Insgesamt 2,5 Mrd. USD verdiente James Simons im Jahr 2008 und war damit auf Platz 1 der Liste der „Top Moneymakers“ des Alpha Magazine. Wie? Er und seine Firma Renaissance Technologies LLC mit Sitz in New York vertrauen dazu auf automatische Handelssysteme. Damit scheint der Heilige Gral der Geldvermehrung gefunden zu sein. Ein System, das mithilfe von Computern derart hohe Erträge erzielt, rückt natürlich auch schnell in das Interesse der privaten Anleger, die sich unweigerlich die Frage stellen: „Kann ich das auch?“.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich genau mit dieser Frage. Sind automatische Handelssysteme nur ein kurzer Trend an den Börsen oder sind sie die Zukunft auch in der privaten Geldanlage? Dazu soll zunächst einiges Allgemeines zu automatischen Handelssystemen gesagt werden. Neben der historischen Entwicklung und der Betrachtung der Situation heute, geht das erste Kapitel auf die verschiedenen Begriffe rund um das Thema „automatische Handelssysteme“ näher ein und definiert, was im Rahmen dieser Arbeit darunter zu verstehen ist. Anschließend werden Handelssysteme im privaten Bereich genauer untersucht. Was macht überhaupt einen erfolgreichen Trader aus? Welche Möglichkeiten haben Privatpersonen bisher auch mithilfe von automatischen Handelssystemen Erträge in der Geldanlage zu generieren? Welche Voraussetzungen müssten für die Entwicklung eines eigenen Handelssystems erfüllt sein? In Kapitel 4 wird dann der Versuch gewagt, ein eigenes Handelssystem zu entwickeln, zu testen, zu optimieren und zu automatisieren. Darauf folgend werden die Erkenntnisse aus diesem Selbstversuch ausgewertet, um eine Antwort auf die Frage zu finden, ob automatische Handelssysteme eine Alternative in der privaten Geldanlage sind. Danach folgt ein kurzes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Handelssysteme
2.1. Historische Entwicklung
2.2. Begriffsabgrenzung und Definition
2.3. Automatischer Handel heute
3. Handelssysteme im privaten Bereich
3.1. Voraussetzungen eines erfolgreichen Traders
3.2. Voraussetzungen eines automatischen Handelssystems
3.3. Handelssysteme über Zertifikate/Fonds
4. Entwicklung eines eigenen Handelssystems an einem Beispiel
4.1. Der „Tradingplan“
4.2. Programmierung und Backtest
4.3. Performance Messung
4.4. Optimierung
4.5. Möglichkeiten der Automatisierung
4.5.1. Voll-Automatisierung
4.5.2. Semi-Automatisierung
4.5.3. Voll-Automatisierung über Handelsplattformen
5. Die Alternative in der privaten Geldanlage?
5.1. Aus Sicht des Kunden / privaten Traders
5.2. Aus Sicht der Bank
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob automatische Handelssysteme lediglich einen kurzfristigen Trend darstellen oder eine zukunftsfähige Alternative für die private Geldanlage bieten. Dabei wird analysiert, welche Voraussetzungen für die Entwicklung und den Betrieb solcher Systeme notwendig sind und inwieweit private Anleger diese Möglichkeiten unter Berücksichtigung von Kosten und technischem Aufwand nutzen können.
- Historische Entwicklung und Definition automatisierter Handelssysteme
- Voraussetzungen für den Erfolg im automatisierten Börsenhandel
- Praktische Entwicklung, Backtesting und Optimierung eines Handelssystems
- Automatisierungsgrade für Privatanleger und professionelle Lösungen
- Nutzen und Risiken von Handelsstrategien in der privaten Vermögensverwaltung
Auszug aus dem Buch
2.1. Historische Entwicklung
Bis zum Jahr 1740, als die Erfindung des Telegraphen (und später des Telefons) die Kommunikation zwischen Brokern und Anlegern wesentlich verbesserte, war der Börsenhandel langsam, anfällig für Fehler und vor allem teuer. Um den Kurs eines Wertpapiers zu erfahren, musste ein Anleger zuerst seinen Broker kontaktieren, der dann persönlich aufs Parkett ging, um einem Makler den aktuellen Preis zu erfragen. Mit der Antwort des Maklers verlies der Broker das Parkett und kontaktierte wiederum den Anleger. Bei einer Ordererteilung würde sich der Vorgang wiederholen.
Das digitale Zeitalter begann 1969, als erstmals Datenstationen zur elektronischen Erfassung und Weiterverarbeitung von Börsengeschäften eingesetzt wurden. Aber erst in den 1980er Jahren wurden Computersysteme zur Orderausführung genutzt, die Marktdaten börsenübergreifend sammelten und zugleich an verschiedene Marktteilnehmer übermitteln konnten. Das System erlaubte den Beteiligten auf der Basis angezeigten Kurse miteinander zu handeln und zeichnete die Transaktionen gleichzeitig auf. Diese technischen Neuerungen boten aber bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts noch keine ausreichende Infrastruktur für systematischen Handel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema automatisierte Handelssysteme ein und stellt die Forschungsfrage, ob diese eine sinnvolle Alternative für die private Geldanlage darstellen.
2. Handelssysteme: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Börsenhandels und definiert die gängigen Fachbegriffe wie algorithmischen Handel und Hochfrequenzhandel.
3. Handelssysteme im privaten Bereich: Hier werden die notwendigen Voraussetzungen für Trader sowie die Möglichkeiten zur Beteiligung an solchen Systemen über Finanzprodukte wie Zertifikate oder Fonds beleuchtet.
4. Entwicklung eines eigenen Handelssystems an einem Beispiel: Dieses Kapitel dokumentiert den praktischen Selbstversuch der Entwicklung, Optimierung und Automatisierung eines eigenen Handelssystems basierend auf dem DAX.
5. Die Alternative in der privaten Geldanlage?: Es folgt eine kritische Analyse der Ergebnisse aus der Sicht privater Anleger sowie die Betrachtung einer kooperativen Umsetzung aus Sicht der Banken.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass automatisierte Handelssysteme durch den technologischen Fortschritt eine echte Chance für die private Geldanlage bieten, sofern die Hürden bei Ressourcen und Know-how bewältigt werden.
Schlüsselwörter
Automatisierte Handelssysteme, Algorithmen, Börsenhandel, Tradingplan, Backtest, Performance, Optimierung, Risiko, Volatilität, Sharpe Ratio, Hochfrequenzhandel, Private Geldanlage, Finanzmärkte, Geldmanagement, Chartanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob automatisierte Handelssysteme eine praktikable und zukunftsfähige Methode für private Anleger sind, um ihre Renditechancen an der Börse zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des algorithmischen Handels, die Anforderungen an technische Infrastruktur, die Entwicklung von Tradingplänen sowie die Anwendung mathematischer Risikomanagement-Methoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet, ob automatische Handelssysteme lediglich ein kurzlebiger Trend an den Finanzmärkten sind oder eine dauerhafte, sinnvolle Ergänzung der privaten Anlagestrategie darstellen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einem empirischen Praxisbeispiel, bei dem ein eigenes Handelssystem mittels Backtesting und Optimierung (z.B. Kelly-Formel) evaluiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Entwicklung eines konkreten Handelssystems für den DAX, der Performance-Messung, der Optimierung der Handelsregeln sowie der Darstellung der verschiedenen Automatisierungsgrade.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Automatisierte Handelssysteme, Algorithmen, Backtesting, Sharpe Ratio, Tradingplan, Risikomanagement und Performanceoptimierung.
Welche Rolle spielt die Kelly-Formel in den Untersuchungen?
Die Kelly-Formel wird eingesetzt, um den optimalen Kapitaleinsatz für das Handelssystem zu berechnen und dadurch eine Maximierung der jährlichen Rendite bei gleichzeitigem Risikomanagement zu erreichen.
Warum ist eine "Überanpassung" (Curve Fitting) bei der Optimierung gefährlich?
Überanpassung bedeutet, dass ein System zu stark auf historische Daten optimiert wurde. Dies führt oft dazu, dass das System in der Zukunft, wenn sich die Marktbedingungen ändern, schlechter abschneidet als erwartet.
- Citation du texte
- Sebastian Tumm (Auteur), 2011, Automatische Handelssysteme - Kurzer Trend oder die Zukunft auch in der privaten Geldanlage?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189593