Struktur des terminologischen Eintrags im Terminologieverwaltungssystem

Anhand des Beispiels von SDL MultiTerm 2007


Hausarbeit, 2009

25 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Terminologischer Eintrag
2.1 Definitionen
2.2 Typen von terminologischen Datenkategorien
2.3 Funktionen des terminologischen Eintrags
2.4 Eintragsmodellierungsprinzipien
2.5 Struktur des terminologischen Eintrags
2.6 Struktur des mehrsprachigen terminologischen Eintrags

3 Terminologischer Eintrag in SDL MultiTerm 2007
3.1 Anmerkungen zu MultiTerm 2007
3.2 Import- und Export-Probleme bei MultiTerm 2007

4 Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Anhang

(Der Schüler) Zi-lu sprach zu Konfuzius: „Wenn Euch der Herrscher des Staates Wei die Regierung anvertraute - was würdet Ihr zuerst tun?“

Der Meister antwortete: „ Unbedingt die Worte richtig stellen .“

Darauf Zi-lu: „Damit würdet Ihr beginnen? Das ist doch abwegig. Warum eine solche Richtigstellung der Worte?“

Der Meister entgegnete: „Wie ungebildet du doch bist, Zi-lu! Der Edle ist vorsichtig und zurückhaltend, wenn es um Dinge geht, die er nicht kennt.

Stimmen die Worte und Begriffe nicht, so ist die Sprache konfus . Ist die Sprache konfus, so entstehen Unordnung und Misserfolg. Gibt es Unordnung und Misserfolg, so geraten Anstand und gute Sitten in Verfall. Sind Anstand und gute Sitten in Frage gestellt, so gibt es keine gerechten Strafen mehr. Gibt es keine gerechten Strafen mehr, so weiß das Volk nicht, was es tun und was es lassen soll. Darum muss der Edle die Begriffe und Namen korrekt benutzen und auch richtig danach handeln können. Er geht mit seinen Worten niemals leichtfertig um.“ (Konfuzius; Gespräche, Buch XIII, 3; 551-479 v. Chr.)

1 Einleitung

Bis in die 90er Jahre, als Personalcomputer eine breite Anwendung in Übersetzungsbüros fanden, war die Terminologiearbeit traditionell erfolgt, d.h. jeder neue terminologische Eintrag war auf eine Papierkarte aufgeschrieben worden, die darauf in einem Katalog aufbewahrt worden war. Selbstverständlich legte eine solche Arbeitsmethode bestimmte Einschränkungen auf:

- Wegen der Datenspeicherung auf dem Papier war der Umfang einer Datenbank physisch eingeschränkt und die Gesamtzahl der terminologischen Einträge konnte selten ein paar Tausende überschreiten.
- Je nach der Vergrößerung der Datenbank verschlechterten sich die Suchmöglichkeiten nach der notwendigen Information, als einzig mögliche Suchmethode blieb die Suche nach dem Stichwort, was ernsthafte Einschränkungen auf die Arbeit mit solchen Datenbanken bedachte.

Heutzutage kann man sich kaum ein Übersetzungsbüro vorstellen, das keine Personal- computer einsetzt. Ihre Zugänglichkeit, hohe Rechnerleistungen, breite Möglichkeiten der Datenspeicherung und diverse Software machten sie zu einem unersetzlichen Ar- beitswerkzeug sowohl für Übersetzer, als auch für Terminologen. Die Computer ermög- lichten die Entwicklung von riesengroßen computergestützten Datenbanken, die Hun- derte von Tausenden und sogar Millionen von terminologischen Einträgen umfassen können. Aber das rapide Wachstum der Anzahl der terminologischen Einträge stellt Fachleute auch vor neue Probleme:

- Auf welche Weise können die terminologischen Einträge effizient bearbeitet und geändert werden, ohne dass die einheitliche Struktur der ganzen Datenbank da- bei verletzt wird, d.h. wie können diese Bearbeitungen und Änderungen der ter- minologischen Einträge so ausgeführt werden, dass die Datenbank nach der Speicherung aller Änderungen nach wie vor alle Funktionen beibehält, über die sie vor diesen Änderungen verfügt hat. Dieses Problem scheint wirklich ernst zu sein, weil heutzutage zum Beispiel die meiste Terminologieverwaltungssoftware die Hinzufügung eines neuen Feldes in die anfangs bei der Entwicklung der Da- tenbank vorgegebene Struktur des terminologischen Eintrags nicht zulassen.
- Wie und nach welchen Kriterien soll die Suche in der Datenbank durchgeführt werden: Welche Felder der terminologischen Einträge sollen zur Indexierung zugelassen werden, damit die Suche künftig auch nach den vorgegebenen Kategorien möglich wäre: Ist die Volltextsuche in allen terminologischen Einträgen notwendig und inwieweit ist eine solche Suche in den Millionen von terminologischen Einträgen umfassenden Datenbanken effizient?
- Es entstehen Probleme bei Import und Export von terminologischen Daten zwi- schen unterschiedlichen Datenbanken, sowohl innerhalb ein und derselben An- wendung, als auch zwischen verschiedenen Anwendungen. Heutzutage kann man dies als größtes Problem einstufen. Viele Probleme treten schon beim Ex- port bzw. Import der Datenbanken mit unterschiedlichen terminologischen Ein- trägen innerhalb ein und derselben Anwendung auf. Ein einheitliches Format für den Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Anwendungen bleibt immer noch ein Traum.
- Aus dem oben erwähnten Problem ergibt sich auch die folgende Schwierigkeit:

Probleme bei der Maßstabänderung der Datenbanken. Die Schwierigkeiten er- geben sich bei der Zusammenlegung einiger kleiner Datenbanken zu einer gro- ßen bzw. bei der Ausgliederung eines kleinen Teils aus einer großen Datenbank.

Zur Lösung dieser Probleme sollen nach unserer Meinung in erster Linie die folgenden mit terminologischen Einträgen verbundenen Fragestellungen geklärt werden:

- Bestimmung der Funktion, Struktur und Aufbauprinzipien eines Eintrags;
- Klärung der Besonderheiten von computergestützten terminologischen Einträgen;
- Bestimmung von Anforderungen an den terminologischen Eintrag.

Gerade diesen Fragestellungen widmet sich der erste Abschnitt der vorliegenden Haus- arbeit. Ihr Hauptschwerpunkt liegt auf angewandten Aspekten dieser Probleme, d.h. unser Interesse gilt in erster Linie nicht theoretischen Streitfragen und Ausführungen, sondern möglichen praktischen Lösungen der oben umrissenen Probleme, die sich als einfach und effizient im Berufsalltag der sowohl Terminologen, als auch Übersetzer erweisen würden. Im zweiten Abschnitt wollen wir näher auf eine der beliebtesten Ter- minologieverwaltungssoftware - SDL MultiTerm 2007 - eingehen und herausfinden, inwieweit sie den von uns im ersten Abschnitt ermittelten Anforderungen und Prinzi- pien der Terminologiearbeit entspricht.

2 Terminologischer Eintrag

2.1 Definitionen

Bevor wir uns mit den Funktionen, Struktur und Prinzipien des Aufbaus eines terminologischen Eintrags auseinandersetzen, brauchen wir eigentlich wenigstens eine Arbeitsdefinition für den Terminus „terminologischer Eintrag“.

Laut Norm DIN 2342 ist ein terminologischer Eintrag ein Teil eines terminologischen Datenbestandes, der terminologische Daten zu einem Begriff enthält. Diese Definition finden wir unvollständig, deshalb haben wir weiter recherchiert. Merkwürdigerweise geben fast keine Autoren diese Definition, obwohl sie den Terminus selbst ganz oft be- nutzen. Nur im Buch von Ingo Hohnhold kann man noch eine Definition finden: „Der terminologische Eintrag ist die grundlegende Ordnungsstruktur jeder Art von Termi- nologiearbeit“ (Hohnhold 1990: 115). Wenn wir die beiden Deutungen zusammen- schließen, bekommen wir die nötige Arbeitsdefinition. Aber vorher muss man noch solche Begriffe wie „terminologische Datenkategorie“ und „terminologisches Daten- element“ definieren.

Terminologische Datenkategorie (als Synonym dafür wird in dieser Arbeit auch den Terminus „terminologische Einheit“ benutzen): kleinste organisatorische Einheit einer terminologischen Datensammlung, die nur eine Art von Informationen (Datenelemente) enthalten darf (Schmitz/Kaukonen 2006). Beispiel:

- Benennung
- Wortklasse
- Abkürzung
- Erstellungsdatum

Terminologisches Datenelement: Informationseinheit innerhalb einer terminologischen Datensammlung, die einer Datenkategorie zugeordnet ist (Schmitz/Kaukonen 2006). Beispiel:

- operating system (Benennung)
- noun
(Wortklasse)
- OS (Abkürzung)
- 02.03.2009 (Erstellungsdatum)

So kann jetzt unsere Arbeitsdefinition folgendermaßen lauten: Ein terminologischer Eintrag ist ein Teil eines terminologischen Datenbestandes, der aus festgelegten termi- nologischen Datenkategorien besteht, die in eine geordnete Struktur gebunden sind und die terminologische Daten (Datenelemente) enthalten. Der Eintrag ist eine Sammlung von terminologischen Einheiten in einer festgelegten Form mit einer festgelegten Struk- tur, die von den Funktionen abhängen, die der Eintrag erfüllen muss. Der Eintrag lässt die Speicherung und Verwaltung von terminologischen Daten in einer einheitlichen und genormten Art und Weise durchführen.

Wenn wir den terminologischen Eintrag ganz grob betrachten, dann können wir folgendes sehen: Der Eintrag besteht aus:

- einer Reihe von terminologischen Daten über den Begriff und dessen Benennungen („terminologische Daten“ werden hier als Sammelbegriff für „semantische, linguistische und pragmatische Informationen“ benutzt);
- Zusatzdaten für die Verwaltung und Pflege der erfassten Informationen.

2.2 Typen von terminologischen Datenkategorien

Wenn wir die oben genannte Gliederung im Auge behalten, dann kann man die folgenden Typen von terminologischen Datenkategorien ausgliedern:

Nach Anzahl von denselben Einheiten in einem terminologischen Eintrag:

- Es gibt Datenkategorien, die im terminologischen Eintrag nur einmal vorkom- men. Die Zahl von solchen Einheiten ist begrenzt, dazu gehören Datenkategorien, die Verwaltungsinformation über den Eintrag enthalten. (Auch dazu kommen einige Grammatikdaten über die Benennung, und natürlich das Eintragsfeld „Benennung“ selbst.)
- Einheiten, die in einem Eintrag mehrmals verwendet können. Das heißt, theore- tisch können wir eine unbegrenzte Zahl von Eintragsfeldern mit z.B. Synony- men oder Quellenangaben erstellen. Das entspricht den Datenkategorien, die für die Abspeicherung von so genannten „terminologischen Daten“ zuständig sind.

Nach dem Modell der Datenspeicherung in einem Eintrag:

- Einheiten, in denen man beliebige Informationen im Textformat speichern kann. Dies sind meistens die Eintragsfelder mit „terminologischen Daten“.
- Einheiten, in denen man Informationen nur nach einem vordefinierten Muster speichern kann, z.B. Einheiten mit Verwaltungsinformation.

Eine ausführliche Einteilung von Datenkategorien nach diesem Modell kann man in der Norm ISO 12620:1999 (data category type) finden:

- Offene Datenkategorien (open data categories): Inhalt der Datenkategorien ist frei und nicht vorhersehbar; z. B. Benennung, Definition, Anmerkung.
- Geschlossene Datenkategorien (closed data categories): Inhalt der Datenkategorien besteht aus vorbestimmbaren festgelegten Wertemengen; z. B. Genus, geographischer Gebrauch, Fachgebiet.
- Erlaubte Werte (permissible instances): die elementaren Werte geschlossener Datenkategorien; dies können theoretisch geschlossene DatCats mit JA/NEIN sein; z. B. Maskulinum, CH, Biologie. (Schmitz/Kaukonen 2006)

2.3 Funktionen des terminologischen Eintrags

Der terminologische Eintrag hat folgende Funktionen (als Grundlage für diese Klassifikation wurde Ingo Hohnholds Beschreibung von Funktionen (1990: 115) benutzt):

- Speicherung von Daten. Ein Eintrag ist eine offene Sammelstelle zur Aufnahme von Informationen, die für die ausführliche Beschreibung eines Terminus benötigt werden.
- Verwaltung von Daten. Im Eintrag vorhandene Informationen können jederzeit korrigiert, ergänzt oder gelöscht werden.
- Weiterbenutzung von Daten. Die benötigten Informationen aus dem Eintrag können jederzeit entnommen werden, z.B. für die Erstellung von Glossaren oder für die Unterstützung bei maschineller Übersetzung.

[...]

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Details

Titel
Struktur des terminologischen Eintrags im Terminologieverwaltungssystem
Untertitel
Anhand des Beispiels von SDL MultiTerm 2007
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Allgemeine Sprach- und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Terminologiemanagement: Grundlagen und Werkzeuge
Note
2.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
25
Katalognummer
V189355
ISBN (eBook)
9783656136231
ISBN (Buch)
9783656136774
Dateigröße
5269 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
struktur, eintrags, terminologieverwaltungssystem, anhand, beispiels, multiterm
Arbeit zitieren
Anatoly Dunaev (Autor), 2009, Struktur des terminologischen Eintrags im Terminologieverwaltungssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189355

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