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Die Einrichtung der jüdischen Selbsthilfe zu Zeiten der NS-Repression. Nützliche Stütze oder wirkungsloses Moment?

Titel: Die Einrichtung der jüdischen Selbsthilfe zu Zeiten der NS-Repression. Nützliche Stütze oder wirkungsloses Moment?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 19 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Marcus Hanisch (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit der vorliegenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden, die Ansätze der jüdischen Selbsthilfe zu beleuchten. Dabei versteht es sich von selbst, dass diese als unmittelbare Reaktion auf die antijüdische Politik der Nationalsozialisten seit 1933, seit dem Jahr, als diese in Deutschland die Macht ergreifen konnten, zu verstehen sind. Hierbei ist es notwendig, zum einen die inhaltlichen Strukturen dieser eigens der Selbsthilfe gegenüber den Repressionen der Nationalsozialisten initiierten jüdischen Aktivitäten zu beschreiben. Zum anderen sollen die Möglichkeiten und Formen dieser Selbsthilfe beurteilt werden.
Im Zentrum der vorliegenden Arbeit soll jedoch der Frage nachgegangen werden, inwieweit derartige Aktivitäten von Erfolg gekrönt waren. Dies bedeutet freilich nicht, dass sich einer Analyse gewidmet werden soll, ob die jüdische Selbsthilfe ein Mittel war, welches den Auswirkungen der nationalsozialistischen Ideologie und dementsprechenden Propaganda auch auf gesellschaftspolitischem Terrain „entgegentreten“ konnte. Denn zweifelsohne soll davon ausgegangen werden, dass es sich bei der Selbsthilfe um keine Organisationsform handelte, die der antijüdischen „Maschinerie“ des Dritten Reiches ein reelles Gegengewicht bieten konnte; dies nicht zuletzt auch deshalb, weil explizit seit der Epoche des Kaiserreiches auch in der „normalen“ Bevölkerung vermehrt antisemitische Auffassungen festgestellt werden müssen.
Vielmehr muss es das Anliegen der Studie sein, zu beurteilen, auf welche Weise partiell Not gelindert oder auch materielle Hilfe geleistet werden konnte; auf welche Weise nicht zuletzt auch auf Grundlage der religiösen und identifikatorischen Gemeinschaft ein gewisser Zusammenhalt in diesen Zeiten der äußersten Bedrohung geboten wurde.
Nachdem zunächst die jüdische Selbsthilfe als Reaktion auf den von den Nationalsozialisten initiierten gesellschaftlichen Ausschluss untersucht werden soll, muss darauf aufbauend der Versuch unternommen werden, die Möglichkeiten und Details dieser Selbsthilfeform zu beschreiben. Kulturelle und ökonomische Aspekte wie unter anderem der „Kulturbund der Deutschen Juden“, der „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, die „Reichsvertretung der deutschen Juden“, das „Jüdische Winterhilfswerk“ und nicht zuletzt das Engagement des Rabbiners Leo Baeck sollen folgerichtig in ihrer Wirksamkeit beurteilt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Die jüdische Selbsthilfe als Reaktion auf eine gesellschaftliche Ausgrenzung und Verfolgung

3. Möglichkeiten und Formen der Selbsthilfe

3.1. Selbsthilfeaspekte in gesellschaftlich-kultureller Hinsicht

3.2. Jüdische Selbsthilfe in wirtschaftlicher Dimension

3.3. Die Möglichkeiten der eigenen Wohlfahrtspflege und karitativen Unterstützung

3.4. Die letzte Möglichkeit der Selbsthilfe?: Flucht und Emigration aus Deutschland

4. Resümee und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Strukturen und Wirksamkeit der jüdischen Selbsthilfe im Deutschen Reich ab 1933 als unmittelbare Reaktion auf die zunehmende nationalsozialistische Repressions- und Ausgrenzungspolitik.

  • Analyse der jüdischen Selbstorganisation als Antwort auf den gesellschaftlichen Ausschluss.
  • Untersuchung der wirtschaftlichen Unterstützungssysteme und der Berufsumschichtung.
  • Evaluation der kulturellen und schulischen Bildungsansätze zur Stärkung der jüdischen Identität.
  • Betrachtung der karitativen Wohlfahrtspflege, insbesondere des Jüdischen Winterhilfswerks.
  • Einordnung der Flucht und Emigration als letzte Konsequenz der schwindenden Möglichkeiten.

Auszug aus dem Buch

3.2.Jüdische Selbsthilfe in wirtschaftlicher Dimension

Die Organisation der wirtschaftlichen Selbsthilfe verfügte über drei entscheidende Hauptbereiche, die das ökonomische Fundament dieser bildeten. Zum einen waren dies die Darlehenskassen, die eine finanzielle Unterstützung für Bedürftige anboten. Zum anderen handelte es sich um die Arbeitsvermittlung, welche - wie es der Name ausdrückt – dazu initiiert wurde, mögliche offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt Juden anzubieten, und darauf drängte, dass jüdische Unternehmen – zumindest in jenem Zeitraum, in welchem diese noch nicht vollständig in „deutsche Hand“ übereignet waren - primär auf jüdische Angestellte und Arbeiter zurückgreifen müssen. Und schließlich war es die Idee der „Berufsumschichtung und Erstausbildung“, welche vor allem für jene jüdischen Mitbürger angedacht war, welche aus ihrem angestammten Berufen – also oftmals Juristen, Pädagogen oder Mediziner – „entfernt“ worden waren.

Denn ohne Frage gestaltete sich die wirtschaftliche Situation explizit für jene Berufsgruppen, die von den Bestimmungen des sogenannten „Arierparagraphen“ in besonderem Maße betroffen waren, außerordentlich problematisch. Beamte, die normalerweise unkündbar waren, hatten ihre beruflichen Stellungen verlassen müssen; Händler verloren aufgrund des propagierten und praktizierten Boykotts jüdischer Geschäftseinrichtungen ihre Lebensgrundlage; Ärzte verloren ihre Krankenkassenzulassungen; Rechtsanwälte und Notare wurden aus ihren bis dahin sehr lukrativen und prestigeträchtigen Positionen verdrängt; die Künstlerschaft verlor nun „fast vollständig den Broterwerb“. Eine „materielle Linderung ihrer Situation“ stand deshalb im Fokus der Bemühungen der jüdischen Organisation der wirtschaftlichen Selbsthilfe.

Da des Weiteren die Nationalsozialisten zu Fragen der Berufsausbildung keine klaren Aussagen vorlegten, war die jüdische Selbsthilfe auch in dieser Relation gezwungen, die Sache in die „eigene Hand“ zu nehmen. So war es letztlich Aufgabe der Organisation der wirtschaftlichen Selbsthilfe, sowohl die erste Berufsausbildung wie auch die Maßnahmen zur Berufsumschichtung zu koordinieren; und dies zu einer Zeit, als die jüdischen Zentralorganisationen mehr und mehr selbst unter finanziellen Engpässen zu leiden hatten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbemerkung: Einführung in die historische Ausgangslage und die Zielsetzung der Untersuchung der jüdischen Selbsthilfe als Reaktion auf das NS-Regime.

2. Die jüdische Selbsthilfe als Reaktion auf eine gesellschaftliche Ausgrenzung und Verfolgung: Erläuterung der politischen Rahmenbedingungen ab 1933 und des Versuchs der jüdischen Bevölkerung, trotz Diskriminierung eine eigene soziale Identität zu bewahren.

3. Möglichkeiten und Formen der Selbsthilfe: Detaillierte Analyse der verschiedenen Stützungsbereiche, von der Bildung bis zur wirtschaftlichen Nothilfe.

3.1. Selbsthilfeaspekte in gesellschaftlich-kultureller Hinsicht: Untersuchung der Gründung zentraler jüdischer Organisationen und der Bemühungen zur Aufrechterhaltung jüdischer Schulbildung.

3.2. Jüdische Selbsthilfe in wirtschaftlicher Dimension: Beschreibung der Darlehenskassen und Arbeitsvermittlung zur Unterstützung der vom Berufsverbot betroffenen jüdischen Bevölkerung.

3.3. Die Möglichkeiten der eigenen Wohlfahrtspflege und karitativen Unterstützung: Darstellung der sozialen Sicherungssysteme wie dem Jüdischen Winterhilfswerk und der Altersfürsorge.

3.4. Die letzte Möglichkeit der Selbsthilfe?: Flucht und Emigration aus Deutschland: Einordnung der Emigration als verzweifelter Ausweg angesichts der Radikalisierung der antijüdischen Politik.

4. Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Leistungen der jüdischen Selbsthilfe und Einordnung in den historischen Kontext des Holocaust.

Schlüsselwörter

Jüdische Selbsthilfe, Nationalsozialismus, Diskriminierung, Antisemitismus, Reichsvertretung der deutschen Juden, Zentralausschuss für Hilfe und Aufbau, Emigration, Wohlfahrtspflege, Jüdisches Winterhilfswerk, Arierparagraph, Berufsumschichtung, Identifikation, Schoah, jüdische Identität, Repression.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie sich die jüdische Bevölkerung in Deutschland nach 1933 durch eigene Hilfsprogramme gegen die nationalsozialistische Repression zu wehren versuchte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der wirtschaftlichen Unterstützung, der kulturellen Selbstbehauptung, der Organisation des Schulwesens sowie der karitativen Wohlfahrtspflege.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu beurteilen, inwieweit diese Selbsthilfeaktivitäten erfolgreich waren und welche psychologische sowie materielle Unterstützung sie für die betroffene Bevölkerung bieten konnten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine historische Untersuchung, die auf der Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Berichte jüdischer Organisationen und wissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die verschiedenen Dimensionen der Selbsthilfe – von der Bildung über die wirtschaftliche Existenzsicherung bis hin zur Flucht – detailliert analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind jüdische Selbsthilfe, nationalsozialistische Repression, soziale Ausgrenzung, Emigration und Identitätsstärkung.

Was genau war die Funktion des Jüdischen Winterhilfswerks?

Es fungierte als spezifisch jüdisches Pendant zum staatlichen Winterhilfswerk, um die zunehmende Not der eigenen Bevölkerung zu lindern, da diese von staatlichen Leistungen ausgeschlossen war.

Warum spielt das Thema der Berufsumschichtung eine so wichtige Rolle?

Aufgrund des Ausschlusses aus angestammten Berufen durch den Arierparagraphen mussten viele jüdische Bürger neue berufliche Qualifikationen erwerben, um ihre Existenzgrundlage zu sichern.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Emigration?

Emigration wird als die letzte unumgängliche Konsequenz und Reaktion auf die zunehmende Radikalisierung und Unmöglichkeit eines weiteren Lebens in Deutschland unter dem NS-Regime dargestellt.

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Details

Titel
Die Einrichtung der jüdischen Selbsthilfe zu Zeiten der NS-Repression. Nützliche Stütze oder wirkungsloses Moment?
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,5
Autor
Marcus Hanisch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V189152
ISBN (eBook)
9783656145929
ISBN (Buch)
9783656146063
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neueste Geschichte Jüdische Selbsthilfe Juden Nationalsozialismus Judenverfolgung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marcus Hanisch (Autor:in), 2010, Die Einrichtung der jüdischen Selbsthilfe zu Zeiten der NS-Repression. Nützliche Stütze oder wirkungsloses Moment?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189152
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Leseprobe aus  19  Seiten
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