunächst ist es ihr Zimmer, das immer verschlossen zu sein scheint. In dem Zimmer befindet sich wiederum eine Nische, in der der rotseidene Vorhang hängt. Als Nicolo das Zimmer aufschließt und den Vorhang zurück zieht, findet er wiederum nur ein Stück Leinwand. Die Lösung des Rätsels, ist verschachtelt wie eine der berühmten russischen Puppen.

[...]


[1] Von Kleist, Heinrich (15.8.1801): A Mademoiselle Mademoiselle Willhelmine de Zenge à Francfort sur l’Oder. In: Sämtliche Werke und Briefe, Helmut Sembdner (Hg.) 2001: Zweibändige Ausg. In 1. Bd. Vollst. Ausg. München: Dt. Taschenbuch Verlag, S. 967-1119.

[2] Schröder, Jürgen (1985): Plädoyer für Nicolo. In: Kleist Jahrbuch, Prof. Dr. Hans Joachim Kreutzer (Hg.) 1985. Berlin: Erich Schmidt Verlag GmbH, S. 109-127.

[3] Nach Schmidt, Jochen (2009): Heinrich von Kleist. Die Dramen und Erzählungen in ihrer Epoche. 2. unveränderte Auflage. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

[4] Rehwinkel, Dieter; Haller-Nevermann, Marie (2005): Kleist - ein moderner Aufklärer. Göttingen: Wallstein-Verlag.

[5] Kleist wurde in Frankfurt an der Oder, ehemals Preußens, geboren und lebte dort, bis er 1801 (mit 24 Jahren) nach Paris zog.

[6] Schmidt, Jochen (2009): Heinrich von Kleist. Die Dramen und Erzählungen in ihrer Epoche. 2. unveränderte Auflage. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

[7] vgl.

[8] vgl.

[9] Heubi, Albert (1948): Heinrich von Kleists Novelle „Der Findling“. Motivuntersuchung und Erklärung im Rahmen des Gesamtwerks. Abhandlung zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Fakultät I der Universität Zürich. Zürich: Buchdruckerei Müller, Werder & Co. A. G.

[10] Ebd.

[11] Heubi, Albert (1948): Heinrich von Kleists Novelle „Der Findling“. Motivuntersuchung und Erklärung im Rahmen des Gesamtwerks. Abhandlung zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Fakultät I der Universität Zürich. Zürich: Buchdruckerei Müller, Werder & Co. A. G.

[12] Blamberg, Günter (1994): Aggression und Autonomie. Familienkonflikte bei Heinrich von Kleist. In: Der Deutschunterricht. Jg. 46. Nr. 1. S. 33-44.

[13] Die patria potestas war im antiken Rom, die Macht des männlichen Familienoberhauptes, über die Familie. Der Vater hatte die Macht über Tod und Leben seine Kinder, seiner Frau, seiner Sklaven sowie über alle weiteren Familienmitglieder aus allen Generationen zu entscheiden.

[14] Blamberg, Günter (1994): Aggression und Autonomie. Familienkonflikte bei Heinrich von Kleist. In: Der Deutschunterricht. Jg. 46. Nr. 1. S. 33-44.

[15] Rehwinkel, Dieter; Haller-Nevermann, Marie (2005): Kleist – ein moderner Aufklärer. Göttingen: Wallstein-Verlag.

[16] Schmidt, Jochen (2009): Heinrich von Kleist. Die Dramen und Erzählungen in ihrer Epoche. 2. unveränderte Auflage. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

[17] Von Kleist, Heinrich (5.2.1801): An seine Schwester Ulrike von Kleist. In: Sämtliche Werke und Briefe, Helmut Sembdner (Hg.) 2001: Zweibändige Ausg. In 1. Bd. Vollst. Ausg. München: Dt. Taschenbuch Verlag.

[18] Schings, Hans-Jürgen (2005): Der Höllenpunkt – zum Erzählen Kleists. In: Kleist – ein moderner Aufklärer, Rehwinkel, Dieter; Haller-Nevermann, Marie (Hg.). Göttingen: Wallstein-Verlag. S.41-60.

[19] Nach Göttler, Fritz (1983): Handlungssysteme in Heinrich von Kleists „Der Findling“ – Diskussion und Anwendung narrativer Kategorien und Analyseverfahren. Frankfurt am Main: Verlag Peter lang GmbH.

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Göttler, Fritz (1983): Handlungssysteme in Heinrich von Kleists „Der Findling“. Diskussion und Anwendung narrativer Kategorien und Analyseverfahren. Frankfurt am Main: Verlag Peter lang GmbH. Seitenangaben entsprechen der Reclam Ausgabe

[23] Ebd.

[24] Zitate aus der Primärliteratur (Von Kleist, Heinrich (1986): Die Verlobung in St. Domingo. Das Bettelweib von Locarno. Der Findling. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co.) werden im Folgenden immer mit der Seitenzahl in Klammern belegt.

[25] Darauf werde ich im Kapitel drei näher eingehen.

[26] Anker-Mader, Eva-Maria (1992): Kleists Familienmodelle. Im Spannungsfeld zwischen Krise und Persistenz. München: Wilhelm Fink Verlag.

[27] Anker-Mader, Eva-Maria (1992): Kleists Familienmodelle. Im Spannungsfeld zwischen Krise und Persistenz. München: Wilhelm Fink Verlag.

[28] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Schuldfrage in Kleists „Der Findling“
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V189149
ISBN (eBook)
9783656130536
ISBN (Buch)
9783656130734
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schuldfrage, kleists, findling
Arbeit zitieren
Antonella Corrado (Autor), 2010, Die Schuldfrage in Kleists „Der Findling“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189149

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