Maßnahmen zur Steuerung von Liquiditätsrisiken


Seminararbeit, 2011

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Thematische Einführung
1.1 Liquidität „Conditio sine qua non“
1.2 Zielstellung und Vorgehensweise

2. Allgemeine Theorie Liquiditätsrisiko
2.1 Risiko und Arten von Finanzrisiken
2.2 Liquidität & Liquiditätsrisiko
2.3 Regulatorische Vorgaben
2.3.1 Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)
2.3.2 Liquiditätsverordnung [LiqV]
2.3.3 Internationale Liquiditätsstandards
2.3.4 Zusammenfassung

3. Messung und Steuerung von Liquiditätsrisiken
3.1 Organisationsstruktur
3.2 Analytische Verfahren
3.2.1 Liquidity at Risk
3.2.2 Liquidity Value at Risk
3.3 Bewertung

4. Aktueller Stand der Bankpraxis

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Ertrags- und Liquiditätsrisiko

Abbildung 2: Ursachen und Arten von Liquiditätsrisken

Abbildung 3: Liquiditätsablaufbilanz - Ausgangsszenario

Abbildung 4: Liquiditätsablaufbilanz - Szenario inkl. vorgezogener Auszahlung

Abbildung 5: Gegenüberstellung der Zugänge und Abgänge der Tage 0 bis 9

Abbildung 6: Aufsichtliche nationale Regelungen für das Liquiditätsrisiko

Abbildung 7: Extrahierung der positiven Exzesse nu

Abbildung 8: Prinzipdarstellung zur Strukturierung der Liquiditätsreserve

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einteilung des Liquiditätsbegriffes

Tabelle 2: Laufzeitbänder in der LiqV

1. Thematische Einführung

1.1 Liquidität: “ Conditio sine qua non” ?

Liquidität und Liquiditätsrisiko sind nicht erst seit der Ende 2007 einsetzenden „Subprimekrise“ geläufige Begriffe in der Finanzwelt! Das Geschäftsmodell Bank ist „ursprünglich“ auf die leihweise Bereitstellung von Kapital (und damit Liquidität) insbesondere für die Realwirtschaft aufgebaut.

Diese Behauptung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, das sich die bank­interne Auseinandersetzung mit Liquiditätsrisiken vor der Krise stark in Grenzen gehalten hat. Der Grund liegt wieder einmal auf der Hand: Kapital konnte sehr einfach, zu günstigen Konditionen und nahezu unbegrenzt beschafft werden[1]. Bis zu eben jener Krise erschien es einfach unangemessen ein aufwändiges Risikomanagement für einen Bereich zu betreiben für das weder der Gesetzgeber noch der wissenschaftliche Diskurs seiner Zeit eine ernsthafte Notwendigkeit sah[2].

Das zeigt die sehr überschaubare Zahl an Standards bzw. regulatorischen Vorgaben, die bis 2007 wenn überhaupt auf nationaler Ebene existierten[3]. Auf internationaler Ebene lag das Augenmerk insbesondere in der Harmonisierung und Weiterent­wicklung der bereits vorhandenen Solvabilitätsvorschriften, die sich im Rahmenwerk zu Basel II als erste von drei Säulen darstellten. Spätestens jedoch mit dem Platzen der Immobilienblase und seinen weitreichenden Folgen, wie dem Austrocknen[4] der Finanzmärkte ist ein Umdenken erkennbar. Die Erkenntnis, das nicht nur eine ausreichende Eigenmittelunterlegung sondern in gleichem Maße die sofortige Verfüg­barkeit eines Teils von Zahlungsmitteln von existenzieller Bedeutung für die Institute, sowie das Finanzsystem sein können führte dazu diesen Bereich in Basel III stärker als bisher zu berücksichtigen[5].

1.2 Zielstellung und Vorgehensweise

Dass das Vorhandensein von Liquidität für das Bestehen am Markt für ein Institut unerlässlich ist, muss nicht weiter ausgeführt werden. Aufgrund seiner Transforma­tionsfunktionen ist die Liquidität jedoch von einem permanenten wirtschaft­lichen Ungleichgewicht[6] bedroht. Dies hat zur Folge, dass sich Phasen völliger Sätti­gung und Phasen der Illiquidität ohne aktive Einwirkung früher oder später selbst­ständig einstellen. Also ist zur Vermeidung beider Extreme ein ständiges und plan­volles Einwirken notwendig.

Dieses Bestreben, inklusive seiner Möglichkeiten und Grenzen, soll in dieser Arbeit thematisiert werden. Das Augenmerk liegt in der kurzfristigen Liquiditätssteuerung (von bis zu 30 Tagen). Darüber hinaus gehende Zeiträume werden lediglich tangiert. Zunächst erfolgt dazu eine theoretische Aufarbeitung der Begriffe Liquidität, Risiko und Liquiditätsrisiko. Im Anschluss daran werden regulatorische Vorgaben zum Liqui­ditätsrisiko erörtert und zusammengefasst. Die gesetzeskonforme Messung und Be­ein­flussung von Liquiditätsrisiken anhand moderner anerkannter Verfahren wie der „Liquidity at Risk“, sowie ein Blick in die Bankpraxis runden das Profil der Arbeit ab.

2 . Allgemeine Theorie Liquiditätsrisiko

2 . 1 Risiko und Arten von Finanzrisiken

Das Risiko bezeichnet eine mögliche negative Konsequenz aus einem gegenwärtigen oder vergangenen Handeln. Demgegenüber steht die Chance als positives Gegenstück.

Das als Risiko beschriebene Ereignis kann politischer, terminlicher, tech­nischer oder wirtschaftlicher Natur sein und ist in der Regel mit einem wirtschaftlichen Schaden verbunden. Der quantitative Risikowert errechnet sich aus dem Produkt der Eintritts­wahrscheinlichkeit und der Risikotrag­weite (z.B. Schadenshöhe)[7]. In der Finanzwelt werden aktuell vier wesentliche Risikoarten unterschieden[8]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kreditrisiko, oder Kreditausfallrisiko behandelt die Gefahr des Ausfalls einzelner, mehrerer oder Gruppen von Kreditpositionen. Damit wird die Kreditwür­digkeit (Bonität) der Kreditoren (Kreditnehmer) zum zentralen Gegenstand des Kre­dit­risikos. Diese nach festgelegten Kriterien professionell einzuschätzen und einer Risi­ko­klasse zuzuordnen ist Aufgabe sowohl externer Ratingagenturen als auch bankinterner Risikomanagementabteilungen. Nach den Baseler Eigenkapitalanforde­run­gen sind den Risikoklassen in unterschied­licher Höhe Eigenmittel als Sicher­heiten zu unterlegen. Durch das damit gebun­dene Kapital erhebt die Bank unterschiedliche Risikoaufschläge als Zinskomponente je Risiko­klasse.

Das Marktrisiko[9] befasst sich mit marktbedingten Preisschwankungen und dem daraus folgenden Verlustrisiko für die Institute. Im Einzelnen unterscheidet man Markt­risiken in Zinsrisiken, Wechselkursrisiken oder Aktienkursrisiken, sowie in ver­wandte Unterkategorien. Marktrisiken besitzen einen unsystematischen und einen systematischen Risikoanteil. Das systematische Risiko ist auf die nicht Vorherseh­barkeit von Kursbewegungen zurückzuführen und nicht ausschließbar. Dem unsyste­ma­tischen Risiko kann durch eine diversifizierte Risikostruktur, z.B. durch Einbezie­hung von Wertpapieren mit komplementärer Risikocharakteristik begegnet werden.

Die Erfassung des Operationellen Risikos ist eine der grundlegenden Neuerungen, die sich aus der Reform der Basel I Eigenkapitalanforderungen[10] ergab. Es wird als „die Gefahr von Verlusten, die in Folge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder in Folge von externen Ereignissen eintreten“, angesehen.

2 . 2 Liquidität und Liquiditätsrisiko

„Liquidity is an elusive notion. It is easier to recognize than to define.”[11]

Aufgrund der Vielschichtigkeit und der Abhängigkeit vom jeweiligen Betrach­tungs­winkel ist eine saubere Abgrenzung und Definition der Begriffe Liquidität und Liquiditätsrisiko erschwert. Zeranski unterteilt zunächst die zwei Grundströmungen in die a) volkswirtschaftliche Sichtweise sowie b) betriebs­wirtschaftliche Perspektive und unterteilt diese wie nachfolgend:

Tabelle 1: Einteilung des Liquiditätsbegriffes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vgl. Zeranski (2010): S. 10

Allgemein bezeichnet Liquidität die Fähigkeit im Markt ein Wirtschaftsgut umgehend gegen ein anderes zu tauschen. Sie stellt die Verfügbarkeit über ausreichend Zahlungsmittel und/oder Zah­lungs­mittel­äquivalenten[12] dar. Die subjekt­bezogene Liquidität, nach obiger Definition gleichzusetzen mit dem Begriff der Sol­venz ist die Fähigkeit eines Wirtschaftssubjekts seine fälligen Zahlungsverpflichtun­gen fristgerecht und uneingeschränkt zu erfüllen. Nach der Liquiditätsverordnung[13] müssen die Zahlungsverpflichtungen innerhalb von festgelegten Laufzeitbändern[14] ag­gregiert werden. Diesen müssen jeweils entsprechende Zahlungsmittel, bzw. liquide Aktiva gegenüber­gestellt werden, die zur Bedienung ersterer herangezogen werden können. Das Liquiditätsrisiko im engeren Sinne ist also die Gefahr seinen Zahlungs­verpflichtungen in einem/oder mehreren Laufzeitbändern[15] aufgrund eines Defizits an Zahlungsmitteln und liquidierbarem Vermögenswert nicht nachkommen zu kön­nen. Illiquidität ist neben einer unzureichenden Solvabilität[16] einer der Hauptgründe für die Insolvenz[17] von Wirtschaftssubjekten.

Liquiditäts- und Erfolgsrisiken stehen in enger Beziehung zueinander. So können originäre Liquiditätsrisiken stets erfolgswirksam werden, als auch umgekehrt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein Beispiel ist das Refinanzierungsrisiko, das i.d.R. aus einem fehlerhaften Liquidi­täts­risikomana­gement rührt, inklusive der Tatsache zusätzliche Refinanzierungs­mittel nur zu erhöhten Markt­zinsen[18] beschaffen zu können. Das Refinanzierungs­risiko ist damit auch ein (derivatives) Erfolgs­risiko.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Hauptursache des originären Liquiditätsrisikos sind Liquiditätsgaps bzw. Zahlungsstrom­inkon­gruenzen[19] verursacht durch autonome Kundendispositionen[20]. Diese fremdbestimmten Zahlungsströme werden aufgrund ihrer Unsicherheit auch als stochastische Zahlungs­ströme bezeichnet, und sind von den deterministischen, bzw. sicheren abzugrenzen. Als fremdbestimmt gelten z.B.: Kundenzahlungen im Zahlungs­verkehr, Zahlungen aus Handelsaktivitäten sowie Kundenwertpapiertransaktionen[21].

Das folgende fiktive Beispiel stellt diesen Zusam­menhang in Form einer Liquiditäts­ablaufbilanz[22] graphisch dar. In dem Diagramm enthalten sind die prognos­ti­zierten Zahlungs­mittelzu- und –abflüsse in Abhängigkeit von der Zeit. Beide Szenarien gehen von einem Zahlungsmittelanfangsbestand von 30 GE sowie einem Endbestand von 20 GE aus. Damit ist der Periodensaldo -10 GE. Die Höhe der einzelnen Ein- und Auszahlungen ist ebenfalls identisch.

In Abb. 4 führt die als V2 bezeichnete Verbindlichkeit durch vorgezogene Fälligkeit verfrüht zur Auszahlung. Den Auszahlungen stehen damit innerhalb der Tage 0 bis 9 ein Einzahlungs­vorgang weniger gegenüber, was den Zahlungsmittel­bestand temporär negativ werden lässt.

Abb. 3: Liquiditätsablaufbilanz: Ausgangsszenario

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Liquiditätsablaufbilanz: Szenario inklusive vorgezogener Auszahlung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Da sich diese Form der Darstellung auf Prognosen zukünftiger Ereignisse stützt, sind derartige Abweichungen[23] stochastischer Zahlungsströme vorprogram­miert. In der Praxis bestünde damit die Gefahr einer trügerischen Sicherheit, da diese Darstellung kein Maß für die Unsicherheiten der fremdbestimmten Zahlungsströme beinhaltet[24].

Abb. 5: Gegenüberstellung der Zugänge und Abgänge der Tage 0 bis 9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Die Verbindlichkeit V2 kann mangels Deckung nicht zur Zahlung führen, was prak­tisch der Zahlungsunfähigkeit am Tag 9 entspricht. Ist es nicht möglich in einer der­artigen Situation eine Anschlussfinanzierung zur Verlängerung der Kapitalbindungs­fristen und damit Verschiebung von Auszahlungsvorgängen vorzunehmen, droht die Insol­venz. In der Praxis werden diese Anschlussfinanzierungen durch Zinsaufschläge teuer bezahlt[25]. Dies sichert zwar die Erhaltung der Zahlungsfähigkeit, jedoch ist die Erhöhung der Refinanzierungskosten als Aufwand zu erfassen. Aus den genannten Gründen eignet sich die Liquiditätsablaufbilanz als isoliertes Werkzeug nicht für ein wirkungsvolles Liquiditätsrisikomanagement.

[...]


[1] Vgl. Bartetzky, Gruber, Wehn (2008): Vorwort

[2] Vgl. Ericsson, Renault (2006): S. 2219

[3] Beispiel in Deutschland: §11 Kreditwesengesetz (KWG), ab 01.01.2008 abgelöst durch die Liquiditätsverordnung (LiqV)

[4] i.S.d. Fehlens von Liquidität

[5] Siehe BCBS 188 „Basel III: International framework for liquidity risk measurement, standards and

monitoring”

[6] Vgl. Distinguin, Roulet, Tarazi (2011): S. 8, Anm. d. Verfassers: Diese Annahme folgt der “financial fragility hypothesis“ von Diamond & Rajan (2001)

[7] Vgl. Schelle, H, Ottmann, R., Pfeiffer, A. (2007): S. 155

[8] Anm. d. Verfassers: Einteilung nach MaRisk

[9] Anm. d. Verfassers: auch Marktpreisrisiko oder Marktpreisänderungsrisiko

[10] Anm. d. Verfassers: Basel II

[11] Quelle: Banque de France (2008), S.5

[12] Anm. d. Verfassers: Hochliquide Aktiva, die sofort und mit keinem oder nur geringem Abschlag in Zahlungsmittel umgewandelt werden können

[13] Vgl. LiqV (2006): §2

[14] Anm. d. Verfassers: Synonym Laufzeitband: Fristenfächer

[15] Anm. d. Verfassers: Sofern die Zahlungsvorgänge kumuliert betrachtet werden

[16] Dt. „Schuldendeckungsfähigkeit“

[17] Dt. „Zahlungsunfähigkeit“

[18] Anm. d. Verfassers: diese Zinsen sind aufwändisch zu erfassen

[19] Anm. d. Verfassers: z.B. Fristeninkongruenz, verursacht durch abw. Kapitalbindungsfristen.

[20] Anm. d. Verfassers: in Abb.2 in rot markiert.

[21] Vgl. Zeranski (2010): S. 331

[22] Anm. d. Verfassers: Auch genannt GAP-Analyse.

[23] Anm. d. Verfassers: Hierfür wird weiterhin der Begriff „Inkongruenz“ verwendet

[24] Vgl. Zeranski (2010): S. 327

[25] Anm. d. Verfassers: Siehe Definition Refinanzierungsrisiko

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Maßnahmen zur Steuerung von Liquiditätsrisiken
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V189613
ISBN (eBook)
9783656139461
ISBN (Buch)
9783656139393
Dateigröße
1039 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dozentenbeurteilung: Literaturverzeichnis nicht Alphabetisch, sondern nach Erscheinungsjahr sortiert Inhaltlich einwandfrei
Schlagworte
Liquidität, Liquiditätsrisiko, Risiko, Basel III, Liquidity at Risk, LaR, Zahlungsmittel, Liquidity Coverage Ratio, Net stable funding ratio, NSFR, LCR, MaRisk, Liquiditätsverordnung, LiqV
Arbeit zitieren
Christoph Hoth (Autor), 2011, Maßnahmen zur Steuerung von Liquiditätsrisiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189613

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