Die Arbeit macht sich zur Aufgabe, das Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten als Knotenpunkt in der architektionsichen Umgebung von 1709 zu diskutieren. Dazu werden die Raumbezüge vor dem Hintergrund des historischen "Raumdenkens" untersucht. Dem Reiterdenkmal wird eine exponierte Sonderstellung zugeschrieben, die anhand der Raumbezüge hergeleitet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Entwicklung des Denkens vom Ort zum Raum
2 Die Karte als Zeugnis des Raumdenkens: Der Memhard-Plan von 1652
3 Die Raumbezüge des Denkmalensembles
3.1 Der Große Kurfürst
3.2 Pferd und Reiter
3.3 Reiter, Pferd und Sockel
3.4 Der Reiter mit Pferd, Sockel und Beifiguren
3.5 Das Denkmalensemble und der ‚Brückenpfeiler’
3.6 Das Denkmalensemble und die Brücke
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Publikation
Die Arbeit analysiert das Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten von Andreas Schlüter als zentralen Knotenpunkt in der architektonischen und städtebaulichen Umgebung von 1709. Ziel ist es, das Kunstwerk durch eine tiefgehende Untersuchung der Raumbezüge innerhalb seines historischen Kontextes zu begreifen und zu verstehen, wie das Ensemble als Bindeglied zwischen Objekt, Raum und politischer Repräsentation fungierte.
- Historisches Raumdenken im Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert
- Analyse der formalen und symbolischen Komponenten des Reiterdenkmals
- Die Rolle des Standortes auf der Langen Brücke als städtebauliches Element
- Interpretation der Beifiguren und der Raumwahrnehmung
- Die Verbindung von Herrschaftsanspruch und barocker Raumästhetik
Auszug aus dem Buch
3.2 Pferd und Reiter
Begreifen wir nun das in einem Guss aus Bronze gegossene Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten als das eigentliche Objekt der Betrachtung. Die nahen Raumbeziehungen werden sowohl durch die Berührungen bestimmt als auch durch die Handlungen, die sich zwischen Pferd und Reiter erkennen lassen. Eine gängige Interpretation ist, dass die Beziehung von Reiter und Pferd das Verhältnis des Großen Kurfürsten zu seinen Untertanen spiegele. In dieser Lesart ist er der Herrscher, der sein Volk sicher in die Zukunft führt. Die Beziehung zum Pferd ist sehr eng, jedoch nicht allzu persönlich, was bedeuten könnte, dass der Herrscher dem Volk sehr nah ist. Er sitzt nicht auf einem Sattel, sondern nur auf der Satteldecke und ist mit dem Pferd auf Tuchfühlung.
Die Beherrschung des Tieres scheint jedoch offensichtlich nicht über die Körperlichkeit des Großen Kurfürsten erzwungen zu werden, sondern durch seine innere Kraft oder Autorität. Lediglich sein Gewicht, das auf dem Pferd lastet, könnte als ‚körperlicher Druck’ interpretiert werden. Das ungestüme wilde Pferd hat die Ohren in Richtung des Reiters gedreht, um seinen Worten zu folgen. Der Reiter aber spricht gerade nicht zu dem Pferd. Abgesehen von den eher lose gehaltenen Zügeln in der fast offenen linken Hand tritt er nicht willentlich körperlich zu ihm in Kontakt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Entwicklung des Denkens vom Ort zum Raum: Diese Einleitung erläutert den theoretischen Ansatz der Arbeit, indem sie Konzepte von Foucault und de Certeau nutzt, um den Übergang vom mittelalterlichen Ortsempfinden zum barocken, unendlichen Raumdenken zu untersuchen.
2 Die Karte als Zeugnis des Raumdenkens: Der Memhard-Plan von 1652: Das Kapitel analysiert den Memhard-Plan als wichtiges Dokument, das durch die kartografische Abstraktion und die neue Flächenrationalität ein synthetisches Verständnis von Stadt als planerischer Einheit ermöglichte.
3 Die Raumbezüge des Denkmalensembles: Dieser Hauptteil widmet sich der detaillierten schrittweisen Analyse des Denkmals – vom Reiter über den Sockel bis zu den Beifiguren und der Einbettung in die Umgebung – um die komplexen räumlichen und symbolischen Wirkungsweisen freizulegen.
4 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass das Denkmal als monumentale Einheit fungierte, die durch die geschickte Integration von Ort und Raum den barocken Herrschaftsanspruch des Großen Kurfürsten in einer sich dynamisch entwickelnden Stadtlandschaft manifestierte.
Schlüsselwörter
Reiterdenkmal, Großer Kurfürst, Andreas Schlüter, Raumdenken, Barock, Lange Brücke, Stadtplanung, Raumbezüge, Michel Foucault, Michel de Certeau, Berlin-Cölln, Beifiguren, Herrschaftsanspruch, Ikonografie, Monumentalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten in Berlin als ein zentrales, raumbildendes Element innerhalb des städtischen Kontextes von 1709.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verbindet Kunstgeschichte, Stadtbaugeschichte und Philosophie, um zu analysieren, wie sich das Denkmal in die Wahrnehmung des Raumes, die höfische Repräsentation und die städtebauliche Struktur einfügt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Denkmal als "Knotenpunkt" in der architektonischen Umgebung zu verstehen und zu prüfen, wie es den Übergang von einem mittelalterlichen "Ortdenken" zu einem modernen, unendlichen "Raumdenken" widerspiegelt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es erfolgt eine deskriptive Analyse des Kunstwerks unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen, historischer Karten sowie theoretischer Konzepte von Michel Foucault und Michel de Certeau zur Raumphilosophie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine sukzessive Analyse des Ensembles: vom Reiter und dem Pferd, über den Sockel bis hin zur Rolle der Beifiguren und der spezifischen Standortwahl auf der Langen Brücke.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Raumdenken", "Knotenpunkt", "Barock", "Exponierte Stellung" und "Hohenzollern-Herrschaft" geprägt.
Welche Bedeutung haben die Beifiguren für das Gesamtkonzept?
Die Beifiguren dienen als spiralförmiges Element, das den Betrachter räumlich und inhaltlich zum Denkmal führt, und fungieren als Referenz zum Fremden und zur höfischen Außenpolitik.
Warum spielt die Lange Brücke eine so entscheidende Rolle?
Die Brücke fungierte als wichtiger Verkehrs- und Verbindungsweg zwischen Berlin und Cölln; ihre bauliche Beschaffenheit und der Standort des Denkmals auf ihrem Scheitelpunkt machten es zu einem zentralen und weithin sichtbaren Monument.
- Arbeit zitieren
- Wolfgang Ranft (Autor:in), 2010, Das Reiterdenkmalensemble des Großen Kurfürsten von Andreas Schlüter als Knotenpunkt in den Raumbeziehungen von 1709, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189350