Die Theorie der Kapitalmarkteffizienz im Kontext der Finanzkrise


Projektarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 FamasHypothese
2.1 Definition von Kapitalmarkteffizienz
2.2 Die Hypothese effizienter Kapitalmärkte
2.2.1 Allgemein
2.2.2 Mathematisches Modell
2.2.3 HinreichendeBedingungen

3 Dieunterschiedlichen Formen
3.1 Schwache(weak)Form der EMH
3.2 Halb-starke (semi-strong) Form der EMH
3.3 Starke(strong)Form derEMH

4 Kritik an der Hypothese effizienter Märkte
4.1 lmmobilien-„Bubble"und Finanzkrise
4.2 Vorhersagen von Bubbles
4.3 Passen Bubbles und effiziente Märkte zusammen?
4.4 Behavioral Finance kann alles erklären?

5 Schluss

6 Literaturverzeichnis

7 Internetquellen-Verzeichnis

1 Einleitung

„The immaturity of our science is illustrated by the conspicuous lack of predictive content about [...] particularly changes in asset prices. General stock price movements are notoriously unpredictable and finance economists have even developed a coherent theory1to explain why they should be unpredictable." (Roll, 1988, S. 541)

Solange es Wertpapierbörsen und Aktien gibt, stellen sich Wissenschaftler und Anleger gleichermaßen die Frage, wie Kurse zustande kommen und was sie beeinflusst. Doch bisher ist es nicht gelungen ein funktionierendes Modell aufzustellen, das den Preis einer Aktie und dessen Veränderung erklären könnte oder sogar in der Lage ist, zukünftige Entwicklungen genau zu prognostizieren.

Im Jahre 1970 lieferte ein junger Ökonom in Chicago die Antwort auf die Frage, warum Aktienkurse nicht vorgesagt werden können. Unter dem Titel „Efficient Capital Markets" veröffentlichte Eugene F. Fama2seine Theorie der effizienten (Kapital-)Märkte (engl. Efficient Market Hypothesis, kurz EMH).

Sie besagt, dass der Kurs eines Wertpapiers immer die aktuell relevanten und verfügbaren Informationen und die Erwartungen über die zukünftige Entwicklung des Kurses widerspiegelt (d.h. seinem fundamentalen Wert entspricht). Ein Anleger wird demnach nicht in der Lage sein, durch die Auswertung von Informationen Strategien zu entwickeln, um damit ohne ein höheres Risiko einzugehen, eine Überrendite (Outperformance) zu erzielen; er kann ein Wertpapier nie unter Wert kaufen bzw. über Wert verkaufen.

Die Annahme der Kapitalmarkteffizienz entwickelte sich zu einer der zentralen Prämissen der Kapitalmarkttheorie und gilt heute als ein wesentlicher Baustein für verschiedenste Modelle3innerhalb dieses Forschungszweigs.

Doch die Theorie effizienter Märkte geriet im Nachklang der aktuellen Finanzkrise (nicht zum ersten Mal) in die Kritik der Wissenschaftler. „Besonders die weit verbreitete Annahme, dass Finanzmärkte effizient funktionierten und stets alle verfügbaren Informationen verarbeiteten, sei nicht mehr haltbar" (Storbeck, 2008), zitiert das Handelsblatt den Professor Daniel McFadden.

In der vorliegenden Arbeit soll die Frage beantwortet werden, ob die Theorie effizienter Märkte im Kontext der aktuellen Finanzkrise tatsächlich nicht mehr haltbar ist. Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen der Effizienzmarkthypothese erläutert. Dabei soll zunächst darauf geachtet werden, wie streng die Hypothese tatsächlich zu verstehen ist. Zudem werden die unterschiedlichen Ausprägungen betrachtet. Danach wird Famas Hypothese in der Praxis geprüft. Hier wird darauf eingegangen, welches Verhalten die Märkte während der Finanzkrise gezeigt haben. Die zentrale Frage dabei: Passt dieses Marktverhalten zur Effizienzmarkthypothese? Hierzu werden Argumente von Kritikern und Fama selbst angeführt und noch bevor die Frage beantwortet wird, eine mögliche Alternative zur Theorie effizienter Märkte vorgestellt.

2 Famas Hypothese

2.1 Definition von Kapitalmarkteffizienz

Unter Kapitalmärkten werden im Folgenden Märkte verstanden, auf denen Anteilsrechte an Unternehmen (Aktien) gehandelt werden.4Der Begriff der Kapitalmarkteffizienz unterteilt sich nach Loistl in „Technische Effizienz", „Informations-Verarbeitungs-Effizienz" und „Institutionen Effizienz"5und wird weiter unterteilt, wie die folgende 6Tabelle darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 - Formen der Kapitalmarkteffizienz7

„Im engeren Sinne entspricht die Kapitalmarkteffizienz der InformationsVerarbeitungseffizienz - kurz Informationseffizienz - von Märkten." (Bruns, 1994, S. 7) Dieser engeren Betrachtungsweise soll in dieser Arbeit gefolgt werden, sodass mit

Kapitalmarkteffizienz im Folgenden die Informations-Verarbeitungs-Effizienz der Aktienmärkte gemeint ist.

2.2 Die Hypothese effizienter Kapitalmärkte

2.2.1 Allgemein

Eugene F. Fama gibt eine genaue Definition, was laut seiner Theorie effiziente Märkte sind:

„In general terms, the ideal is a market in which prices provide accurate signals for resource allocation: that is, a market in which firms can make production-investment decisions, and investors can choose among the securities that represent ownership of firms' activities under the assumption that security prices at any time 'fully reflect' all available information. A market in which prices always 'fully reflect' available information is called 'efficient'." (Fama, 1970, S. 383)

Dazu eine kleine Geschichte: Ein Wirtschaftsprofessor und ein Student gehen an einem 100- Dollar-Schein vorbei, der auf dem Boden liegt. Der Student bleibt stehen und möchte sich nach dem Schein bücken, als der Professor entgegnet: „Bemühe dich nicht! Würden da wirklich 100 Dollar liegen, wären sie schon nicht mehr da."8Der Geldschein symbolisiert die Möglichkeit gegenüber anderen Marktteilnehmern eine Überrendite zu erzielen. In der Geschichte hätte der Student 100 Dollar mehr in der Tasche als die umstehenden Passanten, hätte er den Schein aufgehoben.

Doch bei Gültigkeit der Theorie der Kapitalmarkteffizienz würde dieser Schein dort nicht liegen. Denn was passiert auf dem Markt, sobald eine neue Information bekannt wird? Die Marktteilnehmer wägen ab, ob mit dieser Information die Aktie eher mehr oder weniger wert ist und handeln entsprechend. Und indem sie kaufen oder verkaufen, schließen sie die Lücke, die zwischen aktuellem Kurs und dem (durch die neue Information bekannt gewordenen) „fairen" Kurs entstanden war. Die Anpassung passiert so schnell, dass es Abweichungen vom „fairen" Preis, der alle aktuell verfügbaren Informationen enthält, nicht gibt. Das heißt, dass die Möglichkeiten ohne größeres Risiko eine höhere Rendite zu erzielen als andere Marktteilnehmer, nicht möglich ist.

Geschieht die Anpassung des Kurses an den „fairen" Preis nicht augenblicklich, haben einzelne Anleger die Möglichkeit Aktien günstiger zu erwerben bzw. über Wert zu verkaufen und damit eine höhere Rendite erzielen. Auch wenn Preise manchmal zu hoch oder zu niedrig erscheinen, kann das nur eine Illusion sein9und dem Investor der glaubt ein Wertpapier unter Wert kaufen bzw. über Wert verkaufen zu können, fehlen Informationen, um den „fairen" Preis korrekt einzuschätzen.

Die Theorie effizienter Märkte beschreibt den Markt daher als „Fair Game", d.h. keiner der Marktteilnehmer besitzt exklusive Informationen, die nicht schon im Preis enthalten sind und die zum Nachteil der übrigen Mitspieler genutzt werden könnten.10Das bedeutet, dass die Marktteilnehmer darauf vertrauen können, dass der aktuelle Preis unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen zustande gekommen ist und weder zu hoch noch zu niedrig ist, also einen fairen Wert darstellt.

2.2.2 Mathematisches Modell

Um die These wissenschaftlich greifbar zu machen, stellt Fama ein mathematisches Modell auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Erwartungswert E des zukünftigen Preises pj-,t+1 der Aktie auf Basis der gegenwärtigen Informationsmenge 0t entspricht genau dem aktuellen Preis pjt multipliziert mit dem Erwartungswert E der zukünftigen Rendite fj,t+1 auf Basis der gegenwärtigen Informationsmenge 0t . Der zukünftige Preis pj-,t+1 und die erwartete Rendite fj,t+1 sind zum Zeitpunkt t zufällige Variablen.11

Wenn zudem

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

dann gilt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Xj,t+1 ist die Outperformance der Aktie j zum gegenwärtigen Zeitpunkt t+1. Sie entspricht der Differenz zwischen dem aktuell beobachteten Preis Pj,t+1 der Aktie j zum Zeitpunkt t+1 und dem Erwartungswert E des Preises pj,t+1 der Aktie zum Zeitpunkt t+1 auf Basis der Informationsmenge 0t aus der Vergangenheit zum Zeitpunkt t.

[...]


1 gemeint ist die Theorie der Kapitalmarkteffizienz, Anm. des Verfassers

2 *14. Februar 1939 in Boston, US-amerikanischerWirtschaftswissenschaftler

3 z.B. die Portefeuilletheorie (Markowitz, 1952) oder das Capital Asset Pricing Model (CAPM)

4 Vgl. (Sapusek, 1998, S. 1)

5 Vgl. (Loistl, 1990, S. 63 ff.)

6 bezeichnet das Ausnutzen von Preisunterschieden für gleiche Waren auf verschiedenen Märkten.

7 Vgl. (Loistl, 1990, S. 63 ff.) und (Sapusek, 1998, S. 13 ff.)

8 Vgl. (Malkiel, 2003, S. 244)

9 Vgl. (ShillerR.J., 2005, S. 177)

10 Vgl. (Stöttner, 1989, S. 78 f.)

11 Vgl. (Fama, 1970, S. 384 f.)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Theorie der Kapitalmarkteffizienz im Kontext der Finanzkrise
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V189576
ISBN (eBook)
9783656137702
ISBN (Buch)
9783656138419
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fama, Kapitalmarkteffizienz, EMH, bubbles
Arbeit zitieren
Sebastian Tumm (Autor), 2010, Die Theorie der Kapitalmarkteffizienz im Kontext der Finanzkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189576

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