Migration von Menschen ist und wird voraussichtlich ein Zeichen unserer Zeit bleiben.
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, wird das heutige Gesellschaftsbild durch und von MigrantInnen geprägt. Die Pluralität der Gesellschaft erfordert für die Soziale Arbeit zunehmend die Fähigkeit die Perspektive zu wechseln und den Blick auf andere Kulturen zu schärfen. Im Fokus eines geordneten multikulturellen Miteinanders wird es zunehmend wichtiger sich auf neue Situationen einzustellen und ein interkulturelles Verständnis zu entwickeln. Oft wird dabei in der Fachliteratur von interkultureller Öffnung gesprochen. Ein Miteinander beginnt demnach in den Köpfen. Multikultur erfordert Multigespür.
Auf Migration bezogene Rahmenkonzeptionen und zusätzliche Bedingungen sind nach und nach entwickelt worden und werden immer wieder durch sozialpolitische, institutionelle als auch wirtschaftliche Faktoren aktualisiert. Der strukturelle Wandel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft führt immer mehr zu neuen Problemlagen und gestiegenem Hilfe- und Unterstützungsbedarf von MigrantInnen. Diese Menschen sind häufig durch geringe schulische und berufliche Fundamente bzw. durch politische und rechtliche Einschränkungen einer zusätzlichen, gesellschaftlichen Ausgrenzung unterworfen. Die Arbeit mit MigrantInnen in der Sozialen Arbeit setzt bestimmte Anforderungen und Qualifikationen von MitarbeiterInnen von Migrationsdiensten, zum Beispiel der Caritas, voraus. Ein klares Bekenntnis zu einer multikulturellen Gesellschaft Deutschlands ist unabdingbar (Vgl. Becker, 1998, S.9ff).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hintergründe und Verständnis von Migration und Kultur
2.1 Der Begriff Migration
2.2 Migranten und Ursachen der Migration
2.2.1 Migrationsarten
2.2.1.1 Unfreiwillige Migration
2.2.1.2 Freiwillige Migration
2.3 Kurze historische Notiz- Migrationsgeschichte und Politik der BRD
2.4 Der Kultur-Begriff
2.5 Menschen in einer fremden Kultur- Verhaltensmuster
3. Problemlagen von Migranten im Migrationsprozess
3.1 Situation von Migranten auf dem Arbeitsmarkt
3.2 Andere Probleme im Migrationsprozess
4. Anforderungen und Qualifikationen an die SA mit Migranten
4.1 Funktionen und Anforderungen der Sozialen Arbeit
4.1.1 Problemdefinitionsfunktion
4.1.2 Konzeptionsfunktion
4.1.3 Adressatenbezogene Strukturierungsfunktion
4.1.4 Strukturierungsfunktion in Bezug auf die inneren Ressourcen
4.1.5 Multiplikatorfunktion
4.1.6 Politikfunktion
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit verfolgt das Ziel, ein fundiertes Verständnis für die Hintergründe von Migration und die damit verbundenen Herausforderungen zu entwickeln, um daraus abgeleitete Anforderungen an die professionelle Soziale Arbeit in Deutschland als Einwanderungsland zu formulieren.
- Grundlagen und Definitionen von Migration sowie Kultureinflüssen
- Historische Einordnung der Migrationsgeschichte und Politik in der BRD
- Analyse typischer Problemlagen von Migranten, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt
- Funktionsbestimmungen der Sozialen Arbeit im Kontext des Migrationsprozesses
- Ableitung notwendiger Qualifikationsstandards für in diesem Bereich tätige Fachkräfte
Auszug aus dem Buch
2.4 Der Kultur-Begriff
„Unter Kultur wird ein System kollektiver Werte und Normen verstanden, das den Rahmen der Sozialisation von den Mitgliedern einer sozialen Gruppe, bewusst oder unbewusst, von jeder Generation erneut erlernt und verinnerlicht wird.“ (Herbrand, 2002, S.15) Das menschliche Denken, Werten und Handeln wird durch Auffassungen von Wünschenswertem, beeinflusst. Diese Werte kreieren Normen, also auf Werten basierte, verallgemeinerte Verhaltensmuster, die in spezifischen Situationen gezeigt werden. Im Kontext dieser Grundlage ist Kultur als ein System zur Orientierung für dessen Mitglieder anzusehen, das eine Interaktion, Kooperation und eine Kommunikation effektiv gestaltet und das Verhalten bzw. Reaktionen anderer Gruppenmitglieder vorhergesagt werden kann. Bedingungen und Grenzen für Handlungen werden gesetzt und es werden Anreize für Handlungsmöglichkeiten geboten. Kultur hat nicht nur eine Orientierungs-, sinngebende und identitätsstiftende Funktion, sie grenzt auch eine Kultur von der anderen ab. Kulturelle Unterschiede manifestieren sich somit meist in unterschiedlichen Werten und Normen, die zu unterschiedlichen Verhaltens- und Handlungsweisen führen. Dabei werden auch bei gleichen Werten und Normen Prioritäten oftmals anders beziehungsweise unterschiedlich gesetzt (Vgl. Herbrand, 2002, S.15f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Relevanz von Migration für das gesellschaftliche Miteinander und betont die Notwendigkeit, interkulturelles Verständnis als essenzielle Kompetenz für die Soziale Arbeit zu etablieren.
2. Hintergründe und Verständnis von Migration und Kultur: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Migration, klassifiziert Migrationsarten, skizziert die historische Entwicklung in Deutschland und erläutert soziopsychologische Aspekte von Kultur sowie Verhaltensstrategien in der Fremde.
3. Problemlagen von Migranten im Migrationsprozess: Der Fokus liegt hier auf den spezifischen Hürden, wie der komplexen Integration in den Arbeitsmarkt und anderen existentiellen, rechtlichen sowie psychosozialen Belastungen, die mit dem Migrationsgeschehen einhergehen.
4. Anforderungen und Qualifikationen an die SA mit Migranten: Das Kapitel strukturiert die professionelle Soziale Arbeit in sechs Kernfunktionen, wie die Problemdefinitions- oder Politikfunktion, und leitet daraus notwendige Kompetenzprofile für Mitarbeiter ab.
5. Fazit und Ausblick: Abschließend wird resümiert, dass Migration ein dauerhaftes gesellschaftliches Thema bleibt, das von der Sozialen Arbeit als Schnittstelleninstanz eine stetige Anpassung an neue Rahmenbedingungen erfordert.
Schlüsselwörter
Migration, Soziale Arbeit, Interkulturalität, Integration, Migrationsgeschichte, Arbeitsmarkt, Migranten, Kultur, Problemdefinitionsfunktion, Qualifikation, Sozialpolitik, Migrationsprozess, Gastarbeiter, Einwanderungsland, Interventionsstrategien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das interkulturelle Verständnis im Kontext der Migration und beleuchtet dabei die Hintergründe, typischen Problemlagen von Migranten sowie die spezifischen Rollen und Funktionen, die der Sozialen Arbeit in diesem Prozess zukommen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen von Migration und Kultur, die deutsche Migrationsgeschichte, die Integration in den Arbeitsmarkt sowie die professionelle Gestaltung sozialarbeiterischer Praxis gegenüber Migranten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, ein besseres Verständnis für die durch Migration hervorgerufenen Problemsituationen zu schaffen und die daraus resultierenden, notwendigen Anforderungen an die Qualifikation und Intervention von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse und reflektiert den aktuellen Stand der Fachdiskussion über Anforderungen, Funktionen und Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit mit Migranten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung der Migrationsbegriffe und -ursachen, eine historische Einordnung der deutschen Politik, die Analyse von Hindernissen im Integrationsprozess sowie eine detaillierte systematische Darstellung der Aufgabenbereiche der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Migration, Soziale Arbeit, Interkulturalität, Integration, Arbeitsmarkt, Migrationsgeschichte, Kulturverständnis, Qualifikation und Politikfunktion.
Welche Rolle spielt das Zuwanderungsgesetz für die dargestellten Inhalte?
Das Zuwanderungsgesetz wird als wichtiger Paradigmenwechsel ab 2005 genannt, der die Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsland festigte und spezifische Verpflichtungen sowie Berechtigungen für Integrationsangebote einführte.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Aussiedlern" und "Ausländern" für die Arbeit relevant?
Die Unterscheidung ist für die historische und rechtliche Einordnung wichtig, da Aussiedler nach geltender Definition als deutsche Staatsangehörige oder Volkszugehörige betrachtet werden, während Arbeitsmigranten und Flüchtlinge administrativ zur Gruppe der "Ausländer" zählten.
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- Alexander Thomas Kreutzer (Autor), 2012, Interkulturelles Verständnis entwickeln und Migration verstehen , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189339