Förderung im Schriftspracherwerb


Hausarbeit, 2010

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorieteil

3. Praxisteil – Fallbeispiel

4. Schlussreflexion

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Lesen und Schreiben ist Grundlage unserer Kultur. Ohne Lesen kommt man heute nicht mehr selbstständig zurecht. Man kann keine Zeitung, keine Internetseiten, keine Straßenschilder, Wegbeschreibungen oder Bedienungsanleitungen nur gebrauchen, wenn man sie auch lesen kann. Mindestens genauso bedeutend ist das Schreiben. Ohne Schreiben kann man sich nur mündlich mitteilen. Eine Arbeit zu finden, ohne schreiben zu können, ist schier unvorstellbar. Man geht davon aus, dass jedes Schulkind nach der vierten Klasse lesen und schreiben gelernt haben muss. Umso erstaunlicher ist es, dass es rund vier Millionen Analphabeten in Deutschland gibt. Die Schulen haben hohe Misserfolgsquoten, nicht nur die Grundschule kann für Analphabetismus oder Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben verantwortlich gemacht werden. Nach dem Schulabschluss werden circa 20 % nach zwei Jahren zu Analphabeten. Menschen die Lesen bereits gelernt haben, verlernen es wieder. Aber wie kommt es dazu? Wieso lernt nicht jeder Schüler/in gleich lesen und im gleichen Tempo? Und wie kann man die Schüler/innen beim Prozess des Lesen- und Schreibenlernens unterstützen?

Vor allem müssten zukünftige Lehrer viel besser für die Diagnose ausgebildet sein, vielleicht wäre auch eine längere Grundschulzeit (6jährig wie in den meisten europäischen Staaten). Diese Kinder haben mehr Zeit und somit auch eine größere Chance lesen zu lernen.

Im Folgenden werde ich zuerst auf die Förderung der Schriftspracherwerbs eingehen, anschließend ein Praxisbeispiel einer gelungenen Förderung vorstellen und schlussendlich eine Reflexion über die vorgestellte Förderung aufzeigen.

2. Theorieteil: Förderung im Schriftspracherwerb

2.1 Diagnose bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten

Bei Kindern, die besondere Probleme beim Schriftspracherwerb haben, muss zusätzliche Instruktion und Lernzeit bereitgestellt werden, damit eine Annäherung an vorgegebene Lernziele erfolgen kann. Es gibt eine Vielzahl diagnostischer Begriffe wie Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Der Begriff Legasthenie wird „definiert als Diskrepanz zwischen den spezifischen Problemen im Lesen und Rechtschreiben, bei sonst unauffälligen Schulleistungen und bei sonst intakter oder (im Verhältnis zur Lesefähigkeit) relativ guter Intelligenz“[1]. Diese Definition schließt Kinder mit niedriger Intelligenz, welche Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, aus. Deshalb wurde auf der Kultusministerkonferenz 2003 beschlossen, dass es keine Differenzierung mehr in der Förderung zwischen Legasthenikern und allgemein Lese-Rechtschreib-Schwachen-Kindern geben soll.

Als vorrangige Kriterien für die Zuteilung von Förderstunden werden in der Schule Diktat- und Zeugnisnoten sowie informelle Beobachtungen und Tests herangezogen. Im Gegensatz zu diesem normorientierten Verfahren wäre ein kriteriumsorientiertes Vorgehen sinnvoller, „das den individuellen Lernstand eines Kindes mit der erwarteten Lernentwicklung und mit vorgegebenen Lernzielen vergleicht.

Zur Förderung sollte zuerst eine Analyse des derzeitigen Lernstandes beim Schriftspracherwerb durchgeführt werden, von der anschließend ein langfristiger Förderplan und auch zeitnahe Lernziele abgeleitet werden können. Förderdiagnostisch haben sich Verfahren auf der Basis der Stufenmodelle bewährt. Hierbei werden Unsicherheiten bei der Phonem-Graphem-Korrespondenz und bei orthografischen Strukturen analysiert. Im Text von Scheerer-Neumann findet sich auch von ihr eine Tabelle zu den Entwicklungsstufen beim Schriftspracherwerb (nach Scheerer-Neumann). Sie teilt hier nach verschiedenen Strategien (u.a. logografisch, alphabetisch und orthografisch) und nach Rechtschreiben und Lesen ein.

2.2 Fördermaßnahmen

Förderung der alphabetischen Strategie:

Als päventiver Ansatz ist hier die Förderung der Phonologischen Bewusstheit zu nennen. Als Übungen werden z.B. Wörter in kleine Einheiten aufgegliedert, Laute identifiziert und Laute und Silben zu Wörtern zusammengelesen, da die Phonem-Graphem-Korrespondenz Voraussetzung für das Erlernen einer alphabetischen Schrift ist.

Weiterhin gibt es auch begleitende Fördermaßnahmen wie den Unterricht im phonologischen Rekodieren (Silbentreppe) oder Interventionen im Rahmen des Erstleseunterrichts (Reading Recovery).

Sinnvolle Methoden zur Erhöhung der Leseflüssigkeit sind beispielsweise der Einsatz von Blitzkarten, das wiederholte Lesen, Gruppieren von Wortmaterial und die Unterstützung der Lesemotivation durch anregendes Lesematerial.

Gute Trainingsprogramme zur Förderung der alphabetischen Strategie sind „Leichter lesen und schreiben lernen mit der Hexe Susi“ von Forster und Martschinke oder auch die „Lautgetreue Rechtschreibförderung“ von Reuter-Liehr.

Förderung der orthografischen Strategie:

Bei Entwicklungsverzögerungen in der alphabetischen Strategie kommt es häufig zu Komplikationen bei der orthografischen Strategie (wie das Lesen zu kleiner Einheiten). Fördern kann man hier mit dem Marburger Rechtschreibtraining von Schulte-Körne und Mathwig oder mit dem Training von Scheerer-Neumann.

2.3 Hinweise für die organisatorische Umsetzung

Eine frühzeitige Förderung während des Erstleseunterrichts gilt als höchst wirkungsvoll bei Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens. Außerdem können durch eine Frühförderung „negative Folgen von Leseschwierigkeiten, wie Desinteresse und negative Leseeinstellungen, verhindert werden“[2]. Sie kann durch Personen, welche nicht unbedingt voll ausgebildete Lehrkräfte sein müssen, angeleitet werden. Hierfür ist keine besondere Vorbereitung notwendig, jedoch sollte sie in engem Zusammenhang mit dem Klassenunterricht stehen, zeitlich begrenzt sein und es sollten regelmäßige Erfolgskontrollen stattfinden.

Förderprogramme können in der Schule realisiert werden, sie ist ein passender Ort hierfür. Aber es gilt auch bestimmte Rahmenbedingungen einzuhalten. Man sollte darauf achten, dass der Förderunterricht nicht in Konkurrenz zum „normalen“ Unterricht steht. Schüler sollten nicht aus dem regulären Unterricht herausgenommen werden, um separat Förderunterricht zu erhalten. Entscheiden sind ein klares Konzept und Vorkehrungen zur Qualitätssicherung um einen guten Effekt durch den Förderunterricht zu erzielen.

Eine weitere Möglichkeit des Förderunterrichts können Mitschüler als Tutoren sein. Leseförderung geschieht hier durch die Schüler, wobei sich Kleingruppen- und Partnerarbeit bewährt haben. „Schüler bevorzugen leistungsheterogene Gruppen, in denen sie sich gegenseitig helfen können und nicht zu sehr auf die Unterstützung des Lehrers angewiesen sind. Es ist allerdings notwendig, den Schülern klare Anweisungen und Arbeitsaufträge zu erteilen.

Eine Zusammenarbeit mit den Eltern während der Förderung ist sehr wichtig. Eine Beratung und Begleitung der Eltern ist notwendig. In der Beratung ist vor allem auf die Unterstürzung und Entlastung der Eltern zu achten (Hausaufgabensituation ist für leseschwache Kinder oft sehr belastend). „Eltern sollten nicht die Therapeuten ihrer Kinder sein!“[3] Den Schwerpunkt der Förderung sollten die Eltern auf das Lesen und Vorlesen legen, da hierfür die Übungszeit in der Schule häufig nicht ausreichend ist. Sinnvoll ist hier die Methode des „Paarweisen Lesens“: Eltern und Kind lesen abwechselnd eine spannende Geschichte, entscheidend ist der Spannungsfaktor der Geschichte, damit das Kind gefesselt wird und wissen will, wie es weitergeht. Es geht hier darum, die Motivation des Kindes für das Lesen zu fördern. Genau das sollte den Eltern auch bewusst sein und sie sollten dementsprechend mit dem Kind umgehen.

2.4 Förderung in der außerschulischen Lerntherapie

„Bei Kindern mit extremen Entwicklungsverzögerungen im Bereich der Schriftsprache sowie bei Kindern mit einer ausgeprägten Sekundärsymptomatik im Persönlichkeits- oder Verhaltensbereich stößt der schulische Förderunterricht an seine Grenzen.“[4] Für diese Kinder gibt es die außerschulische Lerntherapie, welche in privaten Instituten, kommunalen Schulberatungsstellen oder Erziehungsberatungsstellen angeboten wird. Die Diagnose und die spezifische Förderung erfolgen wie in der Schule. Im Gegensatz zur Schule steht hier jedoch viel mehr Zeit zur Verfügung (v. a. bei Einzeltherapie), psychotherapeutische Elemente werden mit einbezogen (Motivation und Emotionalität kann aufgearbeitet werden), durch einen intensiveren Kontakt mit den Eltern kann leichter die psychosoziale Gesamtsituation des Kindes beurteilt werden und im Idealfall kooperiert die außerschulische Lerntherapie auch eng mit der Schule.

2.5 Textverstehen

Es gibt drei grundlegende Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lesen: die Motivation überhaupt lesen zu wollen, die Aneignung effektiver Fertigkeiten des Entzifferns („decoding“ – Einsicht wie sich die Schriftzeichen auf die Laute beziehen) und das Verstehen, wie Wörter und Wortgruppen im Satz miteinander verknüpft sind und wie sie sich auf andere Informationen beziehen (z.B. auf den vorhergehenden Absatz, auf den Text insgesamt, auf das Hintergrundwissen). Kinder die Schwierigkeiten beim lesen lernen haben, haben auch Schwierigkeiten mit der phonologischen Analyse von Sprache. Diese Leseschwierigkeiten gehen mit beträchtlichen Problemen beim Entziffern von Wörtern einher. Das Erkennen von Wörtern muss flüssig geschehen, damit Prozesse höherer Ordnung funktionieren können. Solange das Entziffern unzureichend entwickelt ist, ist auch das Verstehen eingeschränkt. Die Fähigkeit zu entziffern ist zwar notwendig, aber noch lange nicht ausreichend um einen Text zu verstehen. Hierfür sind noch weit mehr Prozesse erforderlich. Möglicherweise haben schwache Leser nicht genug Übung im Textverstehen auf höherer Ebene wie Schlüsse ziehen oder das Erfassen zentraler Gedanken eines Textes.

Schwierigkeiten beim Textverstehen können bedingt sein durch „eine nur begrenzte Beherrschung von Grammatik und Syntax“[5] oder dass „Strategien, die zum Sprachverstehen entwickelt worden sind, sich für die Deutung von Texten nicht besonders eignen“[6]. Der Ansatz wäre hier den schwachen Leser/innen sinnvolle Strategien zum Textverständnis zu vermitteln wie zum Beispiel die Nutzung von Überschriften, Selbstbefragung, die Nutzung von Hinweisen aus dem Zusammenhang, um Wörter zu erkennen oder vorherzusagen.

In Studien wurde untersucht, ob Lehrer/innen überhaupt Textverstehen vermitteln. Hierbei kam heraus, dass diese in der Praxis nicht viel Zeit darauf verwenden, das Textverständnis zu verbessern, sondern dass die Konzentration fast ausschließlich auf dem Endergebnis des Lesens eines Textes gelegt wird. Das Interesse der Lehrer/innen liegt am Ergebnis des Lesens und nicht am Prozess selbst. Kinder brauchen jedoch ein hohes Maß an ausdrücklicher Unterweisung. Die Lehrer/innen sollten klar und sorgfältig auf alle notwendigen Schritte vorbereiten und die Schüler/innen während des Prozesses begleiten. In der Schule sollte mehr Wert auf die Vermittlung von Strategien zum Textverständnis gelegt werden.

[...]


[1] Arnold, K.-H. 2008, S. 266

[2] Lauth, G. W. 2004, S. 275

[3] Lauth, G. W. 2004, S. 275

[4] Arnold, K.-H. 2008, S. 273

[5] Brügelmann, H. 1995

[6] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Förderung im Schriftspracherwerb
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Grundschulpädaogik)
Veranstaltung
Förderung im Schriftspracherwerb: Grundlagen und Konzepte
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V189204
ISBN (eBook)
9783656133124
ISBN (Buch)
9783656133353
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
förderung, schriftspracherwerb
Arbeit zitieren
Carolin Kulp (Autor), 2010, Förderung im Schriftspracherwerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189204

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