Konzeptionelle Überlegungen bei der Planung eines Schulbuches


Hausarbeit, 2006
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Verknüpfung zwischen Staat, Lehrplan und Schulbuch

3. Zulassungsvoraussetzungen für Schulbücher

4. Funktionen des Schulbuches
4.1. Strukturierungsfunktion
4.2. Repräsentationsfunktion
4.3. Steuerungsfunktion
4.4. Motivationsfunktion
4.4. Differenzierungsfunktion
4.6. Übungs- und Kontrollfunktion

5. Entwicklung und Herstellung eines Schulbuches

6. Lehrmittelausgaben von Ländern und Kommunen

7. Ausblick – Die Zukunft des Schulbuches

8. Zusammenfassung

1. Einleitung

An ein Schulbuch werden viele Anforderungen gestellt. Diese kommen von den verschiedensten Seiten. So wünschen sich die Lehrer, dass es den Lehrplan didaktisch wertvoll aufarbeitet, um ihnen den Unterrichtsverlauf zu vereinfachen und wertvolle Hilfen für die Unterrichtsgestaltung zu geben. Der Staat, welcher die Lehrpläne auf Länderebene erarbeitet, erwartet neben den Anforderungen der Lehrplannähe zusätzlich, dass ein Schulbuch neutral verfasst wird und demokratische Werte verinnerlicht. Die Wirtschaftsvertreter fordern, dass ein Schulbuch eine möglichst große Nähe zu ihr herstellt, um die Schülerinnen und Schüler gut auf das spätere Arbeitsleben vorzubereiten. Auch wird erwartet, dass ein Schulbuch den neuesten wissenschaftlichen Stand widerspiegelt. Da sich die Lehrmittelfreiheit immer weiter dahingehend verschiebt, dass Eltern einen Anteil an den Schulbüchern zu zahlen haben, erwarten diese ein ansprechendes Lehrwerk, welches ihre Kinder zum Lernen animiert. Die letztendlich wichtigste Aufgabe des Schulbuches ist es, dass Kinder optimal mit dessen Inhalten umgehen können und so den vorgeschriebenen Lernstoff ohne Probleme bewältigen.

Ein Schulbuchverlag muss sich also an unterschiedlichste Ansprüche richten und versuchen, diesen, so gut es geht gerecht zu werden. Wie dies im Einzelnen aussieht, werde ich auf den folgenden Seiten ein wenig näher erläutern. Dabei werde ich als erstes auf den Lehrplan und das Zulassungsverfahren eingehen, welche die Konzeption eines Schulbuches wesentlich bestimmen. Im weiteren Verlauf werde ich die Funktionen eines Schulbuches näher erläutern und am Schluss auf die Problematik eingehen, die sich ergibt, wenn der Staat seine Zuschüsse für Schulbücher immer weiter kürzt. Abschließen werde ich diese Hausarbeit mit einem kleinen Ausblick bezüglich der Zukunft des Schulbuches.

2. Verknüpfung zwischen Staat, Lehrplan und Schulbuch

Betrachtet man sich einmal die deutsche Schullandschaft etwas eingehender so stellt man fest, dass in den einzelnen Bundesländern die unterschiedlichsten Schulformen herrschen. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, gibt es in Deutschland keine einheitlichen Lehrplananforderungen. Jedes der 16 Bundesländer entwickelt eigene Lehrpläne für die einzelnen Schultypen. Die einzelnen steuern anhand dieser Pläne die schulische Erziehung. Schon seit dem 18. Jahrhundert, seit der Durchsetzung der Schulpflicht, bedient sich der Staat dieses Mittels der Kontrolle des Unterrichtes (vgl. Wiater: 41). Geschichtlich gesehen hat sich der Kerngedanke der Lehrpläne nicht groß geändert. Man wollte Gesetzmäßigkeiten angeben, an denen sich die einzelnen Lehrer orientieren sollten. Somit konnte man von einem einheitlichen Unterricht innerhalb einer Region ausgehen. Im Gegensatz zu heute waren früher Lehrpläne „die Auftragsarbeit einzelner“ (Ders.: 44). Seit 1945 laufen die Lehrplanausarbeitungen so ab, dass sich Kommissionen mit Vertretern aus verschiedensten Fachbereichen, wie Sozial- und Fachwissenschaften, Didaktikern, der Lehrerschaft u.a. zusammensetzen und gemeinsam an einem Konzept arbeiten. Dieses fertig ausgearbeitete Lehrplankonzept wird dann noch einmal dem Kultusministerium zur Durchsicht überreicht, welches die letzte Entscheidungsgewalt in Bezug auf die Einsetzung von Lehrplänen in den einzelnen Bundesländern hat (vgl. Ders.: 44). In den erarbeiteten Lehrplänen werden dabei aktuelle Schuländerungen, wie Schulautonomie, Schulprogramm und Schulentwicklung berücksichtigt. Man passt sich also der Zeit und den daraus resultierenden besonderen gesellschaftlichen Gegebenheiten in einem gewissen Maße an.

Da sich Schulbücher konsequent an die Lehrplananforderungen zu halten haben und im Unterricht als Leitmedium gelten, besitzen diese einen nachhaltigen Einfluss auf Schülerinnen und Schüler.

Der Lehrplan selbst gibt Lernziele vor und ordnet diese in eine bestimmte Reihenfolge. Hier wird auch angegeben, was ein Kind in einer bestimmten Schulstufe und Schulart nach dem absolvierten Schuljahr neues erlernt haben sollte. Die vom Staat vorgegebenen Curricula, also sogenannte Kernbereiche, sollen die Schüler an die demokratischen Staats- und Gesellschaftsordnungen heranführen und deren geistiges Eigentum werden (vgl. Pöggeler: 24). Da für einen Teil der Bevölkerung Schulbücher die einzigen Bücher sind, mit denen sie sich im Laufe ihres Lebens beschäftigen, ist es meist nur den Schulbüchern vorenthalten staatliche Werte zu vermitteln. Auch können diese Werte und Normen anhand des Schulbuches leicht internalisiert werden. Von größter Wichtigkeit ist es deshalb abzuwägen, wo hier eine Grenze gezogen werden muss, da dies auch in falsche Richtungen führen kann (z.B. wertbelastete Schulbücher des Nationalsozialismus). Man geht davon aus, dass Schulbücher und der Schulunterricht generell eine beeinflussende Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler ausüben können. Der Staat will diesen Umstand nutzen, indem er mit Hilfe dieser Lehrwerke Schülerinnen und Schüler schon möglichst früh zu mündigen Staatsbürgern erziehen lassen will (vgl. Ders.: 24).

Den Schulbüchern, welche dieses Grundwissen transportieren, kann so die Funktion eines Politicums nachgesagt werden. Indem durch das Schulbuchzulassungsverfahren nun geprüft wird, ob die Lehrbücher auch den staatlichen Anforderungen entsprechen, liegt hier eine doppelte Kontrolle des zu vermittelnden Lernstoffes zu Grunde. Da die Lehrer wissen, dass sich die Schulbücher an die Vorgaben richten müssen, um zugelassen zu werden, gehen sie teilweise sehr unkritisch mit diesen Unterrichtslehrwerken um und verlassen sich auf die Richtigkeit des darin enthaltenden Stoffes. In der Unterrichtsplanung richten sie sich größtenteils nach den Schulbüchern (vgl. Wiater: 51). So kann es auch ab und zu vorkommen, dass sich Lehrer mit den Lehrplanvorgaben an sich gar nicht mehr befassen, sondern ganz auf die Schulbücher verlassen. Dem Schulbuch wird also eine Kontroll- und Steuerungsfunktion zugesprochen (vgl. Heinze: 9). So ist es nicht verwunderlich, dass dem Schulbuch so viel Aufmerksamkeit zugesprochen wird.

3. Zulassungsvoraussetzungen für Schulbücher

In Deutschland kann jedes Bundesland über die Zulassung von in der Schule verwendeten Lehrwerken eigenständig entscheiden. Dementsprechend gibt es unterschiedliche Verfahren, welche Bücher zulassungspflichtig sind und welche ohne eine Prüfung im Schulgebrauch eingesetzt werden dürfen.

In Sachsen sind Schulbücher, Arbeitshefte, Atlanten (für den Schulgebrauch) und Textsammlungen in Form von Musik- und Lesebüchern zulassungspflichtig. Dies gilt für Schulbücher jeglichen Schultyps. Bei den berufsbildenden Schulen sind nur Schulbücher für erziehungs- und wirtschaftskundliche Fächer zulassungspflichtig (vgl. sächsisches Staatsministerium für Kultus: 1).

Von der Zulassungspflicht befreit sind Arbeitshefte zu bereits zugelassenen Lehrwerken, Schulbücher für Förderschulen für Blinde und Sehschwache, für Gehörlose und Schwerhörige und für geistig Behinderte. Auch bedürfen Textsammlungen, Nachschlagewerke, Wörterbücher und Aufgaben- und Formelsammlungen nicht der Zulassung durch die sächsische Schulbehörde.

Um für den Schulgebrauch zugelassen zu werden, müssen die Lehrwerke bestimmte Anforderungen erfüllen. So müssen die Schulbücher den gesetzlichen Richtlinien des Freistaates Sachsen entsprechen und die didaktischen Ziele des Lehrplanes enthalten. Während der Unterrichtsstoff dem Alter entsprechend vermittelt werden soll, wird erwartet, dass Identifikationsmöglichkeiten sowohl für Jungen, als auch für Mädchen gegeben werden. Die Gleichachtung und Gleichbehandlung der Bevölkerungsgruppen und Ethnien wird in den Unterrichtsbüchern ebenfalls geprüft (vgl. sächsisches Staatsministerium für Kultus: 2). Schon kleine Wortspiele können hier im Unterbewusstsein z.B. kleinere Aversionen gegen Ausländer oder die Legitimierung der Benachteiligung der Frauen nach sich ziehen. Des Weiteren wird auf Druckbild, Grafik und Bildauswahl geachtet (vgl. Wiater: 50). Auch soll zudem Wert darauf gelegt werden, dass Schülerinnen und Schüler emotional angesprochen werden, damit „Inhalte optimal transportiert werden.“ (Standke/ Kühn: 14). Das beinhaltet vor allem die ausgewogene Raum- und Satzanordnung, welche das Schulbuch nicht als überladen erscheinen lässt. Die Schüler sollen sich nicht „erschlagen“ von zu vielen Informationen auf einer Seite vorkommen.

Der Unterrichtsstoff sollte den neuesten Erkenntnissen des jeweiligen Fachbereiches angepasst sein und von wirtschaftlicher Seite aus betrachtet, sollten die Schulbücher einen angemessenen Preis enthalten. Auch auf Haltbarkeit und Zweckentsprechung achten die staatlichen Gutachter.

Das zu prüfende Exemplar kann auch in Manuskriptform dem Staatsministerium für Bildung und Schulentwicklung vorgelegt werden. Allerdings hat es vollständig, mit Bildern und Grafiken in Farbe und ohne handschriftliche Anmerkungen zu sein.

Zusätzlich wird ein Antrag abgegeben, in dem angeführt ist, für welche Schulart und Schulstufe das Lehrwerk konzipiert worden ist.

Das Staatsministerium für Bildung und Schulentwicklung entscheidet nun über die Zulassung und teilt dem Verleger in schriftlicher Form die Zulassung mit Anmerkungen auf die zu korrigierenden Mängel des Lehrwerkes mit.

Im Amtsblatt des Sächsischen Staatsministerium für Kultus wird die Zulassung des Lehrwerkes publik gemacht. Ab diesem Datum der Bekanntmachung dürfen die Schulbücher dann in den allgemeinbildenden Schulen zu Unterrichtszwecken verwendet werden (vgl. sächsisches Staatsministerium für Kultus: 3).

[...]

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Details

Titel
Konzeptionelle Überlegungen bei der Planung eines Schulbuches
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Buchwissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V189487
ISBN (eBook)
9783656135999
ISBN (Buch)
9783656212492
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzeptionelle, überlegungen, planung, schulbuches
Arbeit zitieren
Angela Sachse (Autor), 2006, Konzeptionelle Überlegungen bei der Planung eines Schulbuches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189487

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