Der kurze Essay im Rahmen einer EPG II-Veranstaltung plausibilisiert einführend, weshalb es im Interesse des demokratischen Diskurses relevant ist, den Begriff "Gott" als intersubjektiv nachvollziehbar zu belegen und führt sodann die drei prominentesten Grundfiguren des Gottesbeweises auf, um sie, orientiert an der kantischen Auseinandersetzung, einer kritischen Prüfung zu unterziehen.
Inhaltsverzeichnis
I. Zur gesellschaftlichen und ethischen Relevanz eines Gottesbeweises
II. Zur Untauglichkeit der bisherigen Versuche eines Gottesbeweises
1. Der ontologische Gottesbeweis
a) Argumentationslinie
b) Kritik
2. Der kosmologische Gottesbeweis
a) Argumentationslinie
b) Kritik
3. Der physiko-theologische Gottesbeweis
a) Argumentationslinie
b) Kritik
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftliche und ethische Relevanz von Gottesbeweisen in einer pluralistischen Demokratie und prüft kritisch die logische Tauglichkeit der drei klassischen Argumentationsfiguren (ontologisch, kosmologisch, physiko-theologisch) unter Rückgriff auf kantische Einwände.
- Bedeutung intersubjektiv nachvollziehbarer Argumente für politische Entscheidungen
- Kritische Analyse des ontologischen Gottesbeweises
- Untersuchung des kosmologischen Gottesbeweises und des Problems des infiniten Regresses
- Bewertung des physiko-theologischen Gottesbeweises vor dem Hintergrund der Evolutionstheorie
- Schlussfolgerungen für die Rolle religiöser Argumente im öffentlichen Diskurs
Auszug aus dem Buch
2. Der kosmologische Gottesbeweis
Der Syllogismus wird hier beispielhaft als Beweis ex parte motus nach Thomas von Aquin wiedergegeben.
P1: In der Welt findet sich Bewegung.
P2: Alles, was sich bewegt, hat die Ursache seiner Bewegung nicht in sich selbst.
P3: Alles, was sich bewegt, ist durch ein anderes, als durch sich selbst in Bewegung versetzt worden.
P4: Ein infiniter Regress ist in der Kausalkette, die die Bewegung in der Welt erklärt, unmöglich, weil in einem solchen infiniten Regress kein Startpunkt der Kausalkette mehr auszumachen wäre, sie also gar nie begonnen haben könnte.
K: Die Welt kann sich nicht selbst in Bewegung versetzt haben und es muss einen fixen Punkt der Erstbewegung geben, deshalb muss es einen Erstbeweger gegeben haben, der selbst zugleich unbewegt gewesen ist und die Welt aus sich heraus in Bewegung versetzt hat und diesen unbewegten Erstbeweger ist Gott.
Auffällig ist, dass die Konklusion des Argumentes P2 zu widersprechen scheint. Der Anschein des Widerspruches kann allerdings leicht durch die Ergänzung geheilt werden, dass die empirisch gewonnene P2 sich auf die Gesetze innerhalb der beobachtbaren Welt bezieht, die Konklusion allerdings einen außerweltlichen Grund für das Werden der Welt setzt, für den P2 dann nicht notwendigerweise gilt. Es ist also durchaus möglich, dass der außerweltliche Erstbeweger existiert. Der Syllogismus ist formal gültig. Dass er allerdings nicht schlüssig ist und der durch ihn behaupteterweise bewiesene Erstbeweger nicht notwendig existiert, macht ein erneuter Blick auf Kant deutlich, der die Implikationen von P4 kritisch geprüft hat.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Zur gesellschaftlichen und ethischen Relevanz eines Gottesbeweises: Es wird dargelegt, dass politische Entscheidungen in einer pluralistischen Demokratie auf intersubjektiv nachvollziehbaren Argumenten basieren müssen, statt auf bloßen Dogmen.
II. Zur Untauglichkeit der bisherigen Versuche eines Gottesbeweises: Dieses Kapitel unterzieht die drei klassischen Gottesbeweise einer systematischen kritischen Prüfung, maßgeblich orientiert an den Einwänden von Immanuel Kant.
III. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die untersuchten Beweisversuche logisch untauglich sind und daher als Grundlage für allgemeinverbindliche ethische Entscheidungen im öffentlichen Diskurs ausscheiden sollten.
Schlüsselwörter
Gottesbeweis, Ontologischer Gottesbeweis, Kosmologischer Gottesbeweis, Physiko-theologischer Gottesbeweis, Immanuel Kant, Ethik, Demokratie, Diskurs, Vernunft, Religion, Erstbeweger, Zweckmäßigkeit, Intersubjektivität, Weltgefüge, Kritik der reinen Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Frage, ob die klassischen Gottesbeweise eine tragfähige Grundlage für ethische und politische Argumentationen in einer modernen Demokratie darstellen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind Religionsphilosophie, Erkenntnistheorie, politische Ethik und das Verhältnis von religiösen Weltanschauungen zu staatlichen Diskursen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die logische Tauglichkeit der drei klassischen Gottesbeweise zu hinterfragen und zu bewerten, ob diese Argumente in einer pluralistischen Gesellschaft zur Begründung ethischer Normen herangezogen werden sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der argumentationsanalytischen Zerlegung der Beweise in Syllogismen, gefolgt von einer kritischen Prüfung anhand erkenntnistheoretischer Kriterien, primär basierend auf den Analysen von Immanuel Kant.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse und Kritik der ontologischen, kosmologischen und physiko-theologischen Gottesbeweise, wobei jeweils ihre Argumentationslinie dargelegt und anschließend fachlich kritisiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Gottesbeweis, Vernunftkritik, ethische Diskursfähigkeit, Pluralismus und die methodische Analyse metaphysischer Argumente.
Warum hält der Autor den Versuch eines Gottesbeweises für ethisch fragwürdig?
Da Gottesbeweise logisch nicht zwingend sind, sieht der Autor die Gefahr, dass sie als Basis für verbindliche gesellschaftliche Entscheidungen missbraucht werden, was er als illegitim ansieht, da sie nicht für jeden Vernünftigen intersubjektiv nachvollziehbar sind.
Wie entkräftet der Autor den physiko-theologischen Gottesbeweis?
Der Autor argumentiert, dass die wahrgenommene "Zweckmäßigkeit" der Welt kein Beweis für einen Designer ist, sondern durch Mechanismen wie die natürliche Selektion und die Evolution erklärt werden kann, womit die Prämisse des Arguments ihre Basis verliert.
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- Lukas Rieger (Autor), 2012, Zu Relevanz und Untauglichkeit der bisherigen Versuche eines Gottesbeweises, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189342