Die „Catilinarische Verschwörung“. Ein politischer Umsturzversuch oder Krisenanzeichen und Beginn einer neuen Epoche Roms?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

21 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Die Römische Republik im Zeitalter der größten Krise ihrer Geschichte

3.Biographische Anmerkungen

4.Die Verschwörung des Jahres 63 v. Chr. – Ereignisse und Resultate

5.Die Verschwörung des Catilina und seiner Anhänger – Begin eines neuen Zeitalters für Rom?

6.Resümee und Ausblick

7.Quellen und Literaturverzeichnis

Das Jahr 63 v.Chr. und die „Catilinarische Verschwörung“ – politischer Umsturzversuch eines „Sonderlings“ oder Krisenanzeichen und Beginn einer neuen Epoche Roms?

1.Einleitung

Wie Karl Büchner sehr treffend resümierte, „erschöpft sich die Bedeutung eines Werkes nicht in seiner Entstehung und Existenz, sondern zeigt sich notwendigerweise in der Wirkung, die es ausübt. Von ihr aus fallen Strahlen zurück auf die Eigenart, so daß Vorhandensein versteckter Wesenszüge glaubwürdig wird erst mit und aus den Begegnungen späterer Zeiten. Daß im Catilina etwas von einem verwegenen Helden steckt, das einem absoluten Kraftideal völlig entspricht, konnte nicht einem Sallust in den Sinn kommen; daß die Renaissance sich einen Catilina zum Ideal setzte, ist aber für das, was im sallustischen Werk steckt, aufschlußreich“.[1]

Nicht umsonst diente das Werk des Sallust seit eben der Epoche der Renaissance als unumgängliche Lektüre, wollte man sich mit der Kultur der klassischen – besonders der römischen – Antike auseinandersetzen. Von welcher Bedeutung insbesondere der Text über die „Catilinarische Verschwörung“ bis in heutige Tage ist, verdeutlicht zudem die Tatsache, dass dieser als unbedingte Grundlage nicht nur des Studiums der römischen Historie, sondern vor allem der Philologie gilt.

Eine entscheidende Besonderheit des sallustischen Werkes ist zweifelsohne der „ungeheuere Wahrheitsanspruch“, der diesem zugrundezulegen versucht wurde.[2] Aufgrund dessen darf es nicht verwundern, dass es in einer „oberflächlichen und korrupten Zeit“ des ersten vorchristlichen Jahrhunderts in besonderem Maße bei seinen Zeitgenossen eine „äußerste Befremdung“ hervorgerufen haben muss.[3]

Die vorliegende Studie macht es sich jedoch nicht zur wichtigsten Aufgabe, das Gesamtwerk des Sallust zu analysieren beziehungsweise zu interpretieren.[4] Die Konzentration soll sich vielmehr explizit der Reflexion der sogenannten Verschwörung des Catilina widmen. In diesem Kontext soll vor allem die These, dass schon der „verfehlte Ansatz des Verschwörungsaktes“ Sallust gezeigt habe, inwieweit Rom bereits im Jahr 64 v.Chr. „im Bann des Revolutionärs“ gestanden haben muss, untersucht werden.[5] Wie unter anderem Vogt in diesem Zusammenhang erkannte, war es kein bewusster Fälschungsversuch Sallusts, wenn dieser einen „verfehlten Zeitansatz“ für den Beginn des „Hochverrats“ Catilinas im Jahr 64 v.Chr. beschrieb.[6] Vielmehr handelte es sich ganz einfach wohl um ein „historisches Versagen“ des Autors, welcher sich „nicht die Mühe gemacht“ haben mochte, den exakten Zeitpunkt des Geschehens festzustellen.[7] Doch soll auch das an dieser Stelle weniger von Interesse sein, als vielmehr die Tatsache, dass bereits 64 v. Chr. die gesellschaftliche und politische Situation zu kollabieren drohte.

Unter anderem muss es Aufgabe dieser Studie sein, zu beleuchten, auf welche Weise zugleich die Funktion Ciceros, der durch die „kaum erklärbare Wahl [...] zum Konsul“ ernannt wurde, beurteilt werden muss.[8] Denn ohne Zweifel hatten damit die Optimaten einen überaus willigen Vertreter ihrer Interessen gefunden. Ihnen war deutlich, dass dieser – um seine eigene Herkunft immer mehr zu verwischen – wie wohl kaum ein anderer Senator sich auf die Seite der „nobiles“ schlagen würde.[9] Dass Cicero dabei mehr und mehr als Werkzeug der Optimaten diente, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Die Rolle, welche er im Jahr 63 v.Chr. spielte, als das Konsulat Catilinas mit allen möglichen Mitteln verhindert werden sollte, muss im folgenden jedoch von besonderer Bedeutung sein.[10] Denn die Frage, die sich stellt muss lauten: War es wirklich Cicero, der Catilina zu jenen Taten inspirierte, welche ihn später zum „Verschwörer“ machten?[11] Ging die „Gewalt, deren sich Catilina schuldig machen sollte“, demnach auf indirekte Weise von den Optimaten aus?[12]

2.Die Römische Republik im Zeitalter der größten Krise ihrer Geschichte

Bereits seit dem Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts verschärfte sich die innenpolitische Lage in der römischen Republik zusehends. Dabei war es in besonderem Maße eine „dekadente Gegenwart“, geprägt von einem übermäßigem „Luxus“, von allgemeiner „Entartung, von „Korruption“, von einem immer weiter um sich greifenden „Sittenverfall“ sowie einer unbekannten „Frauenemanzipation“, welche die bis dahin existierenden Werte Roms zerspringen ließen.[13]

Umgreifende ökonomische, gesellschaftliche und politische Modifikationen waren die unweigerliche Folge dieses Transformationsprozesses. Wie Christ es in diesem Zusammenhang sehr deutlich beschreibt, war die „Befangenheit in herkömmlichen Normen und Wertungen und das starre Festhalten an den alten Privilegien“ der Hauptgrund, welcher bewirkte, dass all diese destruierend wirkenden Faktoren zwangsläufig zu einer „Krise ohne Alternative“ führte.[14]

Es war eine Zeit, in welcher es auf der höchsten Regierungsebene, im Senat, vor allem zu starken Differenzen zwischen den Optimaten einerseits und den Popularen und Standesgenossen andererseits kam.[15]

Während die Optimaten eine mehr oder weniger konservative Politik verfochten, waren es die letzteren, deren politisches Interesse durch einen großen Reformwillen geprägt wurde. Der Senat selbst musste wiederum sehr große Anstrengungen unternehmen, um die Befugnisse der immer mächtiger werdenden Vertreter des Militärs einzuschränken. Daneben existierten unüberwindbare Konflikte zwischen den „Okkupanten des Gemeindelandes“ und den besitzlosen Freien, welche durch angestrebte Agrarreformen eine verbesserte Stellung erreichen wollten.[16] Die römischen Vollbürger, welche über die umfassendsten Privilegien verfügten, standen konträr den Interessen der italienischen Bundesgenossen; Sklavenbesitzer mussten immer häufiger gegen revoltierende Sklaven kämpfen.[17] Zudem musste Rom mit einer Vielzahl von Unruhen in den Provinzen und an den Grenzen fertig werden.[18] Kurzum: all diese Faktoren zeigen sehr deutlich, in wie weit sich die Situation innerhalb Roms zu einer Krise formierte.

Vor allem das „Bundesgenossenproblem“ am Beginn des 1. Jahrhunderts v.Chr. dokumentiert die Heterogenität im Inneren des Reichs.[19]

Parallel zu den ständig steigenden Finanzkosten, welche auch für die Bundesgenossen durch die „kontinuierliche römische Kriegsführung“ existierte, trat eine „Arroganz römischer Magistrate“ und eine Vielzahl wirtschaftlicher Nachteile.[20] Die Reformversuche von M. Livius Drusus waren gescheitert. Und die italischen Samniten und Marser schufen sich eine separate Militärverfassung, was nichts anderes bedeutete, als dass sie damit einen eigenen Staat statuierten. Erstmalig in der Historie Roms hatte sich damit ein „neuer politischer Gegenpol“ zu den bestehenden Machtstrukturen gebildet.[21] Der Bundesgenossenkrieg in den Jahren 91 bis 88 v.Chr. war das unweigerliche Resultat.

Während Rom also zum einen unter diesen innenpolitischen Differenzen zu leiden hatte, musste es sich zum anderen gleichfalls gegen seine „äußeren“ Feinde wehren. Durch den sogenannten „Jugurthinischen Krieg“ von 111 bis 105 v.Chr., durch die Auseinandersetzungen im Rahmen des „Numidischen Erbfolgekrieges“ und durch den Krieg gegen die germanischen Kimbern und Teutonen von 105 bis 101 v. Chr. gelangte jedoch ein Heerführer an die Spitze des Staates, welcher diesen in der kommenden Zeit prägen sollte: Marius.[22]

Im Osten des Reiches war der Heerführer Sulla allerdings ebenfalls überaus erfolgreich. Ihm war es gelungen, den Krieg gegen Mithradates VI. von Pontus erfolgreich zu beenden, so dass er ebenfalls über ein großes militärisches Potential verfügen konnte; ein Potential, mit welchem er schließlich auch Marius und Cinna besiegen konnte.[23]

Insgesamt wurde die gesellschaftliche Entwicklung in der späten Epoche der Römischen Republik immer stärker in die verschiedenen sozialen Gruppen differenziert.[24] Dabei muss die immer intensivere Konzentration von wirtschaftlicher und politischer Macht bei den ausgesprochenen Führungsschichten erkannt werden. Wie bereits angedeutet, war es vor allem ein „Zwang zu Luxus und imponierender Repräsentation“, welcher das Denken und Handeln der führenden römischen Politiker dominierte.[25]

Einerseits führte dies folglich zu einer „provozierenden Materialisierung des Lebensstils“.[26] Andererseits muss erkannt werden, dass der unbedingte Wille zu einer großen politischen Karriere sehr oft enorme Vermögen verschlingen konnte (unter anderem aufgrund der Ausrichtung aufwendiger Spiele oder finanzieller Wahlbeeinflussung), wie es am Beispiel Catilinas besonders offensichtlich wird.[27]

3.Biographische Anmerkungen

Wie unter anderem der antike Historiker Cassius Dio überlieferte, besaß Lucius Sergius Catilina unter der Mehrheit der Zeitgenossen wohl ein überaus negatives Bild: „So geschieht es oft, daß er Wechsel der Dinge die jüngst noch Allgewaltigen auf einmal aller Macht entkleidet. Wenn dies aber unerwartet kam, so noch mehr, daß Catilina, der derselben Verbrechen wie jene [die auf die Befehle Sullas unter anderem Lucretius Ofella ermordet hatten] beschuldigt wurde – denn auch er hatte viele solcher Geächteten getötet -, freigesprochen wurde. Dies verdarb ihn denn nur noch mehr und führte schließlich zu seinem Untergang.“[28] Cassius Dio verweist an dieser Stelle auf die folgende Verschwörung, welche „Rom mit einem gefährlichen Krieg“ bedrohen sollte.[29]

Das genaue Datum der Geburt Catilinas liegt weitgehend im Dunkeln. Jedoch kann man wohl von einer Geburt um 108 v.Chr. ausgehen. Mit Sicherheit lässt sich jedoch seine gesellschaftliche Herkunft ableiten, nämlich von einem Patriziergeschlecht, welches aufgrund verschiedener militärischer Verdienste zu einem gewissen Ansehen und Wohlstand gelangt war. Der erste Nachweis zur Person des Catilina findet sich auf einer Bronzetafel und ist mit dem 17. November des Jahres 89 v.Chr. aus einer Epoche datiert, welche den Abschluss der Erhebung der Bundesgenossen gegen Rom bildete.[30]

Mit diesem Nachweis kann gleichfalls der Beginn seiner politischen Aktivitäten erkannt werden. Denn Catilinas Mitgliedschaft in einem „consilium“ unter dem Konsul Gnaeus Pompeius Strabo wurde auf der genannten Bronzetafel festgehalten. Mit großer Wahrscheinlichkeit erlangte Catilina in dieser Zeit das Amt eines Volkstribuns oder eines Präfekten.

Für Catilinas weitere politische Laufbahn war vor allem die Rückkehr L. Cornelius Sullas aus den militärischen Auseinandersetzungen mit Mithradates im Jahr 83 v.Chr. von eminenter Bedeutung. Denn unmittelbar nach dessen Rückkehr schloss er sich diesem an, da er sich aufgrund von dessen Sieg gegen Marius wichtige Vorteile für seine weitere Karriere versprach. Nicht zuletzt, weil Sulla in der Folge eine Herrschaft in diktatorischem Stil führte.[31]

Im Jahr 82 v.Chr. war Catilina als Legat unmittelbar an der Eroberung von Praeneste durch die Truppen Sullas beteiligt. Von besonderer Bedeutung für Sulla war er zudem aufgrund seines großen Engagements im Rahmen der Verfolgung der durch Sulla sogenannten Proskribierten. Ob Catilina – ebenfalls im Jahr 82 v.Chr. - seinen Bruder getötet hat, weil dieser ihn angeblich ebenfalls in frühere Proskriptionslisten hatte eintragen lassen, kann nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Dem Auftrag Sullas, Marcus Marius Gratidianus, der sein Schwager und Anhänger des Marius war, zu töten, war Catilina jedoch nachweislich schon nachgekommen, bevor er auch Quintus Caecilius, Ehegatte seiner Schwester und auf den berüchtigten Verfolgungslisten erfasst, umbringen ließ.[32]

Einer Anklage durch Clodius, der Catilina eines unzüchtigen Verhaltens mit einer Vestalin beschuldigt hatte, konnte er durch die Hilfe des Freundes und ehemaligen Konsuls, Quintus Lutatius Catulus, entgegenwirken. Ein entsprechendes Urteil sprach ihn in diesem Zusammenhang frei.[33]

Catilina fungierte bis zum Jahr 67 v.Chr. als Prätor. Danach begab er sich in die römische Provinz Africa, welche er als Statthalter verwalten sollte. Mit großer Wahrscheinlichkeit war die Tatsache, dass er diese Provinz über aller Maßen ausbeutete der Grund, weshalb ihm nach seiner Rückkehr nach Rom im Jahr 65 v. Chr. ein sogenannter Repetundenprozess gemacht wurde. Aufgrund dessen wiederum wurde ihm die Anwartschaft auf das Konsulat des selben Jahres nicht zugebilligt – eine Ablehnung, welche wohl als Auslöser für die zunächst verbissenen Auseinandersetzungen um das Konsulat und schließlich für den Versuch zum Staatsstreich, der eben als „Catilinarische Verschwörung“ in die Geschichte eingegangen ist, gedeutet werden muss.[34]

Auch wenn im folgenden den Ereignissen um die sogenannte „Catilinarische Verschwörung“ eine detaillierte Aufmerksamkeit geschenkt wird, darf bereits an dieser Stelle auf das Scheitern des Aufstandes hingewiesen werden.

Nachdem Ende des Jahres 63 v.Chr. die Mehrheit der Verschwörer in Rom hingerichtet worden war, fand schließlich auch Catilina – in einer letzten militärischen Auseinandersetzung bei Pistoia im Folgejahr – den Tod.[35]

4.Die Verschwörung des Jahres 63 v. Chr. – Ereignisse und Resultate

Dass Rom mit der Epoche der Herrschaftsgewalt des Sulla tiefgreifende Veränderungen erfuhr, man gar davon ausgehen darf, Sulla als „letzten Republikaner“ zu verstehen, verdeutlicht die besondere Situation, in welcher sich der römische Staat seit Beginn des letzten vorchristlichen Jahrhunderts befand.[36]

Die Hypothese, welche als wichtige Grundlage der vorliegenden Untersuchung dient, geht zudem davon aus, dass die sogenannte „Catilinarische Verschwörung“ als unbedingter Faktor für eine neue Epoche in der Geschichte Roms verantwortlich zu machen ist.

Wie Karl Christ in diesem Zusammenhang befindet, wurde vor allem „aus primär überlieferungsgeschichtlichen Gründen [...] das Jahr 63 v.Chr., das Jahr von Ciceros Konsulat, das Jahr der „Catilinarischen Verschwörung“, aber auch das Jahr der Geburt Oktavians, zu einem entscheidenden Epochenjahr in der römischen Geschichte“.[37] Christ geht also davon aus, dass es die „Mixtur“ der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse war, welche das Ende der Römischen Republik und die Basis für das folgende Römische Prinzipat beziehungsweise Kaiserreich herbeiführte.

Die vor allem durch Cicero und natürlich Sallust überlieferten Ereignisse um die politischen Umsturzversuche des Catilina im Jahr 63 v.Chr. sind freilich keineswegs allein als unmittelbare Auslöser dieser innenpolitischen Transformationen zu interpretieren.[38] Bereits die Tatsache, dass der Umsturzversuch misslang, macht dies deutlich. Doch muss an dieser Stelle zum wiederholten Mal darauf hingewiesen werden, dass die Ereignisse, die Catilina zweifelsohne provoziert hatte, einen wichtigen Anteil an der politischen und gesellschaftlichen Gesamtmodifikation Roms trugen.

Im Zusammenhang mit den Anmerkungen zur Biographie Catilinas wurde bereits darauf verwiesen, dass ein wichtiges Moment, welches die Gedanken zum „Aufstand“ reifen ließen, im vergeblichen Kampf Catilinas um das Konsulat von 64 v.Chr. erkannt werden muss. Denn aufgrund des noch nicht verhandelten Rechtsverfahrens im Rahmen des sogenannten Repetundenprozesses war es Catilina nicht möglich gewesen, eine Kandidatur für das Konsulat zu bekommen.

Im Folgejahr 63 v.Chr. wäre dies nun möglich gewesen. Doch in der politischen Konfrontation mit Cicero, der die wohl entscheidenden Aspekte gegen Catilina propagierte, beziehungsweise mit Gaius Antonius Hybrida, der schließlich zum Konsul ernannt wurde, versagte Catilina.[39]

Auch im anschließenden Jahr gelang es Catilina nicht, sich für das Konsulat durchzusetzen. Die Wahl fiel auf Lucius Licinius Murena, der vor allem auf die intensive Unterstützung Ciceros hoffen durfte, sowie Decimus Iunius Silanus.[40]

Zwar argumentierte Cicero, dass Catilina bereits in der Folge dieser Niederlage zur Gewalt bereit war.[41] Jedoch sollten derartige Behauptungen besonders unter der Prämisse des ausgesprochenen Gegensatzes, nämlich der unmittelbaren politischen Konkurrenz, zwischen diesen beiden Personen gedeutet werden.

Zweifelsohne waren jedoch die unterschiedlichen Truppenaushebungen in Picenum, in Apulien, in Kampanien und die des Gaius Manlius, welcher noch unter Sulla als Centurio fungiert hatte, in Etrurien und Gallien die ersten entscheidenden Anzeichen, welche die Verschwörungsintentionen erkennen lassen. Denn mit diesen Truppenverbänden zeigte Catilina zusammen mit seinen Mitstreitern das Vorhaben, gegen die Stadt Rom zu ziehen und dort die wichtigsten Schaltzentralen zu besetzen. Danach sollten alle feindlich gesinnten Optimaten hingerichtet werden.[42]

Cicero war jedoch durch Informanten auf die Verschwörungspläne (hauptsächlich durch eine Frau namens Fulvia, welche die Geliebte des Quintus Curius, der wiederum zum Kreis der Verschwörer gehörte, war; zudem durch die Hinweise von Marcus Crassus, Marcus Marcellus sowie Metellus Scipio, welche Hinweise für konkrete Anschlagsziele vorlegen konnten; auch durch Quintus Arrius, der von Truppenbewegungen in Etrurien berichtete) hingewiesen worden und hatte dementsprechend den Senat benachrichtigt.[43]

[...]


[1] Büchner, Karl: Sallust. 4. Aufl. Heidelberg 1982, S. 356.

[2] Ebenda. Zu Fragen des Wahrheitsgehaltes insbesondere im Zusammenhang mit der „Catilinarischen Verschwörung“ vgl. dazu als Gesamtüberblick: Bringmann, Klaus: Sallusts Umgang mit der historischen Wahrheit in seiner Darstellung der Catilinarischen Verschwörung. 5. Aufl. Darmstadt 1995.

[3] Alle Zitate: Büchner, Sallust, S. 356.

[4] Zu Leben und Werk des Sallust vgl.: Latte, Kurt: Sallust. 2. Aufl. Darmstadt 1962; Schmal, Stephan: Sallust. Darmstadt 2001; Syme, Ronald: Sallust. Darmstadt 1975.

[5] Drexler, Hans: Coniuratio Catilinae. E fontibus illustrata vel adumbrata / Die Catilinarische Verschwörung. Ein Quellenheft (Texte zur Forschung, 25). 2. Aufl. Darmstadt 1989, S. 305.

[6] Vogt, Joseph: Cicero und Sallust. Über die Catilinarische Verschwörung (Auf dem Wege zum nationalpolitischen Gymnasium. Beiträge zur nationalsozialistischen Ausrichtung des altsprachlichen Unterrichts, hrsg. auf Veranlassung des Reichssachbearbeiters für alte Sprachen, 3). Frankfurt am Main 1938, S. 60. Anmerkung zu diesem Literaturverweis: Auch wenn es sich um einen Text, der unmissverständlich im nationalsozialistischen Anliegen verfasst wurde, handelte, kann auf eine relativ wertneutrale und objektive Darstellung Vogts in philologischem Kontext verwiesen werden. Zum zeitlichen „Missverständnis“ bei Sallust vgl. auch: Wimmel, Walter: Die zeitlichen Vorwegnahmen in Sallusts Catilina. In: Hermes, 95 (1967), S. 192-221.

[7] Alle Zitate: Ebenda. Zum Gesamtkontext von Fehlern und Widersprüchlichkeiten bei Sallust vgl.: Ledworuski, Gabriele: Historiographische Widersprüche in der Monographie Sallusts zur Catilinarischen Verschwörung (Studien zur klassischen Philologie, hrsg. von Michael von Albrecht, 89). Frankfurt am Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien 1994.

[8] Vogt, Cicero und Sallust, S. 60.

[9] Vgl.: Will, Wolfgang: Julius Caesar. Eine Bilanz. Stuttgart, Berlin, Köln 1992, S. 34.

[10] Vgl. dazu auch: Plutarch: Cicero. In: Große Griechen und Römer, eingel. und übers. von Konrad Ziegler. In: Die Bibliothek der Alten Welt, Griechische Reihe, Bd. IV, S. 262-277.Vgl. auch: Plutarch: Caesar. In: Ebenda, übers. von Walter Wuhrmann, Bd. V, S. 104-109. Vgl. dazu auch: Drexler, Die Catilinarische Verschwörung, S. 17f.

[11] Vgl.: Will, Julius Caesar, S. 35.

[12] Ebenda.

[13] Alle Zitate: Christ, Karl: Die Römer. Eine Einführung in ihre Geschichte und Zivilisation. 3. Aufl. München 1994, S. 45. Vgl. dazu auch: Alexander, M. C.: Trials in the Late Roman Republic. 149 B.C. to 50 B.C. Toronto 1990. Zur Frage der Frauenemanzipation vgl.: Baumann, R. A.: Woman and Politics in Ancient Rome. London 1992.

[14] Beide Zitate: Christ, Die Römer, S. 45.

[15] Insbesondere zum Machtanspruch der Optimaten vgl. als Gesamtüberblick: Burckhardt, L. A.: Politische Strategien der Optimaten in der späten Römischen Republik. Stuttgart 1988.

[16] Als Überblick dazu vgl. bes.: Bringmann, Klaus: Die Agrarreform des Tiberius Gracchus. Stuttgart 1985.

[17] Als Überblick dazu vgl. u.a.: Rubinsohn, W. Z.: Die großen Sklavenaufstände der Antike. Darmstadt 1993.

[18] Zu all diesem Faktoren vgl.: Christ, Die Römer, S. 45.

[19] Ebenda, S. 48.

[20] Beide Zitate: Ebenda.

[21] Ebenda.

[22] Vgl.: Ebenda. Zur Biographie, bes. zu den Auseinandersetzungen mit Sulla vgl.: Carney, T. F.: A biography of C. Marius. 2. Aufl. Chicago 1970.

[23] Vgl.: Christ, Die Römer, S. 48. Als Überblick vgl. hier außerdem: Schneider, H.: Die Entstehung der römischen Militärdiktatur. Köln 1977.

[24] Als Gesamtüberblick vgl. bes.: Alföldy, G.: Römische Sozialgeschichte. 3. Aufl. Wiesbaden 1984.

[25] Christ, Die Römer, S. 49.

[26] Ebenda.

[27] Vgl.: Ebenda.

[28] Cassius Dio Cocceianus: Historiarum Romanarum quae supersunt, ed. Ursulus Philippus Boissevain, vol. I. Berlin 1895, 37, 10. Hier nach: Drexler, Catilinarische Verschwörung, S. 2.

[29] Ebenda.

[30] Vgl.: Ebenda, S. 62. Zu den innenpolitischen Auseinandersetzungen der Zeit 91-89 v.Chr. vgl. u.a.: Bringmann, Klaus: Römische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Spätantike. 4. Aufl. München 1998, S. 48. Zu den biographischen Details im Überblick vgl. auch: Ungern-Sternberg, Jürgen von: Catilina. In: DNP, 2. Stuttgart 1997, Sp. 1693-1711.

[31] Vgl. Ebenda, S. 48f. Vgl. dazu auch: Sallust: Historische Schriften. Catilina. Iugurtha. Fragmente aus den Historien, übers. von André Lambert. In: Literatur. Philosophie. Wissenschaft. Bibliothek der Antike, hrsg. von Manfred Fuhrmann. Tb.ausg. München 1991, insbes. S. 37, 47, 51. Als Epochenüberblick vgl. dazu besonders: Christ, Karl: Krise und Untergang der Römischen Republik. Darmstadt 1979. Insbesondere zum Krieg gegen Mithradates vgl.: Mommsen, Theodor: Römische Geschichte, Bd. 3: Viertes Buch. Die Revolution. München 2. Aufl. 1976, S. 275-315. [Orig.ausg. 1903]

[32] Zu diesen Aspekten beziehungsweise zum „Staat des Diktators Sulla“ vgl.: Bringmann, Klaus: Geschichte der römischen Republik. Von den Anfängen bis Augustus. München 2002, S. 265-282.

[33] Vgl. dazu: Drexler, Die Catilinarische Verschwörung, S. 62-73.

[34] Zu dieser Epoche vgl.: Ebenda, S. 74-93.

[35] Vgl.: Bringmann, Geschichte der römischen Republik, S. 306.

[36] Vgl. dazu: Keaveney, A.: Sulla. The last republican. London 1982.

[37] Christ, Karl: Geschichte der Römischen Kaiserzeit. Von Augustus bis Konstantin. 3. Aufl. München 1995, S. 39.

[38] Vgl. dazu nochmals: Gaius Sallustius Crispus: Die Verschwörung des Catilina, hrsg. von Karl Büchner. Stuttgart 1967; Marcus Tullius Cicero: Orationes, Bd. 1, hrsg. von Albert Curtis Clark. Oxford 1905; Ders.: Pro Murena, hrsg. von Joachim Adamietz. Darmstadt 1989. Vgl. dazu auch: Schwartz, Eduard: Die Berichte ueber die Catilinarische Verschwoerung. In: Hermes, 32 (1897), S. 554-608; Waters, Kenneth H.: Cicero, Sallust and Catiline. In: Historia, 19 (1970), S. 195-215.

[39] Zu den Ereignissen bis zum Ende des Jahres 63 v. Chr. vgl.: Drexler, Die Catilinarische Verschwörung, S. 86-127. Zur Bewerbung Catilinas für das Konsulat 64 bis 63 v.Chr. vgl.: Ebenda, S. 107-112

[40] Zur Bewerbung Catilinas für das Konsulat der Legislatur 63 bis 62 v. Chr. vgl.: Ebenda, S. 113-116. Zu den Argumenten Ciceros pro Murena vgl.: Ebenda, S. 154.

[41] Vgl. dazu nochmals besonders Ciceros Aditation für Lucius Licinius Murena: Cicero: Pro Murena, hrsg. von Joachim Adamietz. Darmstadt 1989.

[42] Zur unmittelbaren Zeit nach der Wahlniederlage des Jahres 63 v.Chr. vgl. nochmals: Drexler, Die Catilinarische Verschwörung, S. 124-127.

[43] Zur Theorie des Verrats der Attentatspläne vgl.: Ebenda, S. 139f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die „Catilinarische Verschwörung“. Ein politischer Umsturzversuch oder Krisenanzeichen und Beginn einer neuen Epoche Roms?
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V189150
ISBN (eBook)
9783656145943
ISBN (Buch)
9783656146124
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Catilinarische Verschwörung, Rom, römische Geschichte, alte Geschichte, Catilina, Antike
Arbeit zitieren
Marcus Hanisch (Autor), 2009, Die „Catilinarische Verschwörung“. Ein politischer Umsturzversuch oder Krisenanzeichen und Beginn einer neuen Epoche Roms?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189150

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